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Aus: Ausgabe vom 12.09.2020, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Deutsche Bank kontra Rockefeller

Lenin beschrieb in seiner Imperialismusstudie 1916 den Machtkampf zwischen deutschen und US-Monopolen um die Aufteilung der Erdölindustrie
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»Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen«: Für militärische Zwecke genutzte Benzintanks der Standard Oil Company

Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.

Ein lehrreiches Beispiel dafür, wie eine solche Neuaufteilung versucht wird und wie um sie gekämpft wird, bietet die Petroleumindustrie. »Der Petroleummarkt der Welt,« schrieb (Otto) Jeidels (1882–1947, deutscher Bankier, jW) 1905, »ist im wesentlichen auch noch heute unter zwei große Finanzgruppen aufgeteilt: die amerikanische ›Standard Oil Co.‹ Rockefellers und die Beherrscher des russischen Baku-Öls, Rothschild und Nobel. Beide Gruppen stehen in enger Verbindung, sind aber in ihrer Monopolstellung seit einer Reihe von Jahren von fünf Feinden bedroht«: 1. dem Versiegen der Petroleumquellen in Amerika; 2. der Konkurrenz der Firma Mantaschow in Baku; 3. den Petroleumvorkommen in Österreich und 4. in Rumänien; 5. den überseeischen Ölquellen, vornehmlich in den holländischen Kolonien (die steinreichen Firmen von Samuel und Shell, die auch mit dem englischen Kapital liiert sind). Die letzten drei Gruppen von Unternehmungen sind mit deutschen Großbanken, mit der größten, der »Deutschen Bank«, an der Spitze, liiert. (…)

Es begann ein Kampf, der denn auch in der ökonomischen Literatur Kampf um »die Teilung der Welt« genannt wird. Einerseits Rockefellers »Petroleumtrust«, der, um alles an sich zu reißen, in Holland selbst eine »Tochtergesellschaft« gründete und Petroleumquellen in Niederländisch-Indien aufkaufte, um so seinem Hauptfeind, dem holländisch-englischen »Shell«-Trust, einen Schlag zu versetzen. Anderseits suchten die »Deutsche Bank« und andere Berliner Banken Rumänien »für sich zu behaupten« und es mit Russland gegen Rockefeller zu vereinigen. Dieser verfügte über ein unvergleichlich größeres Kapital und einen ausgezeichnet organisierten Apparat für den Transport und die Zustellung des Petroleums an die Verbraucher. Der Kampf musste mit der völligen Niederlage der »Deutschen Bank« enden, was 1907 auch der Fall war. Es blieb ihr nur die Wahl: entweder ihre »Petroleuminteressen« mit Millionenverlust zu liquidieren oder sich zu unterwerfen. Sie wählte das letztere und schloss einen für die »Deutsche Bank« sehr ungünstigen Vertrag mit der Standard Oil. Auf Grund dieses Vertrags verpflichtete sich die »Deutsche Bank«, »nichts zum Nachteil der amerikanischen Interessen zu unternehmen«; dabei war jedoch vorgesehen, dass der Vertrag seine Gültigkeit verlieren solle, falls Deutschland durch Gesetz ein staatliches Petroleummonopol einführen werde.

Nun beginnt die » Petroleumkomödie«. Einer der Finanzkönige Deutschlands, (Arthur) von Gwinner (1856–1931, jW), Direktor der »Deutschen Bank«, lässt durch seinen Privatsekretär (Emil Georg von) Stauß (1877–1942, ab 1915 Vorstand der Deutschen Bank, förderte später früh die NSDAP, jW) für ein Petroleummonopol agitieren. Der ganze Riesenapparat der Berliner Großbank, alle weitreichenden »Verbindungen« werden in Bewegung gesetzt, die Presse überschreit sich in »patriotischer« Empörung gegen »das Joch« des amerikanischen Trusts, und der Reichstag nimmt am 15. März 1911 beinahe einstimmig eine Resolution an, in der die Regierung aufgefordert wird, einen Gesetzentwurf über ein Petroleummonopol auszuarbeiten. Die Regierung griff diesen »populären« Gedanken auf, und die »Deutsche Bank«, die ihren amerikanischen Kontrahenten übers Ohr hauen und ihren Geschäften durch das Staatsmonopol nachhelfen wollte, schien gewonnenes Spiel zu haben. (…) Aber da gerieten sich erstens die deutschen Großbanken in die Haare wegen der Teilung der Beute, und die »Disconto-Gesellschaft« enthüllte die eigennützigen Interessen der »Deutschen Bank«; zweitens bekam die Regierung Angst vor dem Kampf gegen Rockefeller, denn es war recht zweifelhaft, ob Deutschland ohne ihn Petroleum bekommen würde (…), und drittens stand die Bewilligung des Milliardenetats von 1913 für die Kriegsvorbereitung Deutschlands bevor. Das Monopolprojekt wurde vertagt. Rockefellers » Petroleumtrust« ging einstweilen als Sieger aus dem Kampf hervor.

(…) Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. (…) Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung »nach dem Kapital«, »nach der Macht« vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung (…).

Wladimir Iljitsch Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Petrograd 1917. Hier zitiert nacht: Wladimir Iljitsch Lenin: Werke, Band 22. Dietz Verlag, Berlin 1960, Seiten 252–257

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