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Aus: Ausgabe vom 03.02.2026, Seite 10 / Feuilleton
Musik

Eine neue Insel

Bei einer besonders politischen Grammy-Gala hat der US-Rapper Bad Bunny den Preis für das beste Album gewonnen. Mit »Debí tirar más fotos« wurde bei der Gala in Los Angeles in dieser bedeutenden Kategorie erstmals ein Album ausgezeichnet, dessen Songtexte komplett auf spanisch sind.

Das Album ist eine Hommage Bad Bunnys an seine Heimat Puerto Rico. Es geht um Themen wie kulturelle Identität oder Kolonialismus. Der 31jährige nutzte wie einige andere Stars die Bühne für politischen Protest. Einige Prominente trugen Anstecknadeln mit der Aufschrift »ICE Out«, was sich gegen die brutal vorgehende US-Abschiebebehörde (Immigration and Customs Enforcement) richtet. Moderator Trevor Noah verteilte gelegentlich Seitenhiebe gegen US-Präsident Donald Trump. Er moderierte die Gala zum sechsten und letzten Mal und kommentierte: »Ich glaube an Amtszeitbegrenzungen. Ich möchte ein Beispiel setzen für jeden, der die Show anschaut«.

Seit der zweiten Amtsübernahme von Trump wurde noch bei keiner live im US-Fernsehen übertragenen Entertainmentgala geballt so viel Kritik an seiner Politik geäußert wie bei dieser. Das ließ der US-Präsident nicht unkommentiert. Die Musikpreisverleihung sei »Müll« und »praktisch nicht anschaubar«, schrieb Trump kurz nach Ende der Gala bei »Truth Social«. Noah sei ein »totaler Verlierer«, der kein Talent habe, drohte er ihm mit einer Klage.

Die Musikpreise wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen. Rapper Kendrick Lamar gewann mit fünf Trophäen die meisten. Bad Bunny erhielt drei und übte auf der Bühne scharfe Kritik an ICE: »Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!« Auch Billie Eilish, die den Grammy für den Song des Jahres (»Wildflower«) gewann, fand deutliche Worte: »Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig. ›Fuck ICE‹ ist alles, was ich sagen möchte.« Nach der Verleihung des Grammys an Billie Eilish sagte Noah, das sei eine Auszeichnung, die jeder wolle – »genauso sehr wie Trump Grönland will. Epsteins Insel ist weg. Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen.«

Kurios, aber in den USA kein Politikum: Der Dalai Lama gewann seinen ersten Grammy für sein Hörbuch »Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama«. Regisseur Steven Spielberg bekam erstmals einen Grammy, als Produzent für den »Besten Musikfilm«, nämlich »Music for John Williams«. Der 79jährige hat nun alle vier wichtigen US-Unterhaltungspreise gewonnen: Emmy, Grammy, Oscar und Tony. (dpa/jW)

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