Im Interesse der USA
Von Frederic Schnatterer
Glaubt man den Behörden, hat sich die Lage in vielen Städten Mexikos mittlerweile wieder beruhigt. Zuvor hatte am Sonntag die Tötung des mächtigen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, genannt »El Mencho«, eine Welle der Gewalt aufgelöst: Autos und Busse wurden in Brand gesetzt, Tankstellen und Infrastruktur attackiert, Straßensperren errichtet, Dutzende Menschen getötet. Racheakte von Mitgliedern des Cártel de Jalisco Nueva Generación (CJNG), dessen Anführer »El Mencho« war.
Vor allem aber war es eine Machtdemonstration. Die Botschaft: Die organisierte Kriminalität lässt sich nicht einfach besiegen, indem einer ihrer Anführer beseitigt wird. Sie hat Mexiko seit Jahrzehnten fest im Griff und hat es zu enormer Macht gebracht. Auch wenn Organisationen wie CJNG einen Teil ihres Riesenprofits mit dem Kokain- oder Fentanylhandel machen: Ihre Geschäfte umfassen auch andere Bereiche von Menschen- über Waffenschmuggel bis hin zu legalen Tätigkeiten. Der Begriff Drogenkartell führt in die Irre: Es handelt sich um multinationale Unternehmen, die überdies mit Waffen aus US-Produktion hochgerüstet sind. Ihre Geschäfte laufen weiter, auch wenn ihr Boss beseitigt wurde. Armut und Perspektivlosigkeit verhindern jede schnelle Lösung.
Das weiß auch die Regierung im Palacio Nacional. Trotzdem feiert sie den Schlag gegen »El Mencho« als Beleg für die »Stärke des mexikanischen Staates«. Ob dieser Staat jedoch in der Lage sein wird, sein Gewaltmonopol durchzusetzen, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlich ist das nicht. Während sich Kartelle neu organisieren oder um Kontrolle kämpfen, leidet die Zivilbevölkerung. Allein im sogenannten Drogenkrieg unter Felipe Calderón starben ab 2006 mindestens 250.000 Menschen.
Der Schlag gegen »El Mencho« markiert eine radikale Abwehr von der Politik der »Umarmungen statt Schüsse« unter der Vorgängerregierung. Ursprünglich hatte auch die amtierende Präsidentin Claudia Sheinbaum einen neuen Drogenkrieg abgelehnt. Warum also der Sinneswandel? Es scheint, als habe sie Stärke zeigen wollen. Dabei wurde jedoch die eigene Schwäche deutlich.
In den vergangenen Monaten hatte die US-Regierung mehrfach gedroht, die Initiative im Kampf gegen die Kartelle zu ergreifen; auch Einsätze auf mexikanischem Staatsgebiet standen zur Debatte. Die Nachrichtenagentur AP nannte die Operation am Sonntag den »bislang größten Erfolg, um der Trump-Regierung die eigenen Anstrengungen vor Augen zu führen«. Der Anteil von US-Geheimdiensten dürfte jedoch groß gewesen sein.
US-Präsident Trump arbeitet seit seinem Amtsantritt daran, den War on Drugs wieder zur zentralen imperialen Strategie in der Region zu machen. Extralegale Hinrichtungen auf angeblichen Drogenbooten und der Angriff auf Venezuela zeigen das deutlich. Staaten, deren Gewaltmonopol geschwächt ist, sind für Washington leichter zu beeinflussen; im US-geführten Drogenkrieg sind sie zudem militärisch abhängig. Geopolitisch liegt das ganz im Interesse der USA.
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