Die Frohe Botschaft
Von Pierre Deason-Tomory
Das Domradio in Köln hat sein Programm aufgebrezelt. Der Katholikenfunk will nach dem Relaunch am Anfang des Monats »auch Menschen ansprechen, die sich bisher von kirchlichen Angeboten kaum erreicht fühlten«, verkündete der Sender, also Hippies, Islamisten und gewaltbereite Ostdeutsche. Zu diesem Zweck wurden die Musikauswahl modernisiert, neue DJs angeheuert und ein Hammerslogan ans Kreuz genagelt: »Domradio macht glücklich«. Der Wiederauferstehung der Station gingen interne Konflikte voraus; beteiligt waren der Programmbeirat und das Erzbistum Köln, also Kardinal Rainer Maria Woelki – der Kölner Stadtanzeiger berichtete im Juli 2024.
Über die Hintergründe wollen wir schweigen, nur soviel sei gesagt: Auch für Woelki gilt die Unschuldsvermutung. Allein schon deshalb, weil man jederzeit damit rechnen muss, dass der Kunde einen vor den Kadi zerrt. Wohin auch sonst, wenn die Inquisition nüscht mehr macht? Aber der vielseitig berüchtigte Erzbischof hat auch Anhänger. Nach einer Umfrage stehen 70 Prozent der katholischen Kölner Witwen hinter ihm (die anderen 30 Prozent sagten, sie seien von Woelki enttäuscht und würden ein zweites Mal nicht mit ihm schlafen). Eines muss man dem Pfaffenradio übrigens lassen: Da läuft keine Werbung, obwohl Amazon den glücklichen Hörern zu gerne faire Rosenkränze aus Timbuktu anpreisen würde (»hergestellt in achtsamer Kinderarbeit«). Aber nein, hier hört man statt Werbespots Woelkis Wort. Und schaltet fort.
Auf den Kulturwellen und im Freien Radio hört man in dieser Woche zum Beispiel das Feature »Der Weckruf« über Ugandas Kampf gegen AIDS nach dem Aus von USAID (DLF 2026, Di., 19.15 Uhr, DLF). Die »Dimensionen«-Ausgabe »Angst vor dem großen Beben« berichtet über Vorbereitungen in Istanbul auf eine absehbare Katastrophe (Mi., 19.05 Uhr., Ö 1). Und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat sich am 3. Dezember in den epischen Matsch des Italowesterns geworfen und Werke des ewig einzigen »Ennio Morricone« aufgeführt; einen Mitschnitt aus der Berliner Philharmonie bringt »Das Konzert« am Donnerstag abend (20.04 Uhr, NDR Kultur).
Das Freie Frankfurter Radio X sendet zum UNESCO-Weltradiotag am 13. Februar Beiträge zum Thema »Radio und künstliche Intelligenz« (Fr., 11 bis 18 Uhr), während FSK in Hamburg eine Lesung am »Antifatresen« vom 6. Februar wiedergibt, zu hören war Rudolf Mühland mit seiner Arbeit über »Anarchisten gegen Hitler« (Fr., 14 Uhr). »Aus den Archiven« hervorgekramt hat DLF Kultur das Stück »Radiosatiren für das Reich – Der Ätherkrieg der BBC London gegen Nazideutschland« (DLF 1996, Sa., 5.05 Uhr).
Wer um fünfe früh schon munter war, verschläft freilich am Samstag abend die Aufführung der Oper »La damnation de Faust« von Hector Berlioz, aufgenommen im Dezember im Théâtre des Champs-Élysées (20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, Radio 3, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3). Für Hörspielenthusiasten sei auf das letzte Stück von Jürgen Becker hingewiesen, »Erzählen, wie es weitergeht«; die Sendeanstalt empfiehlt die Verwendung von Kopfhörern (DLF 2024/26, Sa., 20.05 Uhr, DLF).
»Kakadu« nährt Kinder mit Kapitalismuskritik und fragt: »Wer näht eigentlich unsere Kleidung?« (So., 7.30 Uhr, DLF Kultur), während »Rock et cetera« Opi an »Das Rockjahr 1976« erinnert (So., 15.05 Uhr, DLF). Die kommende Woche beginnt aus kalendarischen Gründen am Montag und darüber hinaus mit der »Stunksitzung 2026 (1/2)« und den merzhaftesten Scherzen des alternativen Kölner Karnevals, abgehört Mitte Januar im E-Werk (20.03 Uhr, WDR 5).
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