U. Enzensberger verstorben
Der Schriftsteller und Journalist Ulrich Enzensberger ist tot. Er starb am Sonntag morgen im Alter von 81 Jahren in seiner Berliner Wohnung, wie jW am Dienstag aus dem Freundeskreis mitgeteilt wurde. Enzensberger gehörte 1967 zu den Mitbegründern der »Kommune I« in Westberlin. Am 2. Dezember 1944 im mittelfränkischen Wassertrüdingen geboren, wuchs Enzensberger als Kind einer Erzieherin und eines Oberpostdirektors auf. Er hatte drei Brüder, den Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, den Anglisten, Übersetzer und Essayisten Christian Enzensberger und den Schriftsetzer Martin Enzensberger, alle bereits verstorben.
In Nürnberg zur Schule gegangen, zog Ulrich Enzensberger nach dem Abitur nach Westberlin, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Als Teil der 1967 gegründeten linksalternativen Wohngemeinschaft »Kommune I« wurde er im selben Jahr wegen des Verdachts verhaftet, das sogenannte Puddingattentat auf US-Vizepräsident Hubert H. Humphrey geplant zu haben. Sein Germanistikstudium beendet Enzensberger schließlich in München, wo er sich der KPD/ML anschloss und zum Umkreis der »Tupamaros München« zählte. Sein Buch »Die Jahre der Kommune I. Berlin 1967–1969« (2004) ist ein Standardwerk zum Thema. In den 90er Jahren half er dem Auschwitz-Überlebenden Otto Rosenberg, dem langjährigen Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, beim Verfassen seiner Erinnerungen »Das Brennglas« (1998). Das Buch ist ein zentraler Text zur Aufarbeitung des Völkermords der Nazis an den Sinti und Roma. Zu Enzensbergers weiteren Werken zählen »Georg Forster. Ein Leben in Scherben« (1996), »Herwegh. Ein Heldenleben« (1999) und »Parasiten. Ein Sachbuch« (2001). Zuletzt litt er an einem schweren Krebsleiden. (jW)
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