Buchmesse Havanna 2010

Buchmesse Havanna 2010

  • · Berichte

    Wer kann, muß schreiben

    Christof Meueler

    Nadine Gordimer auf der Buchmesse in Havanna

    Der kubanische Sozialismus ist drauf. Man erkennt es an der Hosenfrage. Glaubte man in der DDR stellenweise nicht im falschen Film, sondern in der falschen Hose zu stecken, sind hier die für Lebenswelt-Ästhetik und Coolness-Philosophie lebenswichtigen Jeans überall zu sehen. Und zwar in Blau. Denn wem klingelt nicht noch die Kampflosung »White jeans? No! Blue Jeans? Yeah!« in den Ohren, die Ulrich Plenzdorf Anfang der 1970er Jahre in seinem Theaterstück »Die neuen Leiden des jungen W.« ausgegeben hatte?

    In Kuba jedenfalls werden fast nur Blue Jeans getragen, und die sind auch nicht merkwürdig marmoriert wie in der Spät-DDR, sondern up to date, extrageknittert oder supereng, wie sie auch in einem Berliner Geschäft nicht anders zu haben sind.

    Nadine Gordimer, als 86jährige Literaturnobelträgerin aus Südafrika der prominenteste Gast auf der Buchmesse in Havanna, trug bei ihrem Auftritt am Samstag keine Jeans, sondern einen leichten Hosenanzug mit orangem Umhang, passend zu einem orangen Blumenbouquet links und rechts hinter dem Podium, auf dem sie saß und dem Publikum Fragen über ihr Werk und ihren Stil beantwortete. Außerdem präsentierte sie die kubanische Ausgabe von »Un capricho de la naturaleza« (Eine Laune der Natur), worüber sie aber keine weiteren Worte verlor. Schon immer habe sie eine gute Beziehung zur kubanischen Revolution gehabt, erzählte sie, in den Zeiten von Guantánamo sei diese Beziehung »intensiver« geworden. Guantanamo sei ein einziger Skandal, zumal die USA sich in einem anderen Land ein exterrritoriales Gebiet anmaßten, in dem sie foltern könnten. Allerdings könne sie auch nichts anderes tun, als ununterbrochen dagegen Petitionen zu unterschreiben, wie auch für die Cuban Five oder gegen die Blockade.

    Bemerkenswerterweise wurde Gordimers Auftritt auf der Messe von den internationalen Medien komplett ignoriert, nur einige kubanische Zeitungen berichteten. Sie persönlich ist übrigens der Ansicht, daß Barack Obama das Embargo gegen Kuba stoppen wird, was im Publikum zu leichten Irritationen führte. Man müsse dem Mann Zeit geben, sagte Gordimer, er würde sich in einer schwierigen Situation befinden – aber wenn er das Embargo dieses Jahr nicht beende, dann würde sie »sehr, sehr wütend«.

    Begeistert zeigte sich die Literatin über die Masse von Minderjährigen, die die Straßen der Festung Cabana fluten, in der die Buchmesse stattfindet. Diese Kinder wollten lesen, meinte sie, in Südafrika dagegen wären die einzigen Bücher, die den Kindern begegneten, ihre Schulbücher. Sie selbst hätte entschieden zuwenig Shakespeare gelesen, meinte sie. Dem wurde im Publikum widersprochen. Eine deutsche Buchhändlerin sagte mir, sie mußte mit den Tränen kämpfen, weil sie diese ebenso zierlich wie sehr prägnant, ja geradezu mit freundlichem Stolz auftretende Schriftstellerin schon immer verehrt habe.

    Die Best-of-Lektüre von Nadine Gordimer sieht dann so aus: Jorge Luis Borges, Carlos Fuentes, Aleja Carpentier, Leo Tolstoi, Marcel Proust und Bertolt Brecht. Für Gordimer bildet sich ein Schriftsteller übrigens selber aus – natürlich durch Lesen und der Fähigkeit zur Selbstkritik. Man hat angeborenes Talent, das man dann trainiert, glaubt Gordimer, und wer das nicht hat, der kann das auch nicht an der Schule oder an der Universität lernen.

    Und da fragte jemand aus dem Publikum: »Ist es denn die Literatur wert, daß man ihr soviel Zeit opfert?« Ein bißchen geschockt holte Gordimer tief Luft und rief: »Die Literatur ist die Ausbeutung des Lebens in all seinen Aspekten: Politik, Psychologie, Ökonomie etcetera!« Sie selber habe immer nur dann geschrieben, wenn sie fühlte, daß sie muß.

    In Südafrika wurden drei ihrer Bücher verboten – »what happens there, shakes me«. Nie habe sie zwischen »weiß«, »schwarz« oder »farbig« unterschieden, die Hautfarbe hätte sie noch nie interessiert. Trotzdem sei sie auf keinen Fall mit den Figuren ihrer Romane zu verwechseln, denn sie schreibe nicht biographisch. Heute habe Südfafrika übrigens die beste Verfassung der Welt, zumindest theoretisch. Schwule und Lesben beispielsweise könnten gegen Diskriminierung klagen.

    Mit einem schönen Versprecher beendete Nadine Gordimer ihren Auftritt auf der Buchmesse in Havanna: »I like to read you, äh to meet you«.

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    Kinder, Künstler und Kulturelles

    André Scheer
    Heiß begehrt
    Heiß begehrt: die junge Welt in spanischer Sprache

    Zehntausende Menschen bevölkerten auch am Sonntag die historische Festung von Havanna, und auch heute morgen - am Montag - strömen wieder Tausende über die Brücken, vorbei an den Wachsoldaten in historischen Uniformen und versorgt mit dem jeden Morgen frisch verteilten Tagesprogramm, um bei den unzähligen Lesungen, Gesprächen, Diskussionsveranstaltungen und Preisverleihungen nicht den Überblick zu verlieren. Einen Eindruck vom Trubel vermitteln die Fotos von Daniel Hager, die es mit einem Klick hier zu sehen gibt.

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    Eindrücke von der Buchmesse

    Eine Auswahl aus unzähligen Fotos, auf denen sich die Stimmung in Havanna widerspiegelt

    Kubas Kulturminister Abel Prieto
    Russische Ausstellung in Havanna: Fotos von den Treffen kubanischer und sowjetischer bzw. russischer Repräsentanten
    Clowns finden begeisterte Zuschauer unter den kleinen und großen Kindern
    Eine russische Band beim abendlichen Konzert auf der Festung
    Konzert von David Blanco
    Russische Ausstellung in Havanna: Plakate aus der Geschichte der kubanisch-sowjetischen Beziehungen
    Gehen weg wie warme Sammeln: die Exemplare der jW-Sonderausgabe in spanischer Sprache
    Heiß begehrt: die Sonderausgabe der jW
    Die Kinder sind die Hauptpersonen auf der Buchmesse
    Interessierte Besucher am Stand des Berliner Büros Buchmesse Havanna
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    Eröffnung der Buchmesse

    Der Zeremonie zum Beginn stand im Zeichen des Ehrengastes Rußland

    Abenddämmerung über Havanna
    Junge Musikerin des Konservatoriums von Havanna bei der Eröffnungsfeier
    Der russische Außenminister Sergej Lawrow kündigt eine weitere Intensivierung der russisch-kubanischen Beziehungen an
    Rußlands Außenminister Sergej Lawrow und Kubas Präsident Raúl Castro folgen den Reden
    Das Jugendorchester des Konservatoriums von Havanna begleitet die Veranstaltung
    Raúl Castro im Gespräch mit Buchmesse-Chefin Zuleica Romay
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    Notdurft verbindet

    Katja Boll und Claudia Schröppel
    Warteschlange vor dem Damenklo
    Langes Vergnügen: Notdurft

    Wenn es eines gibt, was in Kuba genau das selbe ist, wie in Deutschland, dann ist dies die Schlange vor dem Damenklo bei Großereignissen. Diese ist auf der Messe selbstverständlich auch besonders ausgeprägt. Wer also von uns nur daran denkt, in der nächsten Stunde die Toilette aufsuchen zu wollen, sollte sich sofort mit Sonnencreme einreiben, genügend Papiertaschentücher einstecken und sich rasch auf den Weg machen, denn es kann durchaus sein, dass es mehr als eine halbe Stunde dauert, bis man die Erlösungshalle endlich betreten kann.

    Die Schlange auf dem Herrenklo ist selbstverständlich wie immer viel kürzer. Gelegentlich kommt es auch vor, dass sich ein »Mitglied« in die Wartereihe der Damen einreiht, ebensolange wie diese ausharrt und dann von der zuvorkommend lächelnden Servicekraft erst am Eingang darauf hingewiesen wird, daß er doch bitte das erheblich weniger frequentierte Herrenklo nebenan aufsuchen soll. Die wartenden Frauen freut das natürlich besonders. Wieder 30 Sekunden weniger Wartezeit.

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    Bau auf, bau auf

    Die Mitglieder unserer Delegation schuften, um einen schönen Stand zu bekommen

    Starke Kerls und schwere Kisten
    Die Sonderausgabe der jW ist da...
    Starke Hände für eine starke Zeitung
    Hoch hinaus
    ...und 20.000 Exemplare wollen eingelagert werden
    Aus weißen Platten werden bunte Plakatwände
    Geschafft, die Messe kann kommen
    Klare Ansagen
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    Der Gefährte

    André Scheer
    Alberto Granado
    Alberto Granado

    Alberto Granado stellt auf der Buchmesse in Havanna ein Werk über Che Guevara vor


    Alberto Granado ist eine lebende Legende. In Lateinamerika und weltweit wurde er als der Mann bekannt, der in den 50er Jahren gemeinsam mit Ernesto Guevara, dem späteren »Che«, auf dem Motorrad durch Südamerika reiste. Dabei wäre sein eigenes Leben selbst so manches Buch wert, denn der wie Che in Argentinien geborene ausgebildete Mediziner und Biochemiker, der seit 1961 in Kuba lebt, hat seinen Beitrag zu dem Gesundheitswesen auf der Insel geleistet, das heute auf dem Kontinent seinesgleichen sucht.


    Wir treffen Alberto Granado in der »Casa de la Amistad«, dem Haus der Freundschaft, in Havannas Villenviertel Vedado. Die Geschichte dieses rosafarbenen Gebäudes ist so richtig nach dem Geschmack der Kubaner. Errichten ließ es im 19. Jahrhundert ein reicher Geschäftsmann aus Europa, der in eine junge Kubanerin verliebt war. Die damalige Kolonialgesellschaft lehnte diese nicht standesgemäße Verbindung ab, woraufhin der Mann seiner Freundin das Haus als Geschenk bauen ließ. Es gehörte zu den teuersten Bauwerken der damaligen Zeit, sogar der Marmor wurde aus Italien importiert.

    Heute ist das Gebäude, das sich in ausgezeichnetem Zustand befindet, ein Gäste- und Versammlungshaus, das unter anderem vom Kubanischen Institut für Völkerfreundschaft (ICAP) genutzt wird, um ausländische Delegationen zu betreuen. Eine Fotoecke zeigt, welche hochrangigen Gäste hier schon begrüßt werden konnten, darunter Nelson Mandela und Hugo Chávez.

    In dem Salon, in dem das Treffen mit Alberto Granado stattfinden soll, liegen Zeitschriften von Kuba-Soligruppen aus aller Welt aus. Auf dem kleinen Tisch vor der Sofaecke steht eine weiße Porzellanvase mit dem Bild Lenins auf einem Teller, der die Flaggen aller Sowjetrepubliken der UdSSR zeigt, ein Geschenk von 1985, zum vierzigsten Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg.

    Alberto Granado betritt den Saal gestützt auf einen Stock, in etwas gebeugter Haltung, aber mit klarem Blick und kräftiger Stimme. Immerhin 88 Jahre ist er jetzt alt, aber er hat noch etwas zu erledigen, das ist zu spüren. Auf der Internationalen Buchmesse will er am heutigen Montag ein gerade frisch erschienenes Buch vorstellen, das aus dem Gespräch einer kubanischen Journalistin mit ihm besteht. Natürlich geht es um seine Erinnerungen an Che, was schon der Buchtitel verrät: »Che vertraut mir«. Aber gibt es nicht längst genug oder sogar zu viele Bücher über den 1967 in Bolivien ermordeten Guerrillero, frage ich. Alberto verneint entschieden: »Che hatte so viele Facetten, von denen viele überhaupt noch nicht behandelt wurden«. Hinzu kämen die unzähligen Lügen, denen widersprochen werden müsse. Zum Beispiel die Legende, daß Che wegen Meinungsverschiedenheiten mit Fidel Castro nach Bolivien gegangen sei. »Das stimmt nicht, und die Geschichte hat bewiesen, daß es keinen Streit zwischen beiden gegeben hat.«

    Natürlich fragen wir nach Venezuela, wo Alberto Granado mehrere Jahre in einem Leprakrankenhaus gearbeitet hatte. Dort wollte ihn Ernesto Guevara eigentlich treffen, nachdem er in Buenos Aires sein Medizinstudium beendet hatte. Doch auf dem Weg nach Caracas traf der spätere Che am Titicacasee in Peru einen linken Emigranten, der ihn überredete, seine Reiseroute zu ändern: »Was willst du in Venezuela, das ist nur etwas für Reiche. Komm mit mir nach Guatemala, dort ereignet sich eine soziale Revolution.« Ernesto folgte, und diese Entscheidung veränderte sein Leben. Er engagierte sich mit ganzer Kraft für das Reformprojekt des guatemaltekischen Präsidenten Arbenz, und als dieser mit Hilfe von US-Söldnern gestürzt wurde, stand Che erstmals auf den Fahndungslisten der CIA. Er flüchtete letztlich nach Mexiko, wo er einer Gruppe kubanischer Emigranten um den jungen Rechtsanwalt Fidel Castro Ruz begegnete. Alberto Granado und Ernesto trafen sich erst 1960 wieder, als Che nach dem Sieg der Kubanischen Revolution Direktor der kubanischen Nationalbank geworden war.  

    Aber wie würde Che denn nun heute die Entwicklungen in Venezuela einschätzen? Alberto antwortet aus seinen eigenen Erfahrungen, denn er habe das Glück gehabt, Hugo Chávez und auch Boliviens Präsidenten Evo Morales getroffen zu haben. Chávez sei heute genau der richtige Mann an der Spitze des revolutionären Prozesses in Venezuela, ist sich Alberto Granado sicher. »Che hat Venezuela sehr geschätzt, er hatte ja sogar überlegt, nicht in Bolivien, sondern in Venezuela in die Guerilla zu gehen. Was ihm heute entgegenkommen würde, ist der Stil von Hugo Chávez, der ja aggressiver ist als der von Fidel. Das wäre was für Che.«

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    Tausende stürmen die Bücher-Festung

    Claudia Schröppel
    Kinder auf der Buchmesse
    Die Internationale Buchmesse ist ein Kinderfest

    Bereits nach den ersten beiden Messetagen können die Veranstalter der 19. Internationalen Buchmesse in Havanna trotz für kubanische Verhältnisse bitterkalter Witterung (23 Grad Celsius) mehr als 132.000 Besucher auf der Cabaña vermelden, 50.000 weitere haben die Bücherläden der Stadt Havanna, die ebenfalls an der Buchmesse teilnehmen, besucht.

    Überall sind glückliche Kinder zu sehen, die sich von ihren Omas ihr neues Buch vorlesen lassen. An den Wegesrändern und unter den Palmen sitzen Pärchen tief versunken in ihre neuen Lektüre. Bislang wurden bereits 250.000 Bücher verkauft, vermeldeten die Organisatoren der Messe stolz bei ihrer täglichen Pressekonferenz. 

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    Wir sammeln Unterschriften

    André Scheer
    Aleyda Guevara
    Aleyda Guevara trägt sich am Stand des Berliner Büros Buchmesse Havanna ein

    Allmählich wächst die Sammlung prominenter Unterschriften auf der Wand am Eingang unserer Ausstellung in Havanna. Neben unseren eigenen Namenszügen bitten wir regelmäßig besondere Gäste, sich ebenfalls zu verewigen. Heute konnten wir am Stand auch Aleyda Guevara begrüßen, die zusammen mit einer Delegation von Parlamentariern aus der Schweiz die Buchmesse besuchte und auch bei uns Station machte. Natürlich ließ sich Aleyda nicht lange bitten, ihren Namen zu hinterlassen, zumal einige von uns der kubanischen Kinderärztin von früheren Besuchen in Deutschland her noch in Erinnerung geblieben waren.

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    Gysi war da

    André Scheer
    Gregor Gysi
    Gregor Gysi am Stand des Berliner Büros Buchmesse Havanna

    Als einen weiteren Gast konnte das Berliner Büro Buchmesse Havanna heute auch den Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, begrüßen. Der Politiker machte bei seinem Besuch der Buchmesse auch einen Abstecher an unseren Stand.

    Gysi erinnerte daran, daß die Initiative des Berliner Büros eine direkte Antwort auf den Boykott der Buchmesse Havanna 2004 durch die damalige Bundesregierung gewesen war. Dieser Boykott zeigte das wahre Gesicht des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der zu Beginn seiner Amtszeit noch angekündigt hatte, auch Kuba besuchen zu wollen. Die kubanische Seite hatte bereits damals auf diese Ankündigung zurückhaltend reagiert - mit Recht, wie sich bald zeigte.

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    Trubel auf der Cabaña

    André Scheer
    Blick von der Festung
    Der Blick auf Havanna ist einzigartig

    Zehntausende Kinder bevölkern die altehrwürdige Kolonialfestung La Cabaña, die hoch über Havanna thront. Zusammen mit ihren Eltern stürmen sie die unzähligen Stände, an denen Kinderbücher angeboten werden. Aber auch Liebhaber anderer Literatur kommen auf ihre Kosten.

    Beeindruckend die Halle des Gastlandes Rußland. Die Präsentation der russischen Gäste konzentriert sich auf den 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Kuba, sowie auf den 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Eine Sonderausstellung ist den Kubanern gewidmet, die in den Reihen der Roten Armee gegen Hitlerdeutschland gekämpft haben. Dazu kommen historische Plakate, die die Freundschaft zwischen der Sowjetunion und Kuba hochhalten, sowie großformatige Fotos von kubanisch-sowjetischen Bewegungen, so von Treffen Raúl und Fidel Castros mit sowjetischen Staatschefs oder ein Foto, das Che Guevara mit Juri Gagarin, dem ersten Menschen im All, zeigt.

    Guter Betrieb auch am Stand des Berliner Büros Buchmesse Havanna, an dem junge Welt, mehrere linke Verlage und Cuba-Soligruppen ihre Produkte vorstellen. Guten Absatz finden die Werbeplakate der jungen Welt, die für fünf Pesos Cubanos ihre Abnehmer finden. Besonderen Anklang bei den kulturinteressierten Kubanern finden auch die Bilder von Thomas J. Richter, die unseren Stand schmücken und ihm ein Aussehen geben, das sich wunderbar von den manchmal etwas sehr traditionell gestalteten Messeständen etwa der Frankfurter Buchmesse abhebt.

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    Festung der Bücher

    André Scheer
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    Kubas Präsident Raul Castro (r.) und der russische Außenminister Sergej Lawrow (l.) bei der Eröffnung der Buchmesse am Donnerstag in Havanna

    In Havanna wurde die 19. Internationale Buchmesse eröffnet. Russischer Außenminister sieht Kuba und Rußland auf dem Weg zu neuer »strategischer Partnerschaft«

    Für Zuleica Romay ist die 19. Internationale Buchmesse in Havanna ganz sicher nicht das erste literarische Großereignis ihres Lebens. Trotzdem zeigte sich die Chefin des Vorbereitungskomitees der Ausstellung und Direktorin der Kubanischen Kammer des Buches bei der diesjährigen Eröffnung am Donnerstag abend (Ortszeit) erneut beeindruckt von der malerischen Kulisse, in der die Präsentation auch in diesem Jahr veranstaltet wird. »Dies ist eine Revolution, die ebenso Kasernen in Schulen verwandelt hat wie eine koloniale Trutzburg in ein Zentrum der Literatur«, freute sie sich in der historischen Festung San Carlos de la Cabaña, die hoch über Havanna thront und deren historische Kanonenrohre die Einfahrt des Hafens bewachen.

    Keine Handelsware

    Immer wieder schweifte der Blick der Ehrengäste, unter ihnen der kubanische Präsident Raúl Castro und ein halbes Dutzend Kulturminister aus Lateinamerika, ab vom Geschehen auf der Bühne, auf der junge Musiker Werke von Tschaikowski präsentierten, hinüber zum leuchtend roten Sonnenuntergang, der sich in den Wellen widerspiegelte, die an die weltberühmte Uferpromenade, den Malecón, schlugen. Romay erinnerte daran, daß Bücher in Kuba keine Handelsware und keine Werbeträger sind und der Wert eines Buches nicht daran gemessen wird, ob sich möglichst viele Exemplare verkaufen lassen. Bücher seien in Kuba Bestandteil eines Lern- und Bildungsprozesses, der die Autoren ebenso umfasse wie die Leser, so die Leiterin der Buchmesse. Ein Teil dieses »Wunders« sei, daß sogar im Jahr 2008, als drei verheerende Wirbelstürme Kuba heimsuchten und schwere Schäden verursachten, mehr als 1000 Buchtitel veröffentlicht werden konnten.

    Als Vertreter des diesjährigen Ehrengastes Rußland ergriff der Außenminister des Riesenlandes, Sergej Lawrow, das Wort und erinnerte an die langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen seinem Land und Kuba. Im Mai sei es 50 Jahre her, daß die kubanische Regierung und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Dieser Jahrestag sei wichtig und werde mit zahlreichen Veranstaltungen begangen, kündigte Lawrow an. Dabei werde das Erinnern an die Beziehungen zwischen beiden Ländern verbunden mit den weltweiten Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion und ihrer Alliierten gegen Hitlerdeutschland. Rußland danke Kuba dafür, daß es in der UNO den Vorschlag der russischen Regierung unterstützt habe, den 8. bzw. 9. Mai zum internationalen Feiertag zu erklären.

    Rußland und Kuba sind nach Ansicht Lawrows auf dem besten Weg zu einer neuen »strategischen Partnerschaft«. Das hatte der russische Außenminister zu Beginn seines Kuba-Aufenthaltes gesagt. Sein kubanischer Kollege Bruno Rodríguez bstätigte dies und sprach von einem »enormen Potential« der Beziehungen beider Länder.

    Literatur und Revolution

    Bei der Messeeröffnung zeigte sich Lawrow überzeugt davon, daß auch im Zeitalter der elektronischen Medien das Buch seinen Platz in der Gesellschaft behaupten werde. Seine Regierung setze sich dafür ein, daß die Bedeutung der Literatur in der Gesellschaft weiter zunehme, unterstrich er, denn »es ist das Buch, das den Menschen weise macht«. So diene die Literatur dem Aufbau einer Gesellschaft des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit, unterstrich Lawrow.

    Zu Beginn der Veranstaltung hatten außerdem zwei kubanische Intellektuelle das Wort ergriffen, denen die diesjährige Buchmesse gewidmet ist. Die Sozialwissenschaftlerin María del Carmen Barcia erinnerte in ihrer Ansprache daran, daß sie ihren Erfolg nicht reichen Eltern zu verdanken habe. »Mein Vater war ein Handwerker, der aus Galicien eingewandert ist.« Trotzdem habe sie studieren und eine Laufbahn als Wissenschaftlerin einschlagen können. Das sei das Verdienst der kubanischen Revolution, erklärte sie. Auch der Schriftsteller und Essayist Reynaldo González betonte, daß die umfangreiche Literatur, die in den vergangenen Jahrzehnten in Kuba entstanden sei, nicht von der Revolution und dem Aufbau des Sozialismus getrennt werden könne.

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    »Blockade beeinträchtigt uns in allen Bereichen«

    Interview: André Scheer

    Ein Jahr Obama-Regierung: Kein grundsätzlicher Wandel in der Politik Washingtons. Ein Gespräch mit Elio Gámez Neyra

    Elio Gámez Neyra lebt in Havanna und ist Vizepräsident des Kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft

    Vor etwas mehr als einem Jahr übernahm Barack Obama das Präsidentenamt in Washington. Hat sich seither die Haltung der USA gegenüber Kuba verändert?

    Das einzige, was sich geändert hat, ist der Diskurs. Obama ist etwas freundlicher, etwas anziehender, gebildeter. Das hat viele Menschen verwirrt, die glauben, daß die Blockade nun abgeschwächt wird oder verschwindet. Aber Obama hat nur eine Reihe kosmetischer Maßnahmen angekündigt, von denen auch nur einige umgesetzt worden sind.

    Doch selbst wenn alle diese Maßnahmen umgesetzt würden, brächte uns das gerade einmal auf den Stand der Beziehungen zwischen Kuba und den USA, der unter der Regierung Clinton und in den ersten Monaten der Bush-Administration geherrscht hat. Es gibt keinen grundsätzlichen Wandel in der Politik. Im vergangenen Jahr hat Obama das Gesetz über den Handel mit dem Feind verlängert, eine der wichtigsten Grundlagen für die Blockade. Das wäre eine Gelegenheit gewesen, Kuba von der Liste verfeindeter Länder zu streichen.

    Außerdem hätte Obama Gelegenheit gehabt, die internationale Forderung nach der Freilassung der fünf kubanischen Genossen aufzunehmen, die in US-Gefängnissen inhaftiert sind, weil sie gegen den Terrorismus antikubanischer Organisationen in Miami gekämpft haben. Die Verantwortlichen ihrer Verbrechen leben frei in den USA, während die fünf Genossen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Aber Obama hat sich gegenüber diesem Fall taub gestellt und vermieden, sich für die Freiheit dieser Genossen auszusprechen.

    Wie ist in dieser Situation die Lage der fünf Kubaner? Die juristischen Instanzen, um ihre Freilassung zu erreichen, sind ja ausgeschöpft.

    Was nun bleibt, ist der Druck der Solidaritätsbewegung unserer Freunde in aller Welt, um diese Mauer des Schweigens der großen Massenme­dien zu durchbrechen. Diese Bewegung umfaßt derzeit 2111 Organisationen in 148 Ländern, davon arbeiten mehr als 900 Gruppierungen in den meisten Ländern Europas. Die Forderung an Obama ist, daß er von seiner Möglichkeit Gebrauch macht, die Fünf zu begnadigen.

    Welche Auswirkungen hat die Blockade Kubas durch die USA auf die Internationale Buchmesse in Havanna?

    Die Blockade beeinträchtigt unser Leben in allen Bereichen. Durch die Blockade ist es vielen nordamerikanischen Schriftstellern und Verlagen, die hier gerne dabei wären, nicht erlaubt zu kommen. Zugleich wird der Erwerb und Transport von Druckereimaterial erschwert, das wir gern auf dem uns so nahen Markt der USA erwerben würden. Wir müssen aber alles, was für den Druck von Büchern und Zeitschriften benötigt wird, von weit entfernten Orten besorgen und deshalb zwei- oder dreimal so viel bezahlen, wie dies in den USA kosten würde. Das Torricelli-Gesetz bestraft außerdem jedes Schiff, das in Kuba anlegt. Es darf die nächsten sechs Monate keinen US-Hafen anlaufen.

    Das diesjährige Gastland der Messe ist Rußland. Wie haben sich die Beziehungen mit diesem Land entwickelt?

    Die Beziehungen sind von großer Freundschaft und Übereinstimmung in internationalen Fragen bestimmt, die Zusammenarbeit wächst weiter. Hinzu kommen die historischen Beziehungen aus den ersten Jahren der Kubanischen Revolution, als das sowjetische Volk dem kubanischen Volk immer die Hand gereicht hat und es in den meisten Bereichen unserer Wirtschaft, im Bildungswesen und Gesundheitsbereich eine intensive Zusammenarbeit gegeben hat. Deshalb hat Rußland sich die Auszeichnung, diesmal Ehrengast der Buchmesse zu sein, redlich verdient.

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    Lesen heißt Wachsen

    André Scheer
    Bild 1

    Heute wird die Internationale Buchmesse in Havanna eröffnet. Sechs Millionen Bücher warten auf die Besucher

    Hunderttausende Menschen werden sich ab dem heutigen Donnerstag durch die Gänge der historischen Hafenfestung La Cabaña in Havanna drängen. Mit weit über 100 Ausstellern aus 40 Ländern, die 600 Neuerscheinungen vorstellen wollen, beginnt dort unter dem Motto »Lesen heißt Wachsen« die 19. Internationale Buchmesse, die im vergangenen Jahr fast eine Million Besucher zählte. Die Gesamtzahl der bei der Messe präsentierten und verkauften Bücher wird von den Organisatoren auf nicht weniger als sechs Millionen geschätzt, wie die Direktorin des Kubanischen Instituts des Buches, Zuleyka Romay, sagte. Sie sieht in der Messe vor allem für die zahlreich vertretenen kubanischen Kinder und Jugendlichen eine gute Gelegenheit, die Literatur und Kultur der vertretenen Länder kennenzulernen. Das gilt vor allem für Rußland, das in diesem Jahr als Gastland besonders umfangreich vertreten ist.


    Eröffnet wird die Messe in diesem Jahr vom russischen Außenminister Sergej Lawrow. Begleitet wird er von mehr als 200 Intellektuellen, Künstlern und Schriftstellern seines Landes, darunter so bekannten Repräsentanten der russischen Literatur wie der 1932 geborene Jewgeni Jewtuschenko, aber auch jüngere Autoren wie Marina Lwowna oder Dmitri Bikow. Im Gepäck hat die Delegation mehr als 3500 Bücher, die in einem 450 Quadratmeter großen Pavillon ausgestellt werden. 65 Verlage präsentieren außerdem Neuauflagen klassischer Werke der russischen Literatur, darunter Gedichtbände, Erzählungen und Kinderbücher. Mit einer besonderen Präsentation wird auf der Buchmesse auch an den 150. Geburtstag von Anton Tschechow erinnert, dessen wichtigste Werke in Havanna ebenfalls zum Verkauf stehen.

    Neben den russischen Autoren sind in Havanna auch so prominente Persönlichkeiten vertreten wie die südafrikanische Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer oder die 2008 mit dem renommierten spanischen Literaturpreis »Prinz von Asturien« ausgezeichnete kanadische Autorin Margaret Atwood. Aus Brasilien wird der Theologe Frei Betto erwartet, während Venezuela unter anderem mit dem bekannten Essayisten Luis Britto García vertreten ist. Trotz aller Schwierigkeiten durch die Blockade reisen aus den USA der Autor Clifford Conner (»A People’s History of Science«), der Politologe und Historiker Michael Parenti sowie die selbst aus Kuba stammende Sonia Rivera an. Wie Kubas Vizekulturminister Fernando Rojas ankündigte, sollen bereits am zweiten Tag der Messe die kulturellen Beziehungen zwischen der Insel und den USA im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung stehen, die der kubanische Künstler- und Schriftstellerverband organisiert. »Das ist nichts spektakuläres, aber die kulturellen Beziehungen zu analysieren ist sicherlich nicht unwichtig«, sagte Rojas bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Messe.

    Auch Frankreich ist nach Jahren der Abwesenheit nach Havanna zurückgekehrt. Mit mehr als 200 Titeln beteiligt sich die Zentralkasse für soziale Aktivitäten der Energie- und Wasserwirtschaft (CCAS) an der Messe. Dies sei ein bescheidener Beitrag für die Kinder und Jugendlichen Kubas, sagte CCAS-Sprecher Sébastien Viscuso der Agentur Prensa Latina. Er hoffe, daß sich die französische Beteiligung in den nächsten Jahren wieder stabilisieren werde.

    Neben dem Gastland Rußland ist die diesjährige Buchmesse zwei Kubanern gewidmet, dem Erzähler Reynaldo González, Träger des kubanischen Literaturpreises 2003, sowie der Historikerin María del Carmen Bacia, die 2003 mit dem Nationalpreis für Sozialwissenschaften ausgezeichnet wurde.

    Bereits vor einer Woche und damit sieben Tage vor der offiziellen Eröffnung haben mehr als 40 Buchhandlungen in der kubanischen Hauptstadt ihre Pforten für die Buchmesse geöffnet. Von 9 Uhr morgens bis 21 Uhr abends sind die Geschäfte für die Literaturinteressierten der Insel geöffnet und präsentieren ein breites Spektrum der kubanischen und internationalen Buchproduktion. So zeigte sich Sonia Fernández stolz darauf, allein in dem von ihr geleiteten Buchladen Ateneo de Línea y 12 im Stadtviertel Vedado mehr als 300 Buchtitel präsentieren zu können, darunter Kinderbücher, Märchen, Romane, politische Werke und natürlich russische Literatur.

    Kuba ist ein Leseland. Mehr als 2200 Buchtitel mit einer Gesamtauflage von fast 24 Millionen Exemplaren wurden allein im Jahr 2008 gedruckt, statistisch gesehen also mehr als zwei für jeden Kubaner, vom Säugling in seinem Bettchen bis zum alten Mann in seinem Schaukelstuhl.
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    Wir sind da!

    Andre Scheer

    Das Wichtigste vorweg: Die gesamte Delegation ist gut in Havanna angekommen, und sogar das Gepäck kam vollständig in Kuba an. Nach dem zehnstündigen Flug erreichten wir am Montag geschafft, aber zufrieden Havanna, wo uns ab Donnerstag die Internationale Buchmesse erwartet.

    Am Dienstag standen bereits die ersten inhaltlich wichtigen Punkte auf unserem Programm. Mit Compañeros des Kubanischen Instituts für Vökerfreundschaft (ICAP) gingen wir unser umfangreiches Programm durch, das neben der Absicherung des Stands des Büros Buchmesse vorgesehen ist. Dazu gehören neben den Lesungen deutscher Autorinnen und Autoren vor allem Gesprächstermine mit Vertretern kubanischer Organisationen und Medien sowie mit interessanten Persönlichkeiten des kubanischen Lebens. Die Leserinnen und Leser der Tageszeitung junge Welt werden die Ergebnisse dieser Treffen natürlich aus erster Hand mitbekommen: Hier im Blog und natürlich im Blatt selbst.

    Momentan sind wir allerdings Internet-technisch noch ein wenig gehandicapt, deshalb können wir unsere Beiträge noch nicht so umfangreich und häufig wie wir wollen ins Netz stellen. Dies ist also erstmal nur ein erstes Lebenszeichen - live und direkt aus Havanna!

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    Abzocke

    André Scheer

    Wir sind angekommen. Trotz Verspätung des Zubringers von Berlin nach Amsterdam erreichten wir unsere Maschine nach Havanna noch. Eine Angestellte erwartete uns am Ausgang und begleitete uns direkt zum Gate, an dem unser Flieger nach Kuba wartete. Und noch ein bisschen länger wartete, denn die Grenzkontrollen bei der Ausreise aus der Europäischen Union und der nächste Sicherheitscheck dauerten ihre Weile. Im Flugzeug dann die Überraschung: Obwohl beim Einchecken behauptet worden war, der Flieger sei derart ausgebucht, dass es keine Plätze nebeneinander mehr gäbe und wird deshalb gänsemarschartig hintereinander aufgereiht sitzen müssten, gab es letztlich reihenweise freie Plätze. Selbstorganisation war also die Devise, und prompt ging, was vorher nicht gehen sollte.

    Zehn Stunden Flug sind anstrengend, selbst wenn die Maschine nicht voll besetzt ist, und deshalb kein so enges Gedränge herrscht. Nervig wird es aber, wenn ein Unternehmen wie „Martin Air“, das offenbar zur KLM/Air France-Gruppe gehört, sich bemüht, einen neuen Rekord in Abzocke ihrer Passagiere aufzustellen. Gleich zu Beginn wird allen „Gästen“ ein Umbuchen auf die „Comfort Class“ angeboten, für läppische 65 Euro. Dafür gibt es dann das „Unterhaltungsprogramm“ und kostenlos Wein und Bier, mehr nicht.

    In der Economy Class hingegen wird für jedes Glas Wein, für jedes Bierchen und selbst für ein kleines Tütchen Erdnüsse zur Kasse gebeten, mit 3,50 Euro schlägt ein Plastikbecher Rotwein zu Buche. Selbst das Unterhaltungsprogramm, der Standard so ziemlich jeder Fluggesellschaft, wird zur Abzocke der Passagiere genutzt. Wer nicht auf  winzigen Monitoren an der Kabinendecke mit gestörtem Bild „Tom und Jerry“ verfolgen möchte, kann sich zum Schnäppchenpreis von 12 Euro einen portablen DVD-Player leihen. Auf dem gibt es dann ein halbes Dutzend Filme bescheidener Qualität. Für nur 8 Euro mehr gibt es dann auch noch etwas Knabbergebäck und ein Nackenkissen dazu. Kapitalismus zum Abgewöhnen.

    Aber ich will nicht ungerecht sein. Kurz nach dem Start, also so etwa um 14 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, gab es bereits aufgewärmtes Essen: drei Bröckchen Huhn, versteckt unter einer undefinierbaren Soße, dazu ein kleines bisschen Reis. Eine Füllung für den hohlen Zahn. Schon acht Stunden später dann bereits das kulinarische Highlight, die freie Auswahl zwischen in Mayonnaise schwimmendem Käse oder etwas, das als Truthahnfleisch präsentiert wurde. Das ganze in zwei Scheiben malzgefärbtes Weißbrot gequetscht, fertig ist das Abendessen. Ehrlicher wäre gewesen, gleich gar kein Essen zu servieren und das vorher anzukündigen. Dann hätten wir uns wenigstens noch Stullen geschmiert.

    Also tief durchatmen, auf uns warten Kuba, 27 Grad, Sonnenschein, leckere Cocktails, die Atmosphäre einer seit mehr als einem halben Jahr unbesiegten Revolution und natürlich jede Menge Einsatz auf der Internationalen  Buchmessen.  Adelante, a pesar de todo!

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    Nobelpreisträgerin Ehrengast in Havanna

    Peter Steiniger

    »Die USA müssen alle Arten von Sanktionen und Boykotten gegen Kuba aufheben, ob sie nun wirtschaftlicher oder anderer Art sind«, fordert Nadine Gordimer, die bekannteste Schriftstellerin Südafrikas, in einem Interview mit dem kubanischen Online-Kulturmagazin »La Jiribilla«. Hierin äußert sie sich über die Rolle der Literatur in ihrem Land, zu den sozialen Ursachen von Fremdenhaß und über die politische Situation dort.

    Gordimer setzt sich in ihren Arbeiten vor allem mit der Apartheid, mit deren Wurzeln im Kolonialismus und mit den Perspektiven des neuen Südafrika auseinander. Sie zeichnet differenziert und ironisch die Folgen von Rassismus und sozialer Ungleichheit auf. 1991 wurde ihr der Literaturnobelpreis zuerkannt.

    »Mich besorgen die aktuellen Differenzen und eine mögliche Spaltung innerhalb der Allianz mit der KP Südafrikas und anderen wichtigen Verbündeten«, bekennt sich das ANC-Mitglied Gordimer zur Regierung der Einheit. »Ich glaube, wenn wir die Apartheid überwinden konnten, dann können wir auch unsere jetzigen Probleme überwinden, die aus der weltweiten ökonomischen Rezession herrühren.«

    Mit dem sozialistischen Kuba verbindet die Romanautorin und Essayistin Nadine Gordimer (geb. 1923) eine lange Freundschaft. An der diesjährigen Internationalen Buchmesse in Havanna nimmt sie als Ehrengast teil. 

  • · Blog

    In den Läden hat die Buchmesse schon begonnen

    André Scheer
    Cuba liest
    Die Plätze und Parks von Havanna stehen schon im Zeichen der Buchmesse

    Eine Woche vor der offiziellen Eröffnung der 19. Internationalen Buchmesse in Havanna hat die Ausstellung für die Buchhandlungen der kubanischen Hauptstadt bereits begonnen. Stolz berichtet das Portal cubadebate.cu, dass in den Buchläden an einem einzigen Tag mehr als 34.000 Bücher verkauft wurden.

    Mehr als 100 Aussteller aus 40 Ländern, fünfzig kubanische Verlage und 73 aus dem diesjährigen Gastland Russland sowie eine große russische Kulturdelegation beteiligen sich vom 12. bis 21. Februar an der Messe in der historischen Festung San Carlos de La Cabaña. Aber schon jetzt sind die Straßen, Parks und Bibliotheken mit lesenden Männern, Frauen und Kindern bevölkert.

  • · Berichte

    »Wir stellen auch Videos ins Netz«

    Interview: Peter Wolter

    Am Donnerstag beginnt die 19. Internationale Buchmesse in Havanna. Ein Gespräch mit Katja Klüßendorf

    Katja Klüßendorf, verantwortlich für Marketing im Verlag 8. Mai, ist ­zugleich Leiterin des Berliner Büro ­»Buchmesse Havanna«

    Am 11. Februar wird die diesjährige Buchmesse in Havanna eröffnet. Es gibt dort einen großen Stand des Büros Buchmesse, das u.a. von junge Welt, von Gewerkschaften, der Freundschaftsgesellschaft (FG) BRD-Kuba und Cuba Sí getragen wird. Was ist der inhaltliche Schwerpunkt Eurer Präsentation?

    Wir versuchen vor allem, die deutsche Solidaritätsbewegung mit Kuba darzustellen – dazu bringen wir Aufstelltafeln in spanischer Sprache mit, außerdem haben wir Flugblätter und andere Informationsmaterialien vorbereitet. Darüber hinaus sind jetzt schon zahlreiche Gespräche mit Gewerkschaften und dem kubanischen Jugendverband vereinbart. Wir besuchen auch die Redaktionen von Juventud Rebelde und Granma Internacional. Außerdem sind wir zu einem Gespräch mit der Redaktion der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina angemeldet.

    Habt Ihr auch eigene Veranstaltungen für das kubanische Messepublikum im Programm?

    In dieser Hinsicht haben wir mehrere Dinge geplant: Etwa eine Buchpräsentation mit Steffen Niese, einem jW-Autor, sein soeben erschienenes Buch heißt »Die deutsche Kuba-Politik seit 1990«. Die Schriftstellerin Dorle Gelbhaar wird zwei Veranstaltungen für die Deutsch-Studenten der Cátedra Humboldt bestreiten und ihren Krimi »Anders und die Duisburger Mafia« vorstellen.

    Vor zwei Jahren hatte die jW-Besatzung des Messestandes erstmals einen Internet-Blog über ihre Zeit in Havanna eingeführt. Wird das in diesem Jahr fortgesetzt?

    Auf jeden Fall – wer die jW im Internet liest, wird auf dem Laufenden bleiben. Erstmals wollen wir jetzt auch von Havanna aus Videos ins Netz stellen, die sind über youtube zu sehen.

    Das ist ja ein volles Arbeitsprogramm …

    Wir sind ingesamt elf Leute – u.a. je zwei von der FG und von ver.di, vier von der jW. Wir haben auch schon vorgearbeitet: Die jW präsentiert wie in den Vorjahren auch dieses Mal eine spanischsprachige Sonderausgabe – 20000 Exemplare.
  • · Blog

    Bloggen gegen die Blockade

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    Die junge Welt nimmt auch in diesem Jahr unter dem Dach des Berliner Büros Buchmesse Havanna an der 19. Ausgabe des größten Kulturereignisses in Kuba teil. Unsere Entsandten wirken dabei mit Vertretern von Gewerkschaften, der Freundschaftsgesellschaft (FG) BRD-Kuba und der Arbeitsgemeinschaft Cuba Sí zusammen. Katja Klüßendorf, Daniel Hager, Christof Meueler und André Scheer werden in diesem Blog über ihre Eindrücke und Erfahrungen vor Ort berichten.

    Die Kuba-Blogs aus den vergangenen beiden Jahren finden Sie in unserem Archiv, siehe Havanna 2008 bzw. 2009.

    Unsere aktuelle vierseitige Sonderausgabe in spanischer Sprache können Sie hier auch als pdf-Datei downloaden.

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