Erblindung im US-Gefängnis droht

Liebe Freunde, Brüder, Schwestern, Genossen, Unterstützer und Familie – nicht zu vergessen! Ich habe lange gezögert, über meine Augenprobleme zu sprechen. Die Gründe dafür mögen einigen nicht klar sein, aber ich kann es so erklären: Im Gefängnis muss man jedes Anzeichen von Schwäche um jeden Preis vermeiden. Diese Einrichtung unterscheidet sich von vielen anderen Institutionen in der Gesellschaft dadurch, dass sie stark männlich geprägt und daher auf eine andere Weise »geschlechterbewusst« ist als die übrige Gesellschaft. Schwäche zieht Raubtiere an.
Also habe ich es für mich behalten, und zwar einfach deshalb, weil ich fälschlicherweise glaubte, ich würde schnell eine Antwort bekommen, sobald ich untersucht würde und klar wäre, dass es sich im Zusammenhang mit der Problematik meiner Sehkraft um eine echte Erkrankung meiner Augen handelt. Mann, wie habe ich mich geirrt! Ich lag, wie man so schön sagt, völlig daneben. Was ich bekam, war wortwörtlich Untersuchungsergebnis nach Untersuchungsergebnis nach Untersuchungsergebnis nach Untersuchungsergebnis!
Aber erst als ich zu einer externen Untersuchung ausgeführt wurde und die früheren Befunde von einem renommierten Augenfacharzt bestätigt wurden, kam der Ball ins Rollen. Und selbst dann rollte er immer noch unendlich langsam. Ich bin praktisch unfähig zu lesen, unfähig zu schreiben, unfähig, mehr als den Titel einer Zeitung zu erkennen, nicht einmal die Schlagzeilen kann ich lesen, und die Farben des Fernsehbildes verschwimmen vor meinen Augen. Als »Fernsehen« bleibt mir jetzt nur noch mein Radio.
In diesem Zustand befinde ich mich seit gut acht Monaten, und so geht es weiter. Ich hätte das nie gedacht, aber so ist die Lage jetzt. Es bedurfte also dieser Bedingungen und der Analyse der bisherigen medizinischen Untersuchungen, von denen ich erzählt habe, um uns zum Handeln zu bewegen, obwohl wir eigentlich schon früher und zügiger hätten handeln müssen. Ich bedaure mein Zögern. Ich danke euch für eure Geduld, aber unsere Geduld ist bald am Ende. Wir arbeiten, wir bewegen uns und versuchen, die Situation einer Lösung zuzuführen, und wir hoffen – hoffen, dass es nicht zu spät ist. Sieben Monate, acht Monate im Schatten und in der Dunkelheit sind acht Monate zuviel.
Übersetzung: Jürgen Heiser
In den USA kursiert innerhalb der Solidaritätsbewegung aktuell der Aufruf »Mumias Sehvermögen ist gefährdet«. Darin heißt es: »Er leidet unter einem Sehverlust, der zu dauerhafter Erblindung führen kann. Sein Sehvermögen ist durch zwei Verursacher bedroht. Zum einen durch die Gefängnisbehörde Pennsylvania Department of Corrections, zum anderen durch den im Knast zuständigen privaten Gesundheitsdienstleister Wellpath. Beide haben zugelassen, dass sich Mumias Sehvermögen so weit verschlechtert hat, dass er praktisch blind ist. Sie lassen ihn langsam erblinden, indem sie die Behandlung seiner Katarakt-Erkrankung (Grauer Star; jW) und der kürzlich diagnostizierten diabetischen Retinopathie seiner Augen seit Monaten verzögern.« Der Aufruf empfiehlt, öffentlichen Druck auszuüben und bei den Verantwortlichen anzurufen oder E-Mails an sie zu senden:
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Prison SCI Mahanoy; Leiterin Superintendent Bernadette Mason, Tel.: 001-570-773-2158
PA DOC Secretary Laurel Hardy,
E-Mail: ra-crpadocsecretary@pa.gov
Central Office of PA DOC: E-Mail: racontactdoc@pa.gov
Textvorschlag: »My name is … and I am calling/writing from … I am calling/writing in regard to Mumia Abu-Jamal, also known as Wesley Cook AM 8335. He is suffering from severe vision loss, which can be treated easily; otherwise, he will lose his eyesight entirely. I demand that this treatment happens immediately!« (jh)
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