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Aus: Ausgabe vom 19.01.2026, Seite 2 / Inland
Jugendkandidatur Linksjugend Berlin

Warum sollte die Parteiführung auf Sie hören?

Gegen Wehrpflicht und Regierungsbeteiligung: Die Linksjugend Berlin hat aus der Vergangenheit gelernt, sagt Asya Şenyüz
Interview: Max Grigutsch
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Block der Linksjugend bei einer Demo zum Schulstreik gegen die Wehrpflicht (5.12.2025)

Zur Berliner Abgeordnetenhauswahl im September treten Sie als Direktkandidatin für Die Linke in Schöneberg-Süd an. Parallel dazu hat die Landesvollversammlung der Linksjugend Solid Sie zu ihrer Jugendkandidatin gewählt. Was bedeutet das?

Wir als Linksjugend Berlin haben unsere Beteiligung an der Bundestagswahl ausgewertet und überlegt, wie wir uns das nächste Mal noch mehr einbringen und unsere Forderungen in den Vordergrund stellen können. Daher die Idee einer Jugendkandidatur. Bei den Abgeordnetenhauswahlen kann ja bereits ab 16 gewählt werden. Wir wollen Die Linke dabei unterstützen, einen authentischen Jugendwahlkampf zu machen. Wir haben gemerkt, dass es für junge Menschen eine Stimme braucht, die wirklich jung ist.

Die Initiative kommt ganz von Solid selbst?

Genau. Wir haben uns aber auch mit der Partei abgesprochen, die weiß das auch zu schätzen.

Die Berliner Linke hat auf dem Landesparteitag im November Kurs auf die »rote Metropole« genommen, strebt also Regierungsverantwortung an. Mit welchen Inhalten unterscheidet sich Ihre Kandidatur von diesem Programm?

Eine Regierungsbeteiligung lehnen wir ab. Ich glaube, wir haben da auch viel Rückhalt in der Parteibasis. Wir haben entsprechende Anträge verfasst, die wir auch auf dem Landesparteitag eingebracht haben, und haben uns in den Formaten zur Besprechung der vergangenen Regierungsbeteiligungen engagiert. Unserer Meinung nach haben wir nicht die Gegebenheiten, nächstes Jahr eine Regierung zu stellen, die wirklich eine sozialistische Perspektive umsetzen könnte.

Wie kommt das bei der Gesamtpartei an?

Man muss differenzieren zwischen der Basis und den Menschen in Verantwortung. Es ist wichtig, dass man verschiedene Perspektiven mit dabei hat. Wenn manche anderer Meinung sind, dann sind sie trotzdem dankbar dafür, dass wir auch andere Positionen einbringen. Sonst würden wir uns überhaupt nicht kritisch hinterfragen.

Während der Regierungsbildung nach der Berliner Wahl 2021 hatte sich die Linksjugend schon mal »gegen das Bündnis mit SPD und Bündnis 90/Die Grünen« positioniert und beschlossen, »keine Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien« einzugehen. Dennoch ging Die Linke in den »rot-grün-roten« Giffey-Senat. Warum sollte die Landesführung jetzt auf Sie hören?

Ich denke, dass sie auf uns hören und unsere Perspektive auf jeden Fall ernst nehmen. Unsere Position ist um so wichtiger, weil wir aus dieser Zeit gelernt haben. Aus dieser Zeit ziehen wir ja auch unser aktuelles Fazit. Und wir stehen selbstverständlich immer noch dazu, dass wir nicht mit den Grünen und der SPD regieren wollen. Beide sind im letzten Jahr noch mehr nach rechts gerückt. Mit ihnen können wir unsere sozialistische Perspektive und unsere Forderungen nicht umsetzen.

Aus welchen programmatischen Schwerpunkten besteht diese sozialistische Perspektive?

Drei Themenbereiche sind uns sehr wichtig. Einmal wollen wir unsere Wehrpflichtkampagne auch im Wahlkampf weiter ausbauen, junge Menschen informieren und ihnen einen Anlaufpunkt geben. Wir möchten Beratung anbieten, Demonstrationen gegen die Wehrpflicht organisieren. Das beschäftigt die jungen Menschen in Berlin. Außerdem wollen wir uns auf Bildungspolitik fokussieren, vor allem im Hinblick auf Kürzungen, aber auch zum Beispiel mit Blick auf das Thema Ausbildung. Ich habe selbst eine Ausbildung gemacht. Menschen, die eine Ausbildung machen oder machen wollen, brauchen eine bessere Vergütung, bessere Übernahmechancen. Schließlich wollen wir uns für Jugendräume und Sozialeinrichtungen, etwa Nachhilfe oder auch Sportvereine, einsetzen.

Beim Landesparteitag ist die Linksjugend auch mit einem Antrag zu Palästina ins Rampenlicht getreten. Der wurde zugunsten eines Kompromissantrags zurückgezogen. Manche haben daraufhin prognostiziert, dass das Thema im Wahlkampf in den Hintergrund gedrängt werden würde.

Wir werden den Fokus auf unsere Wahlkampfthemen legen. Ich werde aber niemals leise sein oder mich zurücknehmen, wenn es um Israel und den Genozid in Gaza geht. Das macht auch unseren Jugendverband nicht aus. Wir werden weiter innerparteilich für unsere Positionen kämpfen, auch wenn Wahlkampf ist.

Asya Şenyüz ist Jugendkandidatin der Linksjugend Solid für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September

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