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Aus: Ausgabe vom 12.01.2026, Seite 11 / Feuilleton
31. Rosa-Luxemburg-Konferenz

Dann wird der Kaffee eben kalt

Frieden schaffen: Das Kulturprogramm der 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin
Von Hagen Bonn
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Alles geben: G.P.S. aus Berlin

Großartig – pünktlich um 10.30 Uhr zieht ein Flashmob durchs Labyrinth der Wilhelm-Studios in Berlin, verschafft sich tanzend, musizierend Eintritt in den Hauptsaal und entert die Bühne. So begann die 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz am Sonnabend und mit ihr das Kulturprogramm. Es ist ein wahrer Ohrenschmaus: Die Gruppe Kontrast bringt einen tollen Mix aus anatolischem Folk, Rock und Balkanmusik. Die Vielfalt passt zu den acht Bandmitgliedern; sie kommen aus Nürnberg, Frankfurt am Main, Hanau, Köln und London, singen auf deutsch, türkisch, kurdisch, englisch. Die jungen Leute vor der Bühne sind, so schaut es aus, in der Überzahl. Tja. Staffelübergabe? Möglich. Manches bleibt aber auch beim alten. Mit Gina Pietsch zum Beispiel. Als Moderatorin der Konferenz ist die Schauspielerin und Sängerin mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung nicht wegzudenken – dogmatisch mit leichter Hand, ausdrucksstark, souverän.

Kurz vor Mittag. Es wird still im Saal. Wir sollten uns erinnern, und wir erinnern uns gern. »Er fehlt jetzt schon«, sagt Pietsch und meint Rolf Becker. Becker war am 12. Dezember im Alter von 90 Jahren verstorben. Im April 2025 war dem Schauspieler, Internationalisten und Gewerkschafter im Berliner Kino Babylon der Rosa-Luxemburg-Preis der jungen Welt und der Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus verliehen worden – für sein Lebenswerk, das sich nicht zuletzt durch konsequentes politisches Auftreten ausgezeichnet hatte.

Früher Nachmittag. Der Frieden – Kernthema der RLK, na klar – steht am Abgrund. Mindestens. Wir müssen uns diesem Abgrund stellen, das nimmt uns niemand ab. Am besten tun wir es laut, voller Energie, etwas Kreativität kann auch nicht schaden. Womit wir bei G.P.S. wären, einer Berliner Garage-Rock-Band. Musikalisch ist das schnell (erzählt), man kann auch Punk dazu sagen. Halbstündige Einlage voll auf die Ohren, die ihren Spaß haben. Frisch und wild abgeliefert.

Danach ein medialer Wechsel. Ein Ausschnitt des Films »Träume und andere Realitäten« rauscht über die Großbildschirme. Es geht um die Geschichte der jungen Welt und des Verlags 8. Mai GmbH. Filmemacherin Clara Erhardt, Mitarbeiterin des Verlags, sagt über Sinn und Form ihres Filmprojektes: »Es ist ein immer drängenderes Thema, linken Medien Sichtbarkeit zu verschaffen.« Kann man wohl sagen.

Zur besten Kaffeezeit Andreas Rebers. Ein geschätzter Wiederholungstäter: Er war im April im Kino Babylon bei der Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises auf der Bühne zu sehen. Rebers, politischer Kabarettist, Musiker, Autor, ach, kürzen wir mal ab: ein guter Typ auf der Rampe. Seine Kunst ist eine scharfzüngige Mischung aus moralischem Elan und sehr bewusster politischer Unkorrektheit. Und wenn er Franz J. Degenhardt singt, begleitet von den Gitarristen André Matov und Samuel Halscheidt, dann wird der Kaffee eben kalt – will man sich ja nicht entgehen lassen.

Etwas später. Hat da jemand Trump gesagt? Sie wissen schon, dieser … Über den fiesen Vogel kann man freilich auch rappen. Eine Frage: Kennen Sie Bmixxke? Dann wird es aber Zeit. Auf der RLK war es so: Elf Rapper stürmen die Bühne, skandieren: »Lass die Finger von Venezuela!« »Hundesohn« wird der übermächtige imperialistische Arsch mit Ohren genannt. Okay, da ginge wohl noch mehr.

Am frühen Abend dann der chilenische Dichter und Liedermacher Nicolás Miquea. Er spielt etwa Sergio Ortegas Hymne »El Pueblo Unido«, berühmtes Lied der Neofolklore-Bewegung Chiles; komponiert wurde es 1973, im letzten Jahr der Regierung Salvador Allendes, kurz vor dem Putsch.

Alles geht zu Ende, auch die 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz. Lamis Ammar beschließt mit ihrem Solostück »Mein bedrohliches Gedicht« den kulturellen Teil. Es geht darin um Dareen Tatour, eine palästinensische Lyrikerin, die von 2015 an über Jahre hinweg von der Regierung Israels juristisch verfolgt, dann inhaftiert wurde. Im Zentrum von Ammars Song steht die autobiographische Aufarbeitung von Tatours Zeit im Gefängnis. Wir hören eine Art szenische Lesung, begleitet von der arabischen Laute, der Oud. Das Stück in arabischer und deutscher Sprache hat immense Ausstrahlung, reicht weit hinaus über die Schrecken, um die es geht. Durch seine Wahrheit, seine Kunst.

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