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Yallah, Pressefrechheit!

Von Pierre Deason-Tomory
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Wo sind die Tierrechtler, wenn man sie braucht? Ein Hundeleben in Berlin

Linke Radios erfreuen sich zunehmender Beachtung – seitens der Justiz, der Behörden und reaktionärer Kollegen. Vorige Woche ist die Staatsanwaltschaft Baden-Württemberg – vorerst – damit gescheitert, einen Mitarbeiter von Radio Dreyeckland in Freiburg einbuchten zu lassen, weil er in einem Beitrag einen Link zum Archiv von »linksunten.indymedia« gesetzt hatte (jW berichtete). Im für seine Liberalitas gefürchteten Freistaat Bayern wird das Nürnberger freie Radio Z drangsaliert, die Zuschüsse für die hohen Übertragungskosten sollen stark gekürzt werden. In der Schweiz bläst die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) zur Attacke auf das freie Radio Lora. Unter der Überschrift »Radio Lora verbreitet ungestört linksextremen Terror« forderte die notorische NZZ am 29. Mai die Behörden auf, dem Züricher Sender die Unterstützung zu streichen, was wohl seinen Ruin bedeuten würde.

Der ökonomische Hebel wird auch an die Tageszeitung junge Welt angesetzt, die Klage des Verlags 8. Mai dagegen wird am 18. Juli vor dem Berliner Verwaltungsgericht verhandelt. Er klagt gegen den Versuch der Bundesregierung, die Existenzgrundlagen der jW durch Nennung im Verfassungsschutzbericht zu zerstören, ihr »den weiteren Nährboden« zu entziehen, wie es heißt. Warum die Bundesregierung das tut? Die jW sei ein »politischer Faktor«! Wir wollen sie nicht enttäuschen.

Programmvorschläge: In den Masuren wird einer erwürgt, der sich nicht ausweisen kann und anhand seiner künstlichen Hüfte identifiziert werden muss. Die Berliner »Radio-Tatort«-Ermittler empfehlen in der Folge  »Tough« von Tom Peuckert angehenden Mordopfern den Einbau registrierter Prothesen (RBB 2024, Fr., 19.05 Uhr, Radio 3, Sa., 19.04 Uhr, HR 2 Kultur, SWR Kultur, 20.03 Uhr, Bayern 2, So., 17.04 Uhr, SR 2, 18.05 Uhr, Bremen Zwei, 19.04 Uhr, NDR Kultur, Mo., 22.04 Uhr, MDR Kultur). HR  2 Kultur setzt die Kafka-Festspiele fort mit der Lesung der Erzählungen  »Ein Hungerkünstler« mit Mechthild Großmann, »Eine kleine Frau« mit Bodo Primus und  »Josefine, die Sängerin« mit Marlen Dieckhoff (HR 2010/1997/1974, Di. bis Fr., je 9.30 und 14.30 Uhr). Zur Einstimmung auf die Fußball-EM kriegen wir die Doku »Doping im Fußball« (Mi., 19.05 Uhr, Ö 1). Zum Einsingen die Stadiongebrüllcollage  »You’ll never walk alone« von Alfred Behrens (HR, NDR, RB, RBB 2006, Mi., 20.04 Uhr, NDR Kultur). Und zum Einschlafen das »Eröffnungskonzert zur Fußballeuropameisterschaft« des Bundesjazzorchesters (Fr., 19.04 Uhr, WDR 3). Im Anschluss unterliegen die Nagelsmänner torgeizigen Schotten nach einem Neuer-Abschlag in den eigenen Kasten mit 0:1.

Der »Hörspiel-Kunstpalast« präsentiert »TNT Feuersalamander«, ein neues Stück von Schorsch Kamerun (WDR 2024, Sa., 19.04 Uhr, WDR 3). Danach läuft auf fast allen Länderkulturwellen die ARD-Einheitsoper, in dieser Woche aus dem Badischen Staatstheater in Karlsruhe »Der Kreidekreis«, präbrecht vertont von Alexander Zemlinsky (Sa., 20 Uhr). Den inneren Störfall eines Mädchens dokumentiert das Stück »Flog ein Vogel federlos« von Christine Nagel (Deutschlandfunk, BR 2024, Ursendung, Sa., 20.05 Uhr, DLF, So., 8.30 Uhr, DLF Kultur). Was sind Fans? Faschisten, meinte mein Kunstlehrer, und mein Nazimusiklehrer gab mir Vieren statt Sechsen, weil ich wie er Diasporaclubberer war. Ich habe also »Fragen an den Autor« bzw. die Autoren des Buches »Fans«, Ilija Trojanow und Klaus Zeyringer (So., 9.04 Uhr, SR 2). Letzter Vorschlag: »Die Ballade von Narayama« von Fukazawa Shichiro als Singspiel von Kai Grehn (SWR 2024, Ursendung, So., 18.20 Uhr, SWR Kultur).

Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren. Denn nicht allen lernen die junge Welt kennen, da durch die Beobachtung die Werbung eingeschränkt wird.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

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