Der KI-Monarch
Von Luca Schäfer
Eine Inthronisierung Reza Pahlevis werde von Irans Opposition zunehmend als »Übergangslösung« für die Zeit nach der Islamischen Republik gehandelt. Diese Meldung des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Dienstag ist symptomatisch für die Berichterstattung über die in der schiitischen Theokratie Iran stattfindenden Proteste. Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen debattieren in Beiträgen mit nahezu identischen Überschriften eine mögliche Rolle des Sohns des 1979 aus dem Land gejagten Schahs, der selbst schon ein Jahr zuvor im zarten Alter von 17 Jahren in die USA gegangen war. Tenor: Zwar lasse der angebliche Thronfolger die »politische Durchschlagskraft« eines Ajatollah Khomeini vermissen, sagt etwa die Politologin Gilda Sahebi auf Phoenix. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Daniel Gerlach, Chefredakteur der Nahostzeitschrift Zenith, entkräftete allerdings am Montag im ZDF solches Wunschdenken: Pahlevi sei eine »Exilfigur«, die »offensichtlich sehr starke Unterstützung« von Einrichtungen bekomme, »die in sozialen Medien zum Teil auch KI-generierte Posts verbreiten«.
Zusätzlich senden zwei Fernsehanstalten – Manoto und Iran International – promonarchistische Propaganda aus London. Laut Recherchen des Guardian erhielt Iran International große Mengen saudischer Petrodollar. Zudem sind lukrative Werbeverträge mit den Firmen LG und Samsung belegt. Beiden Sendern wird vorgeworfen, mit Beiträgen in den sozialen Netzwerken zu täuschen: Tatsächlich werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Videosequenzen der Proteste mit lautstarken monarchistischen Rufen unterlegt. Auch steht der Exilopposition mit BBC Persia ein aus Rundfunkbeiträgen finanziertes, inhaltlich aber weniger extremes Format offen.
Offenbar gehen Großbritannien und die USA beim Aufbau der iranischen Opposition arbeitsteilig vor. Während London Medien päppelt, beherbergt Washington den ausgebildeten Kampfjetpiloten und studierten Politikwissenschaftler Reza Pahlevi und baut ihn zur Integrationsfigur auf. Auch wenn die herrschenden Klassen noch rhetorisch auf Distanz bleiben – keine Regierung fordert offen seine Rückkehr –, spielt dieser den nützlichen Einpeitscher. Neben einer Übergangsregierung unter seiner Ägide fordert er den Schulterschluss mit den Sicherheitskräften sowie Streikbewegungen in der Industrie.
Pahlevi würde, bekäme er je die Macht, vor allem den iranischen Widerstand zum zügellosen israelischen Expansionismus aufgeben. Das verdeutlicht sein staatsaktähnlicher Besuch in Israel im April 2023. Dort traf er Premierminister Benjamin Netanjahu. Im Juni 2024 soll es zudem zu einem arrangierten Treffen mit dem israelischen Minister für Diasporaangelegenheiten, Amichai Chikli, in den USA gekommen sein. Beziehungen zum US-Kapital unterhält der Schah-Sohn auch familiär. Die Tochter Pahlevis heiratete 2025 den US-Geschäftsmann Bradley Sherman. Er arbeitet als Manager sowohl bei einer auf zivile Drohnennutzung spezialisierten Firma sowie im Bereich E-Tech. Ein wichtiger Fingerzeig auf die Agenda Pahlevis ist auch sein Wohnort. Dieser liegt in unmittelbarer Nähe zur CIA-Zentrale in Langley. Die Folgen dieser Seilschaften sind auch in Deutschland sichtbar. Laut Welt demonstrierten am Wochenende allein in Berlin 1.400 Menschen gegen die Islamische Republik und zeigten dabei gehäuft das Bildnis ihres Idols. In Frankfurt am Main und Hamburg gingen Schah-Anhänger aggressiv mit monarchistischen Löwenfahnen sowie mit Israel- und US-Flaggen auf die Straße.
Mit einer 2025 gestarteten und mittlerweile gescheiterten Kampagne namens »100 Cities« sollte maximaler diplomatischer Druck auf Teheran erzeugt werden. In den »Prinzipien« der Aktion wird das Ziel – neben der Reetablierung der Löwenflagge – unter »Paragraph 1« klar benannt: »Wir fordern den Sturz der Islamischen Republik.« Pikant ist hierbei: Am 16. Februar 2025 kamen in München Dutzende exiliranische Monarchiefreunde persönlich mit Pahlevi zur zentralen Konferenz der englischsprachigen Kampagne zusammen. 2025 trat der Schah-Sohn zudem mit der Idee der Schaffung eines durch Spenden finanzierten »Streikfonds« auf, um die finanzstarke Diaspora abzuschöpfen. Entscheidend ist jedoch, dass promonarchistische Stimmen im Iran selbst fast inexistent sind. Seit Jahren wird Pahlevi höchstens als Provokation gegen die islamistische Regierung ins Feld geführt – aber eine Rückkehr zur monarchistischen Despotie wollen wenige. Noch ist der Boden für eine Pahlevi-Rückkehr also nicht bereitet.
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