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Aus: Ausgabe vom 05.03.2026, Seite 6 / Ausland
Iran-Krieg 

Washington mobilisiert Kurden

Iran-Krieg: Milizen und separatistische Kräfte sollen neue Front gegen Islamische Republik eröffnen
Von Knut Mellenthin
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Die von Trump favorisierte Demokratische Partei des Iranischen Kurdistans verfügt auch über Frauenverteidigungseinheiten (Erbil, 15.1.2026)

Donald Trump ist »offen für die Idee, Milizen im Iran zu unterstützen, die bereit sind, bei der Ausschaltung des Regimes mitzuwirken«. Das ist keine Überraschung. Die ungefähr auf halbem Weg zwischen Washington und der CIA-Zentrale in Langley, Virginia, angesiedelte Nachrichtenagentur Axios, die von israelischen Medien stark beachtet wird, hatte die Meldung am Dienstag wohl als erste gebracht. Sie verband diese vage Mitteilung mit der Nachricht, der US-Präsident habe am Sonntag mit Masud Barsani und Bafel Talabani telefoniert, den Führern der wichtigsten kurdischen Parteien im Irak. Die Anrufe seien »der Höhepunkt monatelanger Lobbyarbeit des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu hinter den Kulissen«, kommentierte die Agentur und wies auf die bekannte, gut dokumentierte Tatsache hin, dass Israel »seit Jahrzehnten enge sicherheitstechnische, militärische und nachrichtendienstliche Verbindungen zu den Kurden in Syrien, im Irak und im Iran« habe. Diese wurden schon in den 1960er Jahren geknüpft.

Logisch zu erschließender Hintergrund der Gespräche, über deren Inhalt offiziell nichts bekanntgegeben wurde: Jeder Versuch, in größerem Stil aufständische und militärische Aktivitäten der iranischen Kurden in Gang zu bringen und zu unterstützen, bedürfte der Kooperation mit den im Nordirak lebenden Kurden für den Nachschubtransport und für die Benutzung ihrer Autonomieregion als Ausgangsbasis von Offensivoperationen und Rückzugsgebiet. Am Dienstag folgte ein Anruf Trumps beim Vorsitzenden der Demokratischen Partei von Iranisch-Kurdistan, Mustafa Hidschri.

Trumps Umgebung war nach den ersten Meldungen über die Telefongespräche bemüht, den spezifisch kurdischen Aspekt herunterzuspielen. Von Journalisten direkt danach gefragt, weigerte sich Trumps Pressechefin Karoline Leavitt, über konkrete Details zu sprechen, und zog sich auf die Formulierung zurück, der Präsident sei »während der letzten Tage mit vielen Verbündeten und Partnern in der Region in Kontakt gewesen«. Das Wall Street Journal erfuhr von angeblichen Insidern, Trump habe »in dieser Angelegenheit noch keine Entscheidung getroffen«.

Vielleicht sind die zuständigen Staatsorgane der USA ohnehin schon viel weiter, als offiziell preisgegeben wird? Der Sender CNN behauptete am Mittwoch, der Auslandsgeheimdienst CIA arbeite daran, »kurdische Kräfte zu bewaffnen, um einen Aufstand im Iran zu entfachen«. Konkreter wurde es in diesem Bericht aber auch nicht, und die anonymen Quellen – »multiple people familiar with the plan«, übersetzt »mehrere in den Plan eingeweihte Personen« – gehören im Journalismus zu den schwächsten überhaupt. Der Sender vermutet, dass die iranischen Kurden offensive Operationen unternehmen und dadurch große Teile der staatlichen Sicherheitskräfte binden sollen, um die gewaltsame Unterdrückung der Proteste in den großen Städten zu erschweren.

Aufschlussreich könnte die Tatsache sein, dass sich am 22. Februar, sechs Tage vor Beginn der israelisch-US-amerikanischen Aggression, fünf Parteien und Organisationen iranischer Kurden zu einer Allianz zusammengeschlossen haben, die vorrangig für den Sturz des »Regimes«, das Ende der Islamischen Republik und die »Verwirklichung des Rechts des kurdischen Volkes auf Selbstbestimmung« kämpfen will. Ein Anfangsverdacht, dass die Akteure vorab über die Kriegsplanung informiert waren, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Der Sohn des 1979 aus dem Land gejagten Schahs, Reza Pahlavi, reagierte auf das politische Zusammenrücken der kurdischen Organisationen verärgert und aggressiv. Auf seinem X-Account postete er: »Verschiedene separatistische Gruppen, von denen einige sowohl mit Khomeini als auch mit Saddam kollaboriert haben«, hätten »in den vergangenen Tagen grundlose und verachtenswerte Forderungen gegen die territoriale Integrität und nationale Einheit Irans erhoben«. Das Bündnis wies diese Angriffe als »hysterisch und hasserfüllt« zurück. Eine Zusammenarbeit zwischen ihnen und dem »Prinzen«, der in erster Linie von Netanjahu favorisiert wird, ist schwer vorstellbar.

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