Buchmesse Havanna 2008

Buchmesse Havanna 2008

Berichte
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    Ende und Anfang

    Peter Steiniger
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    32 °C: Ausklang unter sengender Sonne

    Mit einem Besucheransturm ist am Sonntag die zehntägige internationale Buchmesse in der kubanischen Hauptstadt zu Ende gegangen.
    Noch einmal drängten zig Tausende Literaturfreunde zu den Ausstellerständen, Buchmärkten und Veranstaltungen in die Kasematten der die Hafenmündung überragenden spanischen Kolonialfestung San Carlos de la Cabaña. Auch ohne vorliegende Statistiken über Besucherzahlen oder Buchabsatz läßt sich zweifellos eine positive Bilanz der 17. Auflage der jährlichen »Feria de Libro«ziehen. Für eine endgültige Auswertung ist es zu früh, das Literaturfest findet noch bis zum 9. März eine landesweite Fortsetzung in vierzig weiteren Städten. Damit kommt es der eingeschränkten Mobilität vieler Kubaner im Wortsinne entgegen.

    Einen besonderen Glanzpunkt bildete der geistreich-frivole Auftritt des mexikanischen Krimiautors Paco Ignacio Taibo II. Im Mittelpunkt der meist offen und kritisch geführten Debatten stand vor allem die an Widersprüchen reiche gesellschaftliche Realität Kubas. Diesem Ansatz, der sich mit der Ermutigung der Öffentlichkeit zu mehr politischer Einmischung durch den amtierenden Staatschef Raúl Castro deckt, entsprach auch die Auswahl der diesjährigen Ehrenautoren. Der herausragende Essayist Antón Arrufat war in der sogenannten grauen Periode der 1970 Jahre drangsaliert worden, Graziella Pogolotti stellte ihren Band »Die Kulturpolemik der 60er Jahre «vor, der einen Beitrag zur weiter aktuellen Aufarbeitung von ideologischer Bevormundung der Intellektuellen liefert.

    Diesjähriges Gastland war die spanische autonome Provinz Galicien, Herkunftsland der Vorfahren einer halben Million Kubaner, darunter der historische Führer seit der Revolution 1959, Fidel Castro Ruz. Mit Beiträgen vertreten waren wichtige Autoren in Galego wie Chus Pato, Miguel Anxo Ferrán Vello, Manolo Rivas oder der Historienschreiber Ramón Villares Paz.

    Die Messe ist Literatur- und Volksfest zugleich. Der Eintrittspreis fällt kaum ins Gewicht und die landeseigenen Druckerzeugnisse sind sehr günstig zu erstehen. An Ständen und in Restaurants gab es reichlich zu essen und zu trinken. Manchmal für kubanische Pesos, die Moneda nacional, oft für CUC (Pesos convertible), die nur gegen Devisen zu haben sind. Keine billigen Vergnügungen bei einem monatlichen Durchschnittslohn von etwa 15 Euro.

    Die meisten ausländischen Verlage boten ihre Produkte ausschließlich gegen CUC an, wenn auch zu niedrigen Preisen. Ein großer Renner auf der Fiesta waren Comics und Kinderbücher. In den Morgenstunden nahmen regelmäßig zahllose Schulklassen in Pionierkleidung die Festung in Besitz.

    Zum vierten Mal in Folge war die junge Welt auf der Buchmesse vertreten, gemeinsam mit der Freundschaftsgesellschaft BRD–Kuba. Ein Kraftakt für Verlag und Redaktion und die vor Ort tätigen Journalisten sowie unsere freiwilligen Helfer am Stand. Unsere Solidarität geht auch nach dem Ende des Boykotts der Buchmesse durch die deutsche Regierung weiter. 2003 hatte diese sich EU-Sanktionen angeschlossen, um Kuba in Sachen Menschenrechten zu belehren: Das souveräne Kuba – und nicht etwa die Betreiber von Guantánamo.

    Präsent waren Frankfurter Buchmesse und Auswärtiges Amt, welches eine So-schön-ist-Deutschland-Broschüre unter die Leute brachte. Die junge Welt präsentierte eine andere Sichtweise und hatte erstmals eine spanischsprachige Sonderausgabe dabei, in der über die soziale Wirklichkeit, Friedens- und Solidaritätsbewegung berichtet wurde. Auch gab es in der Internetausgabe der jW einen Blog über die Messe – gespeist direkt aus einem improvisierten Büro neben dem Messestand. Von der jW organisiert, stellte der Linke-Politiker Hans Modrow, moderiert von Harald Neuber, sein Buch »In historischer Mission «einem interessierten Publikum vor. In der Cátedra, einem ehrenamtlichen deutschsprachigen Kulturprojekt an der Universität Havanna, berichteten wir über die Schließung des Nokia-Werkes in Bochum und stellten Studierenden die junge Welt als Projekt und Zeitung vor. In vielen Gesprächen – mit Politikern, Gewerkschaftern, Künstlern oder neugierigen Messebesuchern – tauschten wir uns aus und lernten hinzu. Wir erkundeten den oft surrealen Alltag, erneuerten und vertieften unsere Verbundenheit mit diesem schönen, widerständigen Land.

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    Stabilität und Erneuerung

    Peter Steiniger
    Kubas Nationalversammlung hat heute Raúl Castro Ruz zum Präsidenten des Staatsrates gewählt. Das meldet soeben die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina. Die Amtsperiode beträgt fünf Jahre.

    In direkter und geheimer Wahl bestimmten die Abgeordneten demnach auch den ersten Vizepräsidenten des Staats- und Ministerrates. Die Entscheidung fiel auf José Ramón Machado Ventura. Er war bereits bisher einer der Vizepräsidenten des Staatsrats und gilt als einer der engsten Vertrauten von Raúl Castro seit den Tagen der Revolution 1959.

    Als weitere fünf Stellvertreter wurden gewählt: Juan Almeida Bosque, Julio Casas Regueiro, Esteban Lazo Hernández, Carlos Lage Dávila  und Abelardo Colomé Ibarra. José Miguel Miyar Barrueco behält seine Funktion als Sekretär dieses Gremiums bei.

    Ausdruck einer Erneuerung des Staatsrates sind 13 erstmals hineingewählte Mitglieder, das entspricht einem Anteil von 41,9 Prozent, so die Agentur. In seinem Amt als Parlamentspräsident bestätigt wurde Ricardo Alarcón.

    Raúl Castro folgt seinem älteren Bruder Fidel in das höchste Staatsamt nach, der ihm wegen einer schweren Erkrankung bereits vor anderthalb Jahren die Amtsgeschäfte übertragen hatte. Raúl war zuvor erster Stellvertreter des Staatspräsidenten und Minister der Revolutionären Streitkräfte. Als amtierender Präsident hatte Raúl behutsame Reformschritte eingeleitet und eine offenere gesellschaftliche Debatte ermöglicht. Seine Wahl war in Kuba allgemein erwartet worden. Die Erwartungen in die neue Regierung richten sich vor allem auf eine Verbesserung der Wirtschafts- und Versorgungslage sowie mehr sozialen Ausgleich.

    Fidel Castro wird trotz seines am Montag erklärten Verzichts auf die Ämter des Staatspräsidenten und Oberbefehlshabers in der kubanischen Politk präsent bleiben. Er hatte angekündigt, daß er auch künftig in der Parteizeitung Granma seine Kommentare veröffentlichen wird. Außerdem behält er das Amt des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Kubas bei.

    junge Welt wird ausführlich über die Wahl und ihre Bedeutung für die politischen Prozesse in Kuba berichten.

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    Zeitungsenten vor Havanna

    Harald Neuber
    Keine Spekulation: Ein Küstentanker läuft Havanna an
    Keine Spekulation, sondern Realität: Ein Küstentanker läuft Havanna an

    Proteste gegen Falschmeldungen über »Transition« in Kuba. Hans Modrow dementiert AP-Darstellung
    Die brasilianische Tageszeitung Folha do São Paolo berichtete Ende vergangener Woche, der kubanische Interimspräsident Raúl Castro habe seinen brasilianischen Amtskollegen Luiz Inácio »Lula« da Silva um Hilfe bei einer angestrebten »Transition« gebeten.

    Für Aufregung bis in Regierungskreise sorgte auch eine Meldung, die fast zeitgleich von mehreren Nachrichtenagenturen verbreitet wurde. »Der letzte Ministerpräsident der DDR, Hans Modrow, will Kubas Führung seine Erfahrungen zu einem offenen Gesellschaftssystem nahebringen«, schrieb unter anderem der deutsche Dienst der US-Agentur AP unter Berufung auf den deutsch-mexikanischen Sozialwissenschaftler Heinz Dieterich, der sich als Freund Modrows bezeichnet.
    Der ehemalige DDR-Politiker Modrow, der sich bis zum Sonntag auf Einladung der kubanischen Kommunisten in Havanna aufhielt, wies diese Interpretation in einer Stellungnahme jedoch entschieden zurück. »Mein Besuch hat damit in keiner Weise etwas zu tun«, sagte der tatsächlich vorletzte Premier der DDR. Welche Absichten Dieterich mit seinen Erklärungen verfolge, »ist nicht durchschaubar«, so Modrow weiter. Von freundschaftlichen Beziehungen zu Dieterich könne angesichts von dessen  Spekulationen »keine Rede« sein.
    Auch der Gerügte widersprach den Berichten. Er sei »überrascht und einigermaßen enttäuscht«, daß Modrow den »Lügen« Glauben schenke, schrieb er in einer E-Mail. Er habe nie behauptet, daß sich der Linkspolitiker zu einem »geheimen Besuch« in Kuba aufhalte, noch habe er gesagt, daß seine Thesen von hochrangigen kubanischen Politikern geteilt würden. Beides war in der internationalen Presse behauptet worden.
    Dieterich ist als Fürsprecher eines »chinesischen Modells« für Kuba in die Kritik geraten. In dessen Rahmen solle zunächst das wirtschaftliche und dann das politische System »geöffnet« werden. Auch im AP-Interview forderte er »multiple Eigentumsformen« für den sozialistischen Inselstaat.

    Ohne Geheimnisse

    Hans Modrow befindet sich noch bis zum 24. Februar auf Einladung der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) in dem Karibikstaat. Verbunden mit dieser Einladung an den Ministerpräsidenten a.D. waren Besuche in Einrichtungen des Gesundheits- und Bildungswesens, sowohl in Havanna wie auch in Cienfuegos. Politische Gespräche führte er unter anderem mit dem Präsidenten der Nationalversammlung Ricardo Alarcón und er hielt einen Vortrag am „Institut für Europafragen".  Zusammen mit der Tageszeitung junge Welt und der deutschen Solidaritätsorganisation Cuba Sí fand zudem eine öffentliche Lesung aus dem Buch „In historischer Mission. Als Politiker unterwegs" statt.

    Wie Hans Modrow erklärt, hat sein Besuch in keiner Weise etwas mit den Erklärungen zu tun, die der Sozialwissenschaftler Heinz Dieterich Ende dieser Woche gegenüber internationalen Medien abgegeben hat. Die Reise hat weder einen „geheimen" Charakter, wie die spanische Nachrichtenagentur EFE unter Berufung auf Dieterich berichtet hatte, noch ist sie mit Begegnungen und Gesprächen mit Fidel oder Raul Castro verbunden. Modrow weist darauf hin, dass es kein Telefonat mit Dieterich gegeben hat.

    Welche Absichten Dieterich mit seinen Erklärungen verfolgt, sei nicht durchschaubar, sagte Modrow. In jedem Fall entsprechen seine Ausführungen nicht den Tatsachen und Modrow weist sie mit aller Entschiedenheit zurück. Der Aufenthalt geht nicht bis in den April und von freundschaftlichen Beziehungen kann angesichts der von Dieterich angestellten Spekulationen keine Rede sein.

    Hans Modrow betonte, dass er zum siebenten Mal Kuba besuchte und damit die Möglichkeit hatte, die Entwicklung auf Kuba heute mit der Lage des Karibikstaates in den letzten Jahrzehnten zu vergleichen. Es ging dabei nicht um Belehrungen anderer, sondern darum, die gegenwärtige Realität auf Kuba zur Kenntnis zu nehmen und in Deutschland für eine verstärkte Solidarität mit Kuba zu werben.

    Bei einem Treffen mit Studierenden an der Universität für Informatikwissenschaften (UCI) in Havanna am Freitag betonte Modrow seinen Respekt gegenüber Fidel Castro angesichts dessen Entscheidung, bei der Wahl des Staatsrates am Sonntag nicht erneut als Präsident zu kandidieren. Castro werde im kubanischen Volk weiter eine uneingeschränkte Autorität sein und hohe Achtung genießen.
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    ¡Felicidades!

    Peter Steiniger (Interview)
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    Nicht aufgezwungen, sondern Sache der Kubaner. Ein Revolutionär der ersten Stunde wird heute 70. Gespräch mit Pedro Martín Martín

    Sie sind ein Zeitzeuge und Teilnehmer der kubanischen Revolution. Woher stammen Sie und wie sind Sie aufgewachsen?

    Ich komme aus Camagüey, einer Stadt im östlichen Zentrum Kubas. Zum Zeitpunkt der Revolution war ich 21 Jahre alt und Analphabet. Ich hatte mich der Rebellenarmee (Ejército Rebelde) angeschlossen. Ich war also Guerillero, aber ich habe keinen einzigen Schuß abgegeben, sondern Waffen und Lebensmittel zu meinen Compañeros gebracht. Erst dank der Revolution konnte ich meinen Beruf als Mechaniker erlernen, in dem ich bis zur Rente gearbeitet habe. Seit 50 Jahren lebe ich in Havanna.

    Welchen Ideen sind Sie damals gefolgt?

    Ich wollte ganz einfach gegen Batista kämpfen. Mit den revolutionären Maßnahmen, die nach dem Sieg verwirklicht wurden, habe ich mich auch mit den neuen Ideen identifiziert. 1962 wurde ich Mitglied der Kommunistischen Partei.

    Wenn Sie sich Kuba im fünfzigsten Jahr nach der Revolution ansehen, ist es das Kuba, für welches Sie gekämpft haben?

    Ja, das ist es. Ich wollte, daß die Kinder hier frei von Not aufwachsen können, daß es medizinische Versorgung für alle gibt, daß der Analphabetismus überwunden wird.

    Trägt die Revolution auch den Bedürfnissen der nachgewachsenen Generationen noch ausreichend Rechnung?

    Nein, zur Zeit kann sie dies nicht, vielleicht zukünftig, wenn sich unsere ökonomische Situation verbessert.

    Kuba steht in Sachen Meinungsfreiheit und Menschenrechte bei EU und USA in der Kritik. Wie stehen Sie dazu?

    In der Partei kann ich als Genosse über alles sprechen. In der Gesellschaft wird jetzt breiter und offener über unsere Probleme diskutiert, als dies früher der Fall war. Diesen Prozess hat Raúl Castro in Gang gesetzt, und das wird von den Massenorganisationen und der Bevölkerung unterstützt.

    In Kuba wird niemand wegen seiner politischen oder religiösen Überzeugungen eingesperrt. Die sogenannten politischen Gefangenen sitzen nicht aufgrund einer politischen Meinung, sondern wegen Bombenanschlägen im Gefängnis. Für Taten, die in jedem Land der Welt verfolgt werden.

    Was erwarten Sie vom neu zu bildenden Staatsrat?

    Unabhängig davon, wer neuer Regierungschef wird, erwarte ich weitere politische Veränderungen. Vor allem die wirtschaftlichen Probleme müssen angepackt werden.

    Welches Bild haben Sie von Deutschland?

    Ich mag das Land und die Leute. 1984 absolvierte ich in der DDR einen Weiterbildungslehrgang, in einem Betrieb bei Bautzen. Im letzten Jahr war ich nach Berlin eingeladen. Allerdings bin ich vor allem mit linken Leuten, also Genossen, ins Gespräch gekommen. Die Stadt hat sich völlig verändert. Ich war am Brandenburger Tor und habe mir angesehen, wo die Mauer stand.

    Warum existiert Ihrer Meinung nach das sozialistische Kuba immer noch, nicht aber die DDR?

    Weil uns die Revolution nicht aufgezwungen wurde, sondern wir sie selber gemacht haben. Wir sind ein armes Land, aber mit Würde.

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    Gefloppte Fabuliermaschine

    Peter Wolter
    »Feuer frei« heißt es in den meisten bürgerlichen Redaktionen, sobald es um den aktuellen Sozialismus auf Kuba oder den gewesenen in der DDR geht. Jüngstes Beispiel: Der Aufenthalt von Hans Modrow auf Kuba.

    Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) machte am Freitag den Anfang. Ihr Korrespondent hatte den in Mexiko-Stadt lehrenden Sozialwissenschaftler Heinz Dieterich aufgetrieben. Der erzählte, sein Freund Modrow habe ihm im Januar in einem Telefonat mitgeteilt, die kubanische Regierung habe ihn zu einem Besuch eingeladen. Dann ließ Dieterich seine Fabuliermaschine rattern: Modrow werde sicherlich von Raúl und Fidel Castro empfangen, von ihm würden Ratschläge für den Übergang zu einer offeneren Gesellschaft erwartet. Modrow werde bis Ende April bleiben. Dann kommt – offenbar von AP ergänzt – die Aussage, Modrow seit der letzte Regierungschef der DDR gewesen und Ende April werde die kubanische Nationalversammlung Raúl zum Nachfolger von Fidel wählen.

    Modrow hält sich in der Tat als Gast der kommunistischen Partei auf Kuba auf – das ist aber auch das einzige, was an dieser Story richtig ist. Er hat weder mit Raúl noch mit Fidel gesprochen – wohl aber mit der jungen Welt (s. Interview in unser Havanna-Berichterstattung). Modrow hat keine Ratschläge erteilt, außerdem ist sein Rückflug für diesen Sonntag gebucht. Und daß er in Havanna war, hängt auch mit der Buchmesse zusammen, wo er seinen Erinnerungsband »In historischer Mission« vorstellte. Modrow war auch nicht der letzte, sondern der vorletzte DDR-Ministerpräsident. Und die Nationalversammlung tritt schon an diesem Sonntag zusammen – und erst danach werden wir wissen, ob Raúl gewählt wird. Modrow kann sich übrigens an kein Telefonat mit Dieterich erinnern, dementiert auch freundschaftliche Beziehungen zu ihm.

    Den AP-Kollegen hatte es offenbar gedämmert, daß Dieterich eine recht windige Quelle ist. Also wurde er in dem Bericht flugs zum »Mentor« des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez gemacht – was Dieterich zwar gerne erzählt, aber so auch nicht stimmt.

    Modrow jedenfalls hat diesen von zahlreichen deutschen Zeitungen sowie anderen Nachrichtenagenturen ungeprüft übernommenen Quark am Samstag mit einer Erklärung richtiggestellt. Sein Dementi wurde über die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina sowie dpa verbreiet.

    Wetten, daß die meisten deutschen Redaktionen keine Berichtigung bringen? jW jedenfalls wird ausführlich berichten.

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    »Auf ewig unser Oberbefehlshaber«

    Peter Wolter
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    Kubaner nehmen Ämterverzicht Fidel Castros gelassen
    Für die wohl große Mehrheit aller Kubanerinnen und Kubaner ist es offenbar undenkbar, daß der Mann, der gemeinsam mit seinem Bruder Raúl und dem argentinischen Arzt Ernesto Guevara vor 49 Jahren die Revolution anführte, aus dem politischen Leben verschwindet. Das kann sich allerdings auch der 81 Jahre alte Fidel Castro nicht vorstellen: »Ich verabschiede mich also nicht von Euch«, schloß er seine Erklärung in dieser Woche. »Mein einziger Wunsch ist es, ein Soldat im Kampf um Ideen zu sein.« Er will weiter Einfluß nehmen und mit seinen Erfahrungen zur Weiterentwicklung der kubanischen Revolution beitragen. Und zwar über die kommunistische Tageszeitung Granma, die künftig die »Reflexionen des Genossen Fidel« abdrucken wird.


    Auch der Staatspräsident Venezuelas, Hugo Chávez, kann sich nicht vorstellen, daß Castro von der Bühne abtritt. »Fidel tritt nicht zurück!« verkündete er am Mittwoch im kubanischen Fernsehen. »Er wird weiter im revolutionären Kampf stehen.« In einer Einspielung in die täglich ausgestrahlte Diskussionsrunde »Mesa Redonda« (Runder Tisch) kam auch Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega zu Wort: »Fidel bleibt der unumstrittene Führer des revolutionären Prozesses in Lateinamerika«, sagte er. Ähnlich äußerten sich die Staatsoberhäupter von Bolivien und Brasilien, Evo Morales und Luiz Ignacio »Lula« da Silva.

    Ergänzt wurde die Sendung mit Straßeninterviews. »Es ist doch klar, daß Fidel nicht mehr seine bisherige Rolle einnehmen kann«, sagte ein Kubaner. »Er ist 81 Jahre alt, gesundheitlich angeschlagen – jüngere müssen in seine Fußstapfen treten. Aber: Die Kontinuität der Revolution ist auf jeden Fall gesichert.« Die TV-Journalistin Aleen Rodríguez Derivet sprach offenbar vielen Kubanern aus der Seele: »Er wird auf ewig unser Oberbefehlshaber bleiben.«

    Ähnlich denkt auch der kubanische Kundschafter René González, der wegen seines Kampfes gegen den von Miami ausgehenden antikubanischen Terror seit 1998 in einem US-Gefängnis sitzt. Die Nachrichtenagentur Prensa Latina zitierte den zu 15 Jahren Haft Verurteilten am Donnerstag mit den Worten, Castro sei für ihn ein »Soldat der Ehre«, dessen Beispiel in der ganzen Welt ungezählten Kämpfern für eine gerechte Gesellschaft Mut gebe.

    Es überrascht nicht, daß in Washington und in den Hauptstädten der Europäischen Union nach dem Verzicht Castros auf politische Spitzenämter ein Aufweichen oder gar ein Ende der kubanischen Revolution erwartet wird. Aber auch diese Stimmen wurden in »Mesa Redonda« zitiert. Der EU-Außenpoltiker Javier Solana etwa hofft, daß sich die kubanische Gesellschaft »sehr schnell« wandelt – womit er das Einknicken gegenüber den USA und die Öffnung für ausländisches Kapital meint. Ähnlich äußerten sich die US-Politikerin Hillary Clinton – aber auch ihr Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten, Barack Obama. Rogelio Polanco Fuentes, Chefredakteur der kubanischen Tageszeitung Juventud Rebelde, kommentierte die Stimmen westlicher Politiker so: »Diese Damen und Herren haben nicht das geringste moralische Recht, uns zu sagen, was wir zu tun haben.«

    Schon die Nachricht von Castros Erkrankung vor anderthalb Jahren hatte im »Westen« die Hoffnung ausgelöst, die angeblich unterdrückten Kubaner würden jetzt die Herrschaft der kommunistischen Partei hinwegfegen. Und in der Dissidentengemeinde in Miami (Florida) wurden voreilig Freudenfeste gefeiert. Pustekuchen: Die Kubaner nahmen die krankheitsbedingte Auszeit Castros gelassen hin, bis auf die von der Westpresse hofierten Dissidenten vom Dienst forderte niemand den »demokratischen Wandel«. Was natürlich nicht ausschließt, daß viele Menschen Verbesserungen erwarten.

    An den Castro-Brüdern führt auf Kuba immer noch kein Weg vorbei. Den von vielen Auslandsmedien unterstellten Personenkult gibt es jedoch nicht. Nicht eine Fabrik, nicht eine Universität führt den Namen der Castros. Nach ihnen ist auch keine Straße benannt. In vielen deutschen Amtsstuben prangt aufgrund dienstlicher Anordnung das Porträt des Staatsoberhauptes an der Wand – nicht jedoch auf Kuba. Es sei denn, daß es jemand aus eigener Initiative aufgehängt hat.
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    Permanente Revolution

    Harald Neuber
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    Weiterführende Rolle: Raúl Castro im Editorial der Tageszeitung Granma

    Kubanisches Parlament wählt neuen Staatsrat. Fidel Castro wird weiter eine politische Rolle spielen. Debatten bestimmen Alltag und Politik
    Die wichtigste Nachricht nach allen Sondersendungen, Nachrufen und Kommentaren zum Rückzug Fidel Castros aus der Regierung Kubas ist, daß es kein Rückzug aus der Politik ist. Und: In Kuba wurde die Nachricht mit gelassener Ruhe aufgenommen. Im zweiten Jahr nach der Übergabe der politischen Ämter an den Vizepräsidenten und fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl Castro hat der langjährige »Comandante en Jefe« seine Regierungsposten Anfang der Woche zwar geräumt. Er folgte damit einer Erkenntnis, die er in einem offenen Brief schon Anfang Januar formuliert hatte. Es sei seine Pflicht, nicht an Ämtern festzuhalten »und jüngeren Menschen im Wege zu stehen«. Es gehe vielmehr darum, »meine Erfahrungen und meine Ideen beizusteuern«. Auf den Punkt brachte es der brasilianische Befreiungstheologe Frei Betto: »Selbst wenn sich Fidel Castro zurückziehen würde, bliebe er, was ihn zu einem Giganten der Geschichte macht: Fidel Castro.«


    In Kuba trafen die Interpretationen, es handele sich um einen »Epochenwechsel«, das »Ende der Ära Castro« oder gar den »Beginn einer Transition« auf entschiedenen Widerspruch. »Fidel ist nicht zurückgetreten«, sagt Frank González, Präsident der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina gegenüber junge Welt. In seinem Brief habe der 81jährige Revolutionsführer schließlich erklärt, »bis zum Ende konsequent« zu bleiben. Ähnlich äußerte sich der kubanische Journalist Randy Alonso in der politischen TV-Talkshow »Mesa Redonda« (Runder Tisch): »Wenn Fidel auf etwas verzichtet hat, dann auf seine Familie und die Privilegien, die er hätte genießen können«, hieß es in der Sendung am Mittwoch, einen Tag, nachdem die Nachricht in der Tageszeitung Granma, dem Zentralorgan der kommunistischen Partei Kubas, veröffentlicht worden war. Der Historiker Luis Suárez Salazar bezeichnet den Rückzug Fidel Castros aus der Regierungspolitik als »normalen Vorgang«: »Der Genera­tionswechsel mußte vollzogen werden«, sagt er, »und Fidel Castro war davon nicht ausgenommen«.

    Im Klima eines solchen Wandels wird an diesem Sonntag der neue Staatsrat in Kuba für sechs Jahre gewählt. Im »Palacio de Convenciones« im Osten Havannas werden am Morgen die 614 Abgeordneten der siebten Nationalversammlung Kubas zusammenkommen, um 31 Mitglieder des Staatsrates zu wählen. Auch der Vizepräsident, seine fünf Vertreter, der Parlamentspräsident und weitere führende Posten werden neu besetzt. Daß Raúl eine führende Rolle spielen wird, wurde schon im Vorfeld der konstituierenden Sitzung deutlich. Ein Beitrag in der Granma endete am Mittwoch mit der Schlußformel: »Viva Fidel! Viva Raúl!«. Ein Novum in der Geschichte der kubanischen Revolu­tion.

    Fidel Castro wird persönlich nicht anwesend sein. Beobachter gehen jedoch fest davon aus, daß er der Legislative eine Nachricht zukommen lassen wird. In dem personellen Wechsel erschöpft sich die Transition in Kuba. Denn die Menschen im Land erwarten vor allem eine Lösung der unleugbaren wirtschaftlichen Probleme, weniger eine Veränderung des politischen Systems, auf das ausländische Gruppen, Parteien und Staatsführungen immer wieder Bezug nehmen. Eine »tiefgreifende und totale Transformation« habe sich in Kuba schließlich schon nach dem 1. Januar 1959 vollzogen, äußerte dazu der kubanische Schriftsteller und Journalist Lázaro Barredo Medina in der Granma: »In ihrer Beschränktheit verstehen die Feinde der Revolution nicht, daß der Caudillismus nie wieder nach Kuba zurückkehren wird.« In dieser Welt, »in der die Politik zu einer Karikatur verkommen ist, können sie sich nicht vorstellen, daß diese Revolution in Theorie und Praxis ein kontinuierlicher Prozeß ist«. Der »Genosse Fidel« habe einen festen Platz im politischen Leben ebenso eingenommen wie im »persönlichen Leben der Mehrheit der Kubaner«.

    Nun gehört es zu den Erfahrungen des Staatssozialismus, daß sich die wirklichen politischen Debatten nicht unbedingt in der Parteizeitung wiederfinden. Doch eben die Einschätzung Barredo Medinas hört man auf der 17. Internationalen Buchmesse in Havanna auch von kritischen Intellektuellen. Im Konsens, die Probleme Kubas nicht nur im Land, sondern im Rahmen der Revolution zu lösen, werden zahlreiche Diskussionen geführt. Im vergangenen Jahr wurden in Kuba mehrere Bücher über die soziale Situation in den neunziger Jahren veröffentlicht. Die Periodika des Landes widmen sich den kritischen Themen. Und sogar die franco-kubanische Literatin Graziella Pogolotti stellte als Ehrengast der Messe die zweite Auflage ihres Buches über die kulturellen und politischen Polemiken vor, die das revolutionäre Kuba in den sechziger Jahren bewegten und zu einer Phase repressiver Politik in den siebziger Jahren führten. Die Ereignisse von damals sind heute wieder Anlaß für Aussprachen, die weit in die Überlegungen über die Perspektive der Revolution hineinreichen. Diese Kultur der kritischen Debatte wurde von Raúl Castro in den vergangenen eineinhalb Jahren auf politischer Ebene unterstützt. Die Erwartungen sind deswegen groß, vor dieser Wahl in Kuba. Die Zweifel, ob sie auch erfüllt werden, halten sich in Grenzen.
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    »DDR hat auf Kuba deutliche Spuren hinterlassen«

    Interview: Peter Wolter

    Kubanischer Autor ist dem Einfluß deutscher Kultur und Wissenschaft auf die Karibikinsel nachgegangen. Ein Gespräch mit Manuel Torres Gemeil

    Manuel Torres Gemeil ist Professor für Verkehrswesen an der Universtiät Havanna und Vizepräsident der kubanischen Gesellschaft für Logistik und Marketing. Er ist Verfasser und Herausgeber des auf Kuba erschienenen Buches »Tras las huella alemana en Cuba« (Auf der deutschen Spur in Kuba)

    Der Naturforscher Alexander von Humboldt war auf Kuba, dort ist auch der deutsche Dichter Georg Weerth begraben. Es gibt zahlreiche andere Spuren, die Deutsche auf der Insel hinterlassen haben –und darüber haben Sie ein Buch geschrieben. Wie sind Sie dazu gekommen?

    Ich habe in Dresden an der Technischen Universität, Fakultät für Verkehrswesen »Friedrich List« studiert, da habe ich auch promoviert. Daher kommt mein Interesse für die deutsche Kultur. Ich habe schon in den 90er Jahren angefangen, Material über die Spuren zu sammeln, die Deutsche auf Kuba hinterlassen haben. Im März letzten Jahres hatte ich 30 Seiten beisammen – ich dachte damals, wenn es 100 Seiten würden, wäre das großartig. Anfang Juli traf ich Raúl Martell Alvarez, der auch in der DDR studiert hat. Ich berichtete ihm stolz, daß ich 99 Seiten zusammengetragen hatte -- darauf er: Mensch, das ist doch schon ein Buch! Die Auflage hat 226 Seiten mit 162 Bildern.

    Muß man aus der Fülle des Materials schließen, daß deutsche Kultur und Wissenschaft einen großen Einfluß auch auf das heutige Kuba haben?

    Ganz bestimmt. Es waren eigentlich gar nicht so viele Deutsche, die auf Kuba gelebt haben -- sie haben aber eine ungeheure Wirkung auf unser Land gehabt. Es gibt praktisch keinen wissenschaftlichen oder technischen Zweig in unserem Land, der nicht von Deutschen geprägt wurde. Ob Sie nun Kaffeeplantagen, den Sport, die Literatur, das Eisenbahnwesen, die Zuckerindustrie oder das Universitätswesen nehmen -- überall gibt es deutsche Spuren.

    Nachdem die DDR gegründet worden war – brach da eine neue Phase in den deutsch-kubanischen Beziehungen an?

    Nicht mit der Gründung der DDR, sondern ab 1959 mit der kubanischen Revolution. Seitdem haben sich zwischen beiden Staaten sehr enge Beziehungen entwickelt. Vor allem auch in der Bildung: Schätzungsweise 700, 800 Kubanerinnen und Kubaner haben in der DDR studiert, zum Teil auch promoviert. Über 10 000 Kubaner haben in der DDR gearbeitet und nicht nur etwas über Technik gelernt, sondern auch kulturelle Eindrücke mitgenommen. Drei Jahrzehnte lang hat also der sozialistische deutsche Staat einen großen Einfluß auf Kuba gehabt.

    Können Sie mehr dazu sagen, welche Rolle die DDR für das kubanische Universitätswesen gespielt hat?

    Die ist immer noch spürbar. Wie gesagt, viele Kubaner haben ihren Universitätsabschluß in der DDR gemacht, einige Dutzend von ihnen sind heute hier auf Kuba Dozenten, Professoren oder gar Universitätsrektoren. Ich selbst habe ja auch in der DDR promoviert und bin seit 1987 Professor für Verkehrswesen an der Universität Havanna.

    Wie steht es heute mit den deutsch-kubanischen Beziehungen? Die DDR gibt es nicht mehr, und die Regierung der BRD gilt nicht gerade als kubafreundlich.

    Das ist im Prinzip richtig, man muß aber differenzieren. Es gibt viele Verbindungen zu Forschungseinrichtungen und Universitäten. Unsere kubanische Gesellschaft für Logistik und Marketing z. B. hat gute Beziehungen zu deutschen Institutionen, es gibt Kontakte zu Fachhochschulen, zu Technischen Universitäten. Mit der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin haben wir mehrere gemeinsam verfaßte Bücher herausgegeben. Wir haben auch Verbindungen zur Humboldt-Universität in Berlin oder zu den Unis in Magdeburg und Köln.

    Kuba ist zwar ein Entwicklungsland, aber weit fortgeschritten auf dem Gebiet der Medizin. Welche Zusammenarbeit gibt es auf diesem Gebiet?

    Die war früher, zu DDR-Zeiten, sicher besser entwickelt, ich glaube nicht, daß das heute noch eine große Rolle spielt. Mehr kann ich dazu eigentlich sagen, da fehlen mir Detailkenntnisse.

    In Deutschland gibt es Vereinigungen wie die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba oder Cuba Sí – existiert umgekehrt auch so etwas auf Kuba?

    Das gibt es in der Tat -- und zwar schon seit 1872. Die Vereinigung nennt sich Casino Alemán und ist die älteste Institution dieser Art überhaupt in meinem Land. Casino hat etwa 100 Mitglieder –Kubaner, die irgendeine Verbindung zu Deuschland haben sowie Deutsche, die hier leben.
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    Cuban Five. Offener Brief

    Über 100 Persönlichkeiten aus 27 Ländern haben einen Brief an US-Außenministerin Condoleezza Rise, den Generalstaatsanwalt der USA Michael B. Mukasey und an den Minister für Innere Sicherheit Michael Chertoff geschrieben.
    Sie fordern darin, aus humanitären Gründen den beiden Kubanerinnen Olga Salanuevo und Adriana Pérez, Visa zu gewähren, damit sie ihre in den USA seit acht, bzw. neun Jahren inhaftierten Ehemänner besuchen dürfen. Die USA haben bislang jeden Besuchsantrag ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Zu den zitierten Persönlichkeiten gehört auch die ehemalige Justizministerin der Bundesrepublik Deutschland, Herta Däubler-Gmelin (SPD). Das unten dokumentierte Schreiben wurde ferner unterzeichnet von Adolfo Pérez Esquivel, Danielle Mitterrand, Rigoberta Menchú, Hebe de Bonafini, Rosa Regás, und Ignacio Ramonet. Aus den USA unterschrieben: Der katholische Bischof Thomas Gumbleton, die Pastorin Dr. Joan Brown Campbell, Angela Davis, Danny Glover ­, Alice Walker, Noam Chomsky, Howard Zinn, die ehemaligen Kongreß-Abgeordneten Esteban Torres, Wayne Smith und Michael Parenti sowie der Bürgermeisterin von Richmond, Gayle McLaughlin.


    Internationale Kommission für das Besuchsrecht der Familien, 14. Februar 2008

    An
    die Außenministerin
    Frau Dr. Condoleezza Rice

    den Generalstaatsanwalt
    Herrn Michael B. Mukasey

    den Minister für innere Sicherheit
    Herrn Michael Chertoff

    Nachrichtlich:
    UN-Menschenrechtsrat
    Berichterstatter gegen Folter
    UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Freiheitsentziehungen
    Amnesty international
    Ombudsman

    Sehr geehrte Damen und Herren ,
    wir, die Unterzeichnenden, wenden uns an das Außenministerium und das Justizministerium der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Bitte, umge­hend den kubanischen Staatsangehörigen Olga Salanueva und Adriana Pérez -  Ehefrauen des Gefangenen René González beziehungsweise des Gefangenen Gerardo Hernández-  denen es ohne irgendeine rechtliche Grundlage seit 8 bzw. 9 Jahren unmöglich gemacht wird, ihre Ehemänner im Gefängnis zu besuchen, Visa zu erteilen.
    Wir wissen, daß sie schon achtmal Visaanträge gestellt haben. Jedes Mal hat das Außenministerium mit unterschiedlichen Begründungen und  ohne Angabe irgendeiner Rechtsgrundlage, die die Willkürlichkeit dieser Maßnahme hätte stüt­zen können, die Anträge abgelehnt.
    Amnesty international hat dies seit 2003 verschiedentlich gerügt und ausgeführt:
    „Artikel 10 Abs. 1 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPZPR), den die USA ratifiziert haben, bestimmt: „Jeder, dem seine Frei­heit entzogen ist, muß menschlich und mit Achtung vor der dem Menschen inne­wohnenden Würde behandelt werden“.
    In den allgemeinen Erläuterungen des UN-Menschenrechtskomitees zu diesem Artikel heißt es in Nummer 4, daß es eine fundamentale und universell geltende Regel ist, alle Personen, denen ihre Freiheit entzogen worden ist, menschlich und ihre Würde achtend zu behandeln ..... Diese Regel ist anzuwenden ohne irgendeinen Un­terschied insbesondere bezüglich der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Spra­che, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geburt oder des sonstigen Status.“
    Am 17. Januar 2007 hat amnesty international erneut die Verletzung des Rechts dieser Gefangenen, Besuch von ihren Ehefrauen zu erhalten, gerügt, und zwar als unnötige (weitere) Bestrafung.
    Wir erinnern daran, daß am 27. Mai 2005 die UN-Arbeitsgruppe zu willkürlichen Freiheitsentziehungen eine Stellungnahme veröffentlicht hat, in der sie die Inhaftierung dieser Personen als”unrechtmäßig und willkürlich“ be­zeichnete und die nordamerikanische Regierung aufforderte, diese Situation zu beenden, wobei sie auf die von dieser begangenen Rechtsverstöße  und das Fehlen von Rechtsgarantien für ein gerechtes und unparteiisches Gerichtsver­fahren hinwies. Unter anderem erklärte sie: „dies ist ein Verstoß gegen Ar­tikel 14 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte“.
    Am 9. August desselben Jahres haben sodann drei Richter des Gerichts in Atlanta für den 11. Gerichtsbezirk die Verurteilungen aufgehoben und ein neues Verfah­ren angeordnet.
    Zur Zeit befindet sich der international unter der Bezeichnung der Fall der „Cu­ban Five“ bekannte Fall im Stadium der Appellation. (vergleichbar Berufung)
    Zwei Gefangenen das Recht zu verweigern, von ihren Ehefrauen besucht zu wer­den, hat sich inzwischen zu einer anderen Form der Grausamkeit und der Folter entwickelt.
    Wir fordern Sie auf, dieser Situation ein Ende zu bereiten und unverzüglich OLGA SALANUEVA UND ADRIANA PÉREZ HUMANITÄRE VISA zu erteilen.

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    Zerrbilder

    Kubas Revolution weiß sich zu verteidigen. Plastik vor einer Kas
    Kubas Revolution weiß sich zu verteidigen. Plastik vor einer Kaserne in Havanna

    Solidarität vom jW-Team aus Havanna mit Christel Wegner

    Mit Entsetzen haben wir von der Buchmesse in Havanna aus die Diskussion über Christel Wegner in Deutschland verfolgt. Hier, in der kubanischen Hauptstadt, können wir sehr gut die Zerrbilder der bürgerlichen Presse von allem, was auch nur nach Sozialismus riecht, überprüfen. Wir mußten uns wieder einmal davon überzeugen, daß so ziemlich alles falsch ist, was Spiegel-Online, Panorama, Die Welt oder die mehr oder weniger staatlich gesteuerten Nachrichtenagenturen über Kuba berichten. Letztes Beispiel: Die Kampagne wegen des Streitgesprächs zwischen einem kubanischen Studenten und dem Parlamentspräsidenten Ricardo Alarcón, über das die jW berichtete.

    Christel Wegner hat die Kühnheit besessen, zu sagen, daß zwei mal zwei gleich vier ist. Nicht mehr und nicht weniger. Auch die Kubaner haben die Erfahrung gemacht, daß ein sozialistischer Staat nicht darauf verzichten darf, diejenigen unter Kontrolle zu halten, die sich von der CIA bezahlen lassen oder die im Auftrag der enteigneten Zuckerbarone, Mafiabosse und Batista-Mörder handeln.

    Jedem bürgerlichen Staat, der seine eigene Verfassung ernst nimmt, stünde es ebenfalls gut an, rechtsextreme Umtriebe mit allen Mitteln zu unterbinden. Offenbar will man genau das vermeiden – deshalb die Aufregung über Christel Wegner.

    Ebenso entsetzt sind wir über jene als Angehörige der Linkspartei getarnten Sozialdemokraten, die offensichtlich nur darauf warten, über jedes Stöckchen zu springen, das ihnen die Bourgeoisie vorhält. Menschlicher Anstand hätte erfordert, daß sie sich erst einmal darüber sachkundig machten, was Christel Wegner wirklich gesagt hat. Und daß Gregor Gysi ihr unterstellt, sie – und nicht etwa Panorama - sei vom Verfassungsschutz gesteuert, ist nicht mehr als eine bodenlose und opportunistische Frechheit.

    Rainer Schulze, Peter Wolter, Oliver Desoi, Harald Neuber, Peter Steiniger, Mónica Corbano

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    Soldat im Kampf um Ideen

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    »Ich strebe weder das Amt des Staatsratsvorsitzenden noch das Amt des Oberkommandierenden der Streitkräfte an.« Eine Botschaft des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz
    * Die Tageszeitung Granma, Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 19. Februar 2008 auf Seite eins eine Erklärung Fidel Castros. Renate Fausten und Ekkehard Sieker (hintergrund.de) besorgten eine Übersetzung ins Deutsche.

    Liebe Landsleute,

    am letzten Freitag, den 15. Februar, habe ich versprochen, daß ich mich in meiner nächsten Reflektion mit einem Thema befassen werde, das für viele meiner Landsleute von Interesse ist. Auf diese Weise hat sie jetzt eher die Form einer Botschaft angenommen.

    Der Augenblick ist gekommen, den Staatsrat, dessen Präsidenten, dessen Vizepräsidenten und den Sekretär zu nominieren und zu wählen.

    Für viele Jahre habe ich die ehrenvolle Position des Präsidenten eingenommen. Am 15. Februar 1976 wurde die sozialistische Verfassung in einer freien, direkten und geheimen Abstimmung von mehr als 95 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung angenommen. Die erste Nationalversammlung wurde am 2. Dezember desselben Jahres eröffnet. Durch sie wurden der Staatsrat und die Präsidentschaft gewählt. Zuvor hatte ich für fast 18 Jahre das Amt des Premierministers innegehabt. Ich habe immer die notwendige Berechtigung besessen, die Arbeit an der Revolution mit Unterstützung der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung voranzubringen.

    Viele Menschen im Ausland haben gedacht, daß angesichts meines kritischen Gesundheitszustandes meine am 31.Juli 2006 vorgenommene vorläufige Niederlegung des Amtes des Staatsratspräsidenten endgültig sei; es ist das Amt, das ich dem ersten Vizepräsidenten Raúl Castro Ruz übergeben habe. Aber Raúl, der wegen seiner eigenen persönlichen Verdienste auch Verteidigungsminister ist, sowie die anderen Genossen aus der Partei- und Staatsführung waren nicht gewillt, mich – trotz meines instabilen Gesundheitszustandes – als jemanden zu betrachten, der aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist.

    Das war für mich eine unbequeme Situation angesichts eines Gegners, der bisher alles Mögliche unternommen hat, um mich loszuwerden, und so willigte ich nur zögernd ein.

    Später, während der Zeit meines notwendig gewordenen Rückzugs, konnte ich meine vollständige Verstandeskraft zurückerlangen, und ich war wieder in der Lage, vieles zu lesen und über vieles nachzudenken. Ich verfügte auch wieder über ausreichende physische Kräfte, um viele Stunden lang zu schreiben, eine Tätigkeit, die ich mir mit den entsprechenden Rehabilitations- und Genesungsmaßnahmen teilte. Der grundlegende gesunde Menschenverstand hat mir gezeigt, daß eine solche Tätigkeit wieder innerhalb meiner Möglichkeiten liegt. Auf der anderen Seite gab ich bezüglich meines Gesundheitszustandes außergewöhnlich sorgfältig darauf acht, anwachsende Erwartungen zu vermeiden, da ich der Ansicht war, daß ein ungünstiges Ende mitten in der Schlacht zu traumatisierenden Nachrichten für unser Volk führen würde. Deshalb ist es meine erste Pflicht gewesen, unser Volk nach so vielen Jahren des Kampfes auf beiden Ebenen – der politischen und der psychologischen – auf meine Abwesenheit vorzubereiten. Deshalb habe ich auch wiederholt betont, daß meine Genesung »nicht ohne Risiken verlief«.

    Mein Wunsch ist es immer gewesen, meinen Pflichten bis zu meinem letzten Atemzug nachzukommen. Das ist alles, was ich Euch anbieten kann.

    Euch – meinen hochverehrten Landsleuten –, die Ihr mir jüngst die Ehre erwiesen und mich als Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt habt, in der viele äußerst wichtige Beschlüsse über das Schicksal unserer Revolution getroffen werden müssen, Euch möchte ich sagen, daß ich weder das Amt des Staatsratsvorsitzenden noch das Amt des Oberkommandierenden der Streitkräfte anstrebe noch annehmen werde – ich wiederhole: ich strebe diese Ämter nicht mehr an und werde sie auch nicht mehr übernehmen.

    In kurzen Briefen, gerichtet an Randy Alonso, den Leiter der Sendung »Mesa Redonda« des Nationalen Fernsehprogramms – Briefen, die auf meine Bitte hin veröffentlicht wurden –, habe ich bereits Grundbestandteile der heute von mir verfaßten Mitteilung angeführt, selbst wenn Empfänger dieser Briefe meine Absicht nicht erkannten. Ich habe dabei Randy vertraut, den ich seit der Zeit, als er Student der Journalistik war, sehr gut kenne. In jener Zeit traf ich in einem beinahe wöchentlichen Rhythmus mit wichtigen Vertretern der Universitätsstudenten aus den Provinzen in der Bibliothek des großen Gebäudes in Kohly zusammen, dem Ort, an dem sie lebten. Heute ist das ganze Land eine riesige Universität.

    Es folgt nun ein ausgewählter Abschnitt aus dem Brief, den ich am 17. Dezember 2007 an Randy geschickt habe.

    »Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß die Antworten der kubanischen Gesellschaft auf die aktuellen Probleme, vor denen die kubanische Gesellschaft steht, eine größere Bandbreite von Handlungsmöglichkeiten erfordern, als es Züge beim Schachspiel gibt; handelt es sich doch um eine Gesellschaft, deren Mitglieder im Durchschnitt eine fast zwölfjährige Schulbildung besitzen, einer Gesellschaft mit fast einer Million Menschen, die über einen Universitätsabschluß verfügen, und der realen Möglichkeit der Bildung für alle ihre Bürgerinnen und Bürger – ohne jegliche Diskriminierung. Wir dürfen nicht ein einziges Detail übersehen; auch wird der Weg nicht einfach sein, wenn in einer revolutionären Gesellschaft die Intelligenz des Menschen über seine Instinkte die Oberhand gewinnen soll.«

    »Es ist nicht meine grundlegende Pflicht, an meinen Ämtern festzuhalten und noch weniger jüngeren Menschen im Wege zu stehen, sondern meine Erfahrungen und meine Ideen beizusteuern, deren bescheidener Wert einer außergewöhnlichen Ära entstammt, in der ich das Privileg hatte zu leben.«

    »Wie Niemeyer* glaube ich daran, daß man bis zum Ende konsequent sein muß.«

    Ein Zitat aus dem Brief vom 8. Ja­nuar 2008: »... Ich bin ein entschiedener Befürworter der ›einheitlichen Stimmabgabe‹ (ein Prinzip, das nicht erkannte Verdienste schützt). Diese Form des Wählens hat es uns erlaubt, der Tendenz zu widerstehen, Dinge zu kopieren, die aus den Ländern des ehemaligen sozialistischen Lagers stammen; dazu gehört etwa, das Porträt eines einzigen Kandidaten zu zeigen, der so einsam und gleichzeitig so solidarisch mit Kuba ist. Ich habe großen Respekt vor jenem ersten Versuch, den Sozialismus aufzubauen, dem wir es zu verdanken haben, daß wir in der Lage gewesen sind, den von uns eingeschlagenen Weg weiterzugehen.«

    Und ich habe in jenem Brief auch noch einmal betont: »Ich bin mir bewußt darüber, daß der ganze Ruhm dieser Welt in ein Maiskorn paßt.«

    Ich würde also Verrat an meinem eigenen Gewissen begehen, wenn ich eine Verantwortung übernehmen würde, die Mobilität und völlige Hingabe verlangt, ich aber physisch nicht in der Lage bin, diese zu bieten. Das sage ich ohne Dramatik.

    Glücklicherweise kann unser revolutionärer Prozeß noch auf Kader der alten Garde zurückgreifen und auf andere, die während der frühen Etappe der Revolution noch sehr jung waren. Einige von ihnen waren enorm jung, fast noch Kinder, als sie sich dem Kampf in den Bergen anschlossen; und später trugen sie dann mit ihrem Heldenmut und ihren internationalistischen Einsätzen zum Ruhm des Landes bei. Sie besitzen die Autorität und die Erfahrung, um die Ablösung zu gewährleisten. Es gibt auch noch eine Übergangsgeneration, die zusammen mit uns gemeinsam die Grundlagen der komplexen und nahezu unerreichbaren Kunst gelernt hat, eine Revolution zu organisieren und zu leiten.

    Der Weg wird immer schwierig sein und intelligente Anstrengungen aller erfordern. Ich mißtraue den scheinbar leichten Pfaden der weltanschaulichen Apologetik oder der weltanschaulichen Selbstgeißelung als deren Gegensatz. Man muß immer auf die schlimmste aller Varianten vorbereitet sein. Ebenso besonnen mit Erfolg umzugehen, wie standhaft bei Widrigkeiten zu sein, das ist ein Prinzip, was nie vergessen werden darf. Der Gegner, den es zu bezwingen gilt, ist äußerst stark, aber wir haben ihn ein halbes Jahrhundert lang in die Schranken verwiesen.

    Ich verabschiede mich also nicht von Euch. Mein einziger Wunsch ist es, ein Soldat im Kampf um Ideen zu sein. Ich werde weiterhin unter dem Titel »Reflektionen des Genossen Fidel« schreiben. Das wird lediglich eine weitere Waffe in unserem Arsenal sein, auf die man zurückgreifen kann. Vielleicht erhört man meine Stimme. Ich werde umsichtig sein.

    Danke


    Fidel Castro Ruz
    am 18. Februar 2008, um 17.30 Uhr


    * Oscar Niemeyer, brasilianischer Architekt , geboren 1907 in Rio de Janeiro
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    Keine Aufregung in Havanna

    Peter Wolter
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    Wie gehts weiter? Diskussionen, aber keine Aufregung in Havanna

    Die meisten Kubaner hatten wohl damit gerechnet, daß sich Fidel Castro zurückzieht
    Die meisten Kubaner hatten wohl schon damit gerechnet: Der gesundheitlich stark angeschlagene Revolutionsführer Fidel Castro kandidiert nicht mehr für die Ämter des Staatspräsidenten und des Oberbefehlshabers. Wen die Nationalversammlung am Sonntag zu seinem Nachfolger wählen wird, ist zwar noch unklar – aber auch das scheint auf Kuba kaum jemanden aufzuregen.

    Der Parque Central in der Nähe des Kapitols bot am Dienstag Morgen das übliche Bild: Dutzende Kubanerinnen und Kubaner saßen auf den Bänken, einige spielten Schach, andere hielten ein Schwätzchen. Fast jeder dritte hatte die Parteizeitung Granma vor sich. Lapidare Schlagzeile: »Mensaje del Comandante en Jefe« (Mitteilung des Oberbefehlshabers). Erst in der Mitte der zweiten Spalte findet sich die Nachricht des Tages: »... teile ich Ihnen mit, daß ich das Amt des Präsidenten des Staatsrates und das des Oberbefehlshabers weder anstreben noch annehmen werde – ich wiederhole: weder anstreben noch annehmen.«

    »Das konnte man sich doch ausrechnen«, kommentierte ein etwa 50jähriger Lehrer. »Das heißt aber nicht, daß Fidel zurücktritt. Für uns wird er immer die Nummer eins bleiben, solange er lebt.« Daß es wesentliche Veränderungen geben wird, erwartet er jedoch nicht. »Wir haben doch eine stabile Spitze, die in den anderthalb Jahren seit der Erkrankung Fidels den Staat genau so geführt hat, als wäre der Comandante immer noch am Ruder.«

    Auf der »feria del libro« der Buchmesse in der alten spanischen Festung vor der Stadt, zeigt sich ein ähnliches Stimmungsbild. Das, was eigentlich die Nachricht des Tages wäre, löst kaum Diskussionen aus – man hatte schließlich damit gerechnet. Auf die Frage, was sich denn mit Castros Rücktritt ändern könnte, reagieren einige Gesprächspartner mit verständnislosen Blicken, andere zucken ratlos mit der Schulter. »Was soll sich denn ändern?« entgegnet einer. »Der Staat ist stabil – auch wenn wir immer noch eine Menge Probleme haben. Allerdings hoffe ich schon, daß sich einiges verbessert, wenn jüngere Leute das Sagen haben.«

    Einer der jungen Studenten, die als Helfer zur Buchmesse abgeordnet wurden, wird konkreter. »Fidels Bruder Raul Castro wird das Heft wohl in der Hand behalten. Ich hoffe jedenfalls, daß sich gerade für uns Studenten einiges ändert. Wir haben alle eine erstklassige Ausbildung bekommen – und die wollen wir nach unserem Abschluß auch einsetzen. Leider passiert es immer noch, daß sich so mancher nach der Universität erst einmal Arbeit als Taxifahrer oder Kellner suchen muß. Das muß dringend geändert werden – wir brauchen qualifizierte Arbeitsplätze, auf denen wir unsere Fähigkeiten auch nutzen können und die entsprechend bezahlt werden.«

    »Fidel wird ja nicht aus dem politischen Leben verschwinden«, sagte ein anderer. »Immerhin hat er angekündigt, daß er regelmäßig in der Granma seine >Reflexiones del companero Fidel< veröffentlichen wird.«

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    Kein Abschied

    Harald Neuber
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    Kurz vor Wahl des Staatsrates: Kubas Präsident Fidel Castro kandidiert nicht mehr für Staatsämter, bleibt aber »Soldat der Ideen«. Führungswechsel in Havanna erwartet

    Nach fast einem halben Jahrhundert an der Spitze Kubas hat Staatschef Fidel Castro in Havanna seinen Rücktritt angekündigt. In einem in der Tageszeitung Granma am Dienstag veröffentlichten Brief erklärte er, er werde sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen. »Ich werde die Ämter des Präsidenten und des Oberbefehlshabers weder anstreben noch annehmen.« Die »Nachricht des Comandante en Jefe« nahm die gesamte Titelseite des Zentralorgans der Kommunistischen Partei Kubas ein. Zwei Jahre, nachdem Castro die Regierungsgeschäfte an seinen jüngeren Bruder und Vizepräsidenten Raúl Castro abgegeben hat, schafft der 81jährige damit Klarheit: »Es wäre ein Betrug an meinem Gewissen, wenn ich eine Verantwortung übernehmen würde, die mir eine Mobilität und Aufopferung abverlangt, zu der ich physisch nicht mehr in der Lage bin«. Fidel Castro war 49 Jahre an der Regierung Kubas: nach der Revolution 18 Jahre als Ministerpräsident, nach einer Verfassungsreform 1976 als Präsident der Republik.

    Die Erklärung kommt wenige Tage vor der Wahl des neuen Staatsrates. Am Sonntag werden die 614 Abgeordneten der Nationalversammlung aus ihren Reihen 31 Mitglieder des Regierungsgremiums bestimmen. Seit der Verabschiedung der sozialistischen Verfassung am 15. Februar 1976 stand Fidel Castro selbst dem Staatsrat vor und war damit zugleich Präsident der Republik. Aus Regierungskreisen war schon am Wochenende zu erfahren, daß es in der Führungsriege »weitreichende personelle Veränderungen« geben wird.

    Erstmals schreibt Fidel Castro in der Granma über die Schwere seiner Erkrankung. Er habe einige Zeit gebraucht, »um die volle Geistesleistung und die Kraft zum Lesen« wiederzuerlangen. Eine seiner größten Sorgen sei es in dieser Zeit gewesen, seinen Rückzug einzuleiten. »Nach so vielen Jahren des Kampfes war es meine Aufgabe, die Bevölkerung psychisch und politisch auf meine Abwesenheit vorzubereiten«, schreibt Fidel Castro in dem Beitrag, der auf Montag nachmittag datiert ist. »Ich verabschiede mich aber nicht von euch. Ich möchte weiter als ein Soldat der Ideen kämpfen«, heißt es am Ende der Mitteilung. Er werde auch künftig seine als »Reflexionen« bekannten Aufsätze veröffentlichen: »Sie werden eine Waffe mehr im Arsenal sein«. Der Brief endet mit einem einfachen »Danke«.

    Der US-amerikanische Präsident George W. Bush bezeichnete Fidel Castros Rücktritt als »Abschnitt des Übergangs, der ein demokratischer Übergang für das kubanische Volk sein sollte«. Der US-Nachrichtensender CNN berichtete am Morgen über die »Top-News« live aus Miami, der Hochburg des antikubanischen Exils in den USA. »Es ist nun an der Zeit«, erklärte die Reporterin, »daß sich die Menschen in Kuba erheben und für einen demokratischen Wandel kämpfen.« Der Text hätte so auch aus der PR-Abteilung des Weißen Hauses stammen können.

    Das Londoner Zentralbüro der Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte von der künftigen kubanischen Regierung »Reformen« ein, »die den Schutz der Menschenrechte garantieren«. Ein Sprecher des EU-Entwicklungskommissars Louis Michel betonte das Ziel Brüssels, in Kuba einen »friedlichen Übergang« zu erreichen, »der zu einer pluralistischen Demokratie« führe. Das chinesische Außenamt hingegen würdigte Fidel Castro als »revolutionären Führer« und »alten Freund«.

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    Bitte daran arbeiten

    Harald Neuber
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    Globalisierung heißt Terror: das US-Lager Guantánamo auf Kuba

    Kapitalistische Restauration ist alles: Wie sich die Friedrich-Ebert-Stiftung auf der Buchmesse in Havanna aufführt
    Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Kuba haben ihren Tiefpunkt überwunden. Nachdem Brüssel – damals noch auf Drängen des spanischen Postfaschisten José María Aznar – Anfang 2003 Sanktionen gegen den Karibikstaat verhängt hatte, sind die Kontakte inzwischen wieder weitgehend hergestellt. Das merkt man auch auf der Internationalen Buchmesse in Havanna. Erstmals seit vier Jahren sind hier wieder die Messe- und Ausstellungs GmbH des Börsenvereins des deutsches Buchhandels, die die Frankfurter Buchmesse veranstaltet, und das Auswärtige Amt neuerlich vertreten. Die Rückkehr der EU läßt neue Spannungen mit der kubanischen Regierung erwarten. Einen Vorgeschmack gab eine Veranstaltung am Sonntag auf der Messe. Die internationale Zeitschrift der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Nueva Sociedad (Neue Gesellschaft) hatten zur Debatte über »Soziale Gleichheit in Lateinamerika in Zeiten der Globalisierung« eingeladen.


    Globalisierung, so hieß es auf dem Podium unisono, sei nicht schlecht, sie müsse nur richtig umgesetzt werden. Der Wirtschaftswissenschaftler Luiz Carlos Bresser-Pereira, der früher als Planungsminister im Kabinett des brasilianischen Präsidenten Fernando Henrique Cardoso tätig war, vertrat die Ansicht: »Die Ablehnung der Globalisierung durch die Linke ist widersinnig, weil dieser Prozeß nicht umkehrbar ist«. Es ginge vielmehr darum, die Vorteile der Globalisierung zu nutzen. Ähnlich äußerte sich der ehemalige chilenische Minister und amtierende Botschafter seines Landes in Argentinien, Luis Maira. Die Concertación – eine Art dauerhafte große Koalition, die Chile seit 1990 beherrscht – habe die Armut erfolgreich bekämpft. So habe sie unter Salvador Allende Anfang der siebziger Jahre bei 17 Prozent gelegen, bei Pinochets Abtritt 1990 jedoch 42 Prozent betragen. »Heute verzeichnen wir 13,2 Prozent«, betonte Maira. Doch »die soziale Ungleichheit ist so groß wie nach Ende der Diktatur«, gestand er. Daran müsse man »arbeiten«. Gegen Maira wird übrigens in Buenos Aires wegen Autoschmuggels in großen Stil ermittelt.

    Die Quintessenz sozialdemokratischer Realpolitik formulierte auf der Messeveranstaltung der Brasilianer Bresser-Pereira. Kubas »große Ungleichheit« sei nur durch eine »Eingliederung in das internationale Wettbewerbssystem« zu lösen. Die US-Blockade und Washingtons Forderung nach einem Systemwechsel fand mit keinem Wort Erwähnung.

    Für Kuba fordern die Sozialdemokraten die kapitalistische Restauration. Andere Kräfte des bundesrepublikanischen Establishments agieren moderater, zum Beispiel die CSU-nahe Hans-Seidel-Stiftung. Das war auch Ende November deutlich geworden, als das kubanische Zentrum für Europäische Studien (CEE) zu einer Konferenz in Havanna geladen hatte, um hinter verschlossenen Türen Klartext zu reden. Nach teils heftigen Wortgefechten mit anwesenden EU-Kritikern monierten die Vertreter der SPD-nahen Stiftung vor allem die pragmatischere Linie der Hans-Seidel-Stiftung. Die Konferenz bezeichneten sie als »von vorne bis hinten gesteuert«, berichtete ein Teilnehmer. Die FES-Vertreter glaubten anschließend, sie könnten anders als die Kollegen von der Seidel-Stiftung »erhobenen Hauptes« zurückkehren, weil man die »Lügen der Kubaner« nicht mitgetragen habe.

    Ungeachtet solcher ideologischer Differenzen hat sich in der EU gegenüber Kuba eine handlungsbezogene Linie durchgesetzt. Ende vergangenen Jahres hatte eine Delegation unter Leitung des Karibik-Verantwortlichen der EU-Kommission, John Caloghirou, erstmals seit 2003 direkte Gespräche mit kubanischen Regierungsvertretern geführt. Nun soll der EU-Entwicklungskommissar Louis Michel den Dialog fortführen.
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    Ein bißchen lügen

    Peter Wolter
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    Propaganda der deutschen Bundesregierung auf der Buchmesse in Havanna – wie die Latinos an der Nase herumgeführt werden

    Viele bunte Bilder, grafisch aufwendige Gestaltung, Hochglanzdruck: Die Bundesregierung scheut keine Ausgaben, um im Ausland für den »german way of life« zu werben. Als verlängerten Arm nutzt sie in Havanna den Stand der Frankfurter Buchmesse, die vorwiegend Kinderbücher und Werke zum Deutschlernen präsentiert. Kostenlos und in hoher Auflage wird dort aber nur die Broschüre »La actualidad de Alemania« (Tatsachen über Deutschland) verteilt.

    In der 2005 vom Auswärtigen Amt im mehreren Sprachen aufgelegten Broschüre versuchen Historiker, Wirtschaftsprofessoren und Journalisten ein möglichst positives Bild Deutschlands zu zeichnen. Es ist zwar richtig, die BRD als wirtschaftlich potenten und industriell hochentwickelten Staat zu präsentieren – das ist aber nicht einmal ein Viertel der Wahrheit.

    Die Verdrehungen beginnen schon bei der Darstellung des deutschen Erfinder- und Forschergeistes. Laut Broschüre wurde die Glühbirne nicht etwa von dem US-Amerikaner Thomas A. Edison erfunden, sondern von Heinrich Göbel. Das erste Telefon baute nicht der US-Amerikaner Alexander Graham Bell, sondern der Deutsche Philip Reis. Das erste Strahltriebwerk für Flugzeuge wurde nicht von dem Briten Frank Whittle konstruiert, sondern von Hans von Ohain. Der hatte allerdings mit dem praktischen Einsatz die Nase vorne: Seine Erfindung diente als Antrieb für eine der Hitlerschen »Wunderwaffen«. Dem deutschen Erfindergeist ist eben auch die Entwicklung der ersten Großrakete, der V 2, geschuldet – das allerdings wird schamhaft verschwiegen.

    Buchstäblich nichts erfährt man in der Broschüre über die deutsche Alltagswirklichkeit. Kein Wort zur schon 2005 wahrnehmbaren Verarmung der unteren Einkommensschichten, kein Wort zur zunehmenden Altersarmut. Man erfährt nichts zu den seit 1990 kräftig zurückgegangenen Realeinkommen; die über zwei Millionen in Armut lebenden Kinder werden nicht einmal erwähnt. Daß die Zahl der Arbeiterkinder an den Universitäten immer weiter zurückgeht, wird ebenso verschwiegen wie die PISA-Studie, die die Effizienz des deutschen Bildungssystems auf einem Entwicklungsländern vergleichbaren Rang einstuft. Das deutsche Sozialsystem wird über den grünen Klee gelobt – verschwiegen wird jedoch, daß Millionen Deutsche offiziell als arm eingestuft werden (2006: 10,6 Millionen). Das Horrorkürzel »Hartz IV« taucht nicht einmal auf.

    Man erfährt nichts davon, daß in vielen deutschen Orten heutzutage Neonazis Jagd auf Ausländer machen. Zur Darstellung der deutschen Realität würde auch gehören, daß seit 1990 in Deutschland etwa 100 Menschen durch Neonazis umgebracht wurden. Das Zuwanderungsgesetz wird zwar kurz erwähnt – nicht jedoch, daß Migranten in Lagern festgehalten und von den Behörden bei Nacht und Nebel und unter menschenunwürdigen Umständen abgeschoben werden. Weitere Punkte auf der Mängelliste: Verdummung der Bevölkerung durch Massenmedien, das Zusammenknüppeln von Demonstranten durch die Polizei, der völkerrechts- und grundgesetzwidrige Bundeswehreinsatz in Afghanistan, die Ausschnüffelung der Bevölkerung durch Polizei und Geheimdienste.

    Realität ist immer komplex – besonders die deutsche. Diesem Anspruch wird die Broschüre nicht einmal im Ansatz gerecht, die Liste dessen, was verschwiegen, verdreht, beschönigt oder einfach erlogen wird, läßt sich fast endlos verlängern. Das Urteil über dieses Machwerk kann man in einem Wort zusammenfassen, höflicherweise auf Spanisch: »mierda«. Für so etwas geben sich hochbezahlte deutsche Professoren her – Kopflanger der Propaganda.


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    Innerhalb der Revolution

    Harald Neuber
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    Falschmeldungen über Repression in Kuba sind Thema auf der Buchmesse. Kritische Debatten an der Tagesordnung

    Auf der Internationalen Buchmesse in Havanna erfreut sich ein Amateurvideo derzeit großer Beliebtheit. Dabei enthält die Aufnahme der Debatte zwischen dem kubanischen Parlamentspräsidenten Ricardo Alarcón und den Studenten der Informatikuniversität UCI  nur wenig Neues. Über zwei Stunden hatte sich der Politiker Anfang des Monats den Fragen der Studierenden gestellt. Kritisch hinterfragten die Jugendlichen Probleme mit restriktiven Reiseregelungen, nahmen zu sozialen Gegensätzen in Kuba Stellung und debattierten das Wahlsystem. Seit der amtierende Staatschef Raúl Castro im September vergangenen Jahres zur solcher Kritik aufgerufen hatte, haben in Kuba tausende solcher Diskussionen stattgefunden. Es war der jüngere Castro selbst, der einen „Überschuß an Restriktionen" konstatierte, durch den „mehr Schaden als Nutzen" angerichtet werde.

     
    Daß das Video des Treffens in der UCI derzeit auf USB-Sticks und DVDs von Hand zu Hand gereicht wird, liegt weniger an einem vermeintlichen Tabubruch als an der westlichen Presse. Die britische BBC und rechte Medien von Washington bis Südamerika hatten die Aufnahme, die von Studenten zur weiteren Diskussion in das Intranet der Lehranstalt gestellt worden war, Anfang vergangener Woche veröffentlicht. Ohne Quellenangabe wurde behauptet, Eliécer Avila, einer der Fragesteller, sei in seinem Heimatort El Yarey in der Provinz Las Tunas seiner kritischen Fragen wegen festgenommen worden. In Windeseile verbreitete sich die Meldung auch in Europa. „Ich war am Ende des Semesters für eine Zahnoperation nach Hause gefahren", erklärte der Informatikstudent kubanischen Medien nun. Telefonisch habe er davon erfahren, was über ihn verbreitet wurde. Unverzüglich machte sich der 21jährige in die Hauptstadt auf, um den „Skandal" aufzuklären. Er habe in der Debatte kritische Fragen gestellt, „um den Sozialismus besser aufzubauen und nicht, um ihn zu zerstören", sagte er im Gespräch mit der kubanischen Journalistin Rosa Miriam Elizalde. „Wenn wir etwas berichtigen, verändern oder überdenken müssen, dann machen wir das innerhalb der Revolution". Er hätte viel von dem Medienkrieg gegen Kuba gehört. Die massive Verbreitung der Falschmeldung über seine vermeintliche Festnahme in so kurzer Zeit und der Umstand, dass die Nachricht mit anderen Kritikpunkten des Westens an Kuba verbunden wurde, zeige, so Avila, „daß diese Medienmaschinerie sehr effizient arbeitet". Ähnlich äußerte sich Avilas Kommilitone Alejandro Hernández.

    In Deutschland hatte die rechtsgerichtete Gruppe IGFM am vergangenen Montag über den Fall berichtet. Eine „Menschenrechtlerin" habe das Haus der Familie Avila besucht „und fand dort dessen verängstigte Mutter in Tränen aufgelöst", heißt es in einer Pressemitteilung, die im Internet verbreitet wurde. Das war frei erfunden. „Es gab keine Festnahme, meine Familie ist völlig ruhig. Es gibt keine Probleme", konterte Avila im Interview mit Elizalde, das inzwischen – ebenso wie das erste Video – im Internetportal Youtube veröffentlicht wurde.

    Geändert hat das wenig. Die spanische Tageszeitung El País reagierte auf die Medienlüge mit einer zweiten Manipulation. „Kuba widerspricht Festnahme des Jugendlichen, der mit Alarcón diskutiert hat", meldete das Blatt. „Das war ein weiterer Betrug der Leser", sagte der spanische Journalist Pascual Serrano auf der Buchmesse in Havanna, „denn nicht der Staat hat geantwortet, sondern der Student."

    Damit nicht genug der Lügen. Im Springerblatt Die Welt berichtet am Dienstag die freie Mitarbeiterin Sandra Weiss, Avila habe als Zeichen des Protests gegen mutmaßliche Internetzensur in Kuba „ein schwarzes T-Shirt mit dem @-Zeichen" getragen. Auch das war frei erfunden. „Das T-Shirt stammt von einem Kunstfestival", klärte der Student auf. Für den Journalisten Pascual Serrano weist dies auf ein zentrales Problem hin: „Kein einziger Journalist hat den Fall recherchiert".

    Entgegen der Darstellungen in der westlichen Presse finden in Kuba seit Monaten offene Debatten statt. „Die Hoffnung auf eine Veränderung ist groß", sagt der Schriftsteller und Journalist Osmany Oduardo Guerra. Das Problem in der UCI sei gewesen, daß Parlamentspräsident Alarcón auf die Fragen der Jugendlichen „mit dem gleichen Diskurs der vergangenen Jahrzehnte geantwortet habe". So hatte der Politiker auf die Frage nach Reisefreiheit entgegnet, daß ein solches Recht an keinem Ort der Welt existiere, weil die Mehrheit der Bevölkerung nicht die finanziellen Mittel habe. „Das ging schlichtweg an der Sache vorbei", meint auch Jaime, ein Filmstudent aus Havanna, „denn das Recht auf Ausreise hat nichts mit den finanziellen Möglichkeiten zu tun". Wenn ein Arbeitsloser in Europa sich nicht zweimal in der Woche einen Kinobesuch leisten könne, würde ja auch kein Gesetz erlassen, das dies verbiete.

    Solche Vergleiche widerspiegeln das Niveau der innerkubanischen Debatten im zweiten Jahr nach Fidel Castros faktischen Abtritt. Auch auf der Buchmesse werden in den kommenden Tagen zahlreiche Diskussionen stattfinden. Dies geschieht nicht gegen den Staat oder den kubanischen Sozialismus, sondern mit ihm. So wird Ende der Woche ein Sammelband über die Bewertung restriktiver Kulturpolitik Anfang der siebziger Jahre vorgestellt, die bis heute nachwirkt. Die Beiträge stammen von führenden Mitgliedern des Schriftstellerverbandes UNEAC und anderer Kulturorganisationen. Auch das beweist, daß in Kuba Kritik geübt und Debatte geführt wird. Allerdings innerhalb der Revolution. Und das ist der Unterschied zu den Medien, von denen die Falschmeldung verbreitet wurde.
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    Zwei Welten prallen aufeinander

    Marion Leonhardt

    Auf der Messe versorgen sich die Kubaner mit großen Mengen geistiger Nahrungsmittel. Nicht nur dadurch wird deutlich, dass sie ein lesefreundliches Volk sind

    Ganz anders ist die bundesdeutsche Wirklichkeit. In einer Veranstaltung über die Leseförderung in Deutschland durch die Stiftung Lesen erfahren die Kubaner von der Mühsal, deutschen Schülern den Spaß am Lesen zu vermitteln. Die Kubaner sind ein wenig ratlos – eine Diskussion kommt kaum zustande, nachdem Anke Maerk-Buermann und Karola Penz von der Akademie zur Leseförderung der Stiftung Lesen ihren Vortrag gehalten haben.

    Beide Wissenschaftlerinnen belegten mit Zahlen, daß viele deutsche Schüler weder Lust am Lesen haben noch dazu in der Lage sind. Die Ergebnisse der Pisa-Studie, die der BRD blamable Noten ausgestellt hat, werden zitiert. Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Bildung und sozialer Herkunft – zementiert durch das dreigliedrige Schulsystem - fehlen auch nicht. Abhilfe schaffen sollen unter anderem Netzwerke zur Leseförderung, in denen Eltern, Lehrer und Erzieher zusammenwirken. Zentrum dieser Netzwerke sollen Bibliotheken sein.

    Im Nebel bleibt, wie das angesichts der bundesdeutschen Realität funktionieren soll – die bleibt nämlich weitgehend ausgeblendet. Da nur jede zehnte Schule eine Bibliothek hat, sind hier wohl die öffentlichen Einrichtungen gefragt. Ein großer Teil davon wird aber in vielen Städten gerade geschlossen oder ist unterfinanziert. Und das dreigliedrige Schulsystem wird auch nicht abgeschafft. Hier stoßen zwei Welten aufeinander: Das Entwicklungsland BRD und die fortgeschrittene Kulturnation Kuba.

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    »Die kubanische Wirtschaft muß effektiver werden«

    Interview: Peter Wolter
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    Kubas Wirtschaftsminister plädiert dafür, stärker die Erfahrungen Chinas zu nutzen. Ein Gespräch mit Hans Modrow

    Hans Modrow war der vorletzte Ministerpräsident der DDR. Er weilt derzeit als Staatsgast in Kuba und stellte bei der Buchmesse in Havanna dem kubanischen Publikum sein Buch »In historischer Mission« vor.

    Sie sind jetzt zum siebten Mal auf Kuba – haben also die Entwicklung des Landes über Jahrzehnte hinweg verfolgen können. Wie hat sich das Land nach Ihrem Eindruck in diesem Zeitraum verändert?

    Es ist schwer, Vergleiche zu ziehen, bei meinem ersten Besuch 1970 existierten noch die sozialistischen Länder in Europa. Ich war mit einer DDR-Delegation hier, um über die Zusammenarbeit vor allem auf landwirtschaftlichem Gebiet zu verhandeln. Heute sind die UdSSR und die anderen sozialistischen Länder verschwunden - Kuba muß seinen Weg alleine gehen.

    Beobachter erwarten, daß die kubanische Nationalversammlung am 24. Februar wichtige Veränderungen in der Staatsführung beschließt. Sie haben Gespräche mit hohen kubanischen Politikern geführt – gibt es Andeutungen, was zu erwarten ist?

    Von meinen Gesprächspartnern war keiner bereit, sich konkret zu äußern. Ricardo Alarcón, der Präsident der Nationalversammlung, räumte lediglich ein, daß es in der Zusammensetzung des Staatsrates Veränderungen geben wird. Und er ergänzte, daß sich in den zu erwartenden Entscheidungen auch die Erwartungen der Bevölkerung widerspiegeln werden. Vor einiger Zeit hatte es in Vorbereitung der Wahlen eine Art Volksbefragung gegeben, bei der mehrere Millionen Verbesserungswünsche geäußert wurden.

    Kuba hat mit Problemen zu kämpfen, die man ähnlich in der DDR kannte. Dort gab es mit der D-Mark eine inoffizielle Zweitwährung, was zu wirtschaftlichen Verwerfungen und ideologischen Problemen führte. Das scheint auch auf Kuba so zu sein, wo es mit dem konvertiblen Peso eine sogar offizielle Zweitwährung gibt. Konnten Sie ihren Gesprächspartnern Ratschläge geben, wie man mit diesem Dilemma umgehen könnte?

    Schon zu DDR-Zeiten hielt ich es nicht für klug, Ratschläge zu erteilen. Die kubanische Führung ist sich des Problems bewußt, es wurde allerdings immer wieder betont, daß es nicht nur um die zwei Währungen geht, sondern auch um die Gestaltung der Preise. Eine zufriedenstellende Lösung brauche jedoch Zeit.

    Sehr interessant war mein Gespräch mit dem Minister für Wirtschaft und Planung, José Rodriguez. Er sprach von sich aus als erstes an, daß die Versorgung dringend verbessert werden muß. Es gehe nicht an, daß jedes Jahr für 1,6 Millarden Dollar Lebensmittel importiert werden. Die eigene Landwirtschaft müsse gestärkt werden. Es hat mich an die DDR erinnert, als er auf die Schwierigkeiten verwies, den Haushalt für die kommenden Jahre festzulegen. Alle seine Ministerkollegen stellten Forderungen, keiner zeige Verständnis dafür, daß das Budget begrenzt sei. Der Sportminister z. B. wolle Mittel dafür, daß Kuba bei den Olympischen Spielen in Peking Goldmedaillen gewinnt. Klar, sagte Rodríguez, Goldmedaillen brauchen wir, aber wir haben unsere finanziellen Grenzen. Er verwies dann auf das hervorragende Gesundheitswesen Kubas, das immer mehr Geld verschlinge. Auch das Bildungssystem werde immer teurer. Sein Resümee war, daß die Wirtschaft effektiver werden muß, damit diese Mittel aufgebracht werden können. Die Erfahrungen des befreundeten China müßten stärker in die Entwicklung der kubanischen Ökonomie einbezogen werden.

    Wie steht es mit der Energieversorgung?

    Rodríguez sagte, Kuba fördere aus eigener Kraft 44 Prozent des Erdöls, für den Rest stehe Venezuela als zuverlässiger Partner ein. Ich fragte dann, wie ernst die Aussage des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zu nehmen sei, daß er die Öllieferungen an die USA drosseln wolle. Antwort: Das wird angestrebt, geht aber nicht über Nacht. Venezuela braucht die Dollar-Einnahmen, um seine sozialen Programme zu finanzieren. Rodríguez schloß damit, daß Kuba nicht mehr nur auf die Solidarität anderer setzen, sondern auf eine Strategie der Zusammenarbeit und Partnerschaft hinarbeiten müsse.

    Auf Kuba wird zur Zeit ein schon aus DDR-Zeiten bekanntes Problem diskutiert: Reisefreiheit. Gab es dazu Hinweise in Ihren Gesprächen?

    Es wird überlegt, wie die Ausreisebedingungen neu formuliert werden können. Allerdings hat Kuba ein Problem, das auch die DDR schon hatte: Es fehlt an Devisen, damit die Leute reisen können. Es kann ja keine Lösung sein, daß Reisefreiheit nur für diejenigen existiert, die Verwandte in den USA besuchen wollen.

    Sie haben auf der Messe Ihr Buch »In historischer Mission« vorgestellt, in dem Sie auch die letzte Phase der DDR schildern. Wie empfanden Sie die Reaktion des kubanischen Publikums?

    Mein Buch könnte in zweierlei Hinsicht Resonanz haben. Zum einen schildere ich darin Kontakte und Beziehungen, die die DDR entwickelt hat. Kuba spielt dabei auch eine Rolle. Zum anderen habe ich ein großes Interesse daran festgestellt, was mit dem Untergang der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten in Europa zusammenhängt.

  • · Berichte

    »Den USA werden wir uns jedenfalls nicht unterwerfen«

    Interview: Peter Wolter
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    Leonel R. Cala Fuentes

    Ein Kubaner, der neun Jahre in der DDR gelebt hat, hat im vergangenen Jahr seine früheren Wohnorte wieder besucht. Ein Gespräch mit Leonel R. Cala Fuentes

    Sie haben lange in der DDR gelebt – wie empfinden Sie es als Kubaner, daß es diesen sozialistischen Staat nicht mehr gibt?

    Ich habe von 1976 bis 1987 in der DDR gearbeitet, im vergangenen Jahr bin ich wieder einmal nach Deutschland gefahren, auf den Spuren meiner Vergangenheit. Ich hatte u. a. in den Leuna-Werken gearbeitet, die damals etwa 30.000 Beschäftigte hatten – heute arbeiten da vielleicht noch 4000 Menschen. Ich war auch in Zeitz, in Merseburg, in Halle oder in Weißenfels und habe mit vielen Leuten gesprochen, die ich von früher kannte. Viele berichteten über ihre Sorgen, ihre Angst vor der Zukunft, sie haben sich auch über die weit verbreitete Arbeitslosigkeit beklagt. Andere wiederum sagten mir, daß sie froh darüber sind, daß sie jetzt dorthin reisen können, wohin sie möchten.

    Was haben Sie von den Erfahrungen, die Sie in der DDR gemacht haben, für sich nach Ihrer Rückkehr nach Kuba nutzen können?

    Was ich in der DDR als erstes gelernt habe, das war die sprichwörtliche deutsche Pünktlichkeit. Ich habe auch die großartige deutsche Kultur bewundert und vor allem das, was uns Kubaner ein wenig fehlt, die deutsche Arbeitsdisziplin.

    Haben Sie heute noch Freunde in der ehemaligen DDR?


    Das war wunderschön, daß ich nach zwei Jahrzehnten meine deutschen Freunde wiedersehen konnte. Zum Beispiel habe ich die Frauen getroffen, die in unserem Wohnheim gearbeitet hatten – das war sehr bewegend, das kann man gar nicht beschreiben. Einige von ihnen sind ja auch in meinem Buch erwähnt. Mehrere dieser früheren Freunde und Freundinnen möchten mich auch in Kuba besuchen. Ich hoffe, daß diese Freundschaften weiter erhalten bleiben.

    Das Verschwinden der sozialistischen Staaten in Europa hat auch Kuba schwer getroffen. Wie haben Sie die »período especial«, erlebt, die Zeit, als Ihr Land plötzlich von den wichtigsten Wirtschaftsverbindungen abgeschnitten war?

    Das ist ja mittlerweile in der ganzen Welt bekannt, was Kuba in dieser Zeit durchmachen mußte. Und nicht nur der Staat – das hat jeden einzelnen von uns betroffen. Ich habe damals eine Zeit lang als Dolmetscher für die ehemaligen DDR-Deutschen gearbeitet, die hier noch lebten. Wir konnten nicht mehr auf die Hilfe der sozialistischen Länder zählen, hinzu kam, daß die USA ihre Wirtschaftsblockade in dieser Situation auch noch verschärften. Wir bekamen kein Öl mehr, viele Betriebe mußten schließen. Ganz schwer wurde es für mich, als meine Frau 1993 starb. Ich habe damals unter der wirtschaftlichen Situation schwer gelitten, vor allem, weil ich auch noch für meinen damals dreijährigen Sohn sorgen mußte.

    Kuba hat sich seitdem wirtschaftlich erstaunlich gut erholt. Ist der heutige Lebensstandard mit dem der 80er Jahre vergleichbar?

    In den 80er Jahren haben wir ganz gut gelebt, wir waren in das sozialistische Wirtschaftssystem, den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, eingebunden, es gab viele Verträge mit sozialistischen Staaten. Die Lage hat sich nach dem Niedergang Anfang der 90er Jahre langsam wieder für uns verbessert, auch wenn es heute immer noch so manches Problem gibt.

    Die USA, Deutschland und andere imperialistische Staaten spekulieren darauf, daß Kuba nach dem Tode des Revolutionsführers Fidel Castro einen ähnlichen Weg geht, wie ihn die frühere DDR gegangen ist. Wie steht denn die kubanische Bevölkerung dazu?

    Ich bin kein Politiker. Wir möchten gute Beziehungen mit aller Welt haben – aber unter der Voraussetzung, daß wir auch respektiert werden. Natürlich möchten wir ein besseres Leben haben, aber nur unter der Bedingung, daß wir frei sind. Dem US-Kapitalismus werden wir uns jedenfalls nicht unterwerfen.

    Was erwarten die Kubaner von den Präsidentschaftswahlen in den USA?

    Zunächst muß man erst einmal davon ausgehen, daß jeder US-Präsident in erster Linie die reichen Leute vertritt. Und die möchten den Zugang zum Öl haben und sind bereit, dafür auch Krieg zu führen. Den Warschauer Pakt gibt es nicht mehr, die NATO tut, was sie will. Es wird immer mehr Geld in Rüstung und Raketen gesteckt, sie wollen die ganze Welt beherrschen. Von der Wahl erwarte ich nicht viel – vielleicht kann sich die Lage ein wenig verbessern, wenn Barack Obama von den Demokraten siegt.



    Von Leonel R. Cala Fuentes ist bei Dietz Berlin erschienen: »Kubaner im realen Paradies: Ausländer-Alltag in der DDR«

  • · Berichte

    Mehrere Bücher gleichzeitig

    Peter Steiniger
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    Die Kulturministerin der galicischen Regionalregierung, Ánxela Bugallo Rodríguez, während der Eröffnung

    Am Donnerstag eröffnete die 17. Internationale Buchmesse von Havanna

    Am Donnerstag morgen wurde bei strahlendem Sonnenschein auf der Plaza San Francisco in der historischen Festung Fortaleza San Carlos de la Cabaña die Internationale Buchmesse von Havanna mit einer Festveranstaltung eröffnet. Kubas Staatsführung war mit dem amtierenden Präsidenten Raúl Castro vertreten. Der Festakt war am Vortag wegen eines Unwetters zunächst verschoben worden.

    Offizielles Gastland der diesjährigen Messe ist die spanische Provinz Galicien. Eine Reverenz nicht nur an die Wurzeln der Familie der Revolutionsführer Fidel und Raúl Castro, deren Eltern Ángel Castro Argiz und Lina Ruz González aus dem galicischen Lugo stammten und als Emigranten nach Kuba kamen. Der Vater stieg hier zu einem der reichsten Zuckerrohrplantagenbesitzer auf. Eine halbe Million Kubaner kann ebenfalls eine galicische Herkunft vorweisen, bei etwas mehr als elf Millionen Einwohnern insgesamt. Mercedes Peón, eine der bekanntesten Sängerinnen Galiciens, stimmte die Vertreter der Aussteller, des diplomatischen Corps, kubanische Künstler und Intellektuelle mit traditionellem Liedgut aus Galego ein. Die Kulturministerin der galicischen Regionalregierung, Ánxela Bugallo Rodríguez, unterstrich in ihrer Rede die gemeinsamen Wurzeln mit Kuba und das Eigenständige an der Kultur Galiciens innerhalb Spaniens. Mit Enthusiasmus hätte man die Einladung zum Schwerpunktland angenommen: »Unsere Völker sind für immer verbrüdert.«

    Die kubanischen Autoren und Kulturpreisträger Graziella Pogolotti und Antón Arrufat stimmten mit Redebeiträgen auf die kommenden zehn Tage ein. Das Buch als ein biographisches Schlüsselerlebnis nahmen sie dabei zum Ausgangspunkt. Arrufat zeigte auf, wie sich ihm mit dem Eintritt in die Welt der Literatur unbekannte Horizonte geöffnet und Geheimnisse entschlüsselt hätten. Die Redner verwiesen auf eine reiche, moderne Kunst und Literatur Kubas, die sich einmische, das historische Gedächtnis wachhalte und weit über das Land hinaus wirke.

    Unter den Gästen der Inauguración befanden sich unter anderen der Chefredakteur von Le Monde Diplomatique, Ignacio Ramonet – vor kurzem Referent auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen Welt –, der spanische Autor Pascual Serrano (Gründer des Webportals rebelion.org) sowie aus Mexiko Paco Ignacio Taibo II – als Kriminalschriftsteller weltweit bekannt. Die mit Kuba solidarisch verbundene venezolanische Regierung war durch ihren Kulturminister Francisco Sesto vertreten.

    Am Donnerstag mittag öffnete die Messe für die breite Öffentlichkeit ihre Tore. Tausende drängten in die Festung zu den Ständen, Lesungen und Konzerten. Am Stand der jungen Welt kam es zu vielen Begegnungen und Gesprächen mit Neugierigen sowie mit Kubanern – zirka 30000 Kubaner haben ihre Ausbildung in der DDR absolviert, sie freuen sich, daß es die Zeitung immer noch gibt. Es sind 161 Aussteller aus 32 Ländern vertreten.

    Bei der Eröffnung hatte Raúl Castro erklärt, daß ihm vor lauter Regierungsgeschäften zu wenig Zeit zum Lesen bleibe. Doch um seinen Literatur-Rückstand aufzuholen, lese er manchmal zwei Bücher gleichzeitig.

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