Gegründet 1947 Sa. / So., 07. / 8. März 2026, Nr. 56
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Aus: Ausgabe vom 07.03.2026, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Kuku Sabzi

Von Maxi Wunder

»Wo genau liegt dieses Iran?« will Doris wissen. – »An der Seidenstraße«, antwortet Udo knapp. Er versucht vermittels Bibellektüre zu ergründen, warum am 2. März in einem Tel Aviver unterirdischen Parkhaus Menschen in Faschingskostümen ausgelassen gefeiert haben, wie er einer Nachrichtensendung entnehmen konnte. »Die ›Neue Seidenstraße‹, Dorle, geht auch durch Iran. Sie bindet Länder wirtschaftlich an China, und das mögen die USA nicht, deswegen müssen sie Regime-Change machen.« – »Ach sooo«, meint Doris gelangweilt.

Ja, es ist immer dasselbe. »Was soll noch mal in die Handtasche für den Bunker?« will Doris wissen. »Ein Pferd, ein Klavier und eine Handgranate«, murmelt Udo. (Empfehlung von Martin Sonneborn – unserem Mann in Brüssel.) »Also, ich pack’ Strickzeug ein. Und Würstchen für Molotow.« Molotow ist unser Dackel. Der beobachtet den Vorgang interessiert und möchte zu den Würstchen in die Tasche springen. Aber noch ist es nicht soweit. »Ach, und Pantoffeln und Schlafanzug und meine Bürste … vergiss deine Medikamente nicht, Udo!«

»Quatsch, Dorle, im Vogtland gibt es doch gar keinen amerikanischen Militärstützpunkt.« – »Und was ist mit dem Flughafen Hof-Plauen?! Nee, ich packe lieber … Was liest du denn da?« Udo liest das Buch Esther, das einen Bericht über den historischen Grund für das oben erwähnte Freudenfest enthält: Eine jüdische Strategin namens Esther verhindert mit Hilfe ihres Gatten, des persischen Königs Ahashvehrosh (Xerxes I.) im fünften Jahrhundert vor unserer Zeit, dass der fiese Hofbeamte Haman ihr Volk, die Juden, vernichtet. Xerxes dreht den Spieß sogar um, murkst Haman ab und autorisiert die Juden in seinem Reich, ihre sämtlichen Feinde zu töten, rückwirkend aus Dankbarkeit dafür, dass Esthers Onkel Mordechai ihm früher mal das Leben gerettet hat. Weil Haman, um den Tag für seine Eigentorattacke zu bestimmen, Lose geworfen hatte und der 13. Adar des zwölften Monats dabei herauskam, wurde dieses Datum plus Folgetag laut Esther 9,18 von den Juden als Feiertag eingesetzt. Der 13. und 14. Adar entspricht heute dem 2. und 3. März. Los heißt auf altpersisch »Pur«, Lose »Purim«, was der Name des eingangs erwähnten Festes ist. Von Faschingsklamotten ist in der Bibel noch nicht die Rede, sie sind wahrscheinlich die Folge eines Brauchtumtransfers aus dem heidnisch beeinflussten mittelalterlichen Christentum.

»Und was nützt es dir, das zu wissen?« fragt Doris. »Das nützt mir, um zu verstehen, warum Menschen in unterirdischen Parkhäusern als Giraffen und Pharaonen verkleidet Luftsprünge machen und beten, während draußen der Dritte Weltkrieg tobt. Ich meine, das will man doch wissen, oder?!«

Ja, schon, aber nicht auf nüchternen Magen:

Kuku Sabzi – persisches Omelett

Petersilie, Koriander, Dill, Frühlingszwiebeln – jeweils ein Bund – waschen und hacken. Sechs Eier verquirlen, einen TL Kurkuma, Salz und Pfeffer, zwei EL Olivenöl, einen EL Walnüsse (grob gehackt) dazugeben und unterrühren. Bratöl in einer Pfanne erhitzen, Eier-Kräuter-Mischung hineingeben und bei mittlerer Hitze stocken lassen. Wenn die Unterseite goldbraun ist, wenden und die andere Seite braten. Warm servieren.

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