Israels Armee bombardiert Syrien
Beit Dschinn. Die israelische Armee hat bei Luftangriffen in Beit Dschinn in Südsyrien am Freitag morgen mindestens 13 Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Das geht aus syrischen Medienberichten hervor. »Die gezielte, brutale und vorsätzliche Beschießung der Stadt Beit Dschinn durch die Besatzungstruppen nach ihrem gescheiterten Einmarsch stellt ein eindeutiges Kriegsverbrechen dar«, erklärte das Außenministerium des syrischen Machthabers Ahmed Al-Scharaa am Freitag.
Zuvor hatte eine israelische Einheit eine Razzia in der Stadt nahe der seit 1967 illegal besetzten Golanhöhen durchgeführt. Laut dem Militär ging es darum, zwei gesuchte Personen der islamistischen Gruppe Al-Dschamaa Al-Islamija zu verhaften. Bei dem Einsatz auf syrischem Territorium seien die israelischen Soldaten von Einwohnern beschossen worden. Das berichtet Al-Dschasira unter Berufung auf Reporter vor Ort. »Die Leute vor Ort sagen, dass es in der Gegend keine Hisbollah oder andere Milizen gibt, dass sie nur Bauern und Hirten sind«, sagte der Al-Dschasira-Korrespondent Osama Bin Dschawaid am Freitag.
Bei den Gefechten seien sechs israelische Soldaten verletzt worden, drei davon schwer, teilte die Armee auf X mit. Daraufhin habe die Luftwaffe den Ort bombardiert. Syrischen Angaben zufolge flohen etliche Einwohner infolge der Luftangriffe aus der Stadt; aufgrund der anhaltenden Attacken werde außerdem die Rettung und Bergung der Opfer behindert. Der Angriff sei eine »schwerwiegende und inakzeptable Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Syriens«, heißt es in einer Stellungnahme der stellvertretenden UN-Sonderbeauftragten für Syrien, Najat Rochdi, am Freitag.
Schon vor dem Sturz von Baschar Al-Assad im Dezember 2024 flog die israelische Luftwaffe regelmäßig Angriffe auf syrisches Staatsgebiet, intensivierte die Attacken danach jedoch deutlich. Zudem hat das Militär weitere an die Golanhöhen angrenzende syrische Gebiete besetzt und führt dort seit einem Jahr regelmäßig Razzien durch. Die Soldaten haben Kontrollpunkte eingerichtet, halten Zivilisten an und durchsuchen sie; einige werden verhaftet, berichtet Al-Dschasira. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden in den vergangenen Wochen bis zu 40 Personen festgenommen und in israelische Gefängnisse verschleppt. Anfang November zeigte sich Israels Premier Benjamin Netanjahu mit den Truppen auf syrischem Gebiet. Ein baldiges Sicherheitsabkommen mit Tel Aviv, das Damaskus anstrebt, ist damit unwahrscheinlicher. (jW)
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