Vergewaltiger darf weiter regieren
Von Lars Pieck
Sie alle bestreiten, etwas mit der sexuellen Ausbeutung von Mädchen und jungen Frauen zu tun zu haben. Doch die am Freitag veröffentlichten Epstein-Dokumente im Zusammenhang mit dem 2019 in Haft verstorbenen Sexualstraftäter enthalten Tausende Verweise auf US-Präsident Donald Trump sowie zahlreiche Milliardäre und Mitglieder seiner Administration. Trotz der neuen Enthüllungen in den vom US-Justizministerium veröffentlichten 3,5 Millionen Dokumenten, 2.000 Videos und 18.000 Fotografien erklärte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Todd Blanche am Sonntag in der Sendung »State of the Union«, dass es im Zusammenhang mit dem Epstein-Komplex keine weiteren Strafverfolgungen geben werde.
Die Akten enthalten etwa FBI-Notizen über »Jane Doe«, die Trump 2016 in einer Klage beschuldigte, sie 1994 im Alter von 13 Jahren vergewaltigt zu haben. Das Mädchen sei dazu verleitet worden, eine »spezielle« Party von Epstein zu besuchen. Man sagte ihr, dies sei förderlich für ihre Modelkarriere, und sie müsse daran teilnehmen. Dort seien die anwesenden Männer wiederholt sexuell übergriffig geworden, bis sie bei der vierten Party zuerst von Trump und dann von Epstein vergewaltigt worden sei. Die Anklage wurde aus unbekannten Gründen zurückgezogen.
Die Akten zeigen auch, dass Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt durch den Präsidenten im Zusammenhang mit Epstein wiederholt bei den Bundesbehörden vorgebracht wurden. Am 6. August 2025 beschrieb ein E-Mail-Austausch, der offenbar zwischen Agenten der FBI-Taskforce für Kinderausbeutung und Menschenhandel stattfand, eine Liste von »Trump-Anklägern«. Er enthielt auch eine Tabelle mit Hinweisen, die beim National Threat Operations Center des FBI eingegangen waren. Darin wird eine Abfolge von Ereignissen beschrieben, an denen ein nicht identifiziertes weibliches Opfer und Trump beteiligt gewesen sein sollen. Der Zeuge berichtete, dass die Person gezwungen wurde, Trump oral zu befriedigen, und dass sie ihn gebissen habe. Der Bericht besagt weiter, dass sie »ins Gesicht geschlagen« wurde, nachdem sie über den Bissvorfall gelacht hatte.
Andere Beschwerden beziehen sich auf einen Sexhandelsring und Orgienpartys auf Trumps Golfplatz in Rancho Palos Verdes, Kalifornien, zwischen 1995 und 1996. Die Beschwerdeführerin berichtete, dass sie an Orgien teilgenommen habe und dass einige Mädchen verschwunden seien, die Gerüchten zufolge ermordet und auf dem Gelände begraben worden seien. Sie berichtete, dass sie von Trumps damaligem Sicherheitschef bedroht worden sei, dass sie, wenn sie jemals darüber spreche, was dort vor sich gegangen sei oder wen sie gesehen habe, »wie die anderen Schlampen als Dünger für die hinteren neun Löcher enden würde«.
Die Tabelle mit den neuen Vorwürfen gegen Trump verschwand kurz nach der Veröffentlichung von der Webseite des Justizministeriums. Laut einer Sprecherin seien sie »aufgrund einer Überlastung« nicht verfügbar.
In einem Kommentar zur Veröffentlichung der Akten sagte der US-Präsident am Sonnabend: »Ich habe sie selbst nicht gesehen, aber mir wurde von einigen sehr wichtigen Personen gesagt, dass sie mich nicht nur entlasten, sondern das Gegenteil von dem sind, was die Leute gehofft hatten.« Während einige, wie der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, der lange eine Abstimmung zur Veröffentlichung der Epstein-Akten verhindert hatte, Trump auch nach den neuen Veröffentlichungen öffentlich verteidigten, blieben andere, etwa Vizepräsident J. D. Vance, ungewöhnlich still und äußerten sich seit Tagen online gar nicht. Am 4. September 2021 hatte Vance noch auf X erklärt: »Erinnern Sie sich noch daran, als wir erfahren haben, dass unsere reichsten und mächtigsten Leute mit einem Mann in Verbindung standen, der einen regelrechten Kinderhandelsring betrieb? Und dann starb dieser Mann auf mysteriöse Weise im Gefängnis? Und jetzt reden wir einfach nicht mehr darüber.«
Der Abgeordnete Ro Khanna, der gemeinsam mit Thomas Massie das Gesetz zur Freigabe der Ermittlungsakten verfasst hatte, kritisierte am Sonntag bei NBC die Veröffentlichungen als unzureichend. »Wenn wir die restlichen Akten nicht bekommen, dann sind Thomas Massie und ich bereit, ein Amtsenthebungsverfahren oder ein Verfahren wegen Missachtung des Kongresses einzuleiten. Meiner Meinung nach ist dies, offen gesagt, einer der größten Skandale in der Geschichte unseres Landes.«
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