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Aus: Ausgabe vom 10.01.2026, Seite 3 / Ansichten

Kaufen oder killen

Trumps USA in der heutigen Welt
Von Arnold Schölzel
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Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, US-Präsidenten haben dabei mehr Möglichkeiten als andere. Aber auch sie machen diese, wie Marx im »18. Brumaire des Louis Bonaparte« eine Einsicht des historischen Materialismus formulierte, »nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen«. Im Interview mit der New York Times (NYT) lehnte Donald Trump am Mittwoch solch kommunistische Majestätsbeleidigung ab. Auf die Frage nach Einschränkungen für ihn antwortete er: Nur »mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.«

Die Klassengesellschaft bringt leider regelmäßig Superbolzen hervor, die Umstände verachten und wie der antik-römische Caligula meinen, ihr Lieblingspferd zum Konsul machen zu müssen. Oder wie der deutsche Kaiser Wilhelm II.: Als deutsche Kriegsschiffe im Januar 1903 die venezolanische Hafenstadt Maracaibo beschossen, weil Venezuela angebliche Schulden nicht zahlte, jubelte er telegrafisch seinem Kanonenboot zu: »Bravo Panther!«. Im Dezember 1912 plante der Hohenzoller nach weiteren solcher »Panther«-Sprünge und nach dem Völkermord in »Deutsch-Südwest« mit seinen treuen Generälen den Weltkrieg, ließ ihn aber aufschieben, weil u. a. die Bevölkerung nicht reif sei. Die Reifung gelang mit Hilfe der SPD 1914.

Im 20. Jahrhundert brachten die imperialistischen Verhältnisse, zu denen militärische Mittel mit Zerstörungskraft in neuen Dimensionen gehörten, den Faschismus und deren Führer hervor, aber auch einen US-Präsidenten wie Harry S. Truman, der, so wie jene, vom Kampf gegen die Sowjetunion getrieben, Atombomben auf Japan abwerfen ließ. Die sozialistische Macht, das war dem Westen seit 1917 klar, war die politische und militärische Basis für den antikolonialen Befreiungskampf.

Der fand mit dem Ende der ­Sowjetunion 1991 und dem damals noch nicht absehbaren Aufstieg Chinas zur Weltmacht einen vorläufigen Tiefpunkt. Doch die Veränderung der »Umstände« in der Welt ist verbunden mit einer sich widersprüchlich durchsetzenden, aber inzwischen stärkeren Stellung des sogenannten globalen Südens.

Angesichts dieser Lage wirkt der nur durch eigene Moral eingeschränkte Trump, der sich nach dem erfolgreichen Schlag gegen Venezuela, »selbstbewusst« (NYT) wie nie aufführt, so grotesk, d. h. übersteigert bis zur Unsinnigkeit, wie Caligula, Louis Napoleon oder Wilhelm II. Und gefährlicher, weil er über nie dagewesene militärische Mittel verfügt.

Trump selbst scheint sich vorläufig aufs imperialistische Normalgeschäft zu konzentrieren: Kaufen und/oder killen, Geschäft oder Kanonenboot. Allerdings will er laut NYT auch den letzten strategischen Rüstungskontrollvertrag mit Russland im Februar auslaufen lassen. Trump sammelt den Stoff, der die Welt in die Luft sprengen kann. Auch wenn er Geschichte ist.

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