Langgehegte Pläne
Von Wiebke Diehl
Nur eine Woche ist es her, dass US-Präsident Donald Trump polterte, er werde sich »Kuba nehmen«. Schon ziehen seine extrem rechten Freunde in Israel nach und fordern völlig unverblümt die Annexion von Teilen des Libanon. Der Litani-Fluss sei die »natürliche Grenze« Israels, gab Finanzminister Bezalel Smotrich den Startschuss. Jetzt zieht Verteidigungsminister Israel Katz nach und kündigt inmitten schwerer völkerrechtswidriger Angriffe auf libanesische Infrastruktur und Zivilisten ganz schamlos den nächsten Rechtsbruch an: die Besetzung einer sogenannten Sicherheitszone bis zum Litani. Die mehr als eine Million südlich des Flusses lebenden Libanesen, die Israel bereits vor zwei Wochen zur Flucht gezwungen hat, könnten, so Katz lapidar, eben nicht in ihre Häuser zurückkehren.
Angeblich, so die israelische Erzählung, geht es in Tel Avivs brutalem Krieg gegen das Nachbarland um die Entwaffnung der Hisbollah, die in den 1980er Jahren in Reaktion auf die israelische Besatzung gegründet wurde und deren militärische Aktivitäten die libanesische Regierung unter enormem US-amerikanischen Druck vor einigen Wochen verboten hat. Tatsächlich aber war eine neuerliche Invasion des Libanon längst geplant, und schon zuvor hat Tel Aviv fast zehntausendmal gegen die Waffenruhe verstoßen. Parallel feilt die von Ministern des Kabinetts Benjamin Netanjahu unterstützte extremistische israelische Siedlerbewegung an ihren Plänen zur völkerrechtswidrigen Besiedlung des Südlibanon.
Und damit steht sie in »guter« alter Tradition: Schon Staatsgründer David Ben-Gurion beschrieb vor mehr als einem Jahrhundert, noch vor Gründung des Staates Israel, in einem Aufsatz die weit über das heutige Israel hinausgehenden Grenzen des von ihm angestrebten jüdischen Staates. Den Litani-Fluss sah er als einzige verteidigungsfähige nördliche Grenze. Und natürlich ging es auch immer um die Ressource Wasser: Seit Jahrzehnten existieren konkrete Pläne zur Umleitung des Litanis nach Israel. Tel Aviv versucht seit langem, mittels Invasionen seine Annexionsziele im Libanon umzusetzen. Und die libanesische Armee war nie in der Lage, wirksamen Widerstand zu leisten.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas Scharmann aus Berlin (25. März 2026 um 01:07 Uhr)Ich helfe gerne: Nicht David Ben-Gurion, sondern beinahe die komplette Führungstruppe/-elite um ihn war bereits vor seiner Zeit auf Groß-Israel eingeschworen. Kurzer Tipp: Werfen Sie einen Blick in die 70seitige Broschüre »Der Judenstaat« (Theodor Herzl)! Zweiter Hinweis: Durch welche Taten wurde David zu seiner Zeit zum Helden, wenn nicht nach Edam, Moab und Amon? Drittens: Warum nicht – wie Herr Netanjahu verkündete – den Bannfluch (= Amalek) wieder im Sinne offener alter Forderungen aufleben lassen? Plus: Die 700.000 syrischen und 200.000 libanesischen Drusischen orientieren sich auf Unabhängigkeit in Föderation mit der israelischen Machtelite – da stehen die Tore für die siedler-/eroberungsgierigen Jüdischen weit offen wie lange nicht mehr. Fehlt noch ein Anlass Richtung Nil: Ich tippe auf etwas Jemenitisches, ungeheuer Bedrohliches, das ausgemacht wird, als es sich dem friedenssichernden Wertewestens zu nähern versuchte. – Wie berechenbar seltsam deutlich: Wer hätte drauf gewettet, dass die Kurse fallen und Erdöl- und -gaspreise, LNG-, Dünger- und Nahrungsmittelpreise steigen, wenn plötzlich überraschend während der Verhandlungen von einer Doppelseite ein Krieg begonnen wird? Noch cleverer: Herr Trump verkündet überraschend die Verlängerung des Ultimatums um ganze fünf Tage! Wenn ich das nur vorher gewusst hätte, dass der DAX dann binnen Minuten um 1.300 Punkte in die Höhe schnellt/rast! Das klingt ja wie von langer Hand geplant – einfach so. Mit einer blassen Randbemerkung hingehaucht. Wie schön.
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