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Gustavs Empfehlungen

Von Pierre Deason-Tomory
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Dubioza Kolektiv im Oktober 2025 in London

Die Wiener Musikszene kämpft für ihr Freies Radio. 32 hiesige Künstler und Formationen haben ein Benefizalbum aufgenommen, mit dem sie zur Rettung von Orange 94.0 beitragen wollen. Das Community-Radio ist in seiner Existenz gefährdet, nachdem die Stadt Wien kurzfristig ihre Zuschüsse für 2026 stark gekürzt und für die Zukunft ganz in Frage gestellt hat. Der Sampler »Save Radio Orange 94.0« kann im Onlineplattenladen Bandcamp heruntergeladen werden, über den Preis entscheidet der Käufer, der Erlös kommt dem Sender zugute. Man muss die Katze nicht im Sack kaufen, die 32 Tracks werden am Donnerstag um 19 Uhr im Orange-Programm vorgestellt.

»Die Acts beamen bombastischen Bums inne Box«, versichert Radiokolumnenpraktikant Gustav mit der Hupe ungeachtet der Tatsache, dass er noch keine der 32 Nummern gehört hat. Gustav empfiehlt besonders die Beiträge von ptr lzrs, SYA-SYB X Tamborjungle und Vereter & Die Woarmen Semmeln (»Schießbudengsicht«). Wegen der Bandnamen. Am besten aber – »wegen die Mässitsch« – gefällt ihm der Track der Sängerin Enesi M. »Hot Girls Hate War«. Sollten Sie, geneigter Leser, zu der Sorte Mensch gehören, die Musik am liebsten hat, wenn sie ausgemacht wird, dann überweisen Sie einfach so Ihren Obolus. Dann singt auch keiner.

Zu den Programmvorschlägen: Redakteure von »Ground Zero« sind noch vor der Invasion der Halsabschneider in die syrischen Kurdengebiete gefahren, um von der Frauenpower in Rojava zu berichten; »Hoffnung ist unsere Rache« heißt es in der ersten von sechs Reportagen (Di., 14 Uhr, Radio Corax). Die Kollegen von »Radio Nordpol« waren an der polnisch-belarussischen Grenze und berichten über die »Grupa granica«, die hier Flüchtlinge unterstützt (Mi., 20 Uhr, FSK).

Zu dessen Hundertstem überträgt Ö 1 live das »Geburtstagskonzert für György Kurtág«, aufgeführt wird im Budapester Circus Orbánus Klaviermusik von Kurtág und Jóhánn Sébástián Bách (Do., 9.30 Uhr). Babette Michel hat beim Rudolstadt-Festival im vorigen Sommer das trinationale »Dubioza Kolektiv« aus Sarajevo aufgenommen, das balkanesisch gegen den Nationalwahn anspielt (Fr., 21.05 Uhr, DLF). Arnulf Rating ruft zum »22. Politischen Aschermittwoch Berlin« in die UdK, antreten werden Abdul Kader Chahin, Frank Lüdecke, Anna Mateur, Mathias Richling, René Sysow und Die Gabys (Fr., 22.03 Uhr, SWR Kultur, Sa., 15.04 Uhr, WDR 5).

Am Samstag stellt Ö 1 die Nominierten für »Die besten Hörspiele des Jahres« vor (14 Uhr), später bringt NDR Kultur ein sehr persönliches Stück von Georges Simenon, den »Brief an meine Mutter« (NDR 2019, 18.05 Uhr), und am Abend schalten sich die Kulturradios für Donizettis »L’elisir d’amore« zusammen, aufgeführt im Dezember im Gran Teatre del Liceu in Barcelona (19.05 Uhr, DLF Kultur, 20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3). Der Deutschlandfunk annonciert die Ursendung von Ursula Krechels Hörspiel »Die wirkliche Lämmchenhaftigkeit« (DLF 2026, Sa., 20.05 Uhr, DLF; So., 18.30 Uhr, DLF Kultur).

Der bereits genannte Komponist György Kurtág hat auch als Aphoristiker geglänzt, in seinem Stück »Botschaften, Zeichen, Fragmente« erzählt jW-Feuilletonist Florian Neuner von Kurtágs Affären mit der Literatur (So., 0.05 Uhr, DLF Kultur). Sonst schlagen junge Leser im »Mikado-Bücherwurm« wieder Kinderliteratur vor (So., 7.05 Uhr, NDR Kultur), und Radio 3 unterhält mit der Vertonung des Zonenromans »Öl und Bienen« von Torsten Schulz (RBB 2023, So., 16.05 Uhr, Mo., 19.05 Uhr).

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