Sommerabo

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Die Tageszeitung junge Welt berichtet aus marxistischer Perspektive von sozialen Kämpfen im Inland und weltweit. Testen Sie sie drei Monate lang mit einem »Aktionsabo«.

  • Marx to go: Kapitel 10

    »Après moi le déluge! [Nach mir die Sintflut!] ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation.« (Das Kapital. Band I, MEW 23, 285)

    Das Aktionsabo ist letztmalig am 24. September bestellbar. Das Angebot endet automatisch und muss nicht abbestellt werden. Jetzt abonnieren!

  • Endspurt: Bestellung des jW-Sommerabos

    Tageszeitung junge Welt im Druck

    Hunderte Leserinnen und Leser, die bisher die junge Welt eher nur gelegentlich gelesen hatten, nutzen mittlerweile unser günstiges Spezialangebot für den Sommer. Sie lernen so diese Zeitung gründlich kennen: ihre Autoren, ihre Rubriken und ihre Themen. Eine Tageszeitung drei Monate lang in den Briefkasten gesteckt zu bekommen, ist einfach eine hervorragende Gelegenheit dafür. Zumal wir für dieses Angebot besonders attraktive Konditionen einräumen. Statt des Normalpreises von 115,20 Euro zahlen Sie nur 62 Euro! Das kleine Handbuch »Marx to go« mit einer Auswahl von Zitaten des Klassikers gibt es gratis dazu. Das Abo endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Und es eignet sich auch wunderbar als Geschenk für Freunde, denen Sie diese Zeitung schon immer mal vorstellen wollten. Jetzt aber ranhalten: Trotz immer noch sommerlicher Temperaturen endet die Bestellmöglichkeit am 24. September. Zeit zum Handeln also!

    Aktionsbüro

  • Das verschwiegene Fest

    Woran die Tageszeitung junge Welt mitwirkt und worüber andere nicht einmal berichten

    Wenn 40.000 Linke zusammenkommen, um gemeinsam zu diskutieren, entschlossen Widerstand zu formieren, Kunst zu genießen und entspannt zu feiern, passt das für die ­»Qualitätsmedien« dieses Landes in keine mediale Schublade. Das umfassende Schweigen zum erfolgreichen Verlauf des UZ-Pressefestes am vergangenen Wochenende in Dortmund war zu erwarten. Es verwundert dann allerdings schon, wenn einer erklärtermaßen sozialistischen Tageszeitung das größte linke Fest auf deutschem Boden nicht einmal eine Zeile wert ist. Zumal dieses Presseorgan mit einem, wenn auch eher dezent betriebenen, Infopavillon und einem Lokalredakteur vor Ort vertreten war.

    Die Tageszeitung junge Welt ist in Zeiten wie diesen unentbehrlich, allein ein vergleichender Blick auf die Berichterstattung zum Thema Pressefest genügt, dies festzustellen. Wer uns kennt, weiß, dass wir es nicht beim bloßen Berichten bewenden lassen. Wo linke Debatte und Gegenkultur sich entfalten, bringen sich die Macherinnen und Macher von jW und M&R gern mit eigenständigen Beiträgen ein. Mehr noch: Alljährlich produzieren wir eine Art »junge Welt mit anderen Mitteln« in Form der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz. Ein vom Aufwand her als Kleinausgabe dieses Forums einzuschätzender Verlagsauftritt war auch in Dortmund zu erleben. 13 durchweg spannende Veranstaltungen, die wichtige Themensetzungen von jW und M&R repräsentierten, zogen weit mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher an. Die in der aktuellen jW-Wochenendbeilage zu findende Bildreportage und eine weitere Fotostrecke in der Onlineausgabe lassen ein wenig die großartige Atmosphäre dieser Veranstaltungen erahnen.

    So wie die Rosa-Luxemburg-Konferenz sind auch unsere Aktivitäten auf dem Pressefest ohne die Mitwirkung aufopferungsvoll tätiger Unterstützerinnen und Unterstützer nicht denkbar. Sandra B., Michael K., Claudia K., Helga H., Günter G., Marion W., Sonja R., Maike W. und Silke A. gilt unser ganz herzlicher Dank! Erschöpft, aber begeistert kündigten einige von ihnen noch am Abschlussabend in Dortmund an, beim nächsten Mal unbedingt wieder dabeisein zu wollen. Weil dieses tolle Fest wie auch diese einzigartige Tageszeitung unverzichtbar seien und Hoffnung machten. Versuche, linke Feste totzuschweigen, werden mit diesem Rückhalt auch künftig nicht fruchten.

  • Rotlicht: Kritik

    Daniel Bratanovic

    Der Wütende ist nicht mehr allein. Er findet seinesgleichen inzwischen regelmäßig zu Tausenden auf Straßen in beispielsweise sächsischen Städten. Warum sind er und die vielen anderen so wütend, und in welchem Verhältnis stehen Wut und Wahrheit zueinander? Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht bloß eine Obliegenheit der Psychologin oder des Erkenntnistheoretikers. Es gibt andere, im besten Falle weiterführende Methoden.

    Ideologiekritik heißt das Verfahren, zunächst eine mangelnde Übereinstimmung von Denken und Sein zu indizieren. Oder, anders gesagt, die Welt nicht als Welt, sondern als falsches Bewusstsein von ihr zu erfassen. Sofern die Ideologiekritikerin dann auch noch weiß, dass die krummen und schiefen, hässlichen und abstoßenden Gedanken, der falsche und dumme Reim, die sich Menschen oft genug zu ihren bzw. auf ihre unschönen Lebensumstände machen, eben genau diesen Umständen, also den gesellschaftlichen Verhältnissen, erwachsen, hat sie sich von Moral und Betroffenheit himmelweit entfernt. Für Wut und dummes Urteil, soll das heißen, existiert ein materielles Substrat – im Grunde eine Binse.

    Kritik ist generell, das sei damit angedeutet, ein Denken in Zusammenhängen und Wechselwirkungen. Sie begnügt sich nicht mit der Feststellung und Sammlung von Einzeltatsachen. Indem ein Subjekt tätig in die Objektwelt eingreift, verändert es nicht nur die äußere Wirklichkeit, sondern auch die Beziehungen, in denen es selbst steht, und damit letztlich sich selbst. Diesen Umstand zu reflektieren macht Kritik im allgemeinen aus. Als denkende Vernunft muss Kritik zugleich den Maßstab der Beurteilung an das eigenen Denken anlegen: Reflexion der Reflexion.

    Jenseits dieser abstrakten Bestimmung bleibt indessen schwieriger zu beantworten, wie sich ein Bewusstsein von der Welt korrigieren lassen soll, wenn es als Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse gleichsam »notwendig« falsch wird. Marx hatte in seiner »Kritik der politischen Ökonomie«, aber nicht nur dort, bemerkt, dass sich die Welt der kapitalistischen Warenproduktion nicht als das zeigt, was sie in Wahrheit ist, dass die Menschen ihr entfremdet gegenübertreten, dass, philosophisch gesprochen, Subjekt und Objekt einander unversöhnt begegnen. Die Verschwendung von Arbeitskraft und Menschenleben, die Kriege und das Elend erscheinen als unabänderliche Naturgewalt, als übermenschliches Schicksal.

    Gegen diese schiere Aussichtslosigkeit verfolgt Kritik einen Zweck und wird damit politisch. Sie muss sich ihren Voraussetzungen nach »als Vorbereitung und Aufforderung zur praktischen Veränderung schlechter Verhältnisse verstehen. Sie kann sich nicht darauf beschränken, in den Köpfen der Theoretiker die Skepsis gegen die Wirklichkeit zu nähren« (Hans Heinz Holz). Auch Marx wusste das schon, und nicht anders ist die berühmte Sentenz aus der Einleitung zur »Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie« von 1844 zu verstehen: »Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.«

    Wer da gegenwärtig wütend auf die Straßen drängt, möchte von der Waffe der Kritik und der Theorie als materieller Gewalt nicht viel wissen. Man tut sich keinen Gefallen damit, diesen Leuten als bloß Verhetzten und Fehlgeleiteten mit viel Verständnis und Empathie zu begegnen. Denn damit ist über sie implizit das wenig schmeichelhafte Urteil ausgesprochen, sie seien zu eigener Urteilsbildung kaum fähig. Der deutsche Biedermeier empört sich über brennende Autos in Hamburg und Berlin, nicht aber über brennende Asylbewerberheime in Baden-Baden, Meißen, Stuttgart oder Kornwestheim. Man wende sich doch, auch das wäre Kritik, denen zu, die eben nicht finden, ihr Unterdrücktsein lasse sich am besten dadurch lösen, dass sie andere Unterdrückte durch Straßen jagen, nur weil die anders aussehen.

  • Die tägliche Überlebensration

    Warum junge Welt in Zeiten wie diesen unentbehrlich ist

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    Geht weg wie warme Semmeln: Verteilung von junge Welt am 1. Mai

    Von »schlimmen Zeiten« sollte man nur mit Bedacht sprechen. Aber wie sonst soll man eine Situation benennen, in der es einem Triumvirat des tiefen Staates möglich ist, dem Toben von Nazis und »Wutbürgern« geradezu regierungsamtliche Legitimation zu verleihen? Ein Aufschrei in den »Qualitätsmedien« bleibt nicht nur aus. Beflissen räumt man ultrarechten Parolen zunehmend Raum in der Berichterstattung ein.

    Verantwortung übernehmen

    Widerstand tut not, gerade im medialen Bereich. Um so alarmierender ist es, wenn gerade zwei der sich als links verstehenden Tageszeitungen ihre schrittweise Verabschiedung von der Druckversion propagieren. Die Tageszeitung junge Welt geht diesen Weg nicht mit. Uns ist die flächen­deckende Präsenz an den Kiosken schon deshalb wichtig, weil so vielerorts unsere Titelseiten mit antirassistischen und antimilitaristischen Inhalten weithin sichtbar sind. Wir wissen es zu schätzen, Zehntausenden Menschen eine gedruckte Ausgabe in die Hand geben und sie mit aufklärerischem journalistischem Angebot versorgen zu können. Wie viele unserer Leserinnen und Leser auch gehen wir davon aus, dass komplexe Sachverhalte in einem Printmedium strukturiert, übersichtlich und damit lesbar sein müssen. Die Präsenz im Internet dabei nicht aus dem Auge zu verlieren versteht sich von selbst. Wir setzen auf die optimale Kombination von Print und Online.

    Auf Inhalte kommt es an

    Für viele Leserinnen und Leser ist junge Welt mittlerweile zu einem »medialen täglich Brot zwecks Überleben in einer immer rauheren Welt« geworden, wie Margit K. aus Halle/Saale unlängst in einem Leserbrief schrieb. Artikel in jW benennen und analysieren die Ereignisse im Land und anderswo auf der Welt von einem der Arbeiterklasse verbundenen Standpunkt aus. Als einzige deutschsprachige Tageszeitung, die sich klar zu ihrer marxistischen Orientierung bekennt, bezieht jW konsequent Position gegen Ausbeutung und Rassismus, gegen den Abbau demokratischer und sozialer Rechte, gegen Rüstung und Krieg – erst recht mit deutscher Beteiligung.

    Gegen Lüge und Hass

    Beiträge in jW immunisieren gegen die Verbreitung von Lüge und Hass, benennen, was andere gern verschweigen. So sind etwa die jW-Themenseiten vom 4. und 5. September ein wichtiges Hilfsmittel, um zu verstehen, warum Arbeiter und Angestellte rechten Rattenfängern der AfD auf den Leim gehen und wie man dem widerstehen kann. Die Berichterstattung über die vermeintlich Unabhängige Patientenberatung Deutschland (zuletzt in jW vom 6. September, Seite 2) wiederum liefert exklusiv Fakten, auf welch skandalöse Weise eine gemeinnützige Organisation zum Schutze von Patienten faktisch in die Hände jener gelangte, vor deren Fehlleistungen dort Schutz gesucht wird. Man darf gespannt sein, wann die zuständigen Institutionen ihre Schlüsse ziehen. Ebenfalls am 6. September analysierte Susann Witt-Stahl auf unserer Schwerpunktseite, wie Linke-Politiker mit falschen Antisemitismusvorwürfen agieren und friedenspolitische Grundsätze über Bord werfen. Drei Beispiele dafür, was häufig nur in junge Welt zu lesen ist, worauf viele nicht mehr verzichten möchten.

    Sollten Sie eher sporadisch lesen und sich noch nicht sicher sein, ob junge Welt auch für Sie täglich unverzichtbar werden könnte, nutzen Sie am besten unser Sommer-Spezial-Angebot: Sie erhalten dann diese Zeitung drei Monate lang für nur 62 Euro (Normalpreis 115,20 Euro) sowie das Handbuch »Marx to go«. Das Aktionsabo kann natürlich auch verschenkt werden. Noch sind zwei Wochen Zeit zum Bestellen!

    Verlag, Redaktion, Genossenschaft

  • Marx to go: Kapitel 9

    »Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.« (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW 1, 385)

    Mit den Analysen von Karl Marx lässt diese Gesellschaft trefflich kritisieren. Lernen Sie die Tageszeitung junge Welt kennen mit dem Marx-Aktionsabo.

  • Rotlicht: Hegemonie

    Niklas Sandschnee
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    Karl Marx schreibt im dritten Band des »Kapitals«: »Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft.« Der Philosoph und Ökonom streute diese Bemerkung in einem Absatz, in dem er den Unterschied zwischen »zinstragendem« und »Wucherkapital« diskutiert, eher beiläufig ein. Er formuliert eine Kritik an denjenigen »ökonomischen Apologeten« des Kapitals, die davon schwärmten, dass immer wieder auch der eine oder andere aus nicht vermögendem Elternhause es schaffe, zum Kapitalisten aufzusteigen. Dass also – in einem heute geläufigen Bild für den »amerikanischen Traum«, aus dem die bürgerliche Phantasie nie ganz erwacht – gelegentlich der Tellerwäscher zum Millionär wird.

    Marx’ Pointe ist, dass dies eben nicht das brutale Faktum der Klassenherrschaft verschwinden lässt, sondern ganz im Gegenteil zeige, wie quietschfidel diese sei. Denn oft genug nehmen die motiviertesten und intelligentesten Kinder der beherrschten Klassen als Aufsteiger eine aktiv reaktionäre Rolle ein, indem sie den Beherrschten nun sich selbst als leuchtendes Beispiel für die frohe Botschaft von Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit präsentieren und dem sentimentaleren Teil der herrschenden Klasse das beruhigende Gefühl vermitteln, dass das Elend der Untengebliebenen irgendwie auch selbstgewählt ist – sie hätten sich ja nur mehr anstrengen müssen.

    Dieser Mechanismus ist Teil einer breiteren Strategie zur Herstellung von etwas, das der marxistische Machiavellianer Antonio Gramsci mit dem Begriff der »Hegemonie« bezeichnete. Dieses dem Altgriechischen entlehnte Wort, das ursprünglich einmal »Heerführung« oder »Oberbefehl« hieß, meint die Herstellung von Klassenherrschaft unter Einbindung von Fraktionen verschiedener anderer Klassen. Von Bedeutung sind hier nicht nur die aufgestiegenen Tellerwäscher, sondern beispielsweise auch Lehrer, die ihren Schülerinnen vermitteln, dass sie die Hoffnung auf Aufstieg nicht aufgeben sollen, Politiker, die Gründungszuschüsse für Hartz-IV-Empfänger beschließen, und Philanthropen, die mit günstigen Mikrokrediten der ländlichen Bevölkerung im Trikont ermöglichen wollen, ihre Produkte auf dem Weltmarkt feilzubieten.

    Gerade in der Debatte um den sogenannten Linkspopulismus wird dieser Begriff oft verwendet. Bei der »Gegenhegemonie«, die man organisieren möchte, fällt allerdings auf, dass ihre Wortführerinnen sich eher an den Machiavellianer als an den Marxisten Gramsci halten: Es ist vor allem ein Kampf um »Köpfe« oder »Milieus«, die in Feldherrenmanier zu »neuen Mehrheiten« zusammengezogen werden. Dagegen muss festgehalten werden, dass die Tücke des oben beschriebenen Mechanismus eben die ist, dass er an die materiellen Interessen vieler Beherrschter anschlussfähig ist. Niemand will gern ganz ohne Aufstiegsperspektive sein, wenn die Ausbeutung selbst nicht zur Disposition steht.

    Der Kampf um Hegemonie kann deshalb von links nicht aufgenommen werden, wenn die Klassenfrage nicht deutlich gestellt wird. Das ist auch unumgänglich, weil es eine Perspektive gibt, die gefährlicher ist als die solide bürgerliche Klassenherrschaft: Denn mit marodierenden Kleinbürgern, Lumpenkapitalisten und Aristokratinnen ohne Hof als Klientel der Kurz’, Gaulands und Trumps dieser Welt formiert sich eine Kraft, die die beherrschten Klassen mit rassistischer Spaltung und unmittelbarem Zwang niederhalten will – und die auch deswegen auf wenig Gegenwind trifft, weil einerseits die Aufstiegsversprechen der liberal-bürgerlichen Hegemonie immer fadenscheiniger geworden sind und andererseits die bizarre Ungleichheit fast schon als naturgegeben hingenommen wird, so dass nur noch gefragt wird, wen sie treffen soll.

  • Chemnitzer Blutbad

    Wie potentielle Killer-Flüchtlinge in Sonderwirtschaftszonen deutsche Interessen befriedigen könnten

    Dietmar Koschmieder
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    Ausgezeichneter Mann: Günter Nooke, Merkels Afrikabeauftragter

    Viele der Informationen, die täglich der jungen Welt zu entnehmen sind, können ganz schön auf die Stimmung schlagen. Besonders in schlechten Zeiten wie diesen. Hier nur zwei Beispiele aus den letzten Tagen. Da nutzen Faschisten den gewaltsamen Tod eines jungen Mannes für Lügenpropaganda und offene Hetze, die zu organisierten Treibjagden gegen alle, die nur aussehen wie Ausländer, führen. Der Staat übt vornehme Zurückhaltung gegen die rechten Umtriebe und fordert damit die Nazis geradezu auf, ihr Treiben fortzusetzen. Politiker finden klare Worte für ihre Empörung: »Antifaschisten sind auch Faschisten. Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist keine gute Idee«, kommentiert etwa der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus per Twitter die gewaltsamen Ausschreitungen in Chemnitz. Nicht zufrieden mit der Berichterstattung über die Vorfälle zeigt sich die »DDR-Bürgerrechtlerin« Angelika Barbe von der CDU: »Wenn es noch eines einzigen Beweises bedurft hätte, dass die ›gebührenfinanzierten Staatsmedien‹ nicht unabhängig, sondern fest in links-grüner Hand sind, wurde er am Chemnitzer Blutsonntag erbracht.« Wie man es richtig unabhängig macht, kann Frau Barbe beim Blog Halle-Leaks nachlesen (»Blutbad in Chemnitz – wieder morden Merkels Killer-Flüchtlinge mit Messern«) und die an gleicher Stelle angebotenen Aufkleber kaufen, auf denen ein schwarzes Gesicht mit hängender Zunge und der Unterzeile »Ficki, Ficki?« abgebildet ist. Ein Chemnitzer Blutbad mit über 30 Toten und über 100 Verletzten hat es übrigens tatsächlich gegeben – am 7. und 8. August 1919, als eine Arbeiterdemonstration von deutschem Militär zusammengeschossen wurde.

    Deutsches Militär treibt sich heute wieder in Afrika herum. Um dessen Präsenz auszubauen, weilt Frau Merkel derzeit auf dem Kontinent. Womöglich hat sie noch andere Absichten, erläutert ihr Sonderbeauftragter für Afrika, der »DDR-Bürgerrechtler« Günter Nooke, gegenüber einer Nachrichtenagentur: Auf dem Kontinent sollten Sonderwirtschaftszonen eingerichtet werden, um die Migration nach Europa einzudämmen. Sonderwirtschaftszonen? Um potentielle Ficki-Ficki-Killer-Flüchtlinge gleich vor Ort wie Sklaven ausbeuten zu können? Weil bei vorherrschender Korruption beste Verwertungsbedingungen für deutsches Kapital bestehen? Nooke formuliert das vornehmer: »Heute gibt es weniger Industrieproduktion in Afrika als zur Kolonialzeit. Das ist erschreckend.« Ein Grund dafür sei die Korruption in vielen afrikanischen Staaten, die ausländische Firmen abschrecke. »Warum schafft man da nicht Sonderentwicklungszonen, in denen die Staaten für 50 Jahre ihre Hoheitsrechte abgeben und vielleicht die EU den Rechtsrahmen für Investitionen von Firmen aus dem Ausland garantiert?« Merkels Afrikabeauftragter lässt auch diese Frage nicht unbeantwortet: »Entweder, die Staats- und Regierungschefs machen selbst eine bessere Politik, oder sie geben Sonderwirtschaftszonen frei.« Deutsches Militär steht sozusagen bereits Gewehr bei Fuß. Der geschäftsführende Ausschuss des deutschen Kapitals wird wohl wissen, warum er gerade diesen Mann mit dem Nationalpreis und dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet hat.

    Nicht alle unsere Leserinnen und Leser können solche Nachrichten so ohne weiteres wegstecken. Manche dürfen deshalb auf ärztlichen Rat hin die junge Welt nur noch am Wochenende lesen. Als ob dadurch die Welt besser würde. Es geht auch anders. Unser Leser und Genossenschaftler Eddi K. aus Magdeburg rief diese Woche verzweifelt wegen der rassistischen Hetze und der rechten Umtriebe bei jW an. Er sei noch nie auf dem UZ-Pressefest gewesen, könne sich aber vorstellen, dass ein Besuch dort notwendige Kraft geben könnte, das alles auszuhalten. Tatsächlich ist das so, und wir können Eddi und allen anderen nur empfehlen, am kommenden Wochenende nach Dortmund zu reisen. Denn dieses Pressefest hat nicht nur ein umwerfend vielfältiges Programm zu bieten – dort treffen sich Tausende von Menschen, die für eine Welt eintreten, in der Menschlichkeit und Fortschritt den Lauf der Dinge bestimmen und nicht Dummheit, Hass und Profitgier. Aber auch das tägliche Lesen der jungen Welt gibt Kraft. Denn dort werden nicht nur aktuelle Entwicklungen des Kapitalismus geschildert – sondern auch, wer wie und wo Widerstand dagegen leistet.

  • Marx to go: Kapitel 8

    »Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer de beherrschten Klasse in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft.« (Das Kapital, MEW 25, 614)

    Die Theorien von Karl Marx bleiben ein wichtiger Leitfaden für die Analysen in der Tageszeitung junge Welt. Überzeugen Sie sich davon – bestellen Sie unser Marx-Aktionsabo!

  • Rotlicht: Recht auf Arbeit

    Daniel Bratanovic
    Rotlicht

    In Zeiten, in denen jeder einzelne zum Unternehmer seiner Ware Arbeitskraft zugerichtet wird, jeder Handwerker am besten gleich als Soloselbständiger in einem erbarmungslosen Unterbietungswettbewerb treten soll, die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeitszeit längst verwischt sind und der Staat mit der Drohung der Leistungskürzung den Almosenempfänger zur Annahme jeder beliebigen und lächerlich entlohnten Dreckstätigkeit zwingt – in diesen Zeiten ist der Ruf nach einem Recht auf Arbeit längst verstummt. Doch der frühen Arbeiterbewegung war es eine Kernforderung.

    Bereits die Französische Verfassung von 1793, verfasst und verabschiedet inmitten der Revolution, enthielt in ihrem Artikel 21 den Satz: »Die Gesellschaft schuldet ihren unglücklichen Mitbürgern den Unterhalt, indem sie ihnen entweder Arbeit verschafft oder denen, die außerstande sind, zu arbeiten, die Mittel für ihr Dasein sichert.« Der als »utopischer Sozialist« kanonisierte Charles Fourier (1772–1837) formulierte 1816 in seiner Schrift »Aus der neuen Liebeswelt« ähnlich, aber kritisch gegen die abstrakten Rechte der Französischen Revolution gewandt, das Recht auf Arbeit sei das »erste der natürlichen Rechte«, das eine Gesellschaft dem Armen zu verbürgen habe. Mehr verlange der gar nicht. Das Volk lasse sich »die Unterwerfung, die Ungleichheit und die Knechtschaft gefallen, sofern ihr nur auf die Mittel sinnt, ihm zu Hilfe zu kommen, wenn politische Wirren es seiner Arbeit berauben, zur Hungersnot verdammen, in Schande und Verzweiflung stoßen«.

    Das Gottvertrauen in die gerechte Obrigkeit und die Subordination des Volkes wurde mit der Juniinsurrektion von 1848 enttäuscht. Noch im Februar hatte die neue Revolutionsregierung unter Mitwirkung des kleinbürgerlichen Sozialisten Louis Blanc das Recht auf Arbeit proklamiert und zu dessen Gewährleistung in Paris sogenannte Nationalwerkstätten eingerichtet. Deren aufgrund mangelnder Disziplin und Effektivität sowie gefürchteter sozialistischer Agitation erfolgte Schließung gab den Anlass zur Erhebung vom Juni, die dann rasch und äußerst brutal niedergeschlagen wurde.

    In seiner Schrift »Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848–1850« befand Marx, das Recht auf Arbeit sei bloß eine »erste unbeholfene Formel, worin sich die revolutionären Ansprüche des Proletariats zusammenfassen«. Und stipulierte unmissverständlich: »Das Recht auf Arbeit ist im bürgerlichen Sinn ein Widersinn, ein elender, frommer Wunsch.« Gleichwohl gab er zu bedenken, dass dahinter »die Gewalt über das Kapital« stehe und hinter dieser wiederum die Aneignung der Produktionsmittel, »also die Aufhebung der Lohnarbeit, des Kapitals und ihres Wechselverhältnisses«.

    Der Widersinn mit dem verborgenen revolutionären Gehalt fand seinen Niederschlag nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den fortschrittlichen Verfassungen Italiens und Frankreichs, aber auch in einigen Landesverfassungen der Bundesrepublik. Einklagbar war dieses Recht nie, bestenfalls programmatisch zu verstehen als moralischer Appell oder sittliche Pflicht. In stiller Übereinstimmung mit der Marxschen Doxa schrieb der bürgerliche Brockhaus dazu ganz lakonisch, ein solches Recht sei mit der »privat- und marktwirtschaftlichen Ordnung nicht vereinbar«.

    Anders im Sozialismus. Die Außerkraftsetzung der Warenförmigkeit der Arbeitskraft beseitigte die Arbeitslosigkeit, und das Recht auf Arbeit, verfassungsmäßig verankert, war mehr als Programmsatz. Inwiefern die sozialistischen Gesellschaften dabei jenseits der Garantie eines Arbeitsplatzes Möglichkeiten zur schöpferischen Entfaltung des Bürgers boten, ist ein anderes Thema.

    Ein gutes Vierteljahrhundert nach der restlosen Beseitigung sozialistischer Verkehrsformen ist die allenthalben zu vernehmende Phrase von der Selbstverwirklichung qua Arbeit eine Perversion, die in Wahrheit Entgrenzung des Arbeitstages und maximale Ausbeutbarkeit bedeutet.

  • Lesen und genießen

    Aktionsabo, Münsterländer Schieferbrot und Markgräfler Gutedel: Warum Sie einen Besuch beim jW-Festzelt nicht verpassen sollten

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    Spende für die Lenin-Bar

    Ein Besuch unseres Festzeltes auf dem UZ-Pressefest, das vom 7. bis 9. September 2018 im Revierpark Wischlingen bei Dortmund stattfindet, lohnt sich nicht nur wegen spannender kultureller und politischer Angebote. An unserer Lenin-Bar im Zelt bieten wir auch kulinarische Genüsse wie unsere deftig und süß belegten Bemmen an. Das Brot dazu stammt von einem Bäckermeister, der das alte Handwerk ganz traditionell fortführt und auch alte Rezepte wieder umsetzt. Für unsere Lenin-Bar schlägt er ein Brot vor, das nach althergebrachtem Münsterländer Rezept auf Schieferplatte gebacken wird. Für das Fest wird er spezielle 1,5-Kilo-Laibe anfertigen, die dann von uns liebevoll geschnitten und belegt werden. Natürlich halten wir auch kleine Snacks wie Käsewürfel, Oliven oder Nüsse bereit. Neben alkoholfreien Getränken kredenzen wir einen guten badischen Gutedel aus dem Markgräflerland – von einer Genossenschaft für Genossinnen und Genossen zum Genießen! Der Rotwein wird aus Spanien stammen, soviel Internationalismus muss schon sein. Und der russische Wodka im Angebot wurde aus Winterweizen und reinem Gletscherwasser hergestellt. Unsere Lenin-Bar dekorieren wir unter anderem mit Medaillen, Statuen, Fotografien und anderen Kunstwerken, die Lenin zum Thema haben. Dafür können noch weitere Gegenstände im jW-Aktionsbüro abgegeben werden. So hat uns unser Leser Gerd Sch. aus Waldau eine Kreidezeichnung »Lenin im Gespräch« geschickt, Alexander W. aus Stralsund spendiert für unseren Lenin-Salon eine kleine Sammlung mit 31 verschiedenen Lenin-Briefmarken aus der Sowjetunion.

    Mit dem jW-Festzelt wollen wir nicht nur zum Gelingen des größten Festes der Linken im Lande beitragen: Besuchern, die die junge Welt schon schätzengelernt haben, bieten wir ein Vollabo an. Denn eine linke Tageszeitung wird es auch künftig nur dann geben, wenn sich genügend Leserinnen und Leser für den regelmäßigen Bezug entscheiden. All jenen, die unsere Zeitung noch nicht so gut kennen, empfehlen wir das dreiwöchige, kostenlose Probeabo – oder gleich unser Marx-to-go-Angebot, das wir bis zum 24. September anbieten. Und noch immer fehlen einige Bestellungen für die Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus, um unser neues Ziel (1.700 zusätzliche Abos bis zum Jahresende) abhaken zu können – auch dafür werden wir auf dem UZ-Pressefest fleißig werben.

    Unser Sommeraktionsangebot kann man aber auch nutzen, wenn man schon längst Abonnent der jungen Welt ist, wie Bodo M. aus Ludwigsburg. Er hat es für die örtliche Stadtbibliothek bezahlt: »So können viele Leute mal eine gute Zeitung lesen«, teilt uns Bodo diese Woche mit. Vor einiger Zeit hat er schon ein M&R-Doppelabo bestellt – das zweite Exemplar wird ebenfalls an die Stadtbibliothek gehen. Eine wunderbare Anregung auch für andere Leserinnen und Leser!

    Verlag, Redaktion, Genossenschaft

  • Marx to go: Kapitel 7

    »Das Recht auf Arbeit ist im bürgerlichen Sinn ein Widersinn, ein elender, frommer Wunsch.« (Klassenkämpfe in Frankreich, MEW 7, 42)

    Die Geschichte hat gezeigt, dass die unterdrückten Klassen stets ihre Rechte erkämpfen müssen. Von den Kämpfen für eine bessere Welt lesen Sie in der Tageszeitung junge Welt.

  • Rotlicht: Strategie

    Ronald Weber

    Hitler plante schon die Siegesfeier. Im September 1942 ging er davon aus, dass die deutschen Truppen Stalingrad rasch erobern würden. Die Stadt an der Wolga sollte im Bodenkampf genommen werden. Aber es kam anders, denn Hitler hatte die falsche Strategie gewählt. Im Gegenzug erwies sich die sowjetische als die richtige: den Gegner weit aufnehmen, umschließen und vernichten. Nach der Niederlage der Sechsten Armee bei Stalingrad war offenbar: Der zuvor als »größter Feldherr aller Zeiten« gepriesene »Führer« war eine strategische Niete.

    Vielleicht hätte Hitler bei dem chinesischen General Sunzi (544–496 v. u. Z.) nachlesen sollen, der in seiner Schrift »Die Kunst des Krieges« eine Strategie der Kampfvermeidung propagiert. Dort heißt es: »Die höchste Form der militärischen Führerschaft ist, die Pläne des Feindes zu durchkreuzen, die nächst beste, die Vereinigung der feindlichen Streitkräfte zu verhindern, die nächste in der Rangfolge ist, die Armee des Feindes im Felde anzugreifen. Die schlechteste Politik ist, befestigte Städte zu belagern.«

    Hitler hielt sich statt dessen an Clausewitz, wie er seit dem späten 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund der raschen Siege der Deutschen gegen Frankreich 1870/71 verstanden worden war: als Befürworter einer Niederwerfungsstrategie. Dabei argumentierte der preußische Generalmajor Carl von Clausewitz (1780–1831) in seiner Schrift »Vom Kriege« durchaus differenzierter, wie er den Krieg überhaupt der Politik unterordnete bzw. als »bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln« aufgefasst wissen wollte. Clausewitz klassische Definition der Strategie lautet: Diese sei »die Lehre vom Gebrauch der einzelnen Gefechte zum Zweck des Krieges«. Man könnte auch sagen: Die Strategie bildet das Gesamtkonzept, die Kombination der verschiedenen Möglichkeiten zur Erreichung eines Ziels. Davon unterschieden ist die Taktik, nach Clausewitz »die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht«, wörtlich nach dem griechischen Namensursprung »Taktiké«: die Lehre von der Anordnung.

    Es liegt nahe, sich die Überlegungen von Clausewitz auch für den revolutionären Kampf nutzbar zu machen. Die marxistischen Theoretiker seit Friedrich Engels waren begeisterte Clausewitz-Leser: von Mehring über Lenin bis Mao Zedong. Aber die Rezeption des preußischen Theoretikers lag nicht allein auf militärischem Gebiet, wie sich das Begriffspaar von Strategie und Taktik bald überhaupt von der ursprünglich kriegerischen Bedeutung ablöste (und heute für alles mögliche in Gebrauch ist: von der Diskurs- bis zur Liebesstrategie).

    Für Lenin zählte die Bestimmung des Verhältnisses von Strategie und Taktik zu den wichtigsten Aufgaben der Sozialdemokratie, verbirgt sich hinter dieser Frage doch die komplizierte Beziehung zwischen Theorie und Praxis. Lenin kritisierte die Zweite Internationale bereits früh für ihre strategische Schwäche. Sie hatte, indem sie vor allem auf parlamentarische Erfolge setzte, die Taktik an die Stelle der Strategie gesetzt. Statt dessen betonte der russische Marxist: »Jeder Kampf für die jeweiligen Erfordernisse des Tages muss unlösbar mit dem Hauptzielen verbunden sein.«

    Zur Ausarbeitung einer revolutionären Strategie, dessen war sich Lenin sicher, bedürfe es einer unvoreingenommenen und umfassenden Analyse des Status quo und einer beständigen Überprüfung dieser anhand der Praxis. Aber das allein führt noch nicht zum Erfolg. Man muss auch – man denke an die Oktoberrevolution – in der Lage sein, die Taktik den jeweiligen Bedingungen anzupassen.

    Zur Strategie gehört notwendig der Stratege, der im Erfolgsfall auch ein guter Taktiker sein muss; der beste Gesamtplan ist nichts, ohne dessen Ausführer. Da mag Georgi Plechanow, der in seiner Schrift »Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte« nachzuweisen suchte, dass das einzelne Individuum den Lauf der Geschichte nicht zu ändern vermöge, noch so sehr recht haben: Im Konkreten wäre es wohl ohne Lenin 1917 nicht gegangen.

  • Papier und Klasse

    Warum die junge Welt kein Zentralorgan, aber noch lange als Printzeitung zu lesen sein wird

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    Täglich ein inhaltliches Angebot, das so kein zweites Mal zu finden ist: jW am Kiosk

    Wie wir demnächst feste feiern werden, berichteten wir bereits an dieser Stelle. Bevor wir uns aber beim UZ-Pressefest in Dortmund treffen, haben wir noch drei Wochen feste zu arbeiten. Auch in dieser Zeit bleibt das tägliche Erstellen einer guten Tageszeitung unsere wichtigste Aufgabe. Die wird es weiterhin als solide Printausgabe geben (auch wenn andere schon jetzt das Ende der gedruckten Zeitungen ankündigen), wir arbeiten aber auch intensiv an Verbesserungen unserer jW-Onlineversion. Die entscheidende Frage sehen wir allerdings nicht darin, wo und wie wir unsere Beiträge veröffentlichen, sondern was in ihnen zu finden ist: unverwechselbare Berichte und Analysen – die im Gegensatz zu vielen anderen Medien nicht vom Standpunkt derjenigen ausgehen, die alles einer optimalen Profitmaximierung unterwerfen wollen.

    Manche unserer Leserinnen und Leser finden das so gut, dass sie der Ansicht sind, dass es mit junge Welt schon ein Zentralorgan gäbe, es bräuchte nur noch eine passende Partei oder Bewegung, die dieses herausgibt. Das lehnen wir aus zwei Gründen ab: Zum einen wird die junge Welt bereits von unserer Genossenschaft LPG junge Welt eG herausgegeben, zum anderen aber verstehen wir uns ganz bewusst als journalistisches Produkt, das grundsätzlich zu einer kritisch-analytischen Haltung verpflichtet ist. Nicht alle Leserinnen und Leser stimmen mit jeder Einschätzung unserer Autoren überein, sie erhalten aber täglich ein inhaltliches Angebot, das sie so kein zweites Mal finden und mit dem sie sich auseinandersetzen können. Genau das macht die junge Welt für viele Print- wie Onlineleser unverzichtbar.

    Wir arbeiten aber auch an anderen Dingen. So haben wir mit einer großartigen Aktion über 1.500 zusätzliche Abonnenten für unsere Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus gewinnen können. Das hilft bei der ökonomischen Sicherstellung der M&R – jetzt kämpfen wir darum, mit nach wie vor bescheidenen Mitteln ein neues Redaktionsteam aufzustellen. Wie sich herausstellt ein schwieriges Unterfangen. Und dann bereiten wir nicht nur das UZ-Pressefest vor, wir werden am 1. und 2. September auch beim Volksstimme-Pressefest in Wien, der größten Versammlung der österreichischen Linken, präsent sein. Weil die junge Welt nur überleben kann, wenn wir möglichst viele Abonnentinnen und Abonnenten für sie gewinnen, bereiten wir gerade eine neue Abokampagne vor, die im Herbst startet und nur mit Unterstützung unserer Leserinnen und Leser ein Erfolg werden wird.

    Zuvor aber genießen wir erst einmal gemeinsam mit vielen Freunden und Genossen ein paar schöne Tage in Dortmund.

    Verlag, Redaktion, Genossenschaft

    jungewelt.de/aktionsabo

  • Zwischen neun und neunzig

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    Traditionell gibt es bei der »Blende« einen kleinen Extrafotowettbewerb für alle unter 18 Jahren mit einem eigenen Thema. Wer sich daran beteiligt, kann selbstverständlich auch Bilder zu den anderen, den »Erwachsenen«-Ausschreibungen einsenden – da gibt es keine Altersbeschränkung. Wir hatten daher schon Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen neun und neunzig Jahren. Alter ist auch beim Fotografieren kein Argument, es gelten allein ein guter Blick und/oder Glück beim Schnappschuss. Das Foto auf dieser Seite schickte uns Martin Menzel aus Dresden im vergangenen Jahr, da war er 14. Die Aufgabe hatte gelautet, ein Bild zum Thema »Schattenwelt« zu finden. Das lässt sich im Grunde nur in Schwarzweiß gestalten, eine Sache, die nicht ganz einfach zu bewältigen ist. Martin hat, meinen wir, eine überraschende und schöne Lösung gefunden.

    Wichtig ist noch der Hinweis: Die Einsendungen, die uns zum Jugendthema erreichen, werden nicht nur von der jW-Jury beurteilt und eventuell ausgezeichnet. Alle diese Beiträge werden vielmehr anschließend zum Endausscheid des Deutschen Zeitungsleser-Fotowettbewerbs nach Frankfurt am Main geschickt. Dort werden zusätzlich für Jugendliche 55 Preise und 111 Verlosungspreise vergeben. Wer also unter 18 ist und ein Foto (oder zwei oder drei Aufnahmen) zu »Das bewegt mich« hat – ganz schnell einschicken! Es lohnt sich.

    Verlag und Redaktion

  • Rotlicht: Staat

    Daniel Bratanovic

    Jeder Flecken dieses Planeten ist Teil irgendeines souveränen Staates oder abhängiges Gebiet eines solchen Staates. Jeder Flecken? Zugegeben, Arktis und Antarktis sind Terra Nullius, Niemandsland, und die Hohe See ist ein rechtsfreier Raum, der schwerreichen Yachtbesitzern die Möglichkeit bietet, eigene Formen souveräner Herrschaft zu etablieren. Ansonsten aber ist der Staat oder vielmehr sind Staaten ubiquitär, das heißt überall. Innerhalb seines Machtbereichs begegnet man ihm auf Schritt und Tritt: in Ämtern und Behörden, in der Schule oder beim Polizeieinsatz, beim Anblick der Nationalflagge oder beim Klang der Hymne, bei der Entrichtung von Steuern und bei der Berücksichtigung bzw. Missachtung der Straßenverkehrsordnung.

    Staat in seiner allgemeinsten Form lässt sich definieren als dauerhaft organisierter Herrschaftsverband auf einem begrenzten Territorium (Staatsgebiet), der gegenüber den Verbandsangehörigen (Staatsvolk) das Gewaltmonopol (Staatsgewalt) beansprucht. Damit ist indessen weder von seiner jeweils spezifischen Form noch von seinem spezifischen Inhalt sonderlich viel ausgesagt. In einer weiten Auslegung können zwar auch die Gemeinwesen der Antike als Staat bezeichnet werden, wer das allerdings tut, droht wesentliche Unterschiede zu übersehen. Moderne Staatlichkeit entstand nach Ablösung feudalrechtlicher Herrschaftsverhältnisse und fiel zeitlich mit der Ausbildung des Weltmarkts mehr oder weniger zusammen. Thomas Hobbes ging in seiner Gesellschaftstheorie während jener Ära des Handelskapitals von einem Naturzustand aus, in dem gleiche Individuen einander in einem Konkurrenzverhältnis gegenüberstehen. Selbsterhaltungstrieb und Todesfurcht lassen sie aus diesem Naturzustand heraustreten und die Macht auf einen von ihnen unabhängigen Souverän übertragen. Insofern Hobbes öffentliche (Staat) und private Sphäre (Eigentum) trennt, beschreibt er als einer der ersten ein wesentliches Charakteristikum der bürgerlichen Gesellschaft, das noch in der Rechtsphilosophie Hegels und in den »Gefängnisheften« Gramscis eine bedeutende Rolle spielt.

    Dass der bürgerliche Staat ein Klassenstaat ist, lässt sich schlechterdings nicht bestreiten. Eine bekannte Formulierung im »Manifest der Kommunistischen Partei« von 1848 lautet: »Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet.« Und an anderer Stelle heißt es da: »Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen.« Die schmerzhaften Erfahrungen einer rüde und rücksichtslos vorgehenden Staatsgewalt, die eine entstehende Arbeiterbewegung in den folgenden Jahrzehnten immer wieder machen musste, geben dieser Einschätzung von Marx und Engels durchaus recht. Nicht ausgesagt ist damit jedoch, in welchem Verhältnis dieser »Ausschuss« zur Klasse steht und ob sich die »Bourgeoisklasse« die Staatsgewalt ganz unmittelbar unterwirft. Anders gefragt, nämlich mit dem sowjetischen Rechtstheoretiker Eugen Paschukanis: »Warum wird der Apparat des staatlichen Zwangs nicht als privater Apparat der herrschenden Klasse geschaffen, warum spaltet er sich von der letzteren ab und nimmt die Form eines unpersönlichen, von der Gesellschaft losgelösten Apparats der öffentlichen Macht an?«

    Ob nun Eigentümer von Produktionsmitteln oder Verkäufer von Arbeitskraft – auf der Ebene der Zirkulation sind alle Tauschenden gleich. Erst der Staat aber garantiert die wechselseitige Anerkennung der Warenbesitzer. Rechtsgleichheit und »freier Wille« der Vertragspartner sind gerade die Vollzugsform der Ausbeutung im kapitalistischen Betrieb, das Gewaltmonopol schützt das Privateigentum und verhindert, dass der Tauschakt zu einem der physischen Gewalt gerät. Es ist der bürgerliche Staat, der »die Regeln des Verkehrs zwischen den Warenbesitzern personifiziert« (Paschukanis). Und insofern ist er nicht anders denkbar, denn als »Staat des Kapitals«.

  • Wer kann uns noch helfen?

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    Mit anpacken – ob bei der Zeitungsverteilung oder beim Auf- und Abbau

    In genau vier Wochen tobt das UZ-Pressefest in Dortmund. junge Welt und Melodie & Rhythmus sind mit eigenem Programmzelt, der Lenin-Bar und jW-Shop vor Ort und freuen sich auf viele Besucherinnen und Besucher. Damit wir alle gut versorgen können – aber auch, damit die Kolleginnen und Kollegen von Verlag und Redaktion etwas mehr von diesem wunderbaren Fest mitbekommen –, brauchen wir noch Unterstützung: Falls Sie sowieso auf dem Fest sind und uns gerne bei der einen oder anderen Einsatzschicht (oder beim Auf- und Abbau) helfen würden, melden Sie sich bitte umgehend bei unserem Aktionsbüro und sprechen Sie Einzelheiten ab. Es kann übrigens viel Spaß machen, das Fest und die junge Welt auch mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.

    Sie erreichen unser Aktionsbüro telefonisch unter 0 30/53 63 55-10 oder unter aktionsbuero@jungewelt.de

  • Konzert für Allende

    Nicht nur am Sonntag spielt die internationale Solidarität im jW-Zelt auf dem UZ-Pressefest eine zentrale Rolle

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    Nicolás Miquea (Foto) und Rolf Becker erinnern an den US-gesteuerten Pinochet-Putsch in Chile vom 11. September 1973

    Das UZ-Pressefest, das diesmal vom 7. bis 9. September in Dortmund stattfindet, ist das größte Fest der Linken im Lande – und es war schon immer ein Fest der internationalen Solidarität! Bereits 33 Delegationen von Schwesterparteien aus allen Gegenden der Welt haben sich angemeldet, teilte am vergangenen Samstag Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, bei einem Vorbereitungstreffen auf dem Festgelände mit.

    Auch im Zelt von junge Welt und Melodie & Rhythmus spielt der Internationalismus eine zentrale Rolle. Das Programm für Freitag und Samstag haben wir Ihnen an dieser Stelle ja schon vorgestellt. Am Sonntag geht es nach einem ausgiebigen Bemme-Frühstück mit Kaffee, Tee und Saft weiter: André Scheer, Ressortchef der jW-Auslandsredaktion, skizziert ab 11 Uhr »Strategien der Konterrevolution in Lateinamerika«. Hier wird auch über das, was gerade in Venezuela oder Nicaragua geschieht, berichtet und diskutiert. Konterrevolutionen haben in Lateinamerika eine lange Tradition. Am 11. September 1973, also vor 45 Jahren, fand der US-gesteuerte Pinochet-Putsch in Chile statt, an diesem Tag ließ der sozialistische Präsident Salvador Allende sein Leben. Ihm zu Ehren trägt ab 12 Uhr der chilenische Liedermacher und Gitarrist Nicolás Miquea ein eigens dafür zusammengestelltes Programm vor. Der Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker begleitet ihn und trägt Textauszüge der Lieder in deutscher Übersetzung vor.

    Der türkische Präsident hat mittlerweile seine Herrschaft auch mit deutscher Hilfe gefestigt. Zehntausende politische Gefangene füllen die Knäste, die deutsche Regierung billigt Lieferungen von Waffen, die Erdogans Armee auch in Syrien und im Irak einsetzt. Gegen die Waffenbrüderschaft der herrschenden Klassen gilt es, internationale Solidarität zu entwickeln. Darüber diskutieren jW-Autor Nick Brauns und jW-Redakteur Sebastian Carlens mit Besuchern am Sonntag ab 14 Uhr. Leider endet auch das schönste Fest einmal – das jW-M&R-Festzelt schließt nach drei Tagen mit vollem Programm um 17 Uhr. Zuvor darf aber an der Lenin-Bar noch ein Abschiedstrunk mit neuen und alten Bekannten und Genossen eingenommen werden.

    Wir haben Ihnen an dieser Stelle in den letzten Wochen unser umfangreiches Zeltprogramm für das UZ-Pressefest vorgestellt. Das ganze Fest hat aber auf zehn Bühnen und zwölf Programmzelten noch viel mehr zu bieten.

    Das Gesamtprogramm finden Sie unter pressefest.unsere-zeit.de, das Programm von jW und M&R unter jungewelt.de/pressefest.

    Verlag, Redaktion, Genossenschaft

    jungewelt.de/pressefest

  • Marx to go: Kapitel 5

    »Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse [Kapitalistenklasse] verwaltet.« (Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4, 464)

    Marx ist gut fürs Denken. Jetzt junge Welt abonnieren.

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