Gegründet 1947 Freitag, 16. Januar 2026, Nr. 13
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.01.2026, Seite 15 / Feminismus
Krieg gegen Palästinenserinnen

Israel erstickt Leben im Keim

Von David Siegmund-Schultze
imago831226959.jpg
Schwanger und durch einen Bombenangriff verletzt: Mona Kahil kämpfte ums Überleben (19.8.2025)

Keine ausreichende Ernährung, kein Zugang zu medizinischer Versorgung, keine Babymilch. Und dann noch Vertreibungen und die ständige Angst, von einer Bombe getötet zu werden. Israels Armee hat den Gazastreifen zu einem Ort gemacht, an dem zu leben nahezu unmöglich ist – das trifft in besonderem Maße schwangere und stillende Frauen sowie Neugeborene. Zwei am Mittwoch veröffentlichte Untersuchungen kommen zum Schluss, dass die Regierung in Tel Aviv durch das Einsetzen von Hunger als Kriegswaffe und die systematische Zerstörung des Gesundheitssystems ganz explizit schwangere und gebärende Palästinenserinnen angegriffen hat.

»Wir wurden immer wieder vertrieben, so dass es unmöglich war, (…) die Entwicklung, den Puls oder den allgemeinen Gesundheitszustand des Fötus zu überwachen«, wird eine Mutter aus Beit Lahija im Bericht der Ärzteorganisation »Physicians for Human Rights Israel« (PHRI) zitiert. »Wir hatten ständig Angst, dass uns oder dem Fötus etwas zustoßen könnte, vor allem, weil wir so lange weit entfernt von einem Krankenhaus waren.« PHRI hat im Februar 2025 ausführliche Interviews mit 21 schwangeren und stillenden Frauen im Gazastreifen geführt. Das Ergebnis: Fast alle hatten Probleme, ihre Kinder zu ernähren und verzichteten daher auf Mahlzeiten. 13 von ihnen hatten erhebliche Schwierigkeiten zu stillen.

»Physicians for Human Rights«, die Dachorganisation von PHRI, hat zusammen mit der »Global Human Rights Clinic« an der Universität Chicago Gespräche mit 78 Personen geführt, die als ausländisches medizinisches Fachpersonal in Gaza tätig waren und zahlreiche Berichte von UN-Organisationen ausgewertet. »Es lag ein giftiger Geruch in der Luft, alles war verbrannt und verkohlt, Medikamentenfläschchen knirschten unter unseren Stiefeln«, beschreibt ein Pfleger in dem Report, wie die israelische Armee das Kamal-Adwan-Krankenhaus nach dem Angriff Anfang 2025 hinterlassen hatte. Die Klinik hatte damals eine der wenigen funktionierenden Neugeborenenintensivstationen im Norden der abgeriegelten Enklave. »Wir gingen durch die Station, die zwar nicht verbrannt, aber zerstört war. Inkubatoren waren zerschlagen und lagen verstreut herum.«

Zwischen Mai und Juni 2025 sei die Geburtenrate im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2022 um 41 Prozent gesunken, konstatiert der Bericht aufgrund von Daten der lokalen Gesundheitsbehörde. Sowohl die Zahl der Fehlgeburten, die Müttersterblichkeit, die Säuglingssterblichkeit als auch die Zahl der Frühgeburten sei deutlich gestiegen. Und: Trotz des »Waffenstillstands« vom Oktober habe sich die gesundheitliche Situation für schwangere und stillende Frauen nicht merklich verbessert.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Unbändige Freude: Ankunft freigelassener palästinensischer Gefan...
    14.10.2025

    Symbolfigur nicht dabei

    Israel verweigert Freilassung palästinensischer Ärzte und prominenter Politiker. Feiern für Palästinenser untersagt
  • Laut israelischer Propaganda herrscht in Gaza keinerlei Notsitua...
    29.09.2025

    Appell zum Handeln

    Palästina in 80. UN-Generaldebatte allgegenwärtig. Haager Gruppe mahnt konkrete Schritte zur Beendigung des Genozids in Gaza an
  • Unermessliches Leid: Beerdigung eines Angehörigen auf dem Geländ...
    24.09.2025

    »Weil jemand das sehen muss«

    Hilferuf aus Gaza: Zwei australische Ärztinnen prangern das israelische Dauerbombardement an und dokumentieren Kriegsverbrechen

Mehr aus: Feminismus