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Aus: Marx in Afrika, Beilage der jW vom 18.02.2026
Marx in Afrika

Der lange Weg

Sozialistische Konzepte, Solidarität und panafrikanischer Zusammenhalt – über die unermüdlichen Versuche, den Kolonialismus des Kontinents zu verweisen
Von Ina Sembdner
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Es rumort auf dem Kontinent. Jüngster Ausdruck zunehmenden Selbstbewusstseins: Mitte Februar haben die Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union (AU) eine Resolution verabschiedet, in der Sklaverei, Deportation und Kolonialismus als Völkermord und Verbrechen gegen die Bevölkerung Afrikas bezeichnet werden. Darüber hinaus einigten sich die 55 Mitgliedstaaten darauf, den 30. November zum »Afrikanischen Tag zu Ehren der afrikanischen Märtyrer und Opfer des transatlantischen Sklavenhandels, der Kolonialisierung und der Apartheid« zu erklären. Bezeichnend: Ausdrücklich bekundete die Konferenz »ihre Solidarität mit Palästina und dem palästinensischen Volk«.

Vorausgegangen waren im November und Dezember zwei wegweisende Konferenzen in Ghana und Algerien, die der Forderung nach einer tatsächlichen Entschädigung Nachdruck verliehen. Auch hatte die AU im vergangenen Jahr 2026 bis 2036 zur »Dekade der Reparationen« ausgerufen. Dabei geht die Geschichte der Forderungen nach Reparationen für Jahrhunderte der Zerstörung und Ausbeutung allerdings zurück bis zu Zeiten der Abolition, wie Jörg Kronauer in »Afrika verlangt Gerechtigkeit« schreibt. Denn »entschädigt« wurde damals, allerdings auf seiten der Sklavenbesitzer.

Ein Vorkämpfer des panafrikanischen Gedankens war Ghanas erster Präsident nach der Unabhängigkeit, Kwame Nkrumah. »Der schwarze Lenin«, so schreibt es Joaquín Mbomío Bacheng, kämpfte wie der russische Revolutionär in einem Land ohne industrielle Basis, um die Massen für einen afrikanischen Sozialismus zu mobilisieren. An vorerst gescheiterte Versuche dazu erinnert auch David Falk in seinem Text »Die den sozialistischen Aufstand wagten«, etwa in Mali unter Präsident Modibo Keïta, in Guinea unter Ahmed Sékou Touré oder in Tansania unter Julius Nyerere.

Zur Zeit der Unabhängigkeitskämpfe auf dem afrikanischen Kontinent erwachte auch der Trikont zum Leben. Jörg Tiedjen erinnert unter der ikonischen Losung »Schafft zwei, drei, viele Vietnams …« an die historische Trikontinentale Konferenz, zu der sich 1966 Hunderte Delegierte aus Asien, Afrika und Lateinamerika in der kubanischen Hauptstadt Havanna trafen. Dabei gelang es zwar für einen kurzen Zeitraum, antikoloniale Kräfte zusammenzubringen – sich dauerhaft gemeinsam zu organisieren gelang jedoch nicht. Dieses Ziel verfolgt auch die Kommunistische Partei Kenias. Generalsekretär Booker Ngesa Omole schildert die Schwierigkeiten angesichts eines vom Neoliberalismus durchdrungenen Staates unter einer repressiven Führung. Und mit Blick auf die zurückliegenden sogenannten Gen-Z-Proteste muss er einräumen: »Die kenianischen Massen sind der revolutionären Organisation voraus.« Einen der blutigsten Unabhängigkeitskämpfe führte das »Land der Millionen Märtyrer«. Bernard Schmid setzt sich in »Frankreichs Kommunisten und der Algerienkrieg« mit der ambivalenten Haltung des PCF auseinander, der zwar Frieden in der sich freikämpfenden Kolonie forderte, die Unabhängigkeitsbestrebung aber nicht explizit unterstützte.

Die Abbildungen der Beilage zeigen Ausschnitte eines Wandgemäldes in Mosambiks Hauptstadt Maputo. Das 95 Meter lange Kunstwerk wurde von einer mosambikanischen Künstlergruppe unter der Leitung des verstorbenen Malers, Bildhauers und Dichters Malangatana Valente Ngwenya im Jahr 1979 fertiggestellt. Es befindet sich in der Nähe des internationalen Flughafens der Metropole und verdeutlicht die Geschichte des Landes, insbesondere die Schrecken des antikolonialen Befreiungskampfes gegen Portugal, aber auch den Weg zu Frieden und nationaler Einheit. Die Fotos stammen von der belgischen Fotografin Ariadne Van Zandbergen.

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