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Aus: XXVI Internationale Rosa Luxemburg Konferenz, Beilage der jW vom 27.01.2021
#RLK21

Computer, Covid, Klassenkampf

Die XXVI. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz erstmals als Onlineveranstaltung – ein großer Erfolg. Aus den Erfahrungen lässt sich lernen
Von Stefan Huth
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Blick in den Maschinenraum von #RLK21

Anfang vergangenen Jahres war die Stimmung verhalten optimistisch: Die Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz (RLK) am 9. Januar 2021 werde wohl das erste große Treffen der Linken in diesem Land sein, das nach dem Ende der coronabedingten Einschränkungen wieder als Liveveranstaltung stattfinden könne, hieß es im jW-Team. Diese Hoffnung hat sich schnell zerschlagen. Zwischenzeitlich wurde sogar kurz erwogen, die Konferenz angesichts steigender Infektionszahlen ganz abzublasen – zum ersten Mal in ihrer inzwischen mehr als 25jährigen Geschichte.

Gut, dass die Entscheidung dann anders ausfiel und bereits im Frühsommer 2020 Vorbereitungen für eine in jeder Beziehung herausfordernde Onlineveranstaltung beginnen konnten. Die Themen, um die es da gehen sollte, waren rasch bestimmt: die durch Corona drastisch zugespitzte Krise des Imperialismus und ihre Folgen, ökonomisch, sozial, politisch, ökologisch, psychologisch. Um den Stand der Klassenkämpfe weltweit sollte es gehen und damit um Perspektiven des Widerstands, um gesellschaftliche Alternativen – neue Horizonte, wie stets bei der RLK.

Diskussionen im Vorbereitungsteam brachten rasch Klarheit mit Blick auf Format und Ort des Geschehens: Wir senden aus der Torstraße in Berlins Mitte, begrüßen Gäste in unserer zum Sendestudio umfunktionierten jW-Ladengalerie und schalten Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Ländern zu. Die in mehr als zwei Dutzend Konferenzen bewährte Struktur – ein moderierter Wechsel von Vorträgen, Diskussionen, Podiumsgesprächen und künstlerischen Beiträgen – wird beibehalten.

Das Konzept ging voll auf: Wer die #RLK21 am 9. Januar als Livestream am heimischen Bildschirm mitverfolgte, sollte nicht enttäuscht werden. Geboten wurden Beiträge auf hohem Niveau zu drängenden politischen Problemen, simultan übersetzt ins Englische und Spanische. Auch die Kultur kam nicht zu kurz, sie war kein schmückendes Beiwerk, sondern integraler Bestandteil des Ganzen – von der Musik über bildende Kunst bis zur Theaterinszenierung. Vielerorts trafen sich Menschen in kleinen Gruppen, um das Programm gemeinsam am Bildschirm zu verfolgen und die Konferenz trotz der geltenden Hygienebestimmungen kollektiv erleben zu können. Und das nicht nur in Deutschland. In großer Zahl schalteten Zuschauerinnen und Zuschauer aus anderen Kontinenten ein: Telesur, Redfish, Cubainformacíon und andere Portale machten es möglich, indem sie unseren Livestream übernahmen. Noch nie hatte die RLK ein derart großes Publikum, insgesamt rund 12.000 Endgeräte waren direkt mit unserem Server verbunden, unzählige weitere über die Webseiten unserer Partnerorganisationen.

Dass die Konferenz für die junge Welt kein finanzielles Debakel wurde, ist der Solidarität unserer Leserinnen und Leser zu verdanken, die die außerordentlich kostspielige Veranstaltung durch den Kauf von Unterstützerkarten und Spenden zum großen Teil finanziert haben. Wenn sie auch sonst praktisch reibungslos über die Bühne ging, so nur, weil wir bei Technik, Dolmetschen, Sicherheit auf zuverlässige Kolleginnen und Kollegen bauen konnten, die sich über jedes erwartbare Maß hinaus engagiert haben. Gleiches gilt für die mehr als 30 Unterstützerorganisationen, die ihren Teil zum Gelingen beigetragen haben. Ihnen allen im Namen von Redaktion, Verlag und Genossenschaft ganz herzlichen Dank!

Diese Konferenz hat uns um viele Erfahrungen bereichert. Nicht nur in puncto internationaler Vernetzung hat sie Maßstäbe gesetzt, hinter die wir nicht zurückfallen wollen, wenn die Veranstaltung im kommenden Jahr hoffentlich wieder »im richtigen Leben« stattfinden wird – mit Publikum vor großer Bühne, Nebenprogramm und buntem Treiben an den Ständen.

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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