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Aus: Ausgabe vom 21.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Handelspolitik

Zölle mit Bumerangeffekt

Die Kieler Analyse zeigt, wie Strafabgaben Handelsvolumen drücken und die Belastung auf US-Verbraucher zurückfällt
Von Burkhard Ilschner
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Das IFW Kiel hat von Januar 2024 bis November 2025 US-Importe im Wert von fast vier Billionen US-Dollar untersucht

Ohne Umschweife: »Die Zölle sind ein Eigentor«, urteilt Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IFW Kiel), und wählte bei der Präsentation einer neuen Studie am Montag ungewöhnlich deutliche Worte.

Gemeint sind die sogenannten »Grönlandzölle«, die US-Präsident Donald Trump am Wochenende den acht europäischen Ländern ab 1. Februar angedroht hatte, die es bislang wagen, seine geplante Okkupation der arktischen Insel zu kritisieren. Anfänglich sollen Aufschläge von zehn Prozent – zusätzlich zu den bereits geltenden 15-Prozent-Abgaben – erhoben werden, so lange, bis die Europäer aufhören, sich seinen Grönlandplänen zu widersetzen.

Eigentor? – Hinz sieht vor allem die US-Bürger geschädigt: Das IFW Kiel hat im Zeitraum zwischen Januar 2024 und November 2025 US-Importe mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar untersucht. Frappierendes Ergebnis: Die US-Importeure und vor allem die Verbraucher im MAGA-Land tragen nahezu die gesamten Kosten der bisherigen Trump’schen »Straf«-Zölle – bis zu 96 Prozent. Nur rund vier Prozent hätten jeweils beteiligte ausländische Exporteure zu tragen.

»Entgegen der Rhetorik der US-Regierung«, bilanzieren die Kieler Forscher, »bleiben die Kosten der US-Strafzölle nicht an Exporteuren im Ausland hängen, sondern treffen die amerikanische Wirtschaft selbst«. Und weiter: »Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos«, geißeln sie süffisant die Vorgehensweise des US-Präsidenten. Tatsächlich zeigten die Daten das genaue Gegenteil: »Die Zölle wirken wie eine Konsumsteuer auf importierte Waren«. In den Verbrauchermärkten der USA stiegen so nicht nur die Preise, sondern es sänken zugleich auch Vielfalt und Volumen der verfügbaren Güter.

Untersucht wurden unter anderem US-Zollerhöhungen gegen Brasilien und Indien im August 2025: Für Brasilien stiegen die Zölle auf 50 Prozent, für Indien von 25 auf 50 Prozent. In beiden Fällen seien die Handelsvolumina eingebrochen, Exporteure hätten ihre Preise im Geschäft mit den USA gehalten und zum Ausgleich ihre Lieferungen reduziert – indische Exporte in die USA etwa in Wert und Menge um bis zu 24 Prozent, bei unveränderten Stückpreisen: »Sie lieferten weniger, nicht billiger.« Auch chinesische Exporteure hätten ihre Dollarpreise nicht gesenkt, um ihren Marktanteil zu behaupten. Statt dessen seien weniger chinesische Waren in die USA gelangt, »aber die Waren, die dorthin gelangten, wurden nicht rabattiert«. Gerade der Handelsstreit der USA mit China hatte turbulente Formen angenommen – neben Zöllen gab es auch hohe Hafengebühren und in der Folge Fahrplanchaos sowie deutlich sinkende Transportvolumina und damit einbrechende Hafenumschläge, etwa in Long Beach. Seit Oktober allerdings sind die Hafengebühren für zunächst ein Jahr ausgesetzt.

Nicht nur in bilateralen Handelsbeziehungen der USA mit einzelnen Staaten, sondern auch im globalen Maßstab hätte die Zollpolitik Trumps einschneidende Folgen, so die Kieler Analyse weiter. Neben höheren Verbraucherpreisen in den USA bewirken solche Strafzölle auch eine eklatante Verschiebung: Exportierende Länder mit Fokus auf die USA verkauften weniger, stünden aber in der Folge im eigenen Interesse unter dem Druck, zügig und reichlich neue Exportmärkte zu finden. Andererseits stellt der Infodienst Splash 247 (Singapur) fest, die transatlantischen Containerimporte aus Nordeuropa in die USA hätten zwar 2025 noch um 5,9 Prozent zugenommen, aber seit Dezember verlangsame sich das Wachstum und könne durch neue Zölle weiter beeinträchtigt werden.

Damit aber nicht genug: Während Trump mit seiner Zollpolitik propagandistisch auf all die anderen eindrischt, die seinem Zickzackkurs nicht folgen wollen, schröpft er die eigene MAGA-Gefolgschaft über Gebühr, um seine krude Politik zu eigenen Gunsten zu finanzieren. Im Jahre 2025, so die Kieler Forscher, seien die US-Zolleinnahmen um etwa 200 Milliarden US-Dollar gestiegen; das seien Steuereinnahmen, die fast ausschließlich von US-Amerikanern bezahlt würden.

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