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Aus: Ausgabe vom 07.03.2026, Seite 3 / Ansichten

Harte Bandagen

Selenskij droht Orbán
Von Reinhard Lauterbach
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Kein Zweifel, zwischen der Ukraine und Ungarn knirscht und knallt es derzeit gewaltig. Ein Teil der Geräuschentwicklung dürfte dem ungarischen Wahlkampf geschuldet sein. Ein anderer aber hat objektive Grundlagen.

Aktuell regt sich die Ukraine darüber auf, dass Ungarn einen Transport von Gold und Bargeld aus Österreich in die Ukraine gestoppt hat und zwei Geldtransporter zusammen mit sieben Mann Begleitpersonal in Budapest festhält. Es fallen Worte wie »Banditentum«, »Erpressung« und dergleichen. Nur dass Ungarn kontert: Und was ist das mit der Sabotage der »Druschba«-Pipeline, durch die über Jahrzehnte russisches Öl nach Ungarn (und in die Slowakei, die sich öffentlich eher zurückhält) geflossen ist? Selbst wenn die defekte Kompressorstation in der Westukraine, mit deren Zerstörung durch einen russischen Luftangriff Kiew argumentiert und sich insofern auf »höhere Gewalt« beruft, tatsächlich nicht in der Schuld der Ukraine liegt – die Sabotage des Einspeisepunkts in dieselbe Pipeline in der russischen Teilrepublik Tatarstan im Februar, zu der sich die Ukraine offen bekannt hat, macht deutlich, dass die Kiewer Führung inzwischen auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nimmt.

Die Hoffnungen auf eine Wende im Kriegsgeschehen schwinden offenkundig dahin. Das letzte Angebot an die Golfemirate, ihnen mit ukrainischem Personal und Know-how bei der Abwehr iranischer Drohnen zu helfen, war pure Rhetorik. Denn selbst das war von Kiew davon abhängig gemacht worden, dass die Emirate bei Russland einen Waffenstillstand erwirken. Auf welchem Wege? Die Golfstaaten profitieren nicht schlecht davon, dass ihre Flughäfen vor dem Krieg, den nicht sie angefangen haben, sondern die USA und Israel, zu den wenigen Startplätzen für Flüge nach Russland gehörten. In ihren Luxushotels entfliehen wohlhabende Russen dem Moskauer Winter, und auf ihren Banken dürfte auch einiges an russischem Schwarzgeld liegen. Mehr jedenfalls, als die Ukraine im Gegenzug zu bieten hat: Wenn sie nach Kriegsende arbeitslos geworden sind, werden die Drohnenjäger aus der Ukraine sowieso eine »Nachverwendung« suchen müssen.

In dieser Situation legte ­Wolodimir Selenskij jetzt den Turbo ein: Wenn Viktor Orbán nicht sein Veto gegen das Kreditpaket der EU für die Ukraine zurückziehe, dann werde er seinem Geheimdienst SBU die Adresse Orbáns geben – und dessen Agenten würden dann »in ihrer eigenen Sprache« mit Orbán reden. Geht’s noch? In den wüsten 1990er Jahren war es im zerfallenden Russland üblich, uneinbringliche Forderungen von tschetschenischen Inkassobanden eintreiben zu lassen. Wenn Selenskij jetzt zu diesen Methoden zurückzukehren droht und seinen offiziellen Geheimdienst dafür heranzuziehen bereit ist, dann zeugt dies im Umkehrschluss vom Grad an Zerfall des politischen Systems der Ukraine. Mafiamethoden aus der Staatskanzlei, das qualifiziert für die EU.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Holger K. aus Berlin (8. März 2026 um 00:46 Uhr)
    Hallo Herr Lauterbach! Selenski ist hier falsch widergegeben! »... dann werde er seinem Geheimdienst SBU die Adresse Orbáns geben – und dessen Agenten würden dann «in ihrer eigenen Sprache» mit Orbán reden.« - das hat er so nicht gesagt! Ich habe die Passage in einem Video gesehen. Er wolle die Adresse an die *Soldaten/Armee* geben und die *Jungs*, werden dann bei ihm anrufen und in ihrer Sprache reden. Sinngemäß. Immer noch ein »Geht's noch?« Wert, aber so ist das falsch wiedergegeben! Beste Grüße! Holger Kupfer
  • Leserbrief von Steffen Weise aus Berlin (7. März 2026 um 15:40 Uhr)
    Den Selenskij habe ich noch nie für einen wirklichen Präsidenten gehalten, als vielmehr für eine Witzfigur. Dass er um Waffen bettelnd die ganze Welt bereist hat, ist für mich Ausdruck von Niveaulosigkeit und Bildungsferne, von fehlender Selbstachtung und einer narzistischen Persönlichkeitsstörung. Als Rassist und Faschist war er vorher schon bekannt. Besser wäre es gewesen, man hätte ihn auf Lebenszeit eingesperrt. Ich bin auch kein Freund von Viktor Orban, der die Faschisten protegiert und in Schutz nimmt und unsere antifaschistische Genossin in den Knast sperrt und unmenschlich behandeln lässt, aber die Ausfälle von Selenskij gegen ihn sind das Letzte, nein, das Allerletzte! Da nehme ich sogar Viktor Orban in Schutz. Es gibt sicherlich in der westlichen Bourgeoisie mancherlei Kräfte, die den Selenskij lieber heute als morgen irgendwie abservieren würden. Mit den Aussagen gegen Viktor Orban hat er ihnen die Steilvorlage dafür geliefert, ihn in die geschlossene Psychiatrie bringen zu lassen. Diese Aussagen sind definitiv auch nicht im Interesse der ukrainischen Bourgeoisie.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (6. März 2026 um 23:03 Uhr)
    Mir scheint, Selensky kehrt nicht zu Methoden der neunziger Jahre zurück, sondern eifert dem Paten im Weißen Haus in Washington nach. Der Zerfall des politischen Systems findet derzeit auf Weltmaßstab statt. Gewisse Multipolaritspropheten sollten sich Gedanken machen, ob da nicht ein monopolares Monopol eines bipolar Gestörten angepeilt wird.

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