US-Aufmarsch vor Iran
Am 19. Februar forderte US-Präsident Donald Trump eine Einigung mit dem Iran binnen zehn bis 15 Tagen. Andernfalls würden »sehr schlimme Dinge« geschehen. Gleichzeitig verlegte er die größte US-Streitmacht in den Nahen Osten seit dem mit Lügen begründeten US-Angriff auf den Irak im Jahr 2003. Viele Medien halten einen US-Angriff auf den Iran für wahrscheinlich.
Die Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau zitiert am Donnerstag Trump, der am Montag erklärte, »General Dan Caine, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, habe ihm gesagt, ein Konflikt gegen Iran wäre ›etwas, das leicht zu gewinnen ist‹. Hinter den Kulissen hat Caine jedoch vor Munitionsengpässen und mangelnder Unterstützung durch Verbündete gewarnt, die den Einsatz weitaus riskanter machten als den Erfolg in Venezuela – mit potentiell hohem Risiko amerikanischer Verluste, sagten Quellen der Washington Post.«
Die FAZ urteilt in ihrer Internetausgabe Faz.net: »Am Ende wird es darauf ankommen, ob eine Formel gefunden wird, die beide Seiten als Erfolg verkaufen können. Donald Trump hat sich öffentlich nicht festgelegt, was seine Anforderungen an einen ›Deal‹ wären, weshalb alles möglich erscheint. Als denkbar gilt ein Rahmenabkommen, das die Aushandlung technischer Details auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.« Teheran habe zudem Trump Geschäftsangebote gemacht.
Die finnische Zeitung Helsingin Sanomat schreibt: »Ganz offensichtlich hat US-Präsident Trump keinen Plan für sein weiteres Vorgehen gegenüber dem Iran, und trotzdem bereitet er Angriffe auf das iranische Atom- und Raketenprogramm vor. (…) Der Druck zeigt Wirkung, allerdings nicht in die gewünschte Richtung. Für das iranische Regime ist ein Krieg womöglich ein geringeres Übel als der Verlust von Macht und Einfluss.«
Milliyet aus der Türkei meint, die Gespräche am Donnerstag in Genf seien zwar entscheidend: »Es stimmt jedoch auch, dass die Vereinigten Staaten den Iran in der Vergangenheit angegriffen haben, während die Verhandlungen noch liefen. Wenn Trump bisher also keinen Angriff auf den Iran angeordnet hat, dann gibt es offensichtlich andere Vorbehalte und Berechnungen.«
Die arabische Zeitung Al Kuds Al-Araby aus London warnt: »Die Erfahrung zeigt, dass ein Angriff auf die Infrastruktur die Ideologie des Regimes in Teheran nicht zwangsläufig untergräbt. Im Gegenteil, er kann ihr vielmehr neuen Schwung verschaffen. Zudem kann niemand garantieren, dass die Konfrontation begrenzt bleibt. Denn die Spirale möglicher Vergeltungsmaßnahmen ist schlichtweg unbeherrschbar.« (as)
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