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Aus: Ausgabe vom 14.01.2026, Seite 7 / Ausland
Grönland

Investoren schon da

Grönland: Neue Berichte über Einfluss von US-Milliardären auf Donald Trumps Annexionspläne. Es geht um Ressourcen und eine Menge Geld
Von Jörg Kronauer
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Alte Studienfreunde: US-Präsident Donald Trump und Ronald S. Lauder in Mar-a-Lago (Palm Beach, 28.12.2018)

Steckt eine Clique steinreicher US-Oligarchen hinter dem Plan von US-Präsident Donald Trump, Grönland zu annektieren? Die Frage wird diskutiert, seit die dänische Tageszeitung Politiken Ende November erste Recherchen dazu publizierte. Die Debatte gewinnt nun dank weiterer Nachforschungen mehrerer US-Medien deutlich an Fahrt. Und es zeichnet sich ab: Trump stützt seine wüsten Eroberungspläne nicht auf den Rat etablierter Strategen, sondern auf Einflüsterungen aus seinem Milliardärsumfeld.

Da wäre zunächst Ronald S. Lauder, milliardenschwerer Erbe des Kosmetikkonzerns Estée Lauder. Trump kennt ihn, seit beide in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre die Wharton School of Business der University of Pennsylvania besuchten. Lauder schlug Trump bereits Ende 2018 vor – das hat der damalige Nationale Sicherheitsberater John Bolton inzwischen mehrfach bestätigt –, Grönland zu kaufen. Wozu? Lauder schob später gewöhnlich strategische Interessen vor. »Ich bin Grönlandexperte«, erklärte er etwa im Februar 2025 in der rechten New York Post und prophezeite unter Bezug auf die Eisschmelze im Polarmeer und auf dessen wachsende geostrategische Bedeutung, die Insel sei »Amerikas nächster Grenzraum«. Für Grönland könne er sich einen Status ähnlich demjenigen von Pazifikinseln wie Palau vorstellen, erläuterte er. Palau wird außen- und militärpolitisch von den USA regiert; der Status ist semikolonial.

Wie Lauder 2018 auf Grönland kam und welche Interessen er im Detail verfolgt, ist nicht ganz klar. Recherchen von Politiken haben aber ergeben, dass er inzwischen geschäftlich auf der Insel involviert ist. So hat er sich in die Unternehmen Greenland Water Bank und – dies über die in Delaware registrierte Investorengruppe Greenland Development Partners – in die Greenland Investment Group eingekauft. Die Greenland Water Bank füllt Quellwasser ab und ist wirtschaftlich unbedeutend. Zu ihren Eigentümern gehört allerdings ein Funktionär der Regierungspartei Siumut, der mit Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeld verheiratet ist. Eine Beteiligung an der Firma bringt damit klare Nähe zur Macht. Die Greenland Investment Group wiederum will an Grönlands größtem See Tasersiaq ein Wasserkraftwerk bauen, um damit eine geplante Aluminiumschmelze mit Strom zu versorgen. Beides sind Milliardenprojekte und bringen Investoren eine Menge Geld.

Und das ist nicht alles. Inzwischen richtet sich die Aufmerksamkeit in den USA auch auf Kobold Metals, ein 2018 gestartetes Silicon-Valley-Startup aus Berkeley in Kalifornien, das Rohstoffe fördert und dazu künstliche Intelligenz (KI) einsetzt. Daran sind seit 2019 die Milliardäre Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg beteiligt. 2022 investierte zudem Open-AI-Chef Sam Altman in die Firma. Kobold Metals ist etwa in Sambias »Copperbelt« tätig. Viel wichtiger ist aber, dass das Unternehmen im Sommer 2025 die Rechte zur Erkundung von Lithium- und anderen Lagerstätten in der Demokratischen Republik Kongo erhalten hat. Durchgesetzt wurde das von Trump, der sich zum angeblichen Friedensstifter im Ostkongo stilisierte und im Gegenzug zu seiner Unterstützung für Präsident Félix Tshisekedi Zugriff auf die Rohstoffe des Kongo erhielt. So will er chinesische Unternehmen aus dem Land verdrängen.

Kobold Metals ist auch in Grönland aktiv. Die Firma hat sich schon 2021 einen 51-Prozent-Anteil an dem Projekt Disko-Nuussuaq gesichert, das an der Westküste der Insel nach Kupfer, Kobalt, Nickel und anderen Metallen sucht. Eine Präsenz in Grönland strebt zudem das 2021 gegründete Startup Praxis an, das dort eine Hightech-»Freedom City« errichten will. Es wird unter anderem von Altman und dem ultrarechten Milliardär und Mentor von Vizepräsident J. D. Vance, Peter Thiel, finanziert.

Und nun? Wird Trump seine Annexionspläne realisieren, die selbst hartgesottene Pentagon-Strategen mit entsetztem Kopfschütteln quittieren, die aber die Interessen von US-Oligarchen bedienen? Für diesen Mittwoch ist ein Treffen von Regierungsmitarbeitern Dänemarks, Grönlands und der USA geplant. Teilnehmen sollen nicht zuletzt Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident Vance.

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (14. Januar 2026 um 17:22 Uhr)
    Grönland wird schon bald zu einem zweiten »Klondike« werden. Aber im Gegensatz zu dem seinerzeitigen Goldrausch in Alaska, werden die Auswirkungen dieser Naturzerstörungen das gesamte Weltklima massiv beeinträchtigen und damit die Menschheit einen weiteren irreversiblen Schritt Richtung Abgrund führen.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (14. Januar 2026 um 09:32 Uhr)
    Geschichte ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess ohne klaren Anfang und ohne endgültiges Ende. Das hätte selbst Fukuyama wissen müssen. Grenzen waren historisch nie statisch – sie haben sich ständig verschoben, und sie werden sich auch in Zukunft verändern. Wer glaubt, die heutigen Staatsgrenzen seien für die Ewigkeit in Stein gemeißelt, hat aus der Geschichte wenig gelernt oder sie grundlegend missverstanden. Kaum jemand fragt ernsthaft danach, warum Grönland überhaupt zu Dänemark gehört. Historisch mag es erklärbar sein, logisch oder kulturell zwingend ist es jedenfalls nicht. Die Verbindung zwischen Dänemark und Grönland basiert auf kolonialen Strukturen, nicht auf gewachsener kultureller Gemeinsamkeit. Dass ehemalige Kolonien weltweit längst in die Unabhängigkeit entlassen wurden, macht das Festhalten Kopenhagens an einer rein juristischen Konstruktion umso widersprüchlicher. Vor diesem Hintergrund wirkt die moralische Empörung über mögliche Veränderungen der Zugehörigkeit Grönlands wenig überzeugend. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Grenzen sich ändern dürfen, sondern wer über diese Veränderungen entscheidet und aus welchen Interessen heraus. Die USA wollen Grönland – und sie werden es auf kurz oder lang auch bekommen. Nicht aus sentimentalen Gründen, sondern aus geopolitischer Notwendigkeit. Ohne direkten Zugriff auf Grönland können die USA dem russischen Vorsprung bei der wirtschaftlichen und strategischen Erschließung der Arktis kaum etwas entgegensetzen. Rohstoffe, neue Schifffahrtsrouten und militärische Präsenz machen die Region zu einem zentralen Schauplatz der kommenden Jahrzehnte. Auch der Ukraine-Krieg lässt sich in diesem größeren Kontext lesen: als Teil einer Strategie, Russland insgesamt zu schwächen und seinen Einfluss – insbesondere in strategisch relevanten Räumen wie der Arktis – einzudämmen. Grönland ist dabei kein Randthema, sondern ein Schlüsselstein in einem globalen Machtpoker, der längst im Gange ist.
    • Leserbrief von Jürgen Fleißner aus Seeheim - Jugernheim (15. Januar 2026 um 13:00 Uhr)
      Sehr geehrter Herr Hidy, »Auch der Ukrainekrieg lässt sich in diesem größeren Kontext lesen als Teil einer Strategie, Russland insgesamt zu schwächen«. Diese, Ihre, Formulierung lässt den Schluss zu, dass Sie denken, die Ukraine führt einen Krieg gegen Russland. Sie irren. Es ist umgekehrt. Russland führt einen gegen das Völkerrecht verstoßenden Krieg gegen die Ukraine. Mit friedfertigen Grüßen J. Fleißner
      • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (15. Januar 2026 um 14:01 Uhr)
        Sehr geehrter Herr Fleißner, offenbar haben Sie meinen Text missverstanden. Ich habe keineswegs behauptet, die Ukraine führe Krieg gegen Russland. Meine Formulierung zielte darauf ab, den Konflikt in einen größeren geopolitischen Kontext zu stellen: Der Ukraine-Krieg ist auch Teil einer Strategie westlicher Staaten, Russlands Einfluss in entscheidenden Regionen – etwa der Arktis – einzudämmen. Dass dies geschieht, bedeutet nicht, dass die Ukraine selbst eine offensive Rolle gegen Russland spielt. Es beschreibt vielmehr die strategische Dimension, in der die Konfliktparteien agieren, ohne den Aggressor zu verschleiern. Es ist wichtig, zwischen Aggression auf der einen Seite und strategischer Einordnung auf globaler Ebene zu unterscheiden. Wer dies vermischt, verfälscht die Analyse.
        • Leserbrief von Jürgen Fleißner aus Seeheim - Jugernheim (15. Januar 2026 um 17:52 Uhr)
          Herr Hidy. Ich kann Ihrer Logik leider nicht folgen. Sie schreiben: »Der Ukraine-Krieg ist auch ein Teil einer Strategie westlicher Staaten.« Diese Formulierung setzt voraus, dass die westlichen Staaten die Ukraine benutzen, um Russland zu schwächen. Dies bedeutet aber auch, dass die Ukraine den Krieg begonnen haben muss. Die Ukraine aber ist es, die sich im Verteidigungsmodus befindet, ist also die angegriffene Partei in diesem Krieg. MfG J. Fleißner
          • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (16. Januar 2026 um 12:33 Uhr)
            Sehr geehrter Herr Fleißner, Ihr Schluss ist logisch nicht haltbar. Dass ein Krieg Teil einer Strategie Dritter ist, bedeutet nicht, dass diese den Krieg begonnen haben müssen. Die Ukraine ist unstrittig die angegriffene Partei. Zugleich ist es offensichtlich, dass westliche Staaten den russischen Angriffskrieg strategisch nutzen und in ihre geopolitischen Konzepte einordnen. Ursache und strategische Nutzung eines Konflikts sind nicht identisch. Wer beides gleichsetzt, verwechselt Analyse mit Schuldzuweisung – und genau das habe ich ausdrücklich nicht getan.
            • Leserbrief von Jürgen Fleißner aus Seeheim - Jugernheim (20. Januar 2026 um 17:40 Uhr)
              Sehr geehrter Herr Hidy, ich habe nicht behauptet das die westlichen Staaten den Krieg in der Ukraine begonnen haben, sondern das Sie offenbar davon ausgehen das die Ukraine den Krieg angefangen hat. mfg. J. Fleißner

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