Chevron profitiert
Von Susanne Knütter
Die Ölpreise haben kaum auf die Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch die Vereinigten Staaten reagiert. Nach Verlusten von etwas mehr als einem Prozent zu Handelsbeginn drehten die Preise zwischenzeitlich ins Plus. Am frühen Montag morgen kostete Öl dann wieder etwas weniger als noch Ende vergangener Woche. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob die USA ihre als Versprechungen getarnten Drohungen wahr machen (können).
Am Sonnabend erklärte US-Präsident Donald Trump, Washington werde die Kontrolle über das Land übernehmen, und das Embargo bleibe bestehen. Dann hieß es, US-Präsident Donald Trump beabsichtige, die Förderung in dem Land mit Hilfe der großen US-Ölkonzerne wiederzubeleben. Beides – Embargo wie Förderung des venezolanischen Öls – käme den USA und allen voran dem US-Ölkonzern Chevron zugute.
Im Gegensatz zu Exxon Mobil und Conoco Phillips, die Venezuela 2007 verließen, nachdem die damalige Regierung unter Hugo Chávez die Teilverstaatlichung der Ölindustrie durchgesetzt hatte, blieb Chevron im Land. Und ist mittlerweile seit 100 Jahren dort, um die Rohstoffquellen auszubeuten. Chevron produziert ein Viertel des venezolanischen Öls und hat gegenüber dem staatlichen Ölbetrieb PDVSA das Sonderprivileg, keinen US-Sanktionen zu unterliegen. Das fortgesetzte Embargo tangiert ihn daher zunächst wenig. Von einer Steigerung der Ölproduktion würde er doppelt profitieren. Einmal durch die Produktion des Schweröls in dem lateinamerikanischen Land und zweitens durch die Weiterverarbeitung. Denn Chevron betreibt mehrere Raffinerien in den USA.
Nicht auszuschließen ist indes, dass auch andere US-amerikanische Ölkonzerne (wieder) in Venezuela aktiv werden. Die Aktien von Conoco Phillips, Exxon Mobil, Chevron, Valero Energy, Marathon Petroleum und Occidental Petroleum waren nach dem Überfall der USA auf Venezuela sehr gefragt. Börse online sprach von einer »Kursrallye bei US-Ölaktien«, die Märkte wetteten »auf ›Goldrausch‹ in Venezuela«. Für mehr Einfluss ausländischer Konzerne in Venezuela aber müssen die dortigen Gesetze entweder geändert oder übergangen werden. Bislang ist er beschränkt. So gilt seit 2007 für die Schwerölindustrie, dass PDVSA mindestens 60 Prozent bei Schwerölprojekten halten muss.
Man sieht: Die venezolanische Ölindustrie wurde nie ganz vergesellschaftet. So konnte der Ölreichtum des Landes – Venezuela verfügt über die weltweit größten Rohölreserven – grundsätzlich nur begrenzt seiner Bevölkerung zugute kommen. Hinzu kommen das US-Embargo, der daraus resultierende Mangel an Abnehmern für das Öl und fehlende Kapazitäten, um die Anlagen zu erneuern und die Ölförderung zu steigern. Derzeit steuert Venezuela mit durchschnittlich 1,1 Millionen Barrel pro Tag weniger als ein Prozent zur weltweiten täglichen Ölproduktion bei.
Was hätten die USA nun aber davon, die Ölproduktion in Venezuela zu steigern? Mehr Öl auf dem Weltmarkt würde dessen Preis (weiter) senken. Und die USA sind selbst das größte Rohölförderland. Sie haben also ein Interesse an nicht zu niedrigen Preisen. Allerdings verfügen die USA selbst vor allem über leichtes Frackingrohöl. Für ihre Industrie und Verbrennerautos benötigen sie aber genau das Schweröl, über das Venezuela verfügt. Bis 2005 haben die Vereinigten Staaten sich quasi selbst an den venezolanischen Rohstoffen bedient. Das soll nach Trumps Vorstellung nun offenbar wieder so sein. Offen ist noch die Frage, ob und wieviel die US-Konzerne in die venezolanische Infrastruktur investieren wollen und ob und wie erfolgreich Venezuela sich gegen deren Ausbeutung wehrt.
Inzwischen gehen 80 Prozent des venezolanischen Rohöls nach China. Sollte die Erdölproduktion am Ende doch nicht ausgeweitet, sondern weiter beschränkt werden, würde das den Hauptkonkurrenten der USA treffen. Allerdings auch nur begrenzt. China hat genug Reserven und andere Bezugsquellen. Von dem Ölgeschäft mit der Volksrepublik profitierte in der Vergangenheit vor allem Venezuela.
Bleibt Venezuela unter amerikanischer Kontrolle, werden die USA – egal welches Szenario am Ende eintritt – fein raus sein. Für die venezolanische Bevölkerung indes wäre es die Restauration vergangener Besitzverhältnisse, denen die Bolivarische Revolution vor gut zwei Jahrzehnten ein Ende setzen wollte.
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