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Aus: Ausgabe vom 06.01.2026, Seite 1 / Titel
US-Imperialismus

Cuba Sí – Yanqui No!

Nach dem Überfall auf Venezuela verstärken die USA ihre Drohungen gegen die sozialistische Karibikinsel
Von Volker Hermsdorf
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Solidarität mit Venezuela: Tausende protestierten in Kuba gegen den US-Imperialismus (Havanna, 4.1.2026)

Mit offenen Drohungen haben US-Präsident Donald Trump und sein Außenminister Marco Rubio Kuba ins Visier einer weiteren Eskalationsstufe der US-Politik in Lateinamerika genommen. Nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela erklärte Trump am Sonntag, die sozialistische Inselrepublik stehe »kurz vor dem Zusammenbruch«. Ursache seien jahrzehntelange wirtschaftliche Schwächung, interne Probleme – und der Wegfall venezolanischer Öllieferungen. Eine militärische Intervention wie in Venezuela sei daher »derzeit nicht notwendig«, der wirtschaftliche Würgegriff könne genügen. Kuba, so Trump, liege bereits »auf der Matte« und stehe »kurz vor dem K. o.«. – »Viele Kubanoamerikaner werden sehr glücklich mit uns sein«, fügte er hinzu.

Am Vortag hatte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel den USA vor Tausenden Demonstranten in Havanna bei einer Kundgebung auf der antiimperialistischen Tribüne nahe der US-Botschaft »faschistischen Staatsterrorismus« vorgeworfen und zum Schulterschluss »gegen den Faschismus und die imperialistische Barbarei« der Trump-Regierung aufgerufen. Schweigen sei keine Option, sagte er, die Aggression richte sich gegen ganz Lateinamerika. »Für Venezuela und für Kuba sind wir bereit, bis zum Äußersten zu gehen«, erklärte Díaz-Canel unter Beifall und fügte hinzu: »Nein, ihr imperialistischen Herren, das hier ist nicht euer Hinterhof!« In zahlreichen Städten der Insel fanden am Wochenende weitere Solidaritätskundgebungen statt. Die Regierung ordnete zudem eine zweitägige Staatstrauer für 32 kubanische Sicherheitskräfte an, die beim Überfall vom Sonnabend in Caracas neben nach Auskunft der Behörden 48 weiteren Personen von US-Soldaten getötet worden waren.

Parallel zur Mobilisierung im Land warnte Havannas Außenminister Bruno Rodríguez am Sonntag auf einem außerordentlichen Gipfel der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) vor einer Wiederbelebung der Monroe-Doktrin mit militärischer Gewalt. Lateinamerika sei kein »Hinterhof«, sondern gehöre allein den souveränen Völkern. Obwohl Trump seine gegen Kuba gerichteten Drohungen kurz zuvor auch auf Kolumbien und Mexiko ausgeweitet hatte, scheiterte eine gemeinsame Abschlusserklärung der 33 CELAC-Mitgliedstaaten jedoch am Widerstand der ultrarechten Präsidenten Javier Milei (Argentinien), Daniel Noboa (Ecuador) und Nayib Bukele (El Salvador).

Washingtons Verbündeten gelang es, Lateinamerika zu spalten, nachdem Trump in seinem Domizil Mar-a-Lago erklärt hatte, der Angriff auf Venezuela sei eine »Warnung« für alle, die US-Interessen bedrohten. »Ich glaube, wir werden am Ende über Kuba sprechen. Kuba ist derzeit ein gescheiterter Staat. Es ist insofern sehr ähnlich wie in Venezuela«, fügte er hinzu. Außenminister Rubio ergänzte, die USA würden »nicht zulassen, dass die westliche Hemisphäre zu einer Basis für Gegner, Konkurrenten und Rivalen« Washingtons werde. In diesem Sinne sei besonders Kuba ein »großes Problem«, erklärte auch er. »Ich werde Ihnen nicht sagen, was unsere nächsten Schritte sein werden. Aber ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des dortigen Regimes sind«, sagte Rubio gegenüber NBC News. Zuvor hatte er betont: »Würde ich in Havanna leben und wäre in der Regierung, würde ich mir Sorgen machen. Denn wenn der (US-)Präsident spricht, muss man ihn ernst nehmen.«

Auch wenn eine direkte militärische US-Intervention nicht unmittelbar bevorzustehen scheint, verschärft der Verlust des venezolanischen Öls, das Kuba bislang zu subventionierten Preisen erhielt, die ohnehin durch die US-Blockade angespannte Wirtschaftslage. Angesichts dieser Situation sind Kubas verbliebene Verbündete sowie die internationale Solidaritätsbewegung gefordert, Bevölkerung und Land beim Schutz ihrer Souveränität mehr denn je zu unterstützen.

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  • Leserbrief von Jürgen Amsberg aus Berlin (6. Januar 2026 um 13:34 Uhr)
    Fassungslosigkeit und Wut: Etwa 70 Menschen im Umfeld unliebsamer ausländischer Staatschefs kaltblütig zu ermorden und etwa 90 weitere Menschen zu verletzen, um den Staatschef nebst Ehefrau durch gewaltsame Entführung auf fremdem Staatsgebiet habhaft zu werden, steht in Übereinstimmung mit US-amerikanischem Weltgendarmrecht und die verbündeten EU-Staatschefs scheuen sich ängstlich, Stellung zu beziehen. Unter den etwa 70 Mordopfern sind 32 Kubaner.
    Ein irrer skrupelloser Egomane macht auf Weltherrschaft! Der Westen, der zur Täuschung und Manipulation seine Propagandamaschinen mit Menschenrechtsrhetorik füttert, geschmückt mit der instrumentalisierte Ode an die Freude, zeigt wieder einmal seine wahre räuberische Fratze als Club krimineller Ausbeuterregime. Wenn »Rambo-Zambo« an die Stelle von Völkerrecht treten soll, dann könnte sich China demnächst auch Taiwan zurückholen. Von wo aus soll denn der »flüchtige« Präsident Venezuelas geflohen sein (s. US-Begründung vor dem UN-Sicherheitsrat)? Ja, wenn die »Herren der Welt« aus Vietnam und Afghanistan fliehen mussten, greift man voller »Stolz« zu feigen nächtlichen Killeroperationen. Das war’s dann wohl mit dem Friedensnobelpreis, Mr. Trump!
  • Leserbrief von Doris Prato (6. Januar 2026 um 13:21 Uhr)
    Bei dem US-Überfall auf die Schwesterrepublik Venezuela in den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 sind auch 32 Kubaner im Kampf gefallen. Das kommunistische Magazin „Contropiano“ berichtete am 5. Januar, dass die Revolutionsregierung Kubas darüber informierte und bekannt gab: Sie führten im Auftrag der Revolutionären Streitkräfte und des Innenministeriums Missionen durch, die von Partnerorganisationen in dem südamerikanischen Land angefordert worden waren. Unsere Landsleute, so heißt es weiter, „sind ihren Pflichten in Sicherheits- und Verteidigungsfragen treu geblieben, haben sie mit Würde und Heldenmut erfüllt und sind nach erbittertem Widerstand im direkten Kampf gegen die Angreifer oder nach der Bombardierung von Anlagen gefallen“. Nachdem die Identität der Gefallenen bestätigt worden war, wurden die Familien der gefallenen Genossen informiert und erhielten das herzliche Beileid und die Unterstützung von Armeegeneral Raúl Castro Ruz, dem Anführer der kubanischen Revolution, und dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees der Partei und Präsidenten der Republik, Miguel Díaz-Canel Bermúdez, sowie der jeweiligen Führungsspitze beider Ministerien. Die Revolutionsregierung werde angemessene Maßnahmen ergreifen, um ihnen die gebührende Anerkennung zu zollen.
  • Leserbrief von Reinhold Schramm aus Berlin (6. Januar 2026 um 12:53 Uhr)
    »Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.« Das hatte Bertolt Brecht einer Bourgeoisie entgegnet, die materiell wohlsituiert den unteren gesellschaftlichen Schichten Moral predigen wollte. Man könnte Brechts Entgegnung erweitern auf die meist wohlsituierten und bestens versorgten Gutmenschen – mit sozialrevolutionären und persönlichen Anspruch – in Westeuropa und Deutschland. Wenn, man wie die Mehrheit der kubanischen Bevölkerung über einen Zeitraum von Jahrzehnten in wirtschaftlicher und sozial-materieller Armut lebt und überlebt. Dann zeigt sich in der Bewährung und im anhaltenden Widerstand gegen äußere Bedrängnis und vorgebliche Wohlstandsangebote erst das persönliche Beharrungsvermögen. Das beste Beispiel hierfür ist auch der Untergang und die Implosion der historischen DDR wie der einstigen Sowjetunion. Ebenso, die weltweite Niederlage aller sozialrevolutionären Befreiungsbewegungen – mit vormaligem Anspruch auf die gesellschaftspolitische Zielsetzung und Herausbildung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Noch eine Anekdote zum Abschluss: Mein Verwandter fragte zwei (heutige) Boxprofis aus Kuba, was für sie die Beweggründe waren, sich in Paris aus dem kubanischen Aufgebot abwerben zu lassen? Beide heutige Berufsboxer bekannten, dass sie keine unmittelbaren politischen Motive hätten, den kubanischen Boxsport zu verlassen. Der Betreiber eines deutschen Boxclubs – vor allem auch für Profiboxer – bot ihnen mehrere Tausend Euro und eine für sie kostenfreie Wohnung, ebenso einen (kostenfreien) PKW der Mittelklasse, wenn sie sein Angebot für ihre westliche Boxkarriere annehmen. Sie begründeten ihren Systemwechsel mit ihrer Jugend im Boxsport und dass sie damit auch ihre kubanischen Familienangehörigen finanziell unterstützen könnten. 06.01.2026, R.S.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred Guerth aus Hamburg, Manni Guerth (5. Januar 2026 um 21:34 Uhr)
    Überzeugt von der Ideologie des Pragmatismus, dessen Grundprinzip es ist, dass es nicht auf die Methode ankommt, sondern auf das Resultat. Oder anders gesagt: Alles was zum Erfolg führt, ist richtig und erlaubt, überfällt der US-Faschismus wieder einmal unrechtmäßig ein Land und nennt sich selbst »Land der Freiheit«. Pragmatismus ist eine Philosophie des subjektiven Idealismus. Die ideologischen Begründer waren Peirce, James und Dewey. Peirce war sein Begründer, James sein Propagandist und Dewey sein Hohenpriester. Der damalige Präsident Eisenhower wandte das »Prinzip« auf den Einsatz von Atomwaffen an. Er sagte sinngemäß: Wenn der Einsatz der Atombombe zum Gewinn führt, dann würde ich sie sofort einsetzen. Der Pragmatismus wurde zur Theorie der Überlegenheit, zur Theorie der Weltherrschaft. Auf Grundlage dieser Theorie werden Raub, Plünderungen, Kriege, Nichtbeachtung nationaler Grenzen, politische Putsche und Präsidentenentführung und -ermordung ausgeführt. Vor den USA hatten damals schon die Angelsachsen mit der Theorie der Überlegenheit ihren Rassismus und Kolonialismus begründet. Die Wurzel des US-Faschismus ist also der Pragmatismus. Die Entführung von Maduro ist ein Schritt, um die Bodenschätze Venezuelas zu plündern. Sollten sie damit durchkommen, dann wird es weitergehen. Dann wird das nächste Land ins Visier genommen.

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