Buchmesse Havanna 2008

Buchmesse Havanna 2008

Berichte
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    Auf Regen folgt Sonne

    Peter Steiniger
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    Eröffnungsveranstaltung wurde wegen schlechten Wetters auf heute verschoben. Stolz auf kulturelle Leistungen Kubas, breite internationale Beteiligung an der Messe und die Beziehungen zum Gastland Galizien prägten die Reden zum Auftakt.


    Heftige Wolkenbrüche und Windböen am Mittwoch nachmittag - auch das jW-Team wurde ordentlich durchnässt - hatten eine Verschiebung des Auftaktempfangs notwendig gemacht. Heute morgen war es dann soweit. Kubas Staatsführung - mit dem amtierenden Präsidenten Raúl Castro an der Spitze -, Vertreter des diplomatischen Corps, der Aussteller, der spanischen Provinz Galicien als Gastland, Künstler und Intellektuelle waren beim Festakt mit Ansprachen und Musik anwesend - nun unter sengender Sonne. Wir werden ausführlicher in der jW und an dieser Stelle berichten.
    Während an den Ständen und Ausstellungen letzte Hand angelegt wird, öffnet in diesen Minuten die Buchmesse ihre Tore für die breite Öffentlichkeit und die Menschen strömen herein. Viele Mädchen und Frauen tragen Lilien bei sich: als Zeichen der Liebe am Valentinstag. Felicidades!
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    Kulturell souverän

    Harald Neuber
    An »San Carlos de la Cabaña« ist der Boykott abgeprallt
    An »San Carlos de la Cabaña« ist der Boykott abgeprallt

    17. Internationale Buchmesse in Kuba: Der Boykott Berlins ist gescheitert. In diesem Jahr gleich doppelte Präsenz aus Deutschland
    Im Umgang mit Kuba sind die westlichen Medien vom Regen in die Traufe geraten. Über Jahrzehnte hinweg haben sie ein funktionierendes politisches System in dem sozialistischen Karibikstaat geleugnet. Kubas Revolution bedeutete aus der Sicht hiesiger Meinungsmacher nicht mehr als die Allmacht ihres Anführers Fidel Castro. Die Fokussierung auf den »greisen Diktator«, wie es in der Berliner tageszeitung, dem Springerblatt Die Welt oder im Auslandssender Deutsche Welle unisono heißt, ersparte eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Errungenschaften des kubanischen Sozialismus. Über Jahrzehnte hinweg mußten sich die Apologeten des Anticastrismus dafür zwar die Kritik derer gefallen lassen, die es besser wußten. Adorno etwa, oder Hemingway. In Erklärungsnot aber befinden sie sich seit eineinhalb Jahren. Im Spätsommer 2006 trat Fidel Castro von seinen Ämtern zurück. Politisch hat sich in der Inselrepublik seither nichts geändert. Deutlich wird dadurch, daß Kubas Sozialismus mehr ist, als die Tropendiktatur, als die er dargestellt wird.


    Dabei genügt ein Besuch Havannas im Februar, um zu begreifen, was die westlichen Medien verschweigen. In Kubas Hauptstadt findet dann die Internationale Buchmesse statt. Über 600000 Menschen werden auch ab dem heutigen Mittwoch wieder auf dieses Volksfest der Kultur in der alten Festungsanlage San Carlos de la Cabaña über dem Hafen von Havanna strömen. Sie sind der Beweis für die Erfolge der revolutionären Kulturpolitik. Nach 1959 war die Alphabetisierung einer der ersten Erfolge der noch jungen revolutionären Regierung. Heute arbeiten in Kuba 155 Verlage. Bücher werden staatlich subventioniert, die meisten kosten umgerechnet nur wenige Eurocents.

    Kein Wunder also, daß dieses greifbare Resultat der Revolution von denen ins Visier genommen wird, die für einen Regimewechsel in Kuba kämpfen. Als Havanna im Frühjahr 2003 mit repressiven Mittel auf eine vor allem von Washington beförderte Flüchtlingswelle reagierte und mehrere Dutzend Regierungsgegner vor Gericht stellte, die mit US-amerikanischen Behörden zusammengearbeitet hatten, boykottierten mehrere EU-Staaten die Buchmesse Anfang 2004. Deutschland, das damalige Gastland, übte damit eine billige Revanche. Der Gegenschlag auf kulturellem Feld gefährdete die Geschäfte mit Kuba kaum, zugleich signalisierte Berlin Wa­shington Bereitschaft zur Kooperation. Mit erheblichem Kraftaufwand hatte seither junge Welt gemeinsam mit Organisationen der Kuba-Solidaritätsbewegung über das eilends gegründete »Büro Buchmesse Havanna« eine alternative Präsenz organisiert – und den Kulturboykott erfolgreich gebrochen.

    Diese Erkenntnis hat sich inzwischen auch in Deutschland eingestellt. Nach einer »mehrjährigen Pause«, so heißt es auf der Internetseite der Frankfurter Buchmesse, organisiere man wieder einen Gemeinschaftsstand deutscher Verlage in Havanna. Nach einer Testpräsenz im vergangenen Jahr ist die Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. als Partner des Auswärtigen Amtes erstmals wieder regulär vor Ort und präsentiert Bücher aus rund 100 Verlagen. Anders als im Fall der Ausstellungen in Buenos Aires oder im mexikanischen Guadalajara komme man aber nicht nach Havanna, um Geschäfte zu machen, sagt Dieter Schmidt, der den Stand in der kubanischen Hauptstadt betreut. Warum er dann teilnehme? »In Kuba gibt es nach wie vor viele Menschen, die an deutschen Büchern interessiert sind.« Von einem Boykott der Messe in den vergangenen Jahren will Schmidt jedoch nichts wissen. »Ich würde das nicht so nennen«, sagt er. Er will die »ziemlich differenzierte Geschichte« der letzten Jahre lieber auf sich beruhen lassen.

    Innerhalb der Frankfurter Messe hatte der von Berlin verordnete Boykott zu schweren Auseinandersetzungen geführt. Die Rückkehr der Frankfurter Messe und der Berliner Regierung wird nun in Havanna zwar begrüßt. Doch ein Rest Skepsis bleibt. Die offizielle Präsenz könnte jederzeit wieder zur politischen Einflußnahme benutzt werden. junge Welt und die Freundschaftsgesellschaft BRD-Cuba e.V. haben daher erneut einen eigenen Auftritt organisiert. Für die kommende Exposition 2009 haben mehrere linke Verlage und Organisationen Interesse angemeldet, unabhängig von der Frankfurter-Messe-GmbH nach Havanna zu kommen. Diese Aussteller wollen so verhindern, daß sich die Erfahrung von 2004 wiederholt.

    Die eigentliche Niederlage aber hat Kuba selbst den Boykotteuren beigebracht. Selbst der Frankfurter-Messe-Vertreter Schmidt erkennt an, daß die mehrjährige Abwesenheit der deutschen Regierungspräsenz kaum jemandem aufgefallen ist. Das lag nicht nur am »Büro Buchmesse Havanna«, sondern auch an dem riesigen Angebot aus Kuba und lateinamerikanischen Staaten. Europa ist hier willkommen, aber nicht unabdingbar. Die kulturelle Souveränität, die auf der Buchmesse deutlich wird, spiegelt sich indes auch auf der politischen Ebene wider. Am 24. Februar, dem letzten Tag der Ausstellung in Havanna, wird in Kuba der neue Staatsrat bestimmt. An diesem Tag wird sich entscheiden, ob Fidel Castro wieder an die Spitze gewählt wird. Wie das Ergebnis auch ausfällt, es wird an der Stabilität Kubas nichts ändern. Aber die westlichen Medien werden einmal mehr erklären müssen, was sie nicht erklären wollen: Daß Kuba kulturell und politisch eine Eigenständigkeit erreicht hat, an der Boykotte ebenso abprallen wie die immer wiederkehrenden Versuche direkter Einflußnahme.

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    Wir brauchen Kubas Solidarität

    Dietmar Koschmieder

    Der Boykott ist zu Ende, unsere alternative Beteiligung an der Feria del Libro in Havanna geht weiter


    Eigentlich müßten die Vertreter von Cuba Si, dem Netzwerk Cuba e.V., der Tageszeitung junge Welt und andere Unterstützer wie der Hannoveraner Bibliothekar Rolf Manfred Hasse sowie viele Verlagsvertreter ein Faß Rum aufmachen, um auf diesen Erfolg anzustoßen: Deutschland ist nun auch offiziell wieder auf der Buchmesse Havanna vertreten. 100 Verlage präsentieren sich am Gemeinschaftsstand, 450 Titel werden ausgestellt. Damit ist offenbar, daß der Boykott der Bundesregierung, die sich von 2004 bis 2007 einer Teilnahme an der Messe aus vorgeschobenen Gründen verweigerte, nur eine Wirkung hatte: Das Interesse der deutschen Verlagsbranche an der kubanischen Buchmesse ist so stark wie nie zuvor. Denn von 2004 bis 2007 war Deutschland trotz Boykott in Havanna präsent – und nicht nur das »andere Deutschland«. Obwohl der Auftritt von Cuba Si, dem Netzwerk und der jungen Welt organisiert wurde, beteiligten sich überwiegend bürgerliche Verlage an der Präsentation. Auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt hat man erst seit dem Boykott und seiner Umgehung die Feria Internacional del libro in Havanna richtig wahrgenommen.

    Wie aber geht man mit so einem Erfolg um? Wie nutzt man gewonnene Potentiale, Erfahrungen, Kontakte sinnvoll weiter? Die Präsenz deutscher Verlage und der Solidaritätsbewegung neben dem offiziellen Auftritt, den traditionell die Buchmesse Frankfurt organisiert, ist garantiert. Nicht weil man in Havanna wunderbare Geschäfte machen kann, obwohl auch eine Reihe von Kooperationen und Verträge in den letzten Jahren zustande gekommen sind. Sondern weil Solidarität in diesem Fall keine Einbahnstraße ist. Verlagsmitarbeiter, Redakteure und Aktivisten der Solidaritätsbewegung haben die einmalige Möglichkeit, Land und Menschen kennenzulernen. In Havanna erlebt man in dieser Zeit, wie angesehen das kleine Land, seine Menschen und seine Regierung in ganz Lateinamerika sind. Wir sind zu Gast bei Freunden, und wir lernen hautnah, daß es auch anders geht, eine andere Welt möglich ist, Unabhängigkeit, Solidarität, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung nicht nur ein Traum sind. Oder anders formuliert: Das Beispiel Kubas ist eine wichtige Unterstützung unserer Kämpfe. Und wir brauchen diese Solidarität Kubas. Warum soll das, was in diesem kleinen und armen Karibikstaat unter härtesten Bedingungen möglich ist, nicht auch in unserem, einem der reichsten Länder der Welt, möglich sein? Wir werden weiter auf dieser Buchmesse präsent sein, weil wir weiter von Kuba lernen wollen. Gespräche dazu finden in diesen Tagen in Havanna statt, erste Pläne werden mit der Solidaritätsbewegung geschmiedet. Darüber werden wir im März auf der Buchmesse in Leipzig berichten. Und dabei auch mit einem Mojito oder einem Cuba Libre auf das Ende des Boykotts anstoßen.

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    Neues aus Havanna

    Nächste Woche startet unser Internetprojekt auf der kubanischen Buchmesse


    Letzte Woche haben wir Sie an dieser Stelle darüber aufgeklärt, warum wir es besonders interessant finden, wenn unsere Leserinnen und Leser neben dem Printabo auch das Internetabo bestellen. Heute wollen wir das mit einem ganz praktischen Beispiel untermauern: Am Montag fliegt eine junge Welt-Delegation nach Havanna. Die Redaktion und der Verlag 8.Mai GmbH werden auch auf der kubanischen Buchmesse 2008 präsent sein. Erstmals haben wir eine Spezialausgabe unserer Zeitung dabei: Sie ist acht Seiten stark, die Texte sind ausschließlich in Spanisch geschrieben. Wir präsentieren Bücher, diverse Ausgaben der jungen Welt und werden einige Tausend Postkarten verteilen, gestaltet vom Grafiker Thomas J. Richter, der bei den Kubanern seit seinem legendären Auftritt auf der Messe 2004 sehr beliebt ist.

    Unsere kleine Redaktion in der Karibik hat allerdings nicht nur die Aufgabe, für die hiesige Printausgabe der jungen Welt hin und wieder über die Messe zu berichten. Denn gleichzeitig soll unsere Internetausgabe täglich von Havanna aus bestückt werden. Deshalb sorgen neben den erfahrenen Redakteuren Peter Wolter und Harald Neuber auch unser Internetverantwortlicher Peter Steiniger dafür, daß die jW-Zweigstelle in Havanna voll arbeitsfähig ist. Ebenfalls zur Delegation gehören Marion Leonhard von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba und Rainer Schultz von der Leserinitiative München. Das Team wird also den gemeinsamen Stand auf der Buchmesse in Havanna betreuen, viele Gespräche führen, Kontakte knüpfen und täglich direkt von der Messe berichten.

    Dazu haben wir auf jungewelt.de eine Unterseite eingerichtet, über die Sie täglich diverse Einträge mitverfolgen können: Unter der Rubrik »Tagebuch« werden die Akteure vor Ort ihre ganz subjektiven Eindrücke und Erlebnisse beschreiben. Mit der Rubrik »Berichte« stehen aber auch Interviews, Analysen, Hintergrundgespräche und sonstige Infos aller Art zur Verfügung, mit einem Klick auf »Fotos« können Sie auch optisch an dem Ereignis teilnehmen. Die besten Beiträge werden natürlich auch in der Printausgabe der jungen Welt stehen. Unter »edición especial« ist die erste spanischsprachige jW-Ausgabe nachzulesen – falls Sie Spanisch können. Gerne können Sie unseren Stand in Havanna direkt besuchen (Pabellón D, sala 21 C), sollten Sie aber gerade keine Zeit haben: Wir sorgen dafür, daß Sie trotzdem einen guten und aktuellen Eindruck gewinnen.

    Wir sind nicht nur gespannt, wie diese Kombination von Internet und Print praktisch funktioniert: Wir sind auch sehr an Ihren Kommentaren und Einschätzungen interessiert. Deshalb freuen wir uns auch über jede Kritik, jede Anregung. Denn ab Herbst/Winter wollen wir damit beginnen, die Vernetzung von Print- und Internetausgabe auf höherer Stufe zu verstetigen. Dabei soll nicht nur das Internetprodukt sondern auch die gedruckte junge Welt weiterentwickelt werden. Eine nicht unkomplizierte Aufgabe, zumal uns keine Entwicklerteams zur Seite stehen. Solche Projekte organisieren wir neben unserer auch ansonsten anspruchsvollen täglichen Arbeit.

    Genaugenommen sind aber Sie es, die uns diese Möglichkeiten eröffnen. Gute Ideen haben in diesem Lande nur eine Chance, wenn sie materiell auch umgesetzt werden können. Solange wir um das nackte Überleben gekämpft haben, konnten wir von solchen Projekten nur träumen. Mit jeder Bestellung, mit jedem Genossenschaftsanteil werden wir unabhängiger und handlungsfähiger. Deshalb möchten wir Sie auch heute wieder darum bitten, im Werben um weitere Abos nicht nachzulassen. Mit 61 neuen Abonnements in dieser Woche sind wir gut im Rennen.

    Von Verlag, Redaktion, Genossenschaft
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    Das kommt dir spanisch vor

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    Erstmals hat die junge Welt eine komplett fremdsprachige Sonderausgabe herausgebracht.
    Der thematische Schwerpunkt der achtseitigen Zeitung, die auf der Buchmesse in Havanna verteilt werden wird, liegt bei der Militarisierung der deutschen und EU-Politik und dem Kampf der Friedensbewegung im nationalen und internationalen Rahmen gegen Krieg und Terror.
    (Redaktion: Harald Neuber, Übersetzungen: Luis Berrios, Sander Zequeira, Enriqueta Fobbe)

    Die Sonderausgabe kann hier auch im pdf-Format heruntergeladen werden.

    Por una cultura de paz
    XVIII. Feria Internacional del Libro Cuba 2008 es una edición especial del periódico alemán Junge Welt.

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    Die Solidarität geht weiter

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    Die junge Welt in Havanna, 13. bis 24. Februar 2008


    Auch in diesem Jahr beteiligt sich jW an der Internationalen Buchmesse in Kuba. Dieser kulturelle Höhepunkt - mit Ausstrahlung in ganz Lateinamerika - findet in jedem Februar in der kubanischen Hauptstadt statt, 2008 bereits zum siebzehnten Mal. Die Messe ist ein Ort des Austausches über Literatur, Medien, Bildung und revolutionäre Kulturpolitik. Mehr als 50000 Menschen werden dazu erwartet.
    Zusätzlich zu den Berichten in der Printausgabe finden Sie hier im Ticker »jW-online: Buchmesse Havanna 2008« unser Reisetagebuch, Berichte und Fotos von den Begegnungen und Gesprächen auf der roten Insel.

    XVII Feria Internacional del Libro de La Habana: Cubaliteraria
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