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Aus: Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 2 / Inland
BRD und Krieg gegen Iran

Weshalb bleiben große Kundgebungen aus?

Das BSW mobilisiert für Protest gegen die Bundesregierung, die den Krieg gegen den Iran für gerechtfertigt hält, erklärt Michael Lüders
Interview: Marc Bebenroth
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Schülerinnen und Schüler protestieren gegen den Irak-Krieg am Brunnen der Völkerfreundschaft (Berlin, 20.3.2003)

Derzeit ist die Bundesregierung nicht bereit, sich direkt am Krieg Israels und der USA gegen die Islamische Republik Iran zu beteiligen. Wie groß ist die Gefahr, dass die Entsendung von Kriegsschiffen in die Straße von Hormus zu einer Eskalation nicht nur in der Region führt?

Die Gefahr ist gegeben. Donald Trump hat gemeinsam mit Israel auf verantwortungslose Art und Weise einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg entfesselt und muss jetzt erkennen, dass die Schließung der Straße von Hormus mittelfristig zu einer Katastrophe führt. Noch sagt die Bundesregierung: »Wir beteiligen uns daran nicht.« Aber wenn dieser Krieg länger andauern sollte, wird der wirtschaftliche Druck enorm sein und könnte sie einknicken lassen.

Sie waren vor Jahren regelmäßig Gast in Talkshows, um den Nahen Osten zu erklären. Welche Rolle spielen die großen Medien in diesem Krieg?

In den Debattenformaten sitzen Leute mit weitgehend derselben Gesinnung und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Mehrere Politiker haben es als völlig legitim bezeichnet, dass der Iran angegriffen wird. Sie sind der Illusion erlegen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die Bevölkerung gegen ihre Unterdrücker, gegen das islamische Regime, erhebt und der Weg frei gemacht wird für eine iranische Demokratie. Diese hanebüchene Naivität ist besorgniserregend. Die Angriffe haben die Reihen auf iranischer Seite auf eine Art und Weise geschlossen, die das Überleben dieses politischen Systems noch auf lange Zeit sicherstellt. Die Iraner wissen, dass sie militärisch gegen die USA und Israel keinen Sieg erringen können. Aber sie können die Schäden für die Weltwirtschaft dramatisch werden lassen. Gegenwärtig gibt es kaum Versicherer, die diese Schiffe auf ihrer Fahrt durch die Straße von Hormus versichern. Das wird sich auch nicht durch einen militärischen Geleitschutz ändern. Die Iraner können mühelos jedes Schiff angreifen, das durch diese Meerenge mit sehr schmaler Fahrrinne fährt. Das ist wie Tontaubenschießen.

Abgesehen davon billigt Berlin diese Aggression. Israel erhält Rüstungslieferungen und vor allem politische Rückendeckung. Wie erklären Sie sich das vorläufige Ausbleiben großer Antikriegskundgebungen gegen diese Politik?

Die Bundesregierung verurteilt zu Recht den russischen Angriff auf die Ukraine, aber sie hält den Angriff auf den Iran für gerechtfertigt. Das ist ein gefährlicher Präzedenzfall, den die Bundesregierung hier schafft. Als 2003 der Irak-Krieg begann, sind in Europa Millionen Menschen auf die Straße gegangen. In Deutschland waren es über 500.000. Dergleichen gibt es bislang nicht. Der größte Teil der Öffentlichkeit kann noch nicht ermessen, wie ernst die Lage ist: Wenn diese wichtige Verkehrsader der Weltwirtschaft über mehrere Wochen hinweg verschlossen bleibt, dann ist die Preisexplosion an den Tankstellen nur ein kleinerer Teil des Problems. Kanzler Merz hat die USA dafür verurteilt, dass sie die Erdölsanktionen gegenüber Russland für einen Monat aufheben wollen. Aber es wird gar nicht anders gehen, weil sonst die Wirtschaft in Deutschland und Europa zusammenbrechen würde.

Das BSW hat für Sonnabend eine Kundgebung angekündigt. Das Motto: »Nein zum Krieg gegen den Iran – Frieden statt Kriegsinflation«. Warum wird sie nicht am Brandenburger Tor, vor dem Kanzleramt oder vor dem Außenministerium, sondern auf dem Potsdamer Platz stattfinden?

Das BSW hat versucht, diese Orte zu bekommen. Das wurde aber aus polizeilichen Gründen nicht erlaubt. Daher gab es die Alternative Alexanderplatz oder Potsdamer Platz. Das ist ein erster Auftakt mit dem Ziel, dazu beizutragen, der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen. Leider hat die Zeit nicht gereicht, für Samstag ein Bündnis aufzubauen.

Weshalb ist das Völkerrecht die Ebene, auf der Sie die Regierung konfrontieren wollen?

Sie unternimmt nichts, um die Nutzung der US-Luftwaffenbasis Ramstein für diesen Angriff auf den Iran zu untersagen – zum Beispiel mit Blick auf Überflugrechte. Sie hat mit Kriegsbeginn behauptet, dass das Völkerrecht bei bestimmten Staaten wie dem Iran nicht gelten würde, weil es sich um furchtbare Diktaturen handele und hier andere Maßstäbe anzulegen seien. Das ist Unfug, das Völkerrecht gilt für alle. Es ist wichtig, die Bundesregierung daran zu erinnern.

Michael Lüders ist Islam­wissenschaftler und Vizeparteichef des BSW

Kundgebung: Sa. ab 14 Uhr, Potsdamer Platz, Berlin

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  • Leserbrief von Volker Wirth aus Berlin (19. März 2026 um 11:18 Uhr)
    »Die Bundesregierung verurteilt zu Recht den russischen Angriff auf die Ukraine«, meint Lüders. Hat sie auch den Putsch der Wahlverliererparteien mit Hilfe rechtsradikaler Kombattanten bei ostentativer Neutralität von Armee und Polizei 2013–14 gegen den legitimen Präsidenten und den anschließenden 8jahrigen Bürgerkrieg der Armee und der Neonazis gegen den Donbass und seine russophone Bevölkerung verurteilt? Natürlich nicht. Weiß Lüders nichts von der Ablehnung von »Minsk II« und der in den letzten Phasen der Vorbereitung befindlichen »militärischen Lösung des Donbassproblems« durch Kiew? Was ist denn ein Präventivschlag bzw. -Krieg, wenn nicht das, was »der Kreml« dann tat? Die Kampfhandlungen waren doch regional längst wieder »im Gange« seit dem 17.2; also 7 Tage bevor »Putin die Ukraine überfiel«, wie auch einige Freunde im BSW meinen. »(Die Bundesregierung in Berlin) hält den Angriff auf den Iran für gerechtfertigt«, fährt Lüders fort. Wovon schon beginnenden oder auch nur unmittelbar bevorstehenden Kampfhandlungen ungeachtet der Rhetorik der iranischen Führer keine Rede sein konnte! Da ist das Völkerkriegs- und -friedensrecht eindeutig! Nur dass das Merz und Kienbeil »beinahe wurscht« ist! Das genau ist imperialistische Doppelzüngigkeit, und man kann sie keineswegs wegen ersterer Verurteilung jetzt auch im Fall des Angriffskrieges gegen den Iran »in die Pflicht nehmen«. Von CDU-Kiesewetter bis nd-Saewert dominiert ja ohnehin, voll »europerialistisch«-pragmatisch, die Meinung, die EU könne sich keine weitere solche Last aufbürden, sondern dürfe jetzt die Ukraine nicht hängen lassen. Lüders sieht es eigentlich ähnlich!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (18. März 2026 um 10:50 Uhr)
    Die Frage in der Überschrift »Weshalb bleiben große Kundgebungen aus?« ist mehr als berechtigt. Nach dem Angriff der USA auf Venezuela am 3. Januar 2026 fanden bereits wenige Stunden danach Proteste in Berlin, Bonn, Dresden, Essen, Frankfurt am Main, Gießen, Hamburg, Leipzig, Nürnberg statt, weitere folgten in den nächsten Tagen, siehe https://www.unsere-zeit.de/haende-weg-von-venezuela-3-4810421/ Die Solidarität der bundesdeutschen Linken bzw. der Friedensbewegung scheint sehr selektiv zu sein. »Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich« heißt es im Solidaritätslied von Bertolt Brecht und Hanns Eisler. Es ist gut, dass das BSW zum Protest aufruft und »Nein zum Krieg gegen den Iran« sagt. Aber auch in diesem Interview mit dem Vizeparteichef des BSW spürt man keine Solidarität mit dem Iran. Was Lüders umtreibt, ist eher die Sorge um die Weltwirtschaft. Im BSW-Aufruf zur Kundgebung in Berlin ist mehrfach vom »Regime« die Rede. Damit sind aber nicht die Regierungen von USA, Israel, BRD gemeint, nein: »Das Regime im Iran unterdrückt seine Bevölkerung«.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (18. März 2026 um 15:22 Uhr)
      In den USA, Israel und der BRD wird ja auch niemand unterdrückt. Außer vielleicht die Missliebigen. Aber die sind ja daran selbst schuld. Oder?

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