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Aus: Ausgabe vom 16.01.2026, Seite 15 / Feminismus
USA

Im Schatten von Rosa

Zum Tod der US-Bürgerrechtlerin Claudette Colvin
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Erst spät fand Claudette Colvin Anerkennung für ihren Widerstand als 15jährige (Montgomery, 26.10.2021)

Sie war jung und offenbar zu »feist« und »unkontrollierbar«, um als Ikone gegen die sogenannte Rassentrennung in Montgomery im US-Bundesstaat Alabama in die Geschichte einzugehen: Mit 15 Jahren – »voller schwarzer Geschichte … die Unterdrückung, die wir durchgemacht haben« – weigerte Claudette Colvin sich am 2. März 1955, neun Monate vor der bekannten US-Bürgerrechtsaktivistin Rosa Parks, ihren Bussitz für eine weiße Passagierin zu räumen. Es sei ihr verfassungsmäßiges Recht, sitzenzubleiben, beharrte Colvin, bis sie von zwei Polizisten abgeführt und ins Gefängnis gesteckt wurde. Nun ist die Vorkämpferin im Alter von 86 Jahren verstorben. Colvin »hinterlässt ein Vermächtnis des Mutes, das dazu beigetragen hat, den Lauf der amerikanischen Geschichte zu verändern«, erklärte ihre Stiftung am Dienstag.

Denn auch wenn sie von der schwarzen Bürgerrechtsvereinigung National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) als zu jung für den schon lange geführten Kampf gegen die rassistische Segregation erachtet und Parks als Anführerin favorisiert wurde, verband beide Respekt und Bewunderung füreinander. Parks machte Colvin zur Sekretärin des Jugendrats und versuchte, sie zur politischen Arbeit zu motivieren, wie es das Portal rosaparksbiography.org festhält.

Ein Jahr nach Colvins Protest reichte sie gemeinsam mit drei weiteren schwarzen Frauen Klage gegen die »Rassentrennung« in den Bussen in Montgomery ein. Die Klage war erfolgreich und hatte Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr in den gesamten USA, darunter in Zügen, Flugzeugen und Taxis.

Als Mythos wird in der Biographie entlarvt, dass Colvin von der Bürgerrechtsbewegung geächtet worden sei, weil sie in jenem Jahr unverheiratet schwanger wurde. Vielmehr seien viele nun noch überzeugter gewesen, »dass sie das Richtige getan hatten, indem sie ihren Fall nicht weiterverfolgten. Mit der Zeit änderten sich die Geschichten, so dass Colvin zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung und ihres Prozesses schwanger gewesen sein soll.« (jW)

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