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Aus: Ausgabe vom 30.08.2025, Seite 10 / Feuilleton
Musik

Rodion Schtschedrin tot

Der weltberühmte russische Komponist Rodion Schtschedrin ist nach Angaben des Bolschoi-Theaters in Moskau im Alter von 92 Jahren gestorben. Das Theater würdigte seinen Hauskomponisten in einer Mitteilung bei Telegram als das »größte Genie der Gegenwart«.

Der als Sohn eines Musiklehrers am 16. Dezember 1932 in Moskau geborene Künstler hat eine Vielzahl von Werken komponiert, darunter auch die Oper »Lolita« (1992) und das Ballett »Anna Karenina«. Seine »Carmen-Suite« – ein musikalischer Liebesbeweis für seine Frau, die 2015 gestorbene Primaballerina Maja Plissezkaja – brachte ihm 1967 den internationalen Durchbruch.

»Rodion Schtschedrin ist ein einzigartiges Phänomen und eine Epoche in der Welt der Musikkultur. Seine Opern, Ballette und symphonischen Werke werden seit vielen Jahrzehnten mit großem Erfolg auf allen großen Bühnen der Welt aufgeführt«, teilte das Bolschoi-Theater weiter mit.

Schtschedrin gehört zu den bekanntesten russischen Komponisten. Auch seine Chorwerke zu Texten russischer Dichter sind im Musikleben präsent. Nach dem Ende der Sowjetunion pendelte er lange zwischen drei Wohnsitzen in Moskau, München und Litauen.

Bereits ab 1976 war der Komponist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und ab 1989 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Die Münchner Philharmoniker würdigten Schtschedrin in der Vergangenheit auch als einen »virtuosen Pianisten«, der seine eigenen Werke immer wieder selbst aufführte, darunter fünf Klavierkonzerte.

»Das unschätzbare kreative Erbe Schtschedrins findet stets Resonanz in den Herzen des Publikums«, teilte das Bolschoi-Theater mit. Sein Tod sei »eine große Tragödie und ein unersetzlicher Verlust für die gesamte Welt der Kunst«. Schtschedrin, der schon mit Anfang 20 seine ersten Kompositionen schuf, schlug in seinem Werk Brücken zwischen der Tradition seiner Heimat und der musikalischen Moderne.

»Musik ist das einzige, was uns verständlich macht, warum wir sterben müssen und warum es den Himmel, Tag und Nacht, Sommer und Winter gibt«, sagte er einmal. Sein großes musikalisches Vorbild war Dmitri Schostakowitsch (1906–1975), dessen Nachfolger als Vorsitzender des sowjetischen Komponistenverbandes er von 1973 bis 1989 war. Schostakowitsch hatte ihn selbst für den Posten vorgeschlagen.

Viele Werke des Komponisten wurzeln in der russischen Folklore, in der Volksmusik und in der Literatur. Dazu zählen das Märchenballett »Das bucklige Pferdchen«, die Tanzstücke »Die Möwe« und »Die Dame mit dem Hündchen« nach Werken von Anton Tschechow und die Oper »Die toten Seelen« nach Nikolai Gogol. (dpa/jW)

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