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Aus: Ausgabe vom 16.02.2026, Seite 2 / Inland
VVN-BdA Berlin

Weshalb hat man Ihnen die Konten gekündigt?

Die Berliner Postbank beendet ohne Angaben von Gründen Geschäft mit VVN-BdA, sagt Markus Tervooren
Interview: Henning von Stoltzenberg
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Sie haben vergangene Woche die Kündigung von Konten Ihrer Vereinigung bei der Postbank öffentlich gemacht. Wer ist betroffen und wann soll die Kündigung in Kraft treten?

Dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow, der Kreisvereinigung Weißensee–Hohenschönhausen der VVN–VdA, ehemals Westberlin, allesamt gemeinnützige Vereine des Landesverbands Berliner VVN–BdA, und eben diesem selbst flatterten vor kurzem, am 2. Februar, mit Datum vom 19. Januar 2026, unisono die Kündigung ihrer Postbank-Konten zum 31. März ins Haus. Das sind nur knapp zwei Monate, um darauf zu reagieren und unseren Zahlungsverkehr umzustellen. Besonders für diejenigen Vereine, die nur über ein Konto bei der Postbank verfügen, ist das echter Stress.

Was gibt die Postbank als Begründung für die Kündigung an?

Ein Grund wurde uns nicht genannt, lediglich Paragraph 19 Absatz 1 aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Postbank. Diese nimmt also ihr vertragliches Recht auf Kündigung in Anspruch. Etwaige Beweggründe werden in diesen gleichlautenden Schreiben nicht genannt. Da können wir uns nur ärgern und rätseln. Aber es ist schon ein starkes Stück, dass die Postbank, Tochter der Deutschen Bank, antifaschistischen Vereinen die Konten kündigt und damit deren Arbeit erheblich erschwert. Die Deutsche Bank hatte nach 1933 ihren Vorstand »arisiert« und nahm danach teil an der Ausplünderung von Jüdinnen und Juden und der von Deutschland überfallenen und besetzten Länder.

Sie berichten von mehrfachen Kontokündigungen der Postbank bei Kreisvereinigungen bundesweit in den vergangenen zwei Jahren. Waren die Begründungen in den Fällen ebenfalls gleichlautend oder ähnlich?

In den vergangenen Jahren hat die Postbank bereits etlichen unserer Kreisvereinigungen in Deutschland sowie der antifaschistischen Begegnungsstätte Heideruh e. V. die Konten gekündigt. Das lief überall nach dem gleichen Schema.

Wie ordnen Sie die aktuellen Kündigungen politisch ein?

Was die wirklichen Motive der aktuellen Kündigungen sind, können wir, wie schon gesagt, nur mutmaßen. Offensichtlich gibt es die Möglichkeit, dass wir als Kundinnen und Kunden vielleicht nicht zahlungskräftig genug sind. Die Postbank, die von vielen ja in der Vergangenheit als die Bank »um die Ecke« und die »Bank der kleinen Leute« gewählt wurde, wird ja seit der Übernahme durch die Deutsche Bank bereits seit längerem zu einer reinen Geschäftsbank umstrukturiert. Da passen wir wohl nicht mehr ins Portfolio.

Und dass sich Banken eher ihrem Geschäftsumsatz verpflichtet fühlen als Demokratie, Gesetzen oder gar dem Grundgesetz, ist eine Binse. Aber eins steht fest: Vom Grundgesetz geschützte demokratische Rechte – wie die Meinungs-, Presse- und Vereinigungsfreiheit sowie auch das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe – werden auf diese Weise stark behindert, was zu einer Aushebelung eben dieser führen kann. Unsere Gemeinnützigkeit als Vereine und damit auch unsere gesellschaftliche und gesetzliche Aufgabe wird erheblich erschwert.

Halten Sie es für ausgeschlossen, dass womöglich staatliche Stellen den Anstoß zu den Kündigungen gegeben hatten?

Selbstverständlich kann es sein, dass der Verfassungsschutz und die Innenbehörden uns noch immer misstrauisch beäugen oder die Postbank willfährige Erfüllungsgehilfin des »Antifaverbots« der US-Administration unter Donald Trump ist. Die Postbank beziehungsweise die Deutsche Bank schweigt sich aus. Auch bei den Kontokündigungen bei anderen linken Vereinigungen, wie zum Beispiel der Roten Hilfe, haben wir ja wenig von den Banken erfahren.

Wie wollen Sie den Kontokündigungen politisch und juristisch begegnen?

Das diskutieren wir noch untereinander sowie mit anderen Vereinen und Verbänden. Aber vielleicht ist es auch an der Zeit, uns von der Deutschen Bank zu trennen.

Markus Tervooren ist Geschäftsführer der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V. (VVN–BdA)

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