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Aus: Ausgabe vom 22.01.2019, Seite 11 / Feuilleton
Droste

Autodeutsche

Von Wiglaf Droste

Wo der Mensch einen Verstand hat, parkt der Deutsche sein Auto. Es ist das einzige, das ihn an seinem Leben interessiert. Dass beide, Auto wie Leben, uniform hässlich sind, macht ihm nicht nur nichts aus; er bemerkt es nicht einmal. Hauptsache, das Ding hat vier Räder und rast. 30 Prozent der Landsleute fahren mittlerweile SUV, Tendenz steigend. Der Deutsche nimmt den Panzer, um sich die Welt zu erschließen und wundert sich, dass sie sich ihm verschließt. Man muss dazu auch überhaupt nicht fahren können, aggressives Durchwalzen reicht.

Der erste Schritt einer Zivilisierungskampagne für Deutsche wäre, ihnen ihre Autos wegzunehmen. Hilflos und grundbeleidigt ständen und stänkerten sie herum, fauchend vor Wut, dass man ihnen ihr einziges und heiliges Grundrecht abzwackte: das Recht auf Doof und Brumm. Möglicherweise aber ergriffe einer unter Millionen die ihm geschenkte Gelegenheit, sich menschenähnlich zu benehmen und leise zu sein. Mit dem Zauber der Naivität gesprochen: Man soll die Hoffnung nicht aufgeben.

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