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Aus: Ausgabe vom 09.04.2026, Seite 3 / Ansichten

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Die EU und die Feuerpause im Iran-Krieg
Von Reinhard Lauterbach
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Das alte Persien war eine Hochkultur mit einer Ausstrahlung weit über sich selbst hinaus (Persepolis)

Dass die EU kurzfristig erleichtert ist, dass eine »Vernichtung der iranischen Zivilisation« erst einmal vom Tisch ist, kann man nachvollziehen. Nicht, weil Ursula von der Leyen oder Friedrich Merz irgendeine Ahnung davon hätten, was der Weltkultur tatsächlich verloren gegangen wäre, wenn Donald Trump seinen Drohungen hätte Taten folgen lassen und die jahrtausendealten Kulturstätten des Iran in Schutt und Asche gelegt hätte. Aber die EU hat erst einmal eine Atempause bekommen.

Eine vom Iran kontrollierte und gebührenpflichtige Öffnung der Straße von Hormus betrifft die EU unmittelbar relativ wenig. Das am Persischen Golf geförderte Öl geht in erster Linie nach Asien. Aber weil der globale Ölmarkt ein System kommunizierender Röhren und sowieso hochgradig von Spekulation geprägt ist, gibt es die Hoffnung, dass die Ölpreise zumindest nicht noch weiter steigen, als sie schon gestiegen sind. Dass sich auch an dem jetzigen Niveau schon die überwiegend angelsächsischen Mineralölkonzerne goldene Nasen verdienen, ist dabei stillschweigend unterstellt. Das wiederum eröffnet denjenigen EU-Staaten, die aus Sorge vor einem abrupten Kollaps der Lieferbeziehungen selbst zwischen Groß- und Einzelhandel Benzinpreisbremsen eingeführt haben, Spielraum, die auf Steuersenkungen beruhenden Ermäßigungen wieder zurückzunehmen und die künftig fließenden Steuermehreinnahmen wieder dorthin zu lenken, wofür sie vorgesehen waren: in die Rüstung.

Man soll die Intelligenz der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas nicht überschätzen, aber wenn es sogar ihr auffällt, wird es wohl stimmen: Die Ursachen für den Iran-Krieg seien mit der 14tägigen Feuerpause nicht beseitigt, ließ sie erklären. Wenn das Büro des britischen Premierministers Keir Starmer ankündigt, das Königreich wolle mit den Verbündeten am Golf darüber beraten, wie die Schiffahrt durch die Meerenge auch künftig gewährleistet werden könne, dann lässt das angesichts der iranischen Bereitschaft, die Durchfahrt gegen entsprechende Gebühren – die Teheran als Reparationen verstehen will – wieder zu ermöglichen, Böses erwarten: Es ist offenbar in London und Brüssel nicht vorgesehen, dass sich das globale Kräftegleichgewicht auf Dauer zugunsten des Iran verschiebt. In Jerusalem erst recht nicht.

Wenn die USA unter Donald Trump rational agieren würden – was alles andere als ausgemacht ist –, dann würden sie nach der Schlappe, die die Absage ihres »Vernichtungskriegs« gegen den Iran für ihren Anspruch darstellt, die Welt zu regieren, jetzt erst einmal kürzer treten. Schon wegen des selbstverschuldeten Munitionsmangels. Aber nur weil dem Wolf ein paar Zähne ausgefallen sind, hört er nicht auf, ein Raubtier zu sein. Und die EU wird sich von dieser Zwangspause des großen Konkurrenten erst recht nicht abhalten lassen, ihr eigenes Revier zu erobern.

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