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Aus: Ausgabe vom 03.02.2026, Seite 1 / Ansichten

Insel des Widerstands

US-Ölblockade gegen Kuba
Von Nick Brauns
APTOPIX Cuba Daily Life.jpg
Den Wogen trotzen (Havanna, 1.2.2026)

Als die USA vor einem Monat Venezuela überfielen und dessen Präsidenten Nicolás Maduro kidnappten, richtete sich dieser Schlag zugleich gegen Kuba, das seinen wichtigsten Öllieferanten verlor. Offen hat US-Präsident Donald Trump den Sturz der sozialistischen Regierung in Havanna zum Ziel erklärt – durch eine abermalige Verschärfung der Wirtschaftsblockade. Ein am Donnerstag von Trump unterzeichnetes Dekret ermöglicht zusätzliche Zölle für Einfuhren aus Staaten, die »direkt oder indirekt Erdöl an Kuba verkaufen oder liefern«.

Diese Drohung richtete sich etwa gegen Mexiko als nunmehr größten Öllieferanten Kubas. Der wichtigste Handelspartner der USA ist zwar extrem abhängig vom US-Markt, eine Abhängigkeit besteht aber auch umgekehrt bei Lieferketten – etwa in der Automobilindustrie. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat vorerst die Lieferung eines neuen Hilfspakets für Kuba angekündigt und deutlich gemacht, alles, was mit der Lieferung von Öl zu tun hat, werde auf diplomatischem Wege geklärt. Sheinbaum dürfte bewusst sein, dass ein Einknicken vor dem Diktat aus Washington bedeuten würde, einen neokolonialen Status auch für das eigene Land zu akzeptieren.

Trump behauptet, seine Regierung verhandele bereits mit »höchsten Vertretern« in Havanna über ein Abkommen. Unklar ist allerdings, worüber überhaupt verhandelt werden kann. Anders als im Falle des von einer US-Kriegsflotte bedrohten Iran, mit dem Trump einen »Deal« bezüglich der iranischen Atom- und Raketenprogramme erzwingen will, stehen im Falle Kubas keine konkreten verhandelbaren Forderungen im Raum.

Wenn Trump Kuba zur »außerordentlichen Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA« erklärt, dann ist es die Existenz der sozialistischen Republik an sich, an der er sich stört. Denn wie könnte Washington ernsthaft an einen dort offenbar für unausweichlich gehaltenen großen Krieg mit dem strategischen Rivalen China denken, wenn es in sechs Jahrzehnten nicht gelungen ist, eine kleine rebellische Insel vor der eigenen Haustür in die Knie zu zwingen?

Das kubanische Volk verteidigt daher heute wesentlich mehr als seine Würde und seine sozialistischen Errungenschaften. Dafür gebührt ihm jede Solidarität.

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  • Leserbrief von Hans-Hermann Diestel (3. Februar 2026 um 11:53 Uhr)
    Solidarität war ein Wesensmerkmal der Rostocker Seeleute während der Existenz ihrer Reederei Deutsche Seereederei Rostock (1952–1990). Von den Besatzungen der Schiffe wurden beachtliche Beträge für das kämpfende Vietnam gespendet. Nach dem Sieg Vietnams rückte Kuba immer mehr in den Fokus der früheren Seeleute. Das hat sich bis heute nicht geändert. Meine Reisen mit der »Heinrich Heine«, der »Freundschaft«, der »Quedlinburg« und der »Schwerin« nach Kuba habe ich nicht vergessen. In keinem der angelaufenen Länder war ich den Menschen so nah. Ungeachtet ihres bescheidenen Lebensstandards waren sie einzigartige Gastgeber. Das haben wir vor allem in Tanamo und Casilda gemerkt. Die »Schwerin« war 439 Tage in Havanna. So viele Tage hat sie nicht einmal in ihrem Heimathafen Rostock verbracht. Wir haben nicht nur die Gastfreundschaft der Kubaner genossen, wir haben ihnen auch im Rahmen unserer Möglichkeiten geholfen. Zum Ende des letzten Jahres, als die Nachrichten zu Kuba immer bedenklicher wurden, machte ich mir Gedanken darüber, wie ich helfen kann. Ich habe mich für KarEn (Verein zur Förderung alternativer Energien in der Karibik e. V./IBAN DE 90 4306 0967 1195 4627 00) entschieden und 100 Euro gespendet. Das habe ich meinen Freunden und Mitkämpfern mit folgenden Worten mitgeteilt: »Die Kubaner haben es verdient, dass sich die Gerechten und Hilfreichen aufraffen, und ihnen in dieser unglaublich schwierigen Situation helfen. Denkt an das wunderbare Lied Guantanamera: ›Mit den Ärmsten der Erde / will ich mein Glück machen. / Der Bach des Gebirges / erfreut mich mehr als das Meer. / Rafft euch auf, bevor es zu spät ist.‹ Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Solidarität mit Kuba nicht verstärkt, werden sich die Kubaner entscheiden müssen, ob sie Che Guevaras Losung Patria o muerte folgen. Ich wünsche den Kubanern von ganzem Herzen, dass sie ihren Weg friedlich weitergehen können.« Ein ehemaliger Typ-IV-Fahrer, der mit der »Freundschaft« in Kuba war, schrieb mir: »Als mein jüngerer Bruder noch lebte, wollte er nach der Wende keine Geschenke, sondern wünschte sich, dass seine Geschwister für Kuba unter dem Motto ›Milch für Cuba‹ (von der jungen Welt initiiert) spenden.« Weitere Informationen waren: Beim Verein »DSR-Seeleute« wurde für die kubanische Band Saocco gespendet und noch einmal extra, als die Sängerin verstarb. Beim Klönsnack in Berlin wurde mehrfach für Kuba gespendet. Ein Mitglied hatte eine Lehrerin in Kuba kennengelernt, die zweimal Gast beim Klönsnack war.« Ein Schiffsingenieur schrieb an den Verein Seeleute Rostock: »Solidarität mit Kuba und den Kubanern ist für mich eine Herzenssache.« Deshalb habe ich an diversen Projekten mitgearbeitet – sozusagen als ›Brigadist‹. Jeweils im März 1997, 2003 und zuletzt 2026 als Vereinsmitglied der Freundschaftsgesellschaft Berlin-Kuba (FBK).« Der Verein »Seeleute Rostock« hat seine Mitglieder mit einem Aufruf auf der Webseite des Vereins aufgerufen, für Kuba zu spenden. Der Vorsitzende teilte mir mit, dass sie 615 Euro gesammelt haben, die an KarEn überwiesen werden.
  • Leserbrief von Mueller aus Rudolstadt (2. Februar 2026 um 22:30 Uhr)
    Es ist schon lächerlich, wenn sich der Riesenstaat USA mit 380 Millionen Einwohnern und seiner Macht vor den »Zwergstaat« Kuba so fürchtet. Dagegen sollen die 11 Millionen Kubaner der US-Administration Angst und Schrecken einjagen. Welcher normale Mensch kann das nachvollziehen? Schande für Präsident Trump und seinen kubanischstämmigen Außenminister Marco Rubio Thomas
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (2. Februar 2026 um 18:41 Uhr)
    Welche Möglichkeiten der praktischen Solidarität hat unsereins? Wie es mit Geldtransfer aussehen kann, konnte man in diesem Blatt nachlesen. Geldscheine sind auch nicht sehr energiehaltig.
    • Leserbrief von Joachim Seider aus Berlin (3. Februar 2026 um 10:49 Uhr)
      Wie immer bringt Heinrich H. die Sache auf den Punkt: Was wollen wir tun, statt nur zu schimpfen?

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