Venezuela: USA treiben Aneignung von Öl voran
Washington. Bei dem Überfall der USA auf Venezuela sind nach jüngsten Angaben aus Caracas mindestens 100 Menschen getötet worden, darunter Zivilisten. Etwa genauso viele seien bei dem »schrecklichen Angriff« verletzt worden, sagte Innenminister Diosdado Cabello am Mittwoch (Ortszeit). Die Opferzahl könne noch weiter ansteigen. Unter den Getöteten befanden sich auch 32 Kubaner, die unter anderem als Leibwächter für den entführten Präsidenten Nicolás Maduro verantwortlich waren. Der Kommandant der venezolanischen Präsidentengarde, Javier Marcano Tábata, ist mittlerweile entlassen worden.
Während Maduro und seine Frau Cilia Flores weiterhin in New York in Haft gehalten werden, arbeitet die US-Führung weiter daran, sich das Öl des Landes zu sichern. Donald Trump erwarte, dass die Vereinigten Staaten über Jahre hinweg Venezuela führen und die riesigen Ölreserven dort fördern werden, berichtet die New York Times am Donnerstag unter Berufung auf ein Gespräch mit dem Präsidenten. Die venezolanische Führung sei bereit, alles zu geben, was die US-Regierung für notwendig halte, habe er weiter gesagt.
Auf seinem Portal »Truth Social« schrieb er zudem, »dass Venezuela mit dem Geld, das sie durch unseren neuen Öldeal bekommen, nur amerikanische Produkte kaufen wird«. Demnach verpflichte sich Caracas, die USA zu seinem wichtigsten Geschäftspartner zu machen, behauptete Trump. Mit den Öleinnahmen sollen demnach unter anderem US-Agrarprodukte, Medikamente, medizinische Geräte und Ausrüstung zur Verbesserung des venezolanischen Stromnetzes und der Energieanlagen gekauft werden. Als ersten Schritt kündigte Washington eine Lockerung der US-Zwangsmaßnahmen an. Ziel sei es, den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt zu ermöglichen. Venezuelas staatlicher Ölkonzern PDVSA bestätigte Gespräche mit den USA.
Die geschäftsführende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez erklärte hingegen: »Wir haben uns der wirtschaftlichen Aggression nicht gebeugt und werden uns auch keiner anderen Art von Aggression beugen.« Vielmehr strebt die neue Führung in Caracas eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Beziehungen an. »Wir reichen allen Ländern der Welt die Hand, um die Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Handelskooperationen und die Zusammenarbeit im Energiebereich auszubauen«, sagte Rodríguez.
Am Mittwoch hatte US-Außenminister Marco Rubio einen Drei-Phasen-Plan für das von den USA überfallene Venezuela angekündigt. Der erste Schritt sei die Stabilisierung des Landes, darauf folgten eine Phase der Erholung und schließlich des Übergangs. Weiter behauptete der Hardliner mit kubanischen Wurzeln, der Plan werde die USA nichts kosten. (jW)
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Tuane Fernandes/REUTERS08.01.2026Erst Blut, dann Öl
IMAGO/Lobeca08.01.2026Von Schutzbehauptungen nicht überzeugt
Sebastian Barros/ZUMA Press Wire/imago08.01.2026Petros Kampfansage
Mehr aus: Ausland
-
Wie geht es politisch und ökonomisch im Land weiter?
vom 09.01.2026 -
London will Stück vom Kuchen
vom 09.01.2026 -
Kurs auf Kleinkrieg im russischen Hinterland
vom 09.01.2026 -
Israels Besatzung kein Thema
vom 09.01.2026 -
Was hat von der Leyen zu verbergen?
vom 09.01.2026
