Israel greift erneut Libanon an
Von David Siegmund-Schultze
Territoriale Unversehrtheit, staatliche Souveränität, das Angriffsverbot. Das Einmaleins des Völkerrechts wird durch Israels Regierung permanent ignoriert – nicht erst seit der jüngsten Eskalation imperialer Großmachtpolitik durch US-Präsident Donald Trump. Am Mittwoch hat die israelische Armee vier Übergänge an der syrisch-libanesischen Grenze bombardiert. Diese seien von der Hisbollah »zum Schmuggel von Waffen genutzt worden«, so der Armeesprecher Avichai Adraee in einer Stellungnahme auf X. Neben den Angriffen im Norden bombardierte das Militär gleichentags mehrere Orte im Süden des Libanon. Zwei Menschen wurden dabei getötet und 19 verletzt, meldete das Gesundheitsministerium in Beirut. Ein für AFP arbeitender Fotograf und zwei weitere Journalisten wurden der Nachrichtenagentur zufolge bei einem Angriff auf den Ort Qanarit verletzt.
»Einmal mehr verfolgt Israel eine Politik der systematischen Aggression, indem es Luftangriffe auf bewohnte libanesische Dörfer durchführt, was eine gefährliche Eskalation darstellt, die direkt auf Zivilisten abzielt«, erklärte der libanesische Präsident Joseph Aoun am späten Mittwoch in einer Stellungnahme. Ungeachtet des im November 2024 vereinbarten Waffenstillstands zwischen der Hisbollah und Tel Aviv greift Israels Armee regelmäßig das Nachbarland im Norden an. Dabei wurden AFP zufolge mehr als 350 Menschen getötet. Nach monatelangem gegenseitigem Beschuss hatte die Regierung Benjamin Netanjahus Anfang Oktober 2024 eine militärische Invasion im Südlibanon angeordnet – es war der sechste israelische Überfall auf das Land seit 1978. Dabei wurden den offiziellen libanesischen Angaben zufolge 2.720 Menschen durch die Armee getötet – die meisten davon Zivilisten.
Die Hisbollah äußerte sich bis Donnerstag nachmittag nicht zu den israelischen Attacken. Militärisch geschwächt, stimmte sie zwar im November 2024 dem Waffenstillstand zu. Die seitdem permanent wiederholte israelische Forderung nach ihrer vollständigen Entwaffnung lehnt die Organisation jedoch vehement ab. Unter Druck aus Washington und Tel Aviv beschloss die libanesische Regierung im September vergangenen Jahres, jegliches Kriegsmaterial der Hisbollah unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Dies sei für das Gebiet südlich des Flusses Litani bereits erreicht, erklärte Beirut Anfang Januar. Dass aus dem Abkommen mit Israel auch die Abgabe ihrer Waffen nördlich des Litani hervorgeht, verneint die Hisbollah. Statt dessen sei Tel Aviv verpflichtet, die Angriffe auf Libanon einzustellen, sagte ihr Generalsekretär Naim Kassim in einem Videostatement.
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