Ziele und Absichten
Von David Siegmund-Schultze
Die Bundesrepublik, Frankreich und Großbritannien haben die Tür für ihre Beteiligung am Angriffskrieg der USA und Israels gegen Iran geöffnet. In einer gemeinsamen Erklärung der sogenannten E3-Staaten vom Sonntag abend heißt es: »Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Interessen und die unserer Verbündeten in der Region zu verteidigen. Dies kann potentiell auch, falls notwendig, das Ermöglichen von verhältnismäßigen militärischen Defensivmaßnahmen einschließen, um die Fähigkeit des Iran, Raketen und Drohnen abzufeuern, an der Quelle zu zerstören.« Wie schon in der Erklärung der E3-Staaten vom Vortag findet sich darin kein Wort der Kritik an dem völkerrechtswidrigen Angriff durch Tel Aviv und Washington. Statt dessen wird erneut der Angegriffene zum Aggressor gemacht: »Wir fordern den Iran auf, seine rücksichtslosen Angriffe unverzüglich einzustellen«, hieß es.
Man wolle mit der Erklärung zum Ausdruck bringen, »dass wir uns das Recht vorbehalten, unsere Soldaten in der Region zu schützen, falls sie angegriffen werden«, sagte ein Sprecher der deutschen Regierung der Nachrichtenagentur Reuters. Aus dem von Boris Pistorius (SPD) geführten Verteidigungsministerium hieß es am Sonntag, dass der Iran multinational genutzte Militärbasen in Erbil im Irak und Al-Asrak in Jordanien angegriffen habe, in denen sich auch Bundeswehr-Soldaten aufgehalten hätten. Diese seien jedoch »nicht unmittelbares Ziel« gewesen. 500 deutsche Soldaten sind demnach in der Region stationiert.
Für London sei mit dem »Ermöglichen von verhältnismäßigen militärischen Defensivmaßnahmen« vor allem die Erlaubnis gemeint, britische Militärbasen für US-Angriffe auf iranische Raketendepots oder -Abschussrampen zu nutzen, sagte ein EU-Diplomat gegenüber Reuters. Im Gegensatz zum Vereinigten Königreich habe Deutschland entsprechende militärische Mittel in der Region nicht, sagte Johann Wadephul (CDU) am Montag im Deutschlandfunk. Berlin habe »definitiv nicht die Absicht, sich irgendwie zu beteiligen«, so der Außenminister. Dabei ist die Nutzung des US-Luftwaffenstützpunkts Ramstein als logistisches Drehkreuz und Relaisstation für Drohnen ein unverzichtbarer Bestandteil für den Krieg.
Im Hinblick auf die völkerrechtliche Einordnung der Bombardements sprach Wadephul von »Zweifeln« und »erheblichen Fragen«. Entscheidend sei aber, dass von Iran eine »erhebliche Gefahr« ausgehe. Und zwar nicht nur »für Israel, für die Region dort, sondern auch für Deutschland und für Europa«, behauptete Wadephul. Denn: Teherans Raketen hätten eine Reichweite, die auch Europa bedrohe. Der Bundeskanzler sieht in der Frage der Völkerrechtskonformität »ein Dilemma«, wie er am Sonntag mitteilte. Es sei jetzt aber »nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren«. Denn in den vergangenen Jahrzehnten sei immer wieder mit völkerrechtlichen Maßnahmen versucht worden, auf den Iran einzuwirken. Doch damit sei »offensichtlich nichts zu bewirken«. Ob der Kanzler mit diesen Maßnahmen das einseitige Aufkündigen des Atomabkommens mit Teheran durch US-Präsident Donald Trump 2018 oder die zwölftägigen Luftangriffe auf das Land im vergangenen Sommer meinte, blieb offen.
Deutliche Kritik am Kurs der Bundesregierung kam vom BSW: »Völlig verrückt. Das Statement von Macron, Starmer und Merz macht Deutschland zur Kriegspartei. Das macht Deutschland zum Kriegs- und Anschlagsziel«, erklärte der Parteivorsitzende Fabio de Masi am Montag auf X. Ähnlich äußerte sich gleichentags auch die Linke-Kovorsitzende Ines Schwerdtner auf der Plattform: »Erst verurteilen Merz, Macron und Starmer nur die Vergeltungsschläge und nicht den Völkerrechtsbruch. Jetzt wollen sie auch militärisch eingreifen.« Ihr Amtskollege Jan van Aken billigte dagegen am Montag de facto den Angriff auf die iranische Führung: Er sei »froh darüber«, »dass Khamenei tot ist, dass viele Schergen aus dem Regime tot sind«, sagte er. Zwar solle man sich »nie über den Tod eines Menschen freuen, und trotzdem, denke ich, ist es gut, dass die weg sind«.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (5. März 2026 um 12:22 Uhr)Merz hat bereits mit seiner Zustimmung zu den EU-Sanktionen gegen Journalisten dem Grundgesetz kräftige Fußtritte Richtung Tonne verpasst, speziell gegen die Artikel 5, 19 und 20 (Meinungs- und Pressefreiheit sowie Gebot der Rechtsstaatlichkeit). Jetzt meint er offenbar, noch einmal nachtreten zu müssen, diesmal gegen den Artikel 26 (Verbot eines Angriffskrieg zu führen). Da kann die Bibel des Christdemokraten auch gleich mit in die Tonne, von wegen Mt7,3-5, wonach man sich doch erst mal um den Balken im eigenen Auge statt um den Splitter im Auge des Nächsten kümmern solle. Kleine Völkerrechtsverletzungen des angegriffen Iran zu monieren, und die große Völkerrechtsverletzung des Angriffskrieges zu übersehen, ist unchristlich. Völkerrecht kann offenbar auch in die Tonne. Schon die amerikanische Entführung Maduros war ihm zu komplex, um sie verurteilen zu können. Die weit komplexere juristische Lage bei der russischen Verteidigung der Donbassrepubliken gegen Kiew wird von Merz dagegen schlicht zu einer einfachen Lage umgelogen, indem er Putin Gründe unterstellt, die der nie geäußert hat. Die 10 Gebote der Bibel? Nicht falsch Zeugnis zu reden? Das Gebot, nicht zu lügen (3.Mose19,11)? Weg damit! Merz seine Absicht, »unsere Soldaten in der Region zu schützen, falls sie angegriffen werden«, ist zwar noch irgendwie nachvollziehbar. Andererseits könnte man auch fordern, auf die innerdeutsche Rechtslage Rücksicht zu nehmen. Da muss man sich nämlich aus einer rechtswidrigen und gewalttätigen Demonstration entfernen, um nicht mitverantwortlich gemacht werden zu können. Man sollte wirklich überlegen, die große Nähe zum Aggressor zu meiden. Seit 2001 steht der Iran auf der Abschussliste der USA (https://de.wikipedia.org/wiki/Wesley_Clark). Und als McCain 2007 »bomb, bomb, bomb Iran« sang, machte er auch klar, dass er das zugunsten Israels wolle. Das ist m. E. auch für Trump die maßgebliche Motivation: Für seinen Gaza-Friedensrat muss er Netanjahus Mitwirken einkaufen.
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Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (4. März 2026 um 10:01 Uhr)Beruhigend ist allenfalls, dass der demonstrative Schulterschluss wohl mehr Symbolpolitik als reale Kriegsbeteiligung bedeutet. Doch die eigentliche Bruchlinie verläuft woanders: Während die Bundesregierung im Inland die grüne Energiewende als moralisches Großprojekt und Beitrag zum Frieden verkauft, flirtet sie außenpolitisch mit militärischer Eskalation. Dieser Doppelanspruch ist kein strategischer Balanceakt, sondern ein politischer Drahtseilakt ohne Netz. Wer Klimamoral predigt und zugleich militärische Machtprojektion signalisiert, verspielt Glaubwürdigkeit – und könnte am Ende sowohl politisch als auch ökonomisch einen hohen Preis zahlen.
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Leserbrief von Michael J. aus Altenburg (3. März 2026 um 12:54 Uhr)»Jan van Aken billigte dagegen am Montag de facto den Angriff auf die iranische Führung: Er sei ›froh darüber‹, ›dass Khamenei tot ist, dass viele Schergen aus dem Regime tot sind.‹« Oha! Der oberste Richter Herr van Aken legt fest, welche Menschen den Tod verdient haben, und zollt indirekt den Mördern Beifall für die prompte Erledigung. Recht hat er, irgendwer muss ja die »Drecksarbeit für uns alle« erledigen. Wie kann eine Partei, die sich politisch »links« verortet, ein Mitglied, das so eine Menschenverachtung an den Tag legt und sich damit auch noch medial zur Schau stellt, in ihren Reihen dulden? Was ist bloß aus dieser Partei geworden?
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Leserbrief von Rogala, B (4. März 2026 um 06:34 Uhr)Seine grüne politische soziale Prägung schimmert durch und ist mit der Laissez-faire, linken bürgerlichen Einstellung überfordert, einen linken Klassenstandpunkt zu vertreten. Er ist ein Teil der linken Grünen, der in die PDL eingetreten ist, wie auch linke SPDler (WASG), oder andere, die meinen, dass die Ukrainer einen Freiheitskampf führen usw. Es ist bezeichnend, dass die politische Bildungsarbeit nicht statt findet und sich mit dem Mietenthema, als Konsensthema der Parteimitglieder beschäftigt, anstatt sich mit Marx u. a. zu bilden.
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Leserbrief von Hans Hermann Kindervater aus Bergisch Gladbach (3. März 2026 um 11:54 Uhr)Verhalten der Europäer zeigt nur die realen Machtverhältnisse.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (3. März 2026 um 11:12 Uhr)Jan van Aken auf den Spuren von Hillary Clinton? Hat er ebenfalls so gejubelt, als er vom Tod von Khamenei erfuhr?: https://www.youtube.com/watch?v=6DXDU48RHLU
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Leserbrief von AnPi aus Berlin (3. März 2026 um 11:09 Uhr)Ich glaube, dass jetzt bei der PdL nur noch ein Putsch der Neueingetretenen hilft.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (3. März 2026 um 13:18 Uhr)Und was ist, wenn die Neuen nicht besser sind als die Alten? Heute tritt man in solche Parteien ein, um Karriere zu machen, nicht um Prinzipien zu haben.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (3. März 2026 um 11:54 Uhr)Man soll nie seine Illusionen verlieren!
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Leserbrief von Peter Gabriel (3. März 2026 um 10:52 Uhr)Wer entscheidet über seine Souveränität? Falls man überhaupt noch die UN-Charta ins Gespräch bringt, muss eines klar sein: Andere Länder und Kulturkreise muss man zwar nicht immer kennen bzw. verstehen, aber es ist die Entscheidung des iranischen Volkes, einen »Regime-Change« zu veranlassen. Ein Staatsoberhaupt muss man nicht mögen (Saudi-Arabien, USA, Iran, BRD …), aber respektieren. Herr van Aken muss diesbezüglich wohl noch viel lernen.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (2. März 2026 um 21:07 Uhr)»Und trotzdem, denke ich, ist es gut, dass die weg sind«, ich sage aber nicht, wen ich meine.
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