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Aus: Ausgabe vom 06.01.2026, Seite 7 / Ausland
Genozid in Gaza

Auf engstem Raum

Genozid in Gaza: Israel treibt Bevölkerung weiter zusammen und weitet militärische Kontrolle aus. Attacken auf Fischer sollen Lebensgrundlage zerstören
Von Jakob Reimann
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Das Aushungern der Palästinenser durch Israel geht trotz angeblicher Waffenruhe weiter (Nuseirat, 5.1.2026)

Israel setzt seinen Krieg gegen die Menschen in Gaza trotz geltender Waffenruhe unvermindert fort und dehnt sein Herrschaftsgebiet in der palästinensischen Enklave weiter aus. Das meldete Al-Dschasira am Montag unter Berufung auf seine Reporter vor Ort. Demnach ziehe das israelische Militär die sogenannte Gelbe Linie immer enger. Die Menschen könnten nicht in ihre Stadtviertel in Gaza-Stadt zurückkehren und lebten »alle auf engstem Raum«. Ihre Zahl habe sich an vielen Orten »nicht nur verdoppelt, sondern verdreifacht«, beschrieb der Reporter Hani Mahmud die Lage.

Zuvor hatten israelische Streitkräfte bei mehreren Angriffen am Sonntag mindestens drei Palästinenser in der südlicher gelegenen Stadt Khan Junis erschossen, wie lokale Gesundheitsbehörden laut Reuters mitteilten. Ein 15jähriger Fischerjunge sei demnach außerhalb der von Israel kontrollierten Gebiete getötet worden. Ein online verbreitetes Video zeigt ein mit zwei Personen besetztes kleines Fischerboot vor der Küste Gazas, in dessen unmittelbarer Nähe über eine Minute lang mehrere Geschosse und Salven niedergehen. Laut dem libanesischen TV-Sender Al-Majadin wurden auch Gebiete östlich von Khan Junis mit Artillerie angegriffen; in Zentralgaza seien mehrere Personen durch israelisches Gewehrfeuer verletzt worden. Seit Beginn der sogenannten Waffenruhe vom 10. Oktober tötete das Militär mindestens 420 Palästinenser, während palästinensische Kämpfer in diesem Zeitraum drei Soldaten töteten. Auch die systematische Zerstörung von Wohngebäuden wird unvermindert fortgesetzt. So berichteten Augenzeugen laut WAFA am Sonntag von Sprengungen und »großflächigen Zerstörungen« von Wohnblocks und weiteren zivilen Gebäuden in Gaza-Stadt, Khan Junis und Rafah.

Mit dem am Sonntag getöteten Fischer stieg die Gesamtzahl der seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2023 in diesem Berufsstand getöteten Palästinenser auf 232, berichtete The New Arab. Durch die »regelmäßigen Angriffe« auf Boote und Anlagen seien 95 Prozent des gesamten Fischereisektors der Enklave zerstört worden, erklärte Zakaria Bakr, der Koordinator des Palästinensischen Fischereikomitees der Union der landwirtschaftlichen Arbeit. Die strengen Zugangsbeschränkungen zum Mittelmeer, die den Fischern in Gaza von israelischen Streitkräften auferlegt wurden, stellten laut Bakr einen Verstoß gegen die Bedingungen des »Waffenstillstandsabkommens« dar. Die »systematischen Angriffe« hätten »verheerende Folgen für die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung« und trügen zu einer »erhöhten Hungergefahr« für die Menschen in Gaza bei, stellte bereits im vergangenen Mai die UNO in einem Bericht fest.

Unterdessen forderte UN-Generalsekretär António Guterres Israel auf, den Lizenzentzug für Dutzende internationale Hilfsorganisationen rückgängig zu machen. Die Maßnahme werde die humanitäre Krise der Palästinenser weiter verschärfen, erklärte Sprecher Stéphane Dujarric. Betroffen von Israels Maßnahme sind 37 Organisationen, unter anderem Ärzte ohne Grenzen, Medico und Oxfam, die ihre Aktivitäten bis März endgültig einstellen müssen. Auch der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, protestierte gegen das drohende Verbot und bezeichnete das Vorgehen der israelischen Regierung als »empörend«. »Dies ist der jüngste Fall einer Reihe von unrechtmäßigen Beschränkungen des humanitären Zugangs«, teilte er in Genf mit. Die Bestimmungen seien vage und öffneten willkürlichen Entscheidungen Tür und Tor, sagte auch Athena Rayburn, Direktorin von Aida, einem Netzwerk aus mehr als 100 Hilfsorganisationen in den besetzten palästinensischen Gebieten, gegenüber dpa. Die Organisationen hätten Überprüfungen der Mitarbeiter durch neutrale Akteure angeboten, aber Israel sei darauf nicht eingegangen.

Dessen Premier Benjamin Netanjahu ist offenbar mit anderen Dingen befasst. Am Sonntag abend stimmte sein sogenanntes Sicherheitskabinett für einen neuen Angriffsplan gegen Iran – »Iron Strike« (Eisenschlag) –, wie das israelische Portal I 24 News meldete. Ohne genauere Details hieß es, dass Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Eyal Zamir zu Militärübungen gebrieft wurden, die Kriegsszenarien gegen die Islamische Republik simulieren.

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