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Aus: Ausgabe vom 11.06.2024, Seite 11 / Feuilleton
Kino

Im Keller des Meeres

Showdown vor dem Ruhestand: Will Smith und Martin Lawrence in »Bad Boys: Ride or Die«
Von Philip Tassev
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Ein bisschen was geht immer für 60.000 im Jahr: Will Smith (l.) und Martin Lawrence

Wie viel verdient eigentlich ein Cop in Miami-Dade County? Eine kurze Recherche verrät: Das Durchschnittsgehalt eines Polizisten in Florida beträgt etwa 60.000 Dollar im Jahr. Wer länger dabei ist und in der Rangordnung einige Stufen hochklettert, kann sich auf 100.000 Dollar pro Jahr steigern. Das ist trotzdem bei weitem nicht genug, um dem Lifestyle zu frönen, wie ihn die Detectives Marcus Burnett (Martin Lawrence) und Mike Lowrey (Will Smith) vorleben.

Alte Männer

Für Crockett und Tubbs aus »Miami Vice« gehörten der Ferrari und die Armani-Anzüge immerhin noch zur Tarnung/Dienstausstattung. Wie aber ­Lowrey seinen Porsche und Burnett sein villenähnliches Eigenheim finanziert, wird in »Bad Boys: Ride or Die« nicht erklärt. Überhaupt geht es in dem vierten Teil des Franchise, noch weniger als in den Vorgängerfilmen, kaum um klassische Polizeiarbeit. Ermittlungen, Zielfahndung, Beweismittelsicherung oder Zeugenverhöre spielen so gut wie keine Rolle. Statt dessen bekommt der Zuschauer jede Menge Schießereien, Verfolgungsjagden und einen Hubschrauberabsturz geboten, garniert mit etwas Schleichwerbung für diverse, hauptsächlich europäische Pistolenhersteller und mit Nebendarstellern, die teilweise wirken, als wären sie einem Gangsterrapvideo entsprungen. Mindestens bei DJ Khaled als rachsüchtigem Bandenchef ist das wohl beabsichtigt. Einen Cameo-Auftritt hat auch Michael Bay, der bei den ersten beiden Filmen von 1995 und 2003 Regie führte.

Nun sind die beiden Hauptdarsteller inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen, und es herrschte wohl keine Postmoderne, würde das nicht permanent thematisiert werden müssen. Da heiratet die Will-Smith-Figur erst ihre Psychotherapeutin und hat wiederkehrende Panikattacken, während Burnett durch einen Herzinfarkt mit anschließender außerkörperlicher Erfahrung im »Keller des Meeres« (basement of the ocean) zu einem Verfechter der Reinkarantionslehre wird und zu allem Überfluss an die eigene Unsterblichkeit glaubt. So bleibt die eine oder andere vermutlich komisch gemeinte Situation nicht aus.

Neue Feinde

Den belgischen Regisseuren Adil El Arbi und Bilall Fallah war sicher klar, dass sie gegenüber dem dritten Teil von 2020 noch einen drauflegen mussten. Interessant dabei ist die Kameraführung, die immer wieder, meistens bei einem der Schusswechsel, in die Subjektive umschaltet und so einen Effekt erzielt, der der »Call of Duty«-Generation vertraut vorkommen dürfte. Eine Anlehnung an John Wick wird ebenso deutlich, wenn der US-Marine-Schwiegersohn das Burnett-Anwesen im »Gun Fu«-Stil von Einbrechern säubert.

Auch der Plot hebt sich von den Vorgängern ab, wenn auch nicht grundsätzlich, so doch zumindest beim Feindbild: Nach Russen, Kubanern, Haitianern und mexikanischen Kartellen sind jetzt korrupte, weiße Männer (Eric Dane als umgedrehter DEA-Agent und Ioan Gruffudd als gekaufter Staatsanwalt) die Hauptantagonisten – es ist schließlich 2024. Der militarisierte Polizeiapparat nimmt die »Bad Boys« dieses Mal selbst ins Visier, nachdem ihnen eine Gefangenenbefreiung angedichtet wird. In einem stillgelegten Alligatorfreizeitpark in den Everglades kommt es zum großen Showdown mit einem Hauch »Jurassic Park«. Hoffentlich wartet jetzt endlich der wohlverdiente Ruhestand.

»Bad Boys: Ride or Die«, Regie: Adil El Arbi und Bilall Fallah, USA 2024, 115 Min., bereits angelaufen

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