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Aus: Ausgabe vom 11.06.2024, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Unverschämt selbstsicher

»Together/Alone« – das neue Album der britischen Band Blow Monkeys
Von Alexander Kasbohm
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Dinge ausprobieren: The Blow Monkeys (2024)

In den frühen 80ern gehörten die Blow Monkeys um Sänger Dr. Robert zu den britischen Künstlern, die immer akkurat frisiert waren, gute Anzüge trugen und dem konservativen Establishment in eleganten Soul-Popsongs mit explizit linken Positionen gegenübertraten. Die radiofreundliche Eingängigkeit diente als Trojanisches Pferd. Die Blow Monkeys waren irgendwo zwischen Style Council und ABC, mit einigen großen Hits, aber ohne jemals den Status der beiden anderen Bands zu erreichen. Linke erkannte man damals daran, dass sie besser angezogen waren als die anderen. Das ist nun schon seit mehreren Generationen Vergangenheit. Wie überhaupt die Idee bewusst codierter, politischer Popmusik Menschen unter 30 vermutlich schwer vermittelbar ist.

Nach dem frühen Erfolg mit »­Digging Your Scene« (1986) und »It ­Doesn’t Have to Be This Way« (1987) scheiterte die großartige Anti-­Thatcher-Single »(Celebrate) The Day After You«, aufgenommen mit Soul-Legende Curtis Mayfield, unverständlicherweise knapp an den UK-Top-50. Gegen Ende des Jahrzehnts bewegten sich die Blow Monkeys – wieder ähnlich ABC und Style Council – in Richtung House, aber die Luft war irgendwie raus, und die Band löste sich 1990 auf. Dr. Robert nahm einige Soloalben auf, die nicht schlecht waren, aber ein wenig richtungslos. Gleiches gilt für die ersten Alben, die die Blow Monkeys ab 2008 wieder gemeinsam veröffentlichten. Erst mit »Journey to You« fanden sie 2017 zu der Souveränität und Stärke zurück, die sie einst auszeichnete. Es ist also – gemessen an ihrem aktuellen Output – ungerecht, aber nicht ganz grundlos, dass sie kaum noch jemand auf dem Radar hat.

»Stranger to Me Now«, der Opener des neuen Albums »Together/Alone«, ist eine große, pompöse Ballade, wie sie gut auf das Vorgängeralbum »Journey to You« gepasst hätte. Aber das ist nur die erste von vielen Finten. Rechts angetäuscht, links weggetaucht folgt »Waking up Is Hard to Do«, ein Song, der deutlich an »Son of a Preacher Man« angelehnt ist, in einer Interpretation irgendwo zwischen spätem Elvis und Dusty Springfield. Ausfallschritt, gerade Rechte: Song Nummer drei, »Rope-a-Dope« (Muhammad Alis Boxstrategie, längere Zeit in Abwehrhaltung in den Seilen zu hängen, um den Gegner zu ermüden) ist eine wunderbare Dreistigkeit von einem Song. Eine vage spanisch klingende Gitarre in den Strophen schlägt im Refrain in ein heavy Riff um, das an ausgerechnet Deep Purple denken lässt. Vor allem die Unverfrorenheit (oder Unbekümmertheit) dieses Songs ist toll. Danach kommen mit »Not the Only Game in Town« und »Don’t Wish Away the Days« zwei Seventies-Groover, die in einer anderen Zeit sichere Hits gewesen wären. Die Blow Monkeys klingen unverschämt selbstsicher, wie eine Band auf der Höhe ihres Erfolges, der in ihrem Fall aber schon 40 Jahre zurückliegt.

Sie haben wieder den »Swagger«, wie der Engländer zur extrovertierten Haltung sagt, die man nur an den Tag legen kann, wenn man vor Selbstbewusstsein strotzt. Und der ermöglicht es ihnen, auf »Together/Alone« Bezüge zu diversen Perioden und Stilen auf einem Album zu vereinen, ohne richtungslos zu erscheinen. Sondern wie eine Band, die mit Freude bei der Sache ist, Dinge ausprobiert und sich zu eigen macht. Und die mühelos dazu in der Lage ist, diese Freude auf den Hörer zu übertragen. Man muss es fast tragisch nennen, dass »Together/Alone« in jedem Augenblick nach der besseren Hälfte der Top 50 klingt, die Charts aber nicht einmal aus der Ferne sehen wird. Wenn kein Wunder geschieht.

The Blow Monkeys: »Together/­Alone« (Last Night From Glasgow)

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