Auf den Punkt
Von René Hamann
Man kann es auch eher unspektakulär finden. Drei US-amerikanische Frauen in einer Bandkonstellation, keine kann so richtig singen, aber alle versuchen es. Immerhin gibt es eine hohe und eine tiefe Stimme. Letztere kann das generelle von Welt und Umwelt Angeödetsein in diesen ach so modernen Zeiten sehr gut auf den Punkt, tja, dann eben doch: singen. Die Instrumentierung: Joy-Division-Bass, der in der Funkschule war, kleines Schlagzeug, dem mit Percussions ausgeholfen wird, Keyboard, das ganz viele funky Geräusche kann.
Die Songs wippen leidlich aufgeregt auf der Stelle. Der Sound ist minimalistisch, weiß, wer die Young Marble Giants waren, kann aber auch Dance. Ironischerweise heißt eines der besten Stücke auf dem neuen, dritten Album »Don’t Wanna Dance«. Schon Vorgängeralbum »Excess« konnte das alles, hatte aber noch zuviel Gitarre. Wirklich. Die ist jetzt ganz weg, dafür haben wir sogar einen Sampler am Start – »Funky Drummer«!
Live sieht das ebenso unspektakulär aus: Drei gelangweilte Kalifornierinnen, die ihre Sonnenbrillen vermutlich auch im Bett tragen, stehen um Gerätschaften herum; na gut, es gibt das Schlagzeug auch live. Sie sind gebildet und sehen gut aus, die halbe Miete. Die andere Hälfte ist das, was »Is It Now?« so hot macht: Wo Warpaint rumsäuseln und die Hörer zum Einschlafen bringen, haben Automatic Frechheit und Modemagazin dabei; und es geht halt in die Beine, das ganze. Nicht nur in die, die Sängerin Izzy Glaudini so gerne ausstellt.
Nebenbei geht es auch um so was wie Politik, oder sagen wir besser: Gesellschaftskritik. Ein muffiges Wort, das hier einen schönen, neuen Kontext findet – indem hier auch den digitalen Generationen was erzählt wird, was sie vielleicht eh schon wissen, aber so nicht zu singen wagten. Nation kaputt, beim Tanzen fühlt man sich vereinzelt, vielleicht wäre Landflucht doch eine Option, ach, alles ist so oberflächlich. Klingt flapsig, ist aber bloß so flapsig zusammengefasst. Automatic machen das wirklich gut.
Im Prinzip lösen sie mit »Is It Now?« musikalisch die Versprechen ein, die Ladytron einst gegeben haben, einige von uns erinnern sich vielleicht noch. Und textlich halten sie das, was Warpaint nie konnten: etwas von Substanz, das über das gefühlige Privatleben hinausgeht. Und dazu kann man jetzt sogar noch tanzen! Es ist kaum auszuhalten, wie gut das ist.
Automatic: »Is It Now?« (Stones Throw Records)
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Christoph H. (1. Dezember 2025 um 16:32 Uhr)Ja, »Is it now« ist wirklich gelungen. Das ist aber kein Grund, Automatic gegen Warpaint und Ladytron auszuspielen. Die sind nämlich auch sehr hörenswert (für alle, die das hier lesen). Und René Hamann weiß das natürlich :-)
Mehr aus: Feuilleton
-
Nicht die ganze Wahrheit
vom 01.12.2025 -
Quirlige Dreifaltigkeit
vom 01.12.2025 -
Klänge fürs All
vom 01.12.2025 -
Nachschlag: Mimimetal
vom 01.12.2025 -
Vorschlag
vom 01.12.2025 -
Veranstaltungen
vom 01.12.2025 -
Das wahre Ganze
vom 01.12.2025