Missverstandene des Tages: Deutsche Post
Von Susanne Knütter
Winzige Schippen für den Buddelkasten, Pflanzen, die man auch im nächsten Blumenladen bekommen könnte, Zahnpasta. Irre, was die Leute sich heutzutage alles per Post schicken lassen. Erklärbar ist es trotzdem. Amazon etwa wirbt damit, die Batterien innerhalb eines Tages senden zu können, sollte dem Duracell-Häschen doch einmal die Puste ausgehen. Bedürfnisse werden geweckt, bedient und – gehen verloren. Denn ein erhöhtes Paketaufkommen bedeutet noch lange nicht, dass etwa die Post mehr Personal einstellt. So steigt die Anzahl der Beschwerden.
Bei der Bundesnetzagentur sind so viele Beschwerden über die Deutsche Post und deren Konkurrenten eingegangen wie nie zuvor. Nach rund 44.000 im Jahr 2024 waren es 2025 schon 55.395, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Die Leser der jungen Welt, die ihre Zeitung per Post bekommen, können ein Lied davon singen. Für sie geht es nicht um irgendeine teure Sammlermünze, die von der überlasteten Paketbotin unterm Fußabtreter abgelegt wurde, sondern um unabhängige Informationen, Arbeiterperspektiven und kritische Presse.
Aus Sicht der Post zu vernachlässigen. Der Anteil an Beschwerden bei der Netzagentur sei »gemessen an den immensen Sendungsmengen, die wir transportieren, weiter gering«, heißt es da vom Management. Die DHL-Tochter verweist auf eine veränderte Methodik, die die Beschwerdeerfassung vereinfacht hat, und selbstverständlich auch auf die viel kritisierte Gesetzesnovelle von Anfang des vergangenen Jahres, die der Post längere Beförderungszeiten für Briefe einräumt.
Was die Post ebenfalls vernachlässigt: Der Anteil der Beschwerden ist auch gemessen an den tatsächlichen Verlusten, Beschädigungen und verspäteten Zustellungen gering. Allein ich habe akut zwei Fragen: Wo ist das Osterpaket von Bruchus Oma, und wo sind ihre letzten vier Ausgaben der jungen Welt?
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