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Aus: Ausgabe vom 21.02.2026, Seite 5 / Inland
Deutsche Außenhandel

Trump befördert Comeback Chinas

Volksrepublik ist wieder Nummer eins der deutschen Exportpartner. Zollkrieg sorgt für Einbruch des Handels mit USA, insbesondere Autos und Maschinen betroffen
Von Jörg Kronauer
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Tiefer Wandel hinter scheinbarer Rückkehr zum Normalzustand des vergangenen Jahrzehnts (Blick auf Shanghai)

China ist zurück: Die Volksrepublik war im vergangenen Jahr – wie schon von 2016 bis 2023 – wieder Deutschlands größter Handelspartner gewesen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Mit einem Handelsvolumen von 251,8 Milliarden Euro lag das Land auf der Rangliste des deutschen Außenhandels vor den USA, die 2024 auf Platz eins aufgestiegen waren. Diesen konnten sie aber nicht halten; 2025 lagen sie mit einem Handelsvolumen von 240,5 Milliarden Euro wieder nur auf Platz zwei. Alles wie früher also? Weit gefehlt. Hinter der scheinbaren Rückkehr zum Normalzustand des vergangenen Jahrzehnts verbirgt sich vielmehr ein tiefer Wandel. Um ihn zu erkennen, muss man die dürren Details der trockenen Statistik heranziehen. Doch die Mühe lohnt.

Dass Deutschlands Handel mit China wieder größer ist als derjenige mit den USA, ist vor allem eine Folge der Trumpschen Zölle: Der Export in die Vereinigten Staaten brach um fast ein Zehntel ein. Für die deutsche Exportindustrie, deren – immer noch – größter Absatzmarkt die Vereinigten Staaten sind, wiegt das schwer. Besonders gravierend ist, dass die Ausfuhr von Autos und Autoteilen in die USA um sogar 17,8 Prozent schrumpfte. Das Land war 2024 wichtigster Zielmarkt für deutsche Kfz-Fabriken. Nahezu ein Siebtel von deren Export ging dorthin. Ersatzmärkte müssen dringend her, soll der Autostandort Deutschland nicht vollends kollabieren. Dass die Bundesregierung die Freihandelsabkommen mit dem Mercosur und mit Indien mit aller Gewalt durchgepeitscht hat, hat auch darin seinen Grund. Nebenbei – auch der Maschinenbau, die deutsche Paradebranche Nummer zwei, verlor ein Zehntel seiner Ausfuhren in die USA.

China bietet diesbezüglich keine Hoffnung. Vieles, was die Volksrepublik einst teuer in Deutschland kaufen musste – Autos und Maschinen etwa –, stellt sie inzwischen selbst her. Nicht nur, dass deshalb die deutsche Ausfuhr nach China seit Jahren sinkt, im vergangenen Jahr sogar um fast zehn Prozent. Die Volksrepublik exportiert beispielsweise auch immer mehr Maschinen in die Bundesrepublik – 2025 11,6 Prozent mehr als 2024. Chinas starker Export sorgt zwar dafür, dass der deutsch-chinesische Handel insgesamt wächst. Er führt jedoch auch dazu, dass die deutsche Industrie auf ihrem Heimatmarkt zunehmend unter Druck gerät, und das nicht zuletzt in ihren zwei stärksten Branchen (Maschinenbau, bald wohl auch Kfz). Dass die USA sich mit Zöllen gegen alle abschotten, macht die Lage nicht besser: China, aber auch andere Länder, deren Ausfuhr in die Vereinigten Staaten sinkt, suchen ihre Waren nun anderswo loszuschlagen – auch in der Bundesrepublik.

Und natürlich nicht nur dort. Der deutschen Industrie ist es im vergangenen Jahr zwar gelungen, die Einbrüche im China- und im USA-Export durch Ausfuhren in andere Länder einigermaßen auszugleichen: Nach leichten Rückgängen in den beiden Vorjahren stieg die Gesamtausfuhr 2025 immerhin wieder um 0,9 Prozent. Mehr war allerdings nicht drin. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die chinesische Konkurrenz nicht nur in der Volksrepublik selbst stark ist und in steigendem Ausmaß nach Deutschland drängt. Sie rivalisiert auch auf Drittmärkten, insbesondere in Asien, in Afrika und in Lateinamerika, mit der deutschen Industrie – zu Lasten des deutschen Exports.

Dass das traditionelle deutsche Exportmodell an seine Grenzen stößt, darauf weist nicht zuletzt eine Zahl hin, die das Statistische Bundesamt am Freitag ebenfalls vorlegte. Demnach ist der deutsche Handelsüberschuss, der jährlich immense Summen in die Bundesrepublik spült, im vergangenen Jahr erstmals klar gesunken: um ein Sechstel auf 200 Milliarden Euro. Das ist immer noch eine überaus beachtliche Summe. Doch womöglich ist da ein Wendepunkt erreicht. Dass die traditionelle deutsche Exportdominanz auf Dauer gehalten werden kann, darf man bezweifeln. Die Bundesregierung könnte natürlich versuchen, was sie China regelmäßig predigt: statt des Exports den Inlandskonsum stärker zu fördern. Berlin aber setzt, wie man weiß, statt dessen auf Kriegswirtschaft: auf Rüstung hoch zwei.

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