War seems over
Von Felix Bartels
Der eine weint, der andre lacht. Hamlet schreit durch den aufgescheuchten Thronsaal. Er dürfte sich, poetische Weltgestalt, die er ist, beim einen, Netflix, wie beim andern, Paramount, nicht aufgehoben fühlen. Beide Gesellschaften stehen, wofür immer sonst sie stehen, für den Tod der Erzählkunst. Drehbücher mit KI-Support, Autorenkollektive, die Zielgruppenanalyse bemühen, Second-Screen-Writing, das alles, was gezeigt wird, erbarmungslos von den Figuren verbalisieren lässt, weil ja ohnehin keiner mehr hinguckt beim Gucken. Die Beute, um die Netflix und Paramount sich geschlagen haben: Warner. Was immer wiederum gegen die Bros und ihre Tochter HBO vorliegt, bislang galt, dass sie eines konnten: Geschichten erzählen.
Nachdem Paramount beim Kampf um die Übernahme von Warner Bros. Discovery bereits ausgestochen schien, hatte der Konzern mehrfach das Volumen seines Angebots erhöht. Nun hat Netflix seinerseits auf eine weitere Erhöhung verzichtet. Die Transaktion sei »finanziell nicht mehr attraktiv«, teilte der Streamingdienst am Donnerstag (Ortszeit) mit. Interessant die Reaktion an der Frankfurter Börse, die Netflix-Aktien legten am Freitag um etwa zehn Prozent zu. Paramount müsste nach jetzigem Stand 31 US-Dollar pro Warner-Aktie zahlen. Darüber hinaus erhalte das Unternehmen eine Entschädigung von sieben Milliarden US-Dollar, sollte die Transaktion an kartellrechtlichen Hürden scheitern. Paramount übernimmt auch die Abfindung von 2,8 Milliarden US-Dollar, die Warner für ein Scheitern der Netflix-Offerte zahlen muss.
Lange hatte sich Warner gegen eine Übernahme durch Paramount gesträubt. Begründet damit, dass die Finanzierung auf »wackligen Beinen« stehe. Am Dienstag bezeichnete die Führung das aktuelle Paramount-Angebot erstmals als überlegen. Man betonte dabei jedoch, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Netflix hatte 27,75 US-Dollar je Warner-Aktie geboten. Der Konzern interessierte sich allerdings nur für die Kino- und die Streaming-Sparte sowie die Film- und Fernsehrechte von Warner Bros. Was Klassiker wie »Casablanca« ebenso einschließt wie das »Harry Potter«-Franchise, Comicverfilmungen des DC-Verlags und die Serie »Game of Thrones«.
Mit der Übernahme würden zwei der großen, traditionsreichen Filmstudios vereint. Die asymmetrische Fusion von Paramount und Warner wäre vergleichbar der Übernahme von Fox Century durch Disney, die 2019 stattfand. Da zu Warner auch der einflussreiche TV-Sender CNN gehört, wird eine Prüfung des Deals durch das US-Kartellamt erwartet. »Angesichts des politischen Umfelds scheint eine Genehmigung durch die US-Bundesbehörden wahrscheinlich«, kommentierten allerdings Analysten des Vermögensverwalters Cowen die Situation und verwiesen auf die engen Verbindungen von Paramount-Eigentümer Larry Ellison zu Donald Trump. Der hatte vor einigen Monaten angekündigt, sich gegebenenfalls in die Prüfung einer Warner-Übernahme einzuschalten, war dann aber zurückgerudert. Die Beteiligungsfirma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist einer von Paramounts Geldgebern für den Warner-Deal. Ellisons Sohn David fungiert als CEO von Paramount. Befürchtet wird, dass der tendenziell trumpkritische Newsroom von CNN nach der Übernahme zerlegt wird.
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