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Paddeln

Von Helmut Höge
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Ruder sind fest verankert und Paddel werden in der Hand gehalten. Man rudert im Ruderboot und paddelt in einem Kanu, was sich auf alle Paddelboote bezieht. Aber »in der Alltagssprache werden die beiden Begriffe gerne synonym verwendet«, heißt es auf »decathlon.de«.

In Kunst und Werbung haben immer Frauen das Paddel in der Hand, aber in Wirklichkeit paddeln immer die Männer, jedenfalls ich und alle, die ich kenne. Wie oft saßen wir schon mit einer oder mehreren Frauen in einem Boot – mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und paddelten. Die Frauen guckten dagegen nach vorne und sahen alle Augenblicke etwas Interessantes. Seltene Wasservögel zum Beispiel. Wir Paddelnden konnten aber nie den Kopf so weit und schnell herumdrehen, dass wir sie auch sahen. Und sowieso mussten wir uns konzentrieren, damit wir nicht ans Ufer stießen und gleichmäßig paddelten, so dass es das Boot nicht zur Seite zog und es nicht spritzte. Schwierig wurde es, wenn uns auf schmaler Fahrrinne ein Paddelboot entgegen kam. Auch darin paddelte ein Mann, während eine Frau, die mit im Boot saß, ihm zurief: »Vorsicht, es kommt uns jemand entgegen!«

Noch erschwerender war der kritische Blick der Frauen von Achtern, mit dem sie uns beim Paddeln vorne beobachteten, besonders wenn das Boot mal wackelte. »Hoffentlich kentern wir nicht«, dachten sie, »viel Paddelerfahrung haben sie jedenfalls nicht«. Und das stimmte ja auch. Ich bin höchstens mit Mutter und Kind öfter mal auf dem Neuen See im Tiergarten gepaddelt, genauer: gerudert, weil die Tochter die ersten geschlüpften Enten sehen wollte. Ähnlich war es auch auf der Spree bei der Insel der Jugend im Treptower Park.

Dort hatte man einst an der Inselbrücke entlang ein Wasserrohr verlegt, das Löcher hatte, aus denen immer mal wieder Wasser spritzte. Die Boote mit den paddelnden oder rudernden Männern fuhren unter der Brücke durch und mit Glück kam ein Schwall Wasser von oben. Als ich das erste Mal mit einer Kollegin unter der Brücke durchfuhr, war diese Spritzanlage aber schon lange außer Betrieb, das Bezirksamt hatte sie aus Spargründen abgestellt.

Neben dem Ruderbootsverleih vis-à-vis der Insel sprangen bei Bandauftritten auf der Insel die Fans ins Wasser und schwammen rüber, um das Eintrittsgeld zu sparen. Während ich hinter der Brücke das Boot treiben ließ – »mit ruhenden Rudern« (Pasternak), zitierte meine Kollegin aus dem Osten, wohl um mich anzuspornen, Majakowski: »Solange in dieser Newa-Tiefe / Die rettende Liebe Dir nicht begegnet / Irre weiter durch die Kanäle / Rudere!«

All das wäre mir nicht seltsam erschienen, wenn ich nicht seit einiger Zeit Bilder von Menschen mit Paddel sammeln würde – alles Frauen! Das reichte von vielen Plastiken nackter sowjetischer Frauen mit Paddel in der Rechten (im Gorki-Park z. B.) über das berühmte Denkmal für die Fischerfrau »Tine« auf dem Husumer Marktplatz, die ein Paddel in der Linken hält, bis hin zu Mädchen aus Porzellan oder auf Ansichtskarten mit Paddel und Werbefotos für Bademoden am Strand: mit einem Paddel in der Hand einer sportlichen jungen Frau.

Es hat da allerdings eine Veränderung stattgefunden: Nun wollen mehr und mehr Frauen auch mal paddeln (nicht rudern)! Und dafür bietet sich das neumodische »Stand-up-Paddle-Board« an. Wenn man auf dem Inselort Wannsee an einem der Verbindungskanäle sitzt, sehen diese Frauen mit ihren langen Paddeln von weitem aus wie »Nordic Walker«.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (11. Juni 2024 um 11:26 Uhr)
    Wenn Helmut Höge da mal nichts verwechselt hat: Beim Paddeln sitzt man nämlich in Fahrtrichtung und nur beim Rudern ihr entgegen. Aber ansonsten: Köstlich zu lesen!
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Klaus B. (11. Juni 2024 um 13:50 Uhr)
      Also ich weiß nicht, was Herr Höge da genommen hat, um diesen Unsinn abzusondern. Genau, ich bevorzuge auch das Paddeln, weil dabei alle InsassInnen nach vorne gucken. Warum haben Ruderboote eigentlich keine Rückspiegel? Das ist doch kreuzgefährlich. Klaus

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