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Aus: Ausgabe vom 17.02.2026, Seite 10 / Feuilleton

Karneval (1)

Ein Pappmaché-Putin spießt einen Hoppeditz, die Symbolfigur des Düsseldorfer Karnevals, mit einem Schwert auf. Der Narr schlägt mit einer Klatsche zurück. Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly hat seine eigene Verfolgung durch die russische Justiz in Form eines Motivwagens für den Düsseldorfer Rosenmontagszug thematisiert. »Es ist ein Duell mit sehr ungleichen Waffen. Auf der einen Seite die Waffen des russischen Staates, die recht scharf sind. Und dann eben unsere Waffe, das ist einfach nur die Satire«, sagte Tilly am Montag gegenüber dpa.

Wegen früherer Darstellungen des russischen Präsidenten wird Tilly seit einigen Monaten in Moskau gerichtlich verfolgt. Der Bildhauer muss sich in Abwesenheit wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten. Politisch scharfsinnig oder auch nur geschmackvoll war seine Satire dabei nicht immer: Im vergangenen Jahr war Putin beim Düsseldorfer Umzug zu sehen, wie er mit US-Präsident Donald Trump sinnigerweise den »Hitler-Stalin-Pakt 2.0« schloss und die Ukraine zerquetschte.

Auch in Mainz und in Köln, auf Deutschlands größtem Rosenmontagszug, gingen Karnevalisten auf die Straßen. In beiden Städten waren keine »Putin-Wagen« geplant. Das Festkomitee Kölner Karneval teilte am Morgen aber mit, der Wagen von Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn werde den kölschen Spruch »Mer all sin Tilly« (Wir alle sind Tilly) tragen. (dpa/jW)

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