Ehrende Erwähnung
Von Pierre Deason-Tomory
Die Alternative für Deutschland/Sachsen-Anhalt (kurz: AfD/SA) hat den Entwurf für ihr Landtagswahlprogramm veröffentlicht. Der Autor dieser Kolumne hat das Papier auf die Schwarzrotgoldwaage gelegt und festgestellt, dass die AfD auf 156 Seiten ein und dieselbe Lösung für fast alle Probleme vorschlägt: Ausländer raus! Von Deportationen abgesehen wird die Ab- und Gleichschaltung unpatriotischer Medien verlangt, zum Beispiel wollen die Schrumpfgermanen »Radio Corax den Geldhahn zudrehen«. Durch diese Nennung in der Hirnkastratenregisterarie macht das verunglimpfte Freie Radio aus Halle (Saale) ordentlich Punkte im jW-Wettbewerb »Verhalte dich stets so, dass die AfD etwas dagegen hätte«.
Zur Begründung zitieren wir weiter die Elbfaschisten, die da schreiben, dass »Radio Corax allen Spielarten des linken Fanatismus eine Plattform« bietet. Finden wir prima, dafür gibt es fünf Punkte von uns. Zehn Punkte vergeben wir für folgende Leistung: »Außerdem verbreitet Radio Corax sogenannte ›Antifa-News‹.« – Top! Schließlich wird den Kollegen »der Ausschluss von anderen Meinungen« vorgeworfen, weil sie nicht mit Agitatoren der AfD reden; das honorieren wir mit einer ehrenden Erwähnung in der Kategorie »Nazi, halt’s Maul!«.
Wir müssen eingestehen, dass allein mit einem Wanderpokal für vorlautes Senden die AfD/SA nicht von der Macht in Magdeburg ferngehalten werden kann. Trotzdem, gerade deshalb und wo immer ihr seid: Macht, hört, unterstützt euer Freies Radio! Und die junge Welt.
Fürs Ohr schlagen wir vor: Auszüge aus »Das Testament des Zauberers Tenor« von César Aira, gelesen von Raphael von Bargen in den »Radiogeschichten« (Di., 11.05 Uhr, Ö 1). Außerdem das »Zeitfragen-Feature« über »Nagelstudios, Lieferdienste, Allroundhandwerker« und die Ghettoisierung des Arbeitsmarktes (Di., 19.30 Uhr, DLF Kultur). Und, aus der Reihe »Das Wissen«, Neues über »Soziale Gleichheit in der Frühgeschichte – Wie Siedlungen ohne Hierarchie auskamen« (Mi., 8.30 Uhr, SWR Kultur). Das Hörspiel »Bitte nicht stören« des Autorinnenkollektivs Werkgruppe2 lässt Arbeiterinnen zu Wort kommen, die als Dienstboten im Hotel geknechtet werden (DLF Kultur 2022, Mi., 22.05 Uhr, DLF Kultur).
Live aus dem Münchner Volkstheater wird die siebente Ausgabe des »Salon Sonnenberg« übertragen, zu Gast sind unter anderem Tom Joseph, Karl die Große und Umme Block (Fr., 20.03 Uhr, Bayern 2). Der jW-Autor Jan Decker fragt: Kann Sexualität die Welt retten? Und vergrübelt »Eine Lange Nacht über den Psychologen Wilhelm Reich« (Sa., 0.05 Uhr, DLF Kultur, 23.05 Uhr, DLF). Derweil krabbelt selig Gert Jonke in einem »Insektarium« fallengelassener Textfragmente herum (DLF, ORF 2004, Sa., 14 Uhr, Ö 1).
Zwei Opern von Seppo Verdi stehen am Samstag abend zur Wahl: seine »Luisa Miller« live aus der Wiener Staatsoper (19 Uhr, Ö 1) und sein »Otello«, aufgenommen im Herbst im Teatro Real in Madrid (20.04 Uhr, NDR Kultur). Etwa zur gleichen Zeit verursendet das Schweizer Radio die erste Hörspieladaption des Romans »Der Gehülfe« von Robert Walser (ORF, SRF 2026, Sa., 20 Uhr, SRF 2 Kultur). Ebenfalls unerhört neu ist das Stück »Lise Meitner oder Die Spaltung der Welt« von Maike Wetzel, die uns darin eine kaum bekannte Physikerin vorstellt, die 48mal für den Nobelpreis nominiert war (BR 2026, So., 15.05 Uhr, Bayern 2). Und als letztes notieren wir die »Sonntagsstudio«-Lesung vom 25. November, auf der Tommy Wieringa mit seinem neuen »Nirwana« zu Gast war (So., 20.04 Uhr, NDR Kultur).
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