Investoren schon da
Von Jörg Kronauer
Steckt eine Clique steinreicher US-Oligarchen hinter dem Plan von US-Präsident Donald Trump, Grönland zu annektieren? Die Frage wird diskutiert, seit die dänische Tageszeitung Politiken Ende November erste Recherchen dazu publizierte. Die Debatte gewinnt nun dank weiterer Nachforschungen mehrerer US-Medien deutlich an Fahrt. Und es zeichnet sich ab: Trump stützt seine wüsten Eroberungspläne nicht auf den Rat etablierter Strategen, sondern auf Einflüsterungen aus seinem Milliardärsumfeld.
Da wäre zunächst Ronald S. Lauder, milliardenschwerer Erbe des Kosmetikkonzerns Estée Lauder. Trump kennt ihn, seit beide in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre die Wharton School of Business der University of Pennsylvania besuchten. Lauder schlug Trump bereits Ende 2018 vor – das hat der damalige Nationale Sicherheitsberater John Bolton inzwischen mehrfach bestätigt –, Grönland zu kaufen. Wozu? Lauder schob später gewöhnlich strategische Interessen vor. »Ich bin Grönlandexperte«, erklärte er etwa im Februar 2025 in der rechten New York Post und prophezeite unter Bezug auf die Eisschmelze im Polarmeer und auf dessen wachsende geostrategische Bedeutung, die Insel sei »Amerikas nächster Grenzraum«. Für Grönland könne er sich einen Status ähnlich demjenigen von Pazifikinseln wie Palau vorstellen, erläuterte er. Palau wird außen- und militärpolitisch von den USA regiert; der Status ist semikolonial.
Wie Lauder 2018 auf Grönland kam und welche Interessen er im Detail verfolgt, ist nicht ganz klar. Recherchen von Politiken haben aber ergeben, dass er inzwischen geschäftlich auf der Insel involviert ist. So hat er sich in die Unternehmen Greenland Water Bank und – dies über die in Delaware registrierte Investorengruppe Greenland Development Partners – in die Greenland Investment Group eingekauft. Die Greenland Water Bank füllt Quellwasser ab und ist wirtschaftlich unbedeutend. Zu ihren Eigentümern gehört allerdings ein Funktionär der Regierungspartei Siumut, der mit Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeld verheiratet ist. Eine Beteiligung an der Firma bringt damit klare Nähe zur Macht. Die Greenland Investment Group wiederum will an Grönlands größtem See Tasersiaq ein Wasserkraftwerk bauen, um damit eine geplante Aluminiumschmelze mit Strom zu versorgen. Beides sind Milliardenprojekte und bringen Investoren eine Menge Geld.
Und das ist nicht alles. Inzwischen richtet sich die Aufmerksamkeit in den USA auch auf Kobold Metals, ein 2018 gestartetes Silicon-Valley-Startup aus Berkeley in Kalifornien, das Rohstoffe fördert und dazu künstliche Intelligenz (KI) einsetzt. Daran sind seit 2019 die Milliardäre Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg beteiligt. 2022 investierte zudem Open-AI-Chef Sam Altman in die Firma. Kobold Metals ist etwa in Sambias »Copperbelt« tätig. Viel wichtiger ist aber, dass das Unternehmen im Sommer 2025 die Rechte zur Erkundung von Lithium- und anderen Lagerstätten in der Demokratischen Republik Kongo erhalten hat. Durchgesetzt wurde das von Trump, der sich zum angeblichen Friedensstifter im Ostkongo stilisierte und im Gegenzug zu seiner Unterstützung für Präsident Félix Tshisekedi Zugriff auf die Rohstoffe des Kongo erhielt. So will er chinesische Unternehmen aus dem Land verdrängen.
Kobold Metals ist auch in Grönland aktiv. Die Firma hat sich schon 2021 einen 51-Prozent-Anteil an dem Projekt Disko-Nuussuaq gesichert, das an der Westküste der Insel nach Kupfer, Kobalt, Nickel und anderen Metallen sucht. Eine Präsenz in Grönland strebt zudem das 2021 gegründete Startup Praxis an, das dort eine Hightech-»Freedom City« errichten will. Es wird unter anderem von Altman und dem ultrarechten Milliardär und Mentor von Vizepräsident J. D. Vance, Peter Thiel, finanziert.
Und nun? Wird Trump seine Annexionspläne realisieren, die selbst hartgesottene Pentagon-Strategen mit entsetztem Kopfschütteln quittieren, die aber die Interessen von US-Oligarchen bedienen? Für diesen Mittwoch ist ein Treffen von Regierungsmitarbeitern Dänemarks, Grönlands und der USA geplant. Teilnehmen sollen nicht zuletzt Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident Vance.
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